[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 18. März 2009
Die ungeschminkte Wahrheit! (Rio Grande nach Ushuaia, Argentinien)
Am Morgen wurden wir vom Renovierungslärm geweckt und, obwohl die Häuser in Argentinien wieder um einiges besser aussehen und auch zum Teil aus Stein und Holz gebaut sind, sind die Häuser Bruchbuden. Noch nicht fertig mit der Renovierung und das Ding geht hier und da schon wieder kaputt.
Die Küche, und insbesondere der Herd, hatte was von Großmutters Zeiten. Die sehen hier aber alle so aus.
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| The oven looks like it comes from grandmothers days (Rio Grande, Argentina) |
Ich ließ mir erklären, wie man Matetee trinkt, und muss echt gestehen, außer nach viel zu stark geratenem Tee schmeckt er mir gar nicht.
Draußen auf dem Hof wurde gerade ein gemauerter Grill in seine Einzelteile zerlegt und Florian half begeistert mit, die Steine in die Schubkarre zu legen.
Dann ging es für uns auch schon weiter in die nächste Polizeikontrolle. Mensch, was hier kontrolliert wird.
Tolle Frage hier war, wo wir denn hin wollten. Häää? Es gibt nur diese eine Straße und die führt nach Ushuaia, die einzige Stadt genau am Ende dieser Straße. Wirklich viel ist da nicht mehr zwischen. Aber über die argentinische Logik sich einen Kopf zu machen habe ich schon lange aufgegeben.
Der Polizist konnte es einfach nicht glauben, dass ich keine spanischen Vorfahren habe. Spanischer Vorname und dann auch noch in Spanien geboren, dass hat auch schon zur Verwirrung bei der Ankunft in Santiago geführt.
Die Landschaft wurde zunehmend attraktiver. Wir hatten traumhaftes Wetter. Bäume und Wälder tauchten auf und der Himmel leuchtete leicht violett durch die Pflanzen auf dem Boden.
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| The heaven reflects this violet color. (Tierra del Fuego, Argentina) |
Dann kamen wieder Berge und hinter diesen wurde es leider wieder grau und regnerisch. Passend für Ushuaia.
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| The panorama of Ushuaia isn't that bad. (Ushuaia, Argentina) |
Und jetzt mal ganz ehrlich. Ushuaia ist häßlich, belanglos und lebt nur durch seinen Mythos, die südlichste Stadt der Welt zu sein. Objektiv gibt es keinen Grund hier her zu kommen. Nur der Mythos der südlichsten Stadt der Welt, der übrigens auch nicht stimmt. In Puerto Williams (noch eine Insel weiter südlich von Feuerland) leben auch noch Menschen und auf dem Südpol selbst muss es ja auch mittlerweile ganz schön voll sein.
Besonders schön finde ich, dass Ecuador dort wohl auch eine Forschungsstation betreibt und Anspruch auf Teile des Südpols erhebt. Ja, ja, so sind sie, die führenden Forschungsnationen unserer Welt. Schaut man in Argentinien auf eine Karte des Landes und vergleicht sie mit den Karten, die in Chile an der Wand hängen, so wird man feststellen, dass beide Länder das selbe Gebiet in der Antarktis für sich reklamieren. Wie das wohl mit den Stempeln im Pass funktioniert?
Genauso, wie immer mal wieder Schilder in Argentinien stehen, dass die Falklandinseln eigentlich ihnen gehören. Weiter träumen. Ich glaube übrigens nicht, dass in England überall Schilder stehen, dass die Falklandinseln ihnen gehören. Die sind dort im Zweifel allen egal. Und der Klinsch zwischen Chile und Argentinien ist auch mehr als albern. Die geteerte Straße von der Fähre auf Feuerland führt nämlich nur bis Cerro Sombrero, danach hat die Straße für Chile keine Bedeutung mehr, da es ja nur ein Zubringer für die Argentinier ist. Also 100 Kilometer Schotterpiste, auf der sich ein Lastwagen nach dem nächsten quält, bis auf der argentinischen Seite direkt hinter der Grenze die Asphaltstraße wieder anfängt. Und so zanken und schikanieren sie sich gegenseitig an den Grenzen und, und, und. Das haben wir auch mal alle getan, im Sandkasten. Aber ich hoffe, dass wir alle aus diesem Alter raus sind.
Wenn man erzählt, dass man in Ushuaia, am Ende der Welt gewesen ist, sagen alle Oh und Ah. Und wenn man jetzt mal ganz genau auf eine Weltkarte schaut, wird man feststellen, dass Ushuaia soweit südlich ist, wie Kiel nördlich. Der Breitengrad stimmt ungefähr überein. Aber bei Kiel sagt niemand Oh und Ah. Warum nur? Vielleicht, weil die schneebedeckten Berge im Hintergrund fehlen. Oder, weil Flensburg (das Puerto Williams der Nordhalbkugel) noch weiter nördlich liegt? Aber die Berge könnte man doch einfach in die Touribroschüren reinbasteln, wie es auch schon in Asien gerne mal betrieben wurde, was die Landschaftsfotos anging. Das nennt man dann künstlerische Freiheit und es geht ja auch nicht um Wahrheiten beim Tourismus, sondern möglichst die ganzen grässlichen Touristen in Deutschland kräftig zur Kasse zu bitten. Hier gibt es halt überall den südlichsten Mumpitz der Welt.
Das ist dann wohl auch der Grund, warum der Nationalpark hier pro Person 50 Peso (über 10 Euro) kostet und somit fünf mal soviel, wie für Einheimische. Dabei soll der Park ziemlich unspektakulär sein. Zumal man auch überall sonst wandern kann. Aber die wohlbetuchten Südpoltouristen, die hier starten, zahlen wohl alles und somit auch diese alberne Bimmelbahn (El Tren del Fin del Mundo, das ist Spanisch und heißt: Die Bimmelbahn am Arsch der Welt), die damit wirbt, die südlichste Bahn der Welt zu sein. Es ist eine reine Touribahn, die auch extra in den Nationalpark rein fährt, damit man auch ja diese Gebühren auch noch zahlt. Der Schwachsinn hat einen Namen und zwar immer das südlichste Hast-Du-Nicht-Gesehen der Welt.
Und woran merkt man wieder in Argentinien zu sein? Genau, es gibt mal wieder Probleme an der Supermarktkasse (die südlichsten Probleme dieser Art auf der ganzen Welt!!!!).
Die gewählten Produkte hatten erst gar keinen Barcode. Als dann irgend ein Mitarbeiter einen organisiert hatte, stimmte der auftauchende Preis nicht mit dem ausgezeichneten überein und eigentlich wollte man uns das Ganze dann gar nicht mehr verkaufen. Diese südlichsten Argentinier der Welt. Wir warteten und irgendwann bekamen wir die Ravioli (die südlichsten Ravioli der Welt?) dann doch zum ausgezeichneten Preis. Ach ja, und das südlichste Kleingelddrama der Welt ist hier auch wieder da. Och menno, was soll das denn alles hier?
Nachdem wir schon in einer Bäckerei übernachtet haben, liegt der Campingplatz hier jetzt auf einer Skipiste mit Skilift. Auch mal schön.
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| Our camp ground at the ski run. (Ushuaia, Argentina) |
Uns wurde dieser Platz (La Pista del Andino für 18 Peso Erwachsene und 9 Peso Lydia und Josua) von verschiedenen Leuten im Vorfeld empfohlen. Besonders die Bäder sollten so toll sein. Naja, wir hatten schon bessere. Der Platz ist aber sonst echt schön und die Aussicht auf Chile im Süden ist grandios.
Ich leide glaube ich an einem totalen Familien-Burnout. Was gehen mir alle im Moment auf den Sack. Das geht schon morgens los. Ich will doch nur in Ruhe meinen Kaffee trinken motzt Lydia, dass sie nicht für alle Brote schmieren will (wir haben nur ein Messer dabei), kannst du mir die Schuhe zubinden. Vorsicht Messer, nimm das doch mal dem Florian weg, wer hat den Autoschlüssel?, Josua muss aufs Klo (es gibt ja nie Toilettenpapier). Lydia braucht mal wieder Stunden, um ihr eigenes Brot geschmiert zu haben, derweil hat Florian vor Ungeduld alle zusammengeschrien. Vorsicht, der Kaffee ist zu voll, dafür dass der Tisch so wackelt. Nimm dem Kind doch mal die Butter weg. Wo ist der Autoschlüssel, Josua will das Klopapier zurück bringen. Jetzt muss Florian auch noch gewickelt werden. Lydia geh doch mal Haare bürsten. Wer hat den Autoschlüssel? Florian ist damit gerade weggerannt. Der sollte doch gewickelt werden. Jetzt hat ja doch jemand zu stark am Tisch gewackelt. Wo ist den jetzt der Lappen hin. Der war noch im Auto. Wo ist der Autoschlüssel? Ich will aber keine Haare bürsten. Bring doch bitte das Tuch mit. Florian, Finger weg vom Herd. Kann ich raus spielen? Zieh deine Jacke an, die ist im Auto. Wo ist denn schon wieder der Autoschlüssel? Gib mal den Lappen, Florian hat sich die Milch über den Pulli geschüttet. Jetzt ist auch noch Florians Body durch die Windel ganz nass geworden. Kann nicht jemand mal frische Klamotten holen? Ach so ein Mist, es gab ja gar keine Möglichkeiten zu waschen. Dann muss er die dreckigen halt anbehalten. Wie er stinkt. Wann wird das hier wieder besser? Endlich sind alle Kinder gewickelt, gebürstet und gefüttert, nur leider ist der Kaffee jetzt kalt, ich am ende meiner Nerven und der Tag im Arsch.
Ich brauch' mal Urlaub! Mutter-Kind-Kur, nur ohne Kind bitte!
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 19. März 2009
Am südlichsten Arsch der Welt! (Ushuaia, Argentinien)
Was sind hier viele Deutsche im Moment. Eine Gruppe leitender Pfadfinder ist hier unterwegs und ein Pärchen mit einem Kind, die sich seit fünf Monaten mit dem Fahrrad von Santiago hier runter geschlagen haben. Was sind wir doch für Warmduscher, das alles mit dem Auto zu machen. Aber Fahrrad ist echt nicht meins. Vielleicht Mofa das nächste Mal.
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| A littel walk. (Ushuaia, Argentina) |
Wir sind hier heute Richtung Hausgletscher aufgebrochen, da der Trip aber wieder auszuarten drohte, sind wir umgekehrt und haben den moosig, nassen Untergrund genossen. Ansonsten ist das hier alles nicht so spektakulär und wild. Nur halt weit im Süden.
Und wie immer in der dritten Welt gibt es niemals Karten von Touren, wo man nichts zahlen muss, sondern nur für den sauteuren Nationalpark. So kam's dann auch, dass wir etwas suchen mussten, bis wir den richtigen Weg hatten, nur die Lust war dann gewichen nach rund 1 1/2 Stunden nochmal soviel zu laufen nur um zum Gletscher zu kommen.
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| The knew caps. Aren't they nice. (Ushuaia, Argentina) |
Also hieß es heute vor allem Blog und Schule machen. Was für ätzende Arbeiten. Was freue ich mich, wenn wir wieder von unseren Lehrverpflichtungen entbunden werden. Das macht so keinen Spaß. Immer dieser Kampf.
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| Impressions of the environment at the end of world. |
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| Trees are full of it and are looking quite funny. (Ushuaia, Argentina) |
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| More impressions. |
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| ...and more |
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 20. März 2009
Wollt ihr fleißige Arbeiter sehen, müsst ihr nach Rio Grande gehen! (Ushuaia nach Rio Grande, Argentinien)
Die Nacht war grenzwertig kalt. Noch kälter darf es jetzt echt nicht werden.
Am Morgen habe ich mich noch mit der Radlerfamilie unterhalten und man stieß auf totales Unverständnis, warum wir so gestresst seien. Von dem kleinen Einblick in unsere kleine morgendliche Familienidylle mal abgesehen fasse ich mal kurz zusammen.
Wir sind jetzt schon seit neun Monaten mit drei Kindern auf der Welt unterwegs. So toll dieses Projekt und all die zahlreichen Erfahrungen sind, so machen wir hier keinen Urlaub sondern müssen hart arbeiten, um uns alle unter einen Hut zu bekommen. Dazu kommt, dass wir drei Kinder zwischen fast zwei und 11 Jahren haben. Unser Jüngster ist gerade im ätzendsten Kleinkinderalter und Lydia steuert stramm auf die Pubertät zu. Ach ja, und dazwischen haben wir ja noch Josua, unseren Lamentör. Bis der mal was macht, hat er erstmal schon eine halbe Stunde rumgezehtert und lamentiert. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Ich hatte, als ich meine Kinderbestellung aufgegeben habe, höflich, zuvorkommend und pflegeleicht angekreuzt. Die Reklamationsfrist ist aber leider schon abgelaufen.
Weiter geht’s mit unserem Alltagswahn. Wasch' mal für fünf Personen Winterklamotten mit der Hand. Das kostet mich einfach Stunden um Stunden. Dann die logistische Herausforderung für fünf Personen immer genug Essen und Trinken dabei zu haben. Wie easy war das noch als wir nur die Lydia hatten. Jetzt brauchen wir zwischen 500 und 1500 Gramm Brot pro Tag. Das muss regelmäßig besorgt werden. Vor allem macht es bei den Mengen die Vorratshaltung schwierig, da unser Kofferraum auch nur begrenzte Kapazitäten aufweist.
Und dann haben wir das leidliche Thema „Schule“. Was für eine ätzende Angelegenheit, aber das kann man wohl erst nachvollziehen, wenn man selber mal in diese Lage gerät. Ich finde ja schon den normalen Schulalltag zum Teil eine Zumutung, aber wir wussten von all dem auch nichts, bevor Lydia zur Schule kam.
Mit nur einem Kleinkind ist das Leben echt noch langweilig. Wir haben ja nicht nur drei, sondern auch noch dieser riesen Altersunterschied, der manchmal zur Zerreißprobe wird.
Und als aller letzter Punkt kommt noch die Ungewissheit unserer Zukunft hinzu, die allen mal mehr mal weniger zu schaffen macht.
Ich nehme mir das Recht heraus auch mal gestresst zu sein. Ist ja zum Glück kein Dauerzustand. Aber wer behauptet, dass er nicht gelegentlich einen Rappel bekommt und mit dies und jenem überfordert sei, der lügt entweder oder hat noch nie wirkliche Herausforderungen meistern müssen.
Was immer alle, die diesen Blog hier lesen, von uns denken, was für mutige Menschen, großartiges Projekt, weltoffene Einstellung, wir sind auch nur Menschen, werden es auch immer bleiben und schlagen uns mit den ganz normalen Problemen herum, die man halt so mit Kindern im jeweiligen Alter hat. Dafür ist es ganz egal, wo man sich auf der Welt befindet. Es ist immer das selbe.
Was für eine blöde, ernüchternde Erkenntnis. Und ich dachte schon es würde jetzt das Wunder passieren und meine Kinder verwandeln sich in die bestellten Kriterien. Wahrscheinlich sind sie schon näher dran, als sie es je gewesen sind.
Lydia und Josua haben für sich das „Holla“ entdeckt und überall und jeder wird jetzt gegrüßt. Das ist doch schon mal was. Man muss ja auch mal das Positive sehen.
Aber jetzt mal zurück zu Ushuaia. Mein Resümee ist auf jeden Fall positiv. Allein der Trip hierher hat sich so was von gelohnt. Und Ushuaia liegt ja nicht hässlich hier zwischen den Bergen mit Blick auf den Beagle-Kanal und der Isla Navarino. Für mich ist einfach ein Traum in Erfüllung gegangen und ich kann jedem nur empfehlen, das südliche Patagonien zu entdecken, denn es gibt wirklich viel zu entdecken.
Wir hatten uns heut das ambitionierte Ziel gesetzt, bis Rio Gallegos durchzukommen, doch wir merkten schnell, dass es einfach viel zu weit ist. Zumal auch noch zwei Grenzen und eine Fähre dazwischen liegen und das kostet einfach eine Menge Zeit.
Also sind wir durchs spektakuläre Südfeuerland, es ist wirklich spektakulär, nur bis Rio Grande gefahren. Ich mag die Stadt ja nachhaltig, obwohl sie so nichtssagend ist.
Und wie immer gab es beim Einkaufen das wohl bekannte Supermarktheater. In den Carefour kamen wir mal wieder nicht rein wegen unserem Rucksack. Da der auf meinem Rücken bleibt, muss Carefour auf andere zahlungskräftige Kunden warten. Beim Anonima (andere große Supermarktkette) hatten wir zwar keine Probleme mit unserem Rucksack, aber ich bin einfach jedes mal fasziniert von diesem Wechselgelddrama. In den Kasse befindet sich wirklich nichts an Geld. Schon für 50 Peso (bisschen mehr als 10 Euro) muss die Dame mit dem großen Geldbündel kommen, um kleinere Scheine rauszugeben. Von Münzen ganz zu schweigen. Was ist das? Und vor allem, warum ist das?
Wir sind wieder in unsere alte Unterkunft, wo noch fleißig renoviert wurde, und die, wie wir feststellen mussten, eigentlich eine Arbeiterunterkunft ist. Von überall kommen die Menschen hier nach Rio Grande zum arbeiten. Wusste das jemand, dass Rio Grande so ein Magnet für Arbeitssuchende ist? Aus Buenos Aires, Mendoza und sogar aus Brasilien waren hier Männer zum arbeiten, die hier im Guesthouse wohnten.
Mich erstaunt es auch noch im Nachhinein, dass Rio Grande eine unglaublich große Öl- und Gasindustrie besitzt und sogar Phillips produziert hier Fernseher. Ausgerechnet auf Feuerland! Und da sag noch einer, Feuerland sei ein einsames Fleckchen. Industrie ist hier.
Die Jungs im Guesthouse waren auf jeden Fall klasse. Uns wurde jetzt auch endlich klar, warum die Technisierung in Südamerika so rar ist. Als wir unseren Computer auspackten kannte jeder diesen, aber der kostet in Argentinien rund 1000 Euro, in Malaysia waren es nur 200 Euro und in Deutschland haben wir 299 Euro bezahlt, so dass ihn sich hier beim besten willen einfach keiner leisten kann.
Mit Begeisterung bepuzzelten sie Florian und der eine Typ, der seine Freundin dabei hatte, hatte nicht viel zu lachen. Sie kochte gebratene Hühnerbrust und dazu gab es grünen Salat ohne alles. Dafür teilte sie ihm liebevoll die Mayonnaise zu. Und während er auf den trockenen, grünen Blättern rumkaute schaute er mit wässerigen Augen seinem Kollegen zu, der sich fette Burger gegrillt hatte. Mit Unmassen von Mayonnaise, die er sich auf seine Brote schmierte, und fettig triefendes Burgerfleisch, biss er herzhaft ab und mampfte genüsslich sein kalorienreiches Abendbrot.
Dieses Szenario war eine Szene für die Götter.
Ich nutzte die Option auf einen Trockner damit Wäsche zu waschen. Fast drei Stunden war ich beschäftigt, weil einfach so viel sich angestaut hatte.
Die Hausherrin war leider nicht ganz in der Lage, den Trockner richtig zu bedienen, so dass die Wäsche einfach nicht trocken werden wollte. Erst als ich in der Nacht nochmal aufgestanden bin und das Ding richtig eingestellt hatte, wurde das Zeug bis zum Morgen trocken.
Die Hausherrin weckte mich aber vorher sowieso auch nochmal, da wir noch nicht gezahlt hatten und sie jetzt gehen wollte.
In dem Guesthouse trafen wir auch wieder auf Radler. Irgendetwas müssen wir falsch gemacht haben. Mir war so nicht bewusst, dass Südamerika ein Radlerland ist.
Und so wie es in Australien quasi gewöhnlich ist, mit dem Camperbus durchs Land zu reisen, ist es hier das Fahrradfahren, welches so gewöhnlich wirkt, da es jeder tut. Außer uns, wir haben die dekadente Variante gewählt. Und ich stehe dazu. Mit einem lamentierenden Josua auf dem Fahrrad, nee danke. Dann kommen wir ja niemals irgendwo an.
Und was mich wirklich fasziniert hat in Südpatagonien: wir hatten mehr freie Internetzugänge als sonstwo in Südamerika. Wer hätte das erwarten können?
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 21. März 2009
Rekordverdächtig! 94 Stempel an nur einem Tag! (Rio Grande nach Isla Pavon, Argentinien (durch Chile))
Die Strecke zurück zur Fähre war unglaublich anstrengend. Auf dem ungeteerten Stück war soviel Verkehr und es so staubig, dass ich zum Teil nichts mehr sehen konnte und um aus dem Staub raus zu kommen blind die Laster überholt habe, die viel, viel zu schnell sind für diese Strecken.
Und der Argentinien-Chile Klinsch geht weiter. Es wäre ja zu praktisch auf der chilenische Seite zum Beispiel mal Rio Grande oder Rio Gallegos zu schildern, oder auf der argentinischen die Fähre. Nee, nee, statt dessen gibt es maximal das Haus, was noch im eigenen Land liegt, aber bloß nicht die Großstadt direkt hinter der Grenze. So ein albernes Theater.
Die Grenzen hier waren harmlos. In Argentinien ausstempeln unserer fünf Pässe, des Autos und nicht zu vergessen fünf mal Einreisezettel in dreifacher Ausfertigung, die wir bei jeder Einreise ausfüllen müssen. Wobei ein Zettel schon immer bei der Einreise weggenommen wird. Also schon mal 16 Stempeln. In Chile direkt danach wieder einstempeln, fünf Pässe, ein Auto und diesmal die vollen fünf mal Einreisezettel in dreifacher Ausfertigung. Also hier 21 Stempel. Damit sind wir schon mal bei 37 Stempel. An der chilenischen Grenze haben wir noch einfach auf dem Zollformular angekreuzt, dass wir was zu Essen dabei haben, darauf hin kam jemand schauen, nickte unseren Kram ab und wir sind ohne Probleme weiter gekommen.
An diesen Grenzstationen sind immer unglaublich viele Grenzbeamte beschäftigt. Und man fragt sich, während man so auf seine Stempelchen wartet, was um alles in der Welt machen die alle hier? Der eine Beamte saß an einem Tisch und sortierte die Ein- und Ausreisezettelchen. Und ich dachte schon, die gehen einfach in den Müll. Nein, die werden wohl vorher noch sortiert. An einem anderen Tisch saß ein stattlicher älterer Herr in seiner Uniform und zog mit einem Lineal Linien in ein großes Buch mit Schreiblinien, wo allerhand handschriftlich erfasst war. Gibt es denn keine Computer für diese armen Menschen, dann müssten sie keine Linien in Hefte malen.
Am Fähranleger stand die Fähre schon bereit und auf Grund der ruhigen See waren wir diesmal in nur knapp 20 Minuten schon auf der anderen Seite. Es gab diesmal auch keine Wale mehr zu sehen.
Weiter ging's zu den nächsten Grenzübergängen. Hier hieß es ausstempeln Chile. Fünf Pässe, ein Auto und fünfmal Ausreisezettel in zweifacher Ausfertigung, also 16 Stempel. Und dann wieder einstempeln in Argentinien. Fünf Pässe, ein Auto und fünf mal Einreisezettel in dreifacher Ausfertigung, wobei hier jetzt zusätzlich noch ein bisher unbekannter 90-Tage-Stempel für die Dauer der Visa zum Einsatz kam, so dass wir fünf Pässe a zwei Stempel plus fünf mal Einreisezettel in dreifacher Ausfertigung auch nochmal a zwei Stempel bekommen haben.
Also schlappe 41 Stempel. Womit wir insgesamt gerade mal 94 Stempel an einem Tag bekommen haben. Ist das krank, oder total krank?
Als wir nach kilometerlangem Fahren durch absolut platte patagonische Steppe, die so platt ist, dass man die Erdkrümmung sehen kann, endlich nach Rio Gallegos kamen, entschieden wir uns gleich weiter zu fahren. Einfach zu hässlich diese Stadt. Außer tanken und einkaufen haben wir hier nichts gemacht.
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| A little piece of paradise appearing out of nowhere. (Isla Pavon, Argentina) |
Weiter ging es auf der ewig langen und verhältnismäßig vollen Ruta 3 Richtung Norden. Und wie wir so sinnierte, wo man denn am besten das Zelt aufstellen könnten, wir erst nach Santa Cruz abbiegen wollten, uns aber wegen der zusätzlichen 25 Kilometer doch dagegen entschieden und Christian meinte, wir sollten bis zur nächsten Stadt fahren und ich mich bemühte, diese an den endlosen Horizonten ausfindig zu machen, fuhren wir über eine Bergkuppe und vor uns tat sich ein so unerwartetes grünes Flusstal auf, dass wir total sprachlos waren.
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| More paradise. (Isla Pavon, Argentina) |
Der Rio Santa Cruz, gespeist vom Gletscher Perito Moreno, strömte unter uns durch eine grüne Aue und genau dort gab es auch einen Campingplatz (30 Peso für alle zusammen) auf der Isla Pavon bei Piedra Buena, einer kleinen Stadt. Was für ein toller Ort, der sich so plötzlich aus dem Nichts heraus genau zur richtigen Zeit materialisiert hatte.
Mit einem tollen Spielplatz und einem noch tolleren Sonnenuntergang ging unser Stempeltag zu ende.
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| What a light! (Isla Pavon, Argentina) |
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| Such a wunderful sunset. (Isla Pavon, Argentina) |
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| An impression. (Isla Pavon, Argentina) |
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 22. März 2009
Campen an der Flugbahn! (Isla Pavon nach Comodoro Rivadavia, Argentinien)
Diese Landschaft besticht durch ihre Langeweile und durch die unerwartete Topographie, denn plötzlich tauchen Täler auf, so dass man von der Hochebene runterfährt, um auf der anderen Seite wieder hoch zu fahren. Und das Ganze sieht nicht rund und geschmeidig aus, sonder man kommt über eine kleine Kuppe und es geht fast senkrecht runter und so auch wieder rauf.
De facto ist die Ruta 3 viel einsamer als die Ruta 40, wenn man mal vom Lastverkehr absieht, da die Distanzen zwischen Städten und Ansiedlungen viel, viel weiter sind. Auf geteerter Straße kommt man einfach so viel schneller vorwärts. Das dachte sich wohl auch der Gefahrguttransporter und heizt mit schlappen 100 km/h über die viel zu schmale Straße. Was dann wohl auch der Grund ist, warum so viele Laster am Straßenrand stehen und ihre verlorene Ladung wieder einsammeln. Und Spurhaltung ist auch nicht des Argentiniers stärkste Seite. Mensch, was haben wir nicht schon Blut und Wasser geschwitzt, weil diese Idioten immer die Kurven schneiden, bis hin zu Ausweichmanövern über den Schotterrand und das mit fast 120 kein echtes Vergnügen.
Und wodurch besticht die Ruta 3 auch noch? Wie kann es anders sein, durch die Unmassen an Müll, die den Straßenrand säumen. Die Argentinier haben einfach noch einen so weiten Weg zu gehen, bis die mal in der Moderne ankommen werden.
Und während man so dahin fährt und die Kinder beschult, sieht man immer wieder Reiter, die die endlosen Zäune kontrollieren. Was für eine Arbeit, zumal wirklich alles abgezäunt ist. Wild campen kann man im Prinzip nur auf dem schmalen Streifen zwischen Straße und Zaun. Nicht wirklich romantisch.
In San Juan sind wir raus gefahren, in der Hoffnung Brot zu bekommen, aber hier war Sonntags der Bürgersteig hochgeklappt.
Und weiter ging's an der trostlosen Küste, die von Öl, Öl und Öl gekennzeichnet ist. Hässlich, kann man es auch nennen.
An der Küste sind wir dann dennoch durch Zufall auf Seelöwen gestoßen und zwar auf eine richtig große Kolonie, wo auch einiges los war.
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| Such a luck to see them near the street. (somewhere in Argentina) |
Wobei unser erster Versuch an die Tiere ranzukommen wieder an den scheiß Kampfhunden scheiterte, die zum nahegelegenen Haus gehörten. Hier kann man leicht martialische Gedanken bezüglich dieser ätzenden Köter entwickeln.
Jeder deutsche Hundehalter wird unseren Florian vermutlich auch für total gestört halten, denn sobald Hund oder Katze bei unserem Zelt auftaucht, stampft Florian gekonnt mit einem Bein und macht Lärm, damit das Viech abzieht. Die Dinge, die Kinder so an anderen Orten auf der Welt lernen oder lernen müssen, sind schon unterschiedlich. Die Tiere sind hier aber eine echte Pest.
Und damit zeichnet sich auch ein südamerikanisches Dorf durch seine ätzenden und ewig lauten Köter aus. Die ganze Nacht kläfft es und tagsüber fallen sie die Autos an. Wenn ich jetzt gemein bin, würde ich sagen, jedes Land bekommt was es verdient.
In Comodoro Rivadavia, eine riesige Industriestadt wie überhaupt alle Städte an der Atlantikküste und Sitz des größten argentinischen Ölkonzerns YPF, mussten wir auf Grund der späten Stunde stoppen und hatten diesmal nicht so viel Glück wie gestern.
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| When little boys have breakfast. (Comodoro Rivadavia, Argentina) |
Der Campingplatz war funktional und fügte sich perfekt in diese hässliche Stadt und wie wir im Laufe des Abends erfahren durften direkt neben der Start- und Landebahn des Flughafens. Was war das laut.
Was wirklich beeindruckend ist und uns direkt aufgefallen war, als wir von Feuerland runterkamen, dass das Festland so viel wärmer ist. Argentinien leidet ja gerade unter einer Hitzewelle, die sich in Ushuaia nicht wirklich gezeigt hat, aber am Festland uns jetzt schwer zu schaffen macht. Mit von jetzt auf gleich 10-15 Grad mehr schlägt auf den Kopf.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 23. März 2009
Punta Tombo - Die größte Pinguinkolonie außerhalb der Antarktis (Comodoro Rivadavia nach Gaiman, Argentinien)
Am Morgen haben wir uns schnell aus dem Staub gemacht, um umgehend darin wieder zu landen.
Der Plan war, zum Punta Tombo, der größten Pinguinkolonie außerhalb der Antarktis, zu fahren. Pinguine hatten wir neben Seelöwen, Guanacos, Armadillos, Emus, patagonischen Kondoren, Gänsen und Füchsen und den Delfinen, die wohl doch Wale waren, noch nicht gesehen. Und man kann nicht in Patagonien gewesen sein ohne Pinguine gesehen zu haben.
Da wir ja immer ohne vernünftige Karten unterwegs sind, müssen wir Umwege in kauf nehmen, so auch heute.
Von der Ruta 3 nach Camarones war die Straße ja noch geteert, doch danach sind wir nicht nur auf der falschen, sonder auf einer Piste gelandet, die jedes Ralleyhertz höher schlagen lässt. Ruta 40 ist dagegen langweilig. Hier ging es über Sand und Steine ständig bergauf und bergab und durch enge Kurven. Was für ein Spaß!
Irgendwo im Nirgendwo stießen wir dann auf Cabo Raso, ein Ort, der im Lonely Planet tatsächlich auf der Karte eingezeichnet ist, aber nur aus einem einzigen Haus besteht, im Gegensatz zu der kleinen Großstadt vor Rivadavia, die der Lonely Planet irgendwie übersehen haben muss, da sie auf der Karte im Gegensatz zu Cabo Raso fehlt.
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| The only house in Cabo Raso. (Argentina) |
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| At the Atlantic Ocean. (Cabo Raso, Argentina) |
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| And? Do you see the two pinguins in the water? (Cabo Raso, Argentina) |
Wir aßen am steilen Atlantiksteinstrand zu Mittag und erwischten doch noch den richtigen Abzweig und nach zwei bis drei Stunden heizen über eine hammer geile Piste landeten wir am Eingang zum Nationalpark mit den Pinguinen.
An der Kasse fiel mir ja fast der Unterkiefer runter 35 Peso pro Erwachsener plus 17,50 für Lydia und Josua zusammen. 87,50 Peso (über 20 Euro) für ein paar Pinguine.
Chris und ich standen unschlüssig an der Kasse. Wir haben ja mit viel gerechnet, aber so viel.
Und während wir zögerten, kam uns der nette Ranger an der Kasse entgegen und nahm ein Erwachsenenticket (für Ausländer, wohl gemerkt, man wird ja immer erstmal nach seiner Herkunft gefragt) weg.
Immer noch teuer, aber für die Strecke, die wir extra für die Pinguine hinter uns gebracht hatten, noch gerade akzeptabel, erklärten wir uns bereit, zu zahlen. Und während ich nach dem Geld kramte, nahm er noch das Kinderticket weg, so dass wir schließlich nur 35 Peso, also ein Touriticket, zahlen mussten. Vermutlich der Preis, den sonst die Argentinier zahlen müssen.
Das war auf jeden Fall eine richtig nette Aktion.
Diese Preise 35 oder 45 Peso orientieren sich immer an den 10 Dollar oder 10 Euro. Immer, wenn wir diese Preise genannt bekommen, gehen bei uns die Alarmglocken an, da diese Preise extra für Touristen gemacht und an deren Schmerzgrenzen orientiert sind. Wobei das amerikanische Mädel in Puerto Natales so doof zu sein schien, dass sie zum einen nicht verstand, dass US Dollar für uns auch eine Fremdwährung ist, mit der wir normalerweise nichts am Hut haben, und zum anderen ganz happy war, dass sie ihre chilenischen Pesos in Dollar zurück tauschen konnte, um sie dann in Argentinien in argentinische Pesos zu wechseln. Nicht, dass ich es wüsste, aber ich glaube es ist sinnvoller und auch möglich, die beiden Pesowährungen hier direkt ineinander zu wechseln. Ich glaube nicht, dass die Wechselstuben für die Umrechnung den Dollar dazwischen schalten. Das war in Asien auch nicht so. So wichtig ist der Dollar für die meisten dann doch nicht. Aber das Mädel war so überzeugt von ihrem Dollar, dass sie alles andere nicht verstand, auch nicht, dass sie mit jedem Umtausch Geld verliert.
Sie war auch der Überzeugung, dass es doch ganz einfach sei, ein Arbeitsvisum für die USA zu bekommen. Das wüssten wir aber. So wie sie glaubte, die Schweiz gehöre zur EU und sie würde ebenfalls einfach ein Arbeitsvisum für Brasilien bekommen. Auch hier weiß ich es nicht. Aber die Tatsache, dass Amerikaner überhaupt ein Visum für Brasilien im Vorfeld beantragen müssen, lässt mich darauf schließen, dass die Brasilianer nicht auf die US Amerikaner gewartet haben. Insbesondere, weil wir schon so viele Nicht-EU-Reisende getroffen haben, die sich nicht so einfach wie wir durch Südamerika bewegen können, da sie alle nicht nach Brasilien reinkommen. Das ist nämlich für Australier und US-Amerikaner auch als Touristen wohl gar nicht so einfach, so dass viele im Gegensatz zu uns darauf verzichten.
Es kann ja nicht jeder so toll und intelligent wie wir sein (und für alle die diesen Satz nicht verstehen, er ist ironisch gemeint).
Zurück zu Punta Tombo. Die Pinguine waren toll. So weit das Auge reichte Pinguine, Pinguine, Pinguine.
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| The biggest pinguin colony outside the Antarctis. (Punta Tombo, Argentina) |
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| They are blocking ouer way. (Punta Tombo, Argentina) |
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| You have to wait untill they pass. (Punta Tombo, Argentina) |
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| Penguins!(Punta Tombo, Argentina) |
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| Getting a little tan. (Punta Tombo, Argentina) |
Eine halbe Millionen von ihnen sollen hier zwischen September und April brühten. Dementsprechend lärmig ging es hier zu. In ihren Erdlöchern hockend harten sie der Dinge, die da kommen, auch noch hunderte von Metern Land einwärts. Wie machen die das nur mit dem Essen. Bis die am Wasser sind in ihrem Watschelgang und wieder zurück ist das Junge schon längst verhungert.
Die Jungtiere waren schon so groß wie die Eltern, hatten zum Teil aber noch den Babyflaum, so dass einige beim Federlassen ganz schön gerupft aussahen. Ab April verschwinden die Pinguine wohl bis Septemper ins Wasser und schwimmen bis nach Brasilien und wieder zurück.
Zurück zur Ruta 3 ging es für uns über die Asphaltstraße, die nirgendwo verzeichnet war aber sehr viel Zeit sparte. Wenn wir das vorher gewusst hätten.
Jetzt aber schnell nach Trelew tanken und einkaufen und feststellen, dass in dieser kleinen 100.000 Einwohnerstadt kein Campingplatz zu finden war. Also wir weiter nach Gaiman, hier wurden wir auf den Campingplatz der Feuerwehr direkt neben ihrer Wagenhalle, wo das eine Auto drin stand, geleitet. Dinge gibt's.
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| Camping at the fire brigade. (Gaiman, Argentina) |
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| Impression. (Gaiman, Argentina) |
Ich finde das konsequent. Nach Tankstelle, Bäckerei, Skipiste und Flugbahn jetzt auch noch die Feuerwehr.
Mit 8 Peso pro Erwachsener und 2 Peso für jedes Kind gab es nichts zu meckern, da die Bäder echt im top Zustand waren, nur die blöden Grills, die die Argentinier immer und überall brauchen, sind furchtbar unschön.
Dennoch haben wir zur großen Begeisterung der Kinder unser erstes Feuer gemacht. Es drängte sich auf, da von den Vorgängern das Holz noch schwelte, genug davon vorhanden war und wo sollte man ein Feuer machen, wenn nicht auf dem Innenhof der Feuerwehr.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 24. März 2009
Geheimtip Ruta 25 (Gaiman nach Esquel, Argentinien)
Da ich unbedingt in eines der walisischen Teehäuser wollte, haben wir am Vormittag erstmal eine kleine Stadtbesichtigung gemacht. Gaiman ist ein walisisches Dorf, was heißt von Walisern im 19. Jahrhundert gegründet und entsprechend tidy ist es auch mit tollen Gärten. Ansonsten gibt es hier nicht viel zu sehen, außer der Eisenbahntunnel, durch den man durchlaufen kann.
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| The train tunnel in Gaiman. (Argentina) |
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| More tunnel. (Gaiman, Argentina) |
Wir sind aber erstmal wieder umgekehrt, da wir keine Taschenlampe dabei hatten und das Ende nicht sehen konnten. Als uns beim herausgehen ein älterer Herr entgegen kam, der einfach drauf los lief, haben wir uns entschlossen ihm zu folgen und auch den Tunnel zu durchqueren. Ein sehr lustige Sache.
Ich musste dann leider schon wieder Wäsche waschen, was hier aber ausgesprochen gut ging.
Danach war es dann auch Zeit für ein Teehaus. Wir packten also unseren Kram, denn noch eine Nacht mussten wir hier nun auch nicht verbringen und sind zu einem Teehaus. Bei den Preisen haben wir dann auch gleich wieder abgedreht. 40 Peso pro Erwachsener und Lydia und Josua jeweils 20 Peso. Insgesamt 120 Peso (rund 26 Euro) für ein bisschen Tee und Kuchen, dass ist ja teurer als All-You-Can-Eat in Deutschland. Und wer kann sich das denn hier leisten? Es war ja auch keine Kundschaft weit und breit zu sehen und für alten Kuchen soviel Geld zu zahlen, das ist dann echt des Guten zu viel. Die sollen mal schön auf ihre Kundschaft warten, wir besuchen ein walisisches Teehaus wohl besser mal in Wales. Das ist dann wohl auch viel authentischer.
Weiter ging es die Ruta 25 am Rio Chubut entlang. Und diese Strecke kann ich als Geheimtip echt nur empfehlen. Wau! Was für eine Strecke!
Von jetzt auf gleich kommt man von der langweiligen platten Steppe in eine Westernkulisse vom Feinsten.
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| What a landscape out of the car window. Who put the sign there in the exact moment of taking the picture?! (Ruta 25, Argentina) |
Sandstein und Felsformationen wo man die einzelnen Gesteinsschichten sehen kann durch die vielfältigen Farben. Und in der Mitte der Fluss mit seinen grünen Auen in dieser trockenen Landschaft.
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| Impressive! (Ruta 25, Argentina) |
Und plötzlich türmen sich Felsen vor einem auf und man fährt in einen Canyon rein. Einfach nur wow!
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| It was an amazing day trip. (Ruta 25, Argentina) |
Am Ende des Flusstales dachten wir schon, es käme wieder eine Schotterpiste, da die gesamte Luft so voller Staub war. Dies war aber nur der gewöhnlich aufgewirbelte Staub vom Wind.
Als wir uns dann vom Fluss entfernten sind wir durch diese fantastische Landschaft gefahren, die mich schon auf dem Hinweg so beeindruckt hatte. Endlose Weiten mit milden Bergen an den Enden. Man muss dabei einfach nur die Musik vom Herrn der Ringe hören und man sieht förmlich, wie die Pferde über die Bergkuppe kommen und in die Ebene jagen.
Wow! Wow! Wow! Was für eine Landschaft, ich bin hin und weg.
Da einfach keine Möglichkeit zum campen bestand, und das Flusstal wäre so spektakulär gewesen, sind wir bis Tecka durchgefahren, um dort zu erfahren, dass es hier keine Möglichkeit zum campen gibt, was für uns hieß, die 100 Kilometer bis Esquel auch noch fahren zu müssen. Da wussten wir ja, dass es Campmöglichkeiten gab.
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| I can't get enough of it. (Ruta 25, Argentina) |
Und zurück auf der Ruta 40, die hier oben ja noch asphaltiert ist, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Die Strecke ist einfach so der Hammer. Und als wir uns Esquel näherten musste ich feststellen, dass wir die Berge aus den Anden kommend beim ersten Mal für mickrig gehalten hatten. Jetzt, nach tagelanger Pampa, sind sie einfach nur spektakulär, wie sie schroff Esquel einrahmen.
Wir sind schon im Dunklen auf den ersten Campingplatz gefahren, der an der Straße etwas außerhalb liegt, und er ist um Meilen besser als der näher zur Stadt, bei dem wir vor drei Wochen waren.
Es gibt Wiese und einen tollen Spielplatz.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 25. März 2009
Etwas Ruhe (Esquel, Argentinien)
Da der Campingplatz so schön ist und auch schön liegt, haben wir uns entschieden hier zu bleiben. Wir haben ja jetzt doch noch ein paar Tage Zeit und sogar noch Kilometer übrig. Es sah ja fast so aus, dass wir mit unseren 6000 Kilometern nicht hinkommen würden.
Und kaum wird es wärmer, schon ist Florian wieder erkältet. Die Nacht war echt anstrengend, weil er ständig wach wurde, weinte und sich nicht zudecken lassen wollte. Ach ja, und immer meinte, sich quer legen zu müssen und das ist beim besten Willen nicht drin.
Ich habe den Tag genutzt, die vielen Eindrücke der letzten Tage aufzuschreiben, während die Kids von einer kleinen Schulunterbrechung abgesehen gespielt und für uns ein musikalisches Trommelstück eingeübt haben. Und das war echt richtig gut. Überhaupt kommen Lydia und Josua abgesehen vom normalen Gezicken viel besser miteinander zurecht und können stundenlang gemeinsam spielen. Auch, dass sie überall was zum spielen finden, finde ich beeindruckend.
Überhaupt ist im Moment wieder viel Ruhe eingekehrt. Kein Gestreite, Geschreie und Gezoffe. So mag ich's.
Am Nachmittag waren wir kurz nochmal in Esquel, was wir ja nachhaltig mögen, haben uns ein paar Wandertips abgeholt und noch eingekauft mit dem üblichen Supermarktterror.
Was soll's, der Tag hat allen sehr gut getan und ich schaue schon wehmütig auf das Ende des Trips. Ich würde ihn so gerne nochmal machen, so toll war er. Auf Rucksack schleppen hat keiner mehr Lust. Und die Distanzen hier sind so gewaltig, dass ich mir nicht sicher bin, was wir eigentlich noch wirklich schaffen können.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 26. März 2009
Übernachten in der Bierbrauerei (Esquel nach El Bolson, Argentinien)
Mensch, was war das kalt heute Morgen. Die Nacht war aber dennoch in Ordnung. Nur als ich mich aus dem Zelt geschält hatte und über den Rasen lief musste ich den Bodenfrost feststellen.
Für draußen Frühstücken war es einfach zu kalt, so dass wir Christians Geburtstag im Zelt begannen. Selbst die Sonne wollte, nachdem sie über den Berg war, nicht so richtig wärmen.
Wir wollten auf den Hausberg steigen und hatten uns extra bei der Touriinfo die Zugänge auf einer Karte einzeichnen lassen aber schon den ersten Zugang von unserem Campingplatz aus zu erreichen funktionierte nicht. Zum einen war unser Campingplatz falsch markiert worden und der Zugang musste zum anderen aus einem für uns nicht auffindbaren Trampelpfad bestehen.
Wir irrten erst durch ein Neubaugebiet, welches relativ wohlhabend sein musste, denn kaum kamen wir über den Fluss, landeten wir in einem Wohngebiet, welches soviel ärmer wirkte.
Im ersten Wohngebiet waren die Gärten nett hergerichtet, im zweiten Wohngebiet lag der Müll vor den Häusern, zwischen denen sich die Hunde aalten, und es gab viel zu viele schulpflichtige Kinder, die dort Vormittags rumliefen. Im ersten Wohngebiet übrigens nicht.
Und wodurch zeichnen sich arme Gebiete noch aus? In jedem dritten Haus ist ein Kiosk im Wohnzimmer. Wir vermuten, dass diese von den Verkäuferinnen aus den Supermärkten betrieben werden. Denn wir durften in Chile Zeuge werden, wie die Verkäuferinnen vor Ladenöffnung zu allererst die aktuellen Sonderangebote für sich nutzten und ganze Einkaufswagenladungen voll selber kauften bevor irgend ein Kunde eine Chance hätte, diese im eigentlichen Laden zu erstehen. Vermutlich, um sie dann in ihrem Wohnzimmerkiosk weiter zu verkaufen. Wir haben zugesehen, dass wir dieses Wohngebiet schnell wieder verlassen.
Es ist schon komisch. Im gesamten Süden hatten wir keine Probleme und kaum kommt man langsam wieder Richtung Norden, gibt es Gebiete in denen man sich wieder sehr unsicher fühlt.
Die Städte tun aber auch wirklich alles dafür, dass es so ist. So gibt es in Esquel eine ausgezeichnete „Zona de Seguridad“ (Sicherheitszone). Diese gilt aber nur für den Stadtkern. Zwei Blocks weiter ist nichts mehr mit Sicherheitspersonal. Zwei Blocks weiter ist auch nichts mehr mit schönen Hausfassaden, oder auch Menschen die europäischen Einschlag hätten, so dass wir dort wieder sehr auffallen.
Wir sind mit dem Auto zum möglichen anderen Einstieg des Berges gefahren, aber hier war es so krass arm, die Menschen sahen unglaublich indigen aus, die Häuser bestanden zum Teil nur noch aus Brettern und man beäugte uns und unser Auto etwas zu neugierig, so dass wir weder das Auto hier abstellen wollten, noch hier wandern gehen wollten. Und wohl gemerkt, alles nur zwei Blocks vom Zentrum entfernt.
Ich finde diese Spaltung hier in Arm und Reich so heftig und auch so unerträglich, da ja auf den ersten Blick alles so modern und normal für uns wirkt und dann immer diese Ausgrenzung von großen Teilen der Bevölkerung. In Bariloche gab's ja dafür extra noch 'ne Polizeikontrolle zwischen armen und reichen Viertel.
Wie mich das anwiedert. Wollen die Argentinier das so. Wollen die oberen Zehntausend das wirklich. Sie schaffen sich damit doch nur Probleme und der Rest der Welt, sofern er sich überhaupt für Argentinien interessiert, schaut auf Argentinien und findet dieses Getue der Möchte-Gern-Erst-Weltler nur albern und lächerlich. Ein Land, welches ein so asoziales System besitzt ist zu tiefst zu bedauern, aber niemals ein Kandidat den Sprung zur ersten Welt zu schaffen.
Ich meine, ich habe gut Reden. Ich bin im richtigen Teil dieser Welt geboren und es mag unglaublich herablassend klingen, was ich hier so von mir gebe, aber manchmal muss man die Dinge auch mal beim Namen nennen, auch wenn man sich dadurch keine Freunde macht.
Aber es hilft nichts, immer die Augen vor der Realität hier zu verschließen und so zu tun, dass hier alles in Ordnung sei. Das ist es einfach nicht.
Wir haben zum Beispiel schon wieder eine Preiserhöhung von 15-20 Prozent in den letzten vier Wochen erlebt. Die letzte war doch gerade mal vier Wochen her. Und die Deutschen jammern schon über 1-2 Prozent pro Monat. Im selben Supermarkt hier in Esquel sind die Lebensmittelpreise in dieser Größenordnung seit unserem letzten Besuch angestiegen.
Das Unangenehme hier ist, dass das Gesellschaftssystem feudal aufgebaut zu scheinen seit. Es gibt eine besitzende Klasse und es gibt eine arbeitende Klasse. Wobei die besitzende Klasse stinkend faul ist. Zumindest die Frauen.
Auf jedem Campingplatz, auf dem wir waren und wo die Familie mit auf dem Gelände wohnt, arbeitet niemals die Dame des Hauses. Dafür gibt es ja die arbeitende Klasse. Mich kotzt das so an. Wenn ich schon Gastgewerbe betreibe, dann doch mit dem Ziel, dass bestmögliche für meine Kunden anbieten zu können. Statt dessen sitzt das Frauchen den ganzen Tag vor der Glotze während das Personal die Arbeit verrichtet.
Hier auf dem jetzigen Campingplatz habe ich noch niemanden von den Betreibern überhaupt gesehen. Die haben ihren 12-jährigen Sohn vorgeschickt, der einfach noch zu jung für serviceorientiertes handeln war.
Der Platz ist mit einer der Besten, die wir bis jetzt hatten, aber solche Einstellungen der Eigentümer verhunzen immer die Atmosphäre. Dazu kommt, dass sie unglaublich investiert haben, um es dann verkommen zu lassen. Den Müll mal aufsammeln? Fehlanzeige. Die Putzfrau putzte zwar eifrig den nicht genutzten Partyraum, aber nicht die Bäder. Die Bäder waren schon im Ansatz gut durchdacht, aber dann sind es immer die Summe der Kleinigkeiten über die wir nur den Kopf schütteln können. Ich meine, wenn ich schon soviel investiere, dann mach ich es doch richtig. Nicht so hier. Die Armaturen wackelten, aus den Duschköpfen kam nur ein Rinnsal, die Duschvorhänge waren zu billig gewählt und somit schon kaputt. Wasserleitungen laufen immer außen auf der Wand entlang. Da hat wohl jemand vergessen, die Warmwasserleitung zu isolieren. Was das wieder dauert, bis das warme Wasser kommt. Aus den schön gekachelten Bädern sind schon die ersten Kacheln wieder rausgebrochen und man darf auf keinen Fall nach oben schauen, denn mit dem Ende der Kacheln endet auch das nett hergerichtete. Kahler, dreckiger Beton und, und, und.
Wir haben uns nach dem fehlgeschlagenen Wanderversuch dazu entschieden, weiter nach El Bolson zu fahren. Und während man in Deutschland mal anhalten kann, um hier und da zu wandern, ist dies hier in Argentinien absolut ausgeschlossen.
Die Argentinier schaffen es zwar nicht, ihr Land flächendeckend mit Straßen zu versorgen, aber sie schaffen es, ihr Land flächendeckend einzuzäunen. Und zwar alles und mit Stacheldraht. Kein Berg, Fluss, See, der frei zugänglich wäre.
Und so wundern wir uns über die Südamerikaner, ob die nicht merken, wie scheiße ihre Lebensqualität eigentlich ist? Merken die nicht, dass sie durch all dieses blöde Getue sich selber kein Gefallen tun?
Was mach dieser sinnlose Sicherheitsheinie immer am Eingang des Supermarktes. Statt dessen wäre ein Mülleimer für die Müllentsorgung viel angebrachter.
Stromausfälle legen hier das gesamte soziale Leben lahm, da Geschäfte mangels Licht und funktionierender Kassen schließen müssen. Armer Sicherheitsfritze, dann hat er ja gar keine verdächtigen Kunden mehr hinter denen er herrennen kann und sie durch seine Anwesenheit belästigt. Und die Regaleinräumer können nicht mehr „Permiso“ (Entschuldigung) sagen, um dann direkt zwischen dich und deinem Produkt der Wahl einen Wagen mit Kram zu stellen, damit du auch wirklich keine Chance mehr hast, daran zukommen, wo du ran willst.
Gibt’s das?
Warum sind Elektrogeräte hier sooo teuer. Müssten diese nicht durch Containerschiffe durch Magellanstraße und Beagle Kanal kommen? Dort gab es keine einzigen Containerschiffe und ich habe viel und lange auf den Kanal gestarrt.
Ach ja, und dann diese Volksverdummung durch diese unmöglichen Nachrichten. Internationale Nachrichten? Inflation? Armut? Hunger? Kleinstkredite in jedem Geschäft? Totaler Mangel an Geldscheinen und Münzen? No way, dafür stundenlang Berichterstattung über die Hitzewelle in Argentinien. Das interessiert mich in Ushuaia einen scheiß Dreck, wie das Wetter über 4000 Kilometer entfernt so ist. Genauso die Berichterstattung von einem Unfall auf einer Zubringerstraße nach Buenos Aires. Wobei nicht der Unfall das Spektakuläre war, sondern der vier (!) Kilometer lange Stau, der dadurch entstand. Und ob ihr es glaubt oder nicht, es wurden Reporter dort hingeschickt, um die LKW-Fahrer zu interviewen, wie sie mit der Situation, also den vier Kilometer Stau vor einem Unfall, klar kämen. Geht’s noch sinnloser? In was für einer Bananenrepublik sind wir denn hier gelandet.
Schön sind auch immer die Politiker, die dann im Studio zu diesen belanglosen Themen Stellung nehmen und sich ohne Scheiß mit „Hola Amigo“ ansprechen.
Das möchte ich mal in Deutschland sehen, wie Frau Merkel in den Tagesthemen so was sagt wie „Hallo Kumpel“ bevor sie Stellung zum aktuellen Wetterbericht oder dem Stau auf der A3 nimmt. Ich meine, solchen Menschen kann man doch echt nicht vertrauen, dass sie die Probleme eines Landes in den Griff bekommen. Und so ist es ja auch. „Hola Amigo“ reicht einfach nicht, um aus Argentinien irgendwas sinnvolles zu machen.
In El Bolson bin ich in die Touriinfo, um nach einem Campingplatz mit Internet zu fragen, aber auch hier, wie schon in Esquel, hatte ich kein Glück damit. Wir wurden in die Pampa geschickt, in ein Gebiet, wo keiner von uns sich wohl fühlte noch sein wollte. Echt krass, wie sich dieses Unsicherheitsempfinden mittlerweile auf uns niedergeschlagen hat. Das ist doch echt schade, aber zeigt nur all zu deutlich, wo wir hier sind. In einem Land, welches alles tut, um durch seine interne Diskriminierung und Ausgrenzung auch wirklich Unfrieden zu schaffen.
Wir sind dann zu dem Campingplatz gefahren, den wir damals bei der Hinfahrt mit Wifi werben gesehen haben. Und getreu unserem neuen Motto, an seltsamen Orten zu zelten, Tankstelle, Bäckerei, Skipiste, Feuerwehr, Estancia und Flughafen sind wir jetzt bei einer Bierbrauerei (Cervezeria, El Bolson) gelandet. Der penetrante Hefegeruch in der Luft gehört damit auch dazu.
Das Internet führte dazu, dass wir letztendlich den Tag mit Blog schreiben verbrachten.
Ein Bierchen zu bestellen haben wir uns, mangels Übung im Alkoholkonsum, nicht getraut, aber das müssen wir unbedingt noch nachholen. Wenn schon, denn schon.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 27. März 2009
Und endlich kommt der Regen! (El Bolson, Argentinien)
Viel war heute nicht los. Das spektakulärste des Tages war wohl der unglaubliche Wind, der den Staub so aufpeitschte, dass wir nur noch rückwärts laufend vom Supermarkt zurück kamen. Und dann kam auch endlich der lang ersehnte Regen. Nicht unbedingt von meiner Seite, aber die Patagonier waren auf Grund des Wassermangels, der sich langsam breit machte, sehr glücklich über diesen.
Ich habe wirklich geglaubt, dass die zur Verfügung stehende Waschmaschine eine gute Idee sei. Aber nur solange bis ich das Zeug aus der Maschine holte und frustriert feststellen musste, dass es zum Teil jetzt dreckiger war als vorher. Die ganz dreckigen Sachen habe ich dann doch nochmal per Hand gewaschen. Dazu kam, dass viele Klamotten durch diesen Drehstab in der Mitte übermäßig strapaziert worden sind. Wenn die mal nicht jetzt alle reißen. Ein Scheiß ist das hier. Sagte ich schon, dass ich die Dritte Welt für ihre beschissenen Waschmaschinen so hasse. In Asien hatte jeder Depp das neuste Handy, aber es gab keine Waschmaschinen, die auch 60 Grad waschen konnten. Hier besitzen sie nichtmals mehr das neuste Handy. Der Wind war dann auch noch so stark, dass ich die Wäsche dann auch nur noch frustriert in die Tüten stopfen und so ins Auto stellen konnte. Aufhängen ging nicht. Das hatte sich ja wieder alles voll gelohnt.
Den Tag verbrachten wir im Aufenthaltsraum und der Senor, der hier zuständig war, hatte Mitleid mit den Kids, so dass wir kostenlos Tischkicker und Tischtennis spielen durften.
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| Lydia went around to take a lot of pictures of flowers... (El Bolson, Argentina) |
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| ...more flowers... (El Bolson, Argentina) |
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| ...and the car of the caretaker. (El Bolson, Argentina) |
Florian ist ja mittlerweile so dreist, dass er den Mann bei der Hand nahm, ihn zum Kiosk führte, der auch zum Aufenthaltsraum gehörte, und einfach die Hand aufhielt. Er hat damit auch seine Bonbons bekommen, die er wollte. So ein Schlawiner.
Am Abend haben wir dann auch mal das hiesige Bier probiert, welches erstaunlich gut schmeckte, sofern ich das beurteilen kann, und die Kids haben den hiesigen hergestellten Saft bekommen. Lecker!
Die Nacht war dann leider alles andere als erfreulich. Lydia musste sich die ganze Nacht übergeben. Eine echte Herausforderung, wenn man zeltet und es auch noch regnet. Und Christian hatte solche Magenkrämpfe, dass er irgendwann ins Auto umgezogen ist. Das brachte mir aber nicht wirklich mehr Schlaf, da Florian partout nicht im Schlafsack bleiben wollte und ich mit ihm den Rest der Nacht gerungen habe.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 28. März 2009
Zurück im freundlichen Norden Argentiniens (El Bolson nach Bariloche, Argentinien)
Obwohl es Christian und Lydia echt mäßig ging, wollte Christian unbedingt nach Bariloche in der Hoffnung und Erwartung, dass jetzt absolute Nebensaison ist und es möglich sein sollte, ein Zimmer zu finden, welches preislich akzeptabel ist.
So dachten wir, bis die bittere Erkenntnis kam. Nach über vier Stunden suchen und 40 Kilometer extra haben wir es aufgegeben.
Man muss dazu wissen, dass Bariloche ausschließlich vom Tourismus lebt. Wir sind Kilometer weit raus gefahren und die Straßen waren gepflaster mit einer Hosteria nach der nächsten, einem Hostal nach dem nächsten, einer Hospedaje nach der nächsten, einem Hotel nach dem nächsten und Cabanas, Cabanas, Cabanas so weit das Auto fährt. Und alles steht zur Zeit leer, da absolut keine Saison ist.
Aber egal wo wir gefragt haben, die Preise waren indiskutabel. Auch bei dem Versuch mit den Leuten zu verhandeln, etwas, was Argentinier überhaupt nicht können, stießen wir auf leere Blicke des Unverständnis. „Wie ein Zimmer für fünf Personen? Sie müssen aber trotzdem den Preis pro Person zahlen.“ „Wir reden hier aber von Kindern.“ „Wie Kinder? Sie haben Kinder?“ Ist uns wirklich so passiert. Die Frau war so perplex und überfordert mit dieser Information, so dass wir sie mit ihren total überteuerten Cabanas sprichwörtlich im Regen haben sitzen lassen und weiter zur Bahn gefahren sind.
Hier leider das selbe Theater. „Nee, Kinder ab drei Jahren müssen den vollen Preis bezahlen.“ Ab drei Jahren!? In was für einem asozialen Land sind wir den hier gelandet. In Deutschland dürfen Kinder bis 14 auf der Bahncard der Eltern kostenlos fahren.
Die Argentinier merken wahrscheinlich nichtmals, wie asozial sie zueinander sind.
Beim Busbahnhof trafen wir die Amerikaner aus Puerto Natales wieder. So was ist ja immer lustig. Mensch, hatten die viel Gepäck und das nur zu zweit. Er schien über all die Taschen und Tüten auch etwas unglücklich.
Beim erfragen der Buspreise nach Buenos Aires stellten wir fest, dass der Bus nach Santiago nur unwesentlich teurer ist und wir haben ernsthaft darüber nachgedacht, zurück nach Santiago zu fahren, um etwas Ruhe zu bekommen und diesen ätzenden südamerikanischen Systemen zu entkommen.
Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist hier einfach keine Lösung mehr für uns, da das immer nur Ärger und Frust bedeutet.
Die Argentinier fühlen sich ja dann auch immer ganz toll, wenn sie mit stolz geschwellter Brust uns mitteilen, dass das Baby umsonst sei. Bitte?!
Christian und ich haben uns dann darauf geeinigt für eine Nacht in den sauren Apfel zu beißen, da zelten wegen des Regens und der Preise über 100 Peso (geht’s noch?, die haben hier echt einen an der Klatsche) keine Option mehr war. Dazu kam ja auch der desolate Zustand von Lydia und Chris.
Als wir dann zum dritten mal in einer Albergue auftauchten, konnten wir uns endlich einigen. Für 140 Peso (28 Euro), das billigste, was wir finden konnten, ein eigener Raum mit Doppelbetten. Die Kids zahlen zwar den vollen Preis, aber es gibt keinen extra Familienaufschlag. Im Prinzip wie in Santiago.
Wie wichtig das nach 6 Wochen zelten ist. Küche, Heizung, Aufenthaltsraum und Wifi. Damit haben wir dann auch den Rest des Tages verbracht, mal wieder deutsches Fernsehen und Radio zu hören.
Seit ihr eigentlich nicht langsam total genervt von all den Krisenberichten im Fernsehen? Von hier hat man ja das Gefühl, dass es kaum was anderes gibt.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 29. März 2009
Endlich ein Dach über dem Kopf (Bariloche, Argentinien)
Da das Hostal hier echt gut ist, bleiben wir jetzt erstmal bis alle gesund sind. In der Nacht litt nämlich auch Josua unter den unsäglichen Bauchkrämpfen. Was immer das sein mag.
Wir haben die meiste Zeit damit verbracht fernzusehen und die Kids Computer spielen zu lassen.
Die Idee, nach Santiago zu fahren, hat auf Grund der guten Unterkunft etwas an Präsenz verloren. Mal schauen, wie wir weiter machen.
Unsere noch nasse Wäsche und das Zelt konnten wir endlich aufhängen und auch Wäsche waschen konnte ich. Und ich kann es nicht oft genug wiederholen, per Hand wird das Zeug richtig sauber. Leider strapaziert es die Wäsche auch extrem. Meine Vietnamhose ist mittlerweile so zerschlissen und an vielen Stellen zerrissen, dass mir nicht mehr viel Spielraum bleibt. Ich muss eine neue Hose kaufen, ob ich will oder nicht und ob es eine gibt oder nicht.
Am Nachmittag sind wir mit dem Auto noch die vorgeschlagene Runde aus dem Lonely Planet gefahren, den „Circuito Chico“. Den kann man sich aber schenken, da das ausgeprägte Sozialverhalten der Argentinier dazu führt, dass bis auf wirklich ganz wenige Plätzchen der gesamte Uferrand zugebaut und über mehrere hundert Meter ins Landesinnere abgezäunt ist. Soll soviel heißen, man sieht eigentlich nichts.
Außer vor allem Cabanas, Cabanas, Cabanas. Ob hier wirklich so viele Touristen einfallen im Winter?
Wir waren ja auch noch beim Villa Cathedral, dem Zugang zu den Skigebieten. Ein riesen Parkplatz, auf dem gerade mal fünf Autos standen und zwei Aasgeier von Kassierern, die sofort gesprungen kamen, als sie uns sahen.
Ich weiß ja nicht, wie das in den europäischen Skigebieten gehandhabt wird, aber das man in der Nichtsaison für alles und jedes zahlen muss kann ich mir nicht vorstellen. Vor allem das rentiert sich doch nicht, für fünf Autos zwei lebende Parkautomaten dort hinzustellen.
Wir haben eine Runde über den Parkplatz gedreht und sind wieder gefahren. So spannend ist ein Skigebiet im Herbst bei Regen nun auch nicht.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 30. März 2009
Vandalismus! (Bariloche, Argentinien)
Ich traute meinen Augen nicht, als ich am Morgen zum Auto ging, da wir es heute zurück geben mussten. Das gibt es doch nicht! In der letzten Nacht! Und dabei steht es nichtmals in einem heruntergekommenen Viertel oder so. Aber es ist leider war. In genau dieser letzten Nacht, wo wir das Auto noch hatten, hat ein Arsch von Argentinier ein fettes Graffiti auf die Motorhaube geschrieben.
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| Some nice person redecorated our car. (Bariloche, Argentina) |
Ich hatte ja erzählt, dass Argentinien so Probleme mit Vandalismus hat, aber dass die wirklich Autos ansprühen und dann auch noch ausgerechnet unseres, hätte ich nie gedacht. Was ist das nicht für ein heiteres Land hier.
Eigentlich wollte ich das Auto alleine weg bringen, damit Christian endlich gesund werden kann, aber so musste er dann doch mit.
Die Dame von der Autovermietung schaute sich das Desaster an, packte uns ins Auto und fuhr vor eine große Bank, wo sie ausstieg und uns warten ließ.
Nach zehn Minuten tauchte sie mit ihrem Mann, der eigentliche Geschäftsführer der Autovermietung auf, schön dass er auch noch einen Zweitjob in der Bank hat, und schaute sich das Dilemma an. Er meinte, mehr als 100 Peso (20 Euro) würde die Reparatur nicht kosten. Wenn man bedenkt, dass die Reifenreparatur gerade mal 15 Peso (3 Euro) gekostet hat, ein stolzer Preis. Aber bevor wir uns mit denen anlegen und die dann plötzlich auf die Idee kommen, dass die ganze Motorhaube ausgetauscht werden müsse (Neuteile, wie alles, was neu hier ist, ist gleich unbezahlbar), haben wir zugestimmt und somit hoffentlich das Kapitel Auto mieten in Argentinien geschlossen.
Endlich, endlich wurde der Wechselkurs zum Euro ein wenig der unglaublichen Inflation für uns angepasst, so dass es jetzt wieder etwas günstiger für uns hier wird.
Und nach zwei Monaten Reis, Nudeln und Kartoffeln mit Tomatensoße musste ich heute mal Salat kaufen. Ich kann Tomatensoße aus der Tüte einfach nicht mehr sehen. Das Problem, was sich hier beim Essen nachhaltig stellt, ist die mangelnde Verfügbarkeit von Vielfalt. Es gibt so banale Dinge wie Naturjoguhrt oder Salatsoße einfach nicht. Und dann das schlechte Fleisch. Das muss einfach mal gesagt werden, das Fleisch im Supermarkt ist einfach eine Zumutung und die Käseprodukte schmecken allesamt wie die Light-Produkte in Deutschland, nämlich nach nichts.
In Chile gab es immer Ein-Kilo-Butterpakete, wobei Paket das falsche Wort ist, da es sich mehr um Plastikbeutel handelte. Was für eine Sauerei die Butter gen Ende da raus zu bekommen. Vielleicht war deshalb der Name auf der Packung so treffend gewählt mit „Pamperita“.
An den Supermarktkassen immer das selbe Bild. Menschen, die nur anstehen, um ihre Kredite zurück zu zahlen. Also ganze vier Euro je Rate. Ich finde das nachhaltig unfassbar und auch sehr bedrückend, was hier für ein Notstand herrscht, den man auf den ersten Blick einfach nicht sieht, da ja alles so schick und klasse hergerichtet ist. Aber die Wahrheit ist leider eine andere. Oder ich habe Halluzinationen.
Man sollte hier mal so Call-In-Sendungen wie in Russland machen, wo es statt dem Handy wie früher, jetzt ne Krakauer oder Cervelatwurst, nach Wahl zu gewinnen gibt. Wäre hier wahrscheinlich auch der Renner. Steak oder Filet?
Das Wetter ist nachhaltig kalt und regnerisch. Es gab jetzt auch den ersten Neuschnee auf den Bergen um uns herum.
Wir bleiben jetzt erstmal noch ein bisschen hier, da alle gesund werden müssen und diese Autotrips immer soo anstrengend sind, da man in noch kürzerer Zeit noch mehr Eindrücke aufnimmt. Die wollen erstmal verarbeitet werden.
Und während uns das Auto in Australien nur 24 Euro pro Tag gekostet hat, hat uns das Auto in Argentinien stolze 29 Euro pro Tag gekostet. Und das für diesen Haufen Schrott im Vergleich zu dem australischen Neuwagen mit allen modernen Dingen, die man heute so in einem Auto erwartet. Ich würde es aber immer wieder machen, denn es lohnt sich so was von.
Unsere durchschnittlichen Ausgaben in Australien haben uns dann auch ein bisschen Luft schnappen lassen. Mensch was war das teuer:
pro Tag 88,74
pro Person 17,75
pro Tag 70,97 (ohne Anschaffungen)
pro Person 14,19
Wir haben dafür es uns aber auch gut gehen lassen und beim Essen nicht gegeizt. Dafür war es einfach zu gut und wenn ich sehe, wie scheiße es jetzt hier ist, denke ich, haben wir es genau richtig gemacht.
Am Nachmittag bin ich dann los, da das Hosenproblem nicht länger aufzuschieben war.
Es gibt hier so genannte Ferrias Amerikanas, was man bei uns mit Altkleidersammlung übersetzen würde. In Indonesien heißen diese Läden wohl wörtlich übersetzt Deutschlandladen, da die Klamotten dort alle aus Deutschland kommen. Hier kommen sie wohl aus den USA.
Da neue Hosen fast unbezahlbar sind, habe ich mir jetzt eine Jeans für 6 Euro gegönnt. Jetzt muss ich meinen von zwei Monaten fehlernährten Körper in eine zu enge Hüftjeans quetschen. Das Gemeine daran ist, dass nicht mein Bauch das Problem darstellt, sondern meine Hüfte. Drei Kinder kommen bei der Berechnung von Größe 36/38 irgendwie nicht vor. Und alles nur für die kleinen Quälgeister.
Christians schöne 15 Euro Hose von C&A hat leider auch den Geist aufgegeben. Aber immerhin neun Monate Monsterbelastung. Ja, ja, die gute Qualität von C&A. Er hat aber zum Glück zwei dieser Hosen dabei gehabt.
Apropos Quälgeister. Florian imitiert uns ja zunehmend perfekter. So kam auch die folgende Szene zustande. Wir alle schön am Zähne putzen, so auch Florian. Doch da dachte er sich, nach dem Putzen kommt doch immer noch was. Also marschiert er zielstrebig in eine Ecke des Zimmers, nimmt die Zahnbürste aus dem Mund und spukt auf den Boden. Christian und ich waren so fassungslos, dass wir nur noch lachen konnten. Zum Glück kann Florian noch gar nicht richtig spuken, aber das Geräusch stimmte und die Idee war ja auch nicht falsch, aber der Ort... Armes Kind, da hat ihm niemand gesagt, dass man sich in geschlossenen Räumen anders verhalten muss als auf dem Campingplatz.
Ach ja, nochmal asoziales Verhalten. Beim Autofahren ist dies ja immer in Reinform zu erleben. Man will links abbiegen, zieht natürlich noch jemand links an einem vorbei und hupt. Ganz wichtig, wenn ich mich falsch verhalte, kräftig hupen, um auch jedem mitzuteilen, wie scheiße ich bin.
Das selbe Phänomen gibt es beim Abbiegen. Da stellt sich dann einfach noch jemand neben dich, oder zieht von hinten an dir vorbei um die Kurve, das entgegenkommende Auto nur knapp verfehlend. Auch wenn man zu Fuß unterwegs ist, immer wird auf extrem gefährliche Weise drauf gehalten.
Man kann es positiv als das südamerikanische Temperament bezeichnen, oder ganz schlicht als Arschlöcher ausdrücken.
Das ist Geschmackssache.
Bei Argentinien fällt mir der schöne Witz ein, der hier perfekt hinpassen würde.
Gott ist gerade in seiner schöpferischen Phase, als ein Engel zu Gott kommt und sich verärgert beschwert:„Gott, wie kann es sein, dass Argentinien mit die schönsten Berge dieser Welt bekommt?“ Gott bleibt ganz cool: „Jetzt warte doch mal, ich bin ja noch nicht fertig.“
Kurze Zeit später kommt der Engel noch aufgebrachter zu Gott: „Gott, jetzt hast Du Argentinien auch noch mit die schönsten Seen gegeben!“
Gott: „ Jetzt warte doch mal, ich bin ja noch nicht fertig.“
Kurze Zeit später kommt der Engel puterrot und außer sich zu Gott:“Gott, jetzt bist du einfach zu weit gegangen. Argentinien neben den schönsten Bergen und Seen auch noch die beeindruckensten Weiten zu geben.“
Gott ganz cool und locker: „Jetzt warte doch mal bis die Menschen kommen.“
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 31. März 2009
Im Prinzip war nichts (Bariloche, Argentinien)
Was war heute eigentlich? Ich weiß es schon gar nicht mehr, so plätschern die Tage mal wieder vor sich hin. Schule, Schule, Schule, Wäsche, Wäsche, Wäsche und da kann man irgendwie Tage mit füllen. Chris war noch nicht richtig fit und so ging der Tag so dahin.
Ich habe wieder angefangen, mich mal um meine Unis zu kümmern, und Lydia hat endlich, endlich nach Wochen, Monaten ihren Wackelzahn verloren.
Zum Guesthouse kann ich sagen, dass es wirklich eines der wenigen ist, wo die deutschen Eigentümer hier jeden Morgen auftauchen und mit Hand anlegen. Das hat man ja doch echt selten. Dementsprechend nett ist es auch gestaltet und hat Wohnzimmeratmosphäre.
Und das war der Tag auch schon.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 1. April 2009
Wir haben die Schnauze voll - Direktflug nach Düsseldorf (Bariloche, Argentinien)
Uns reicht's! Wir passen! Schnauze gestrichen voll! Nichts wie weg hier!
Für Übermorgen haben wir uns Flugtickets zurück nach Deutschland geholt. Schweine teuer, aber das Leben für die nächsten drei Monate ist hier auch nicht billiger.
Am 3.4. geht’s von Bariloche nach Buenos Aires, umsteigen und weiter nach Madrid. Hier nochmal umsteigen, weiter Frankfurt und dann nach Köln/Bonn.
Was sind wir froh, diesen ätzenden Platz der Welt verlassen zu können.
Ja und danach? Hab' ich das gar nicht erzählt? Christian hat eine Festanstellung bei Dataport in Kiel. Ja, ja, ich weiß, das klingt jetzt total übertrieben, aber wir haben sogar ein finanzierbares Haus in Friedrichsort gefunden.
Die Kids freuen sich schon total wieder zurück nach Kiel zu kommen. Ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, aber so eine Weltreise kann einen dann doch irgendwann so weich kochen, dass man einfach Konsequenzen ziehen muss.
Damit ist dann wohl das Abenteuer und Experiment Weltreise in vier Tagen vorbei. Wer hätte das gedacht?
Ach so, die Lydia wird gar nicht mit uns zurückkommen. Durch das deutsche Ehepaar, die hier das Guesthouse betreiben, haben wir Kontakt zu deren Freunden bekommen, deren Tochter hier auf die deutsche Schule in Bariloche geht. Lydia ist zwei Tage mitgegangen und war so begeistert, dass wir lange überlegt haben, aber auch uns hat der Internatsteil der Schule sehr zugesagt, so dass wir entschieden haben, dass Lydia für ein Jahr hier bleibt.
Das Leben kann schon manchmal seltsame Wendungen nehmen, vor allem, wenn man bedenkt, dass heute erster April ist.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 2. April 2009
Schokoladentag! (Bariloche, Argentinien)
Test! Test! Nach dem Rücklauf des letzten Eintrags weiß ich jetzt wenigstens, dass unglaublich viele diesen Blog lesen, was uns natürlich sehr freut und ehrt. Leider mussten wir feststellen, dass man uns für so durchgeknallt hält, dass man uns den Text vom ersten April so abgenommen hat.
Wir mögen durchgeknallt sein, aber glaubt ihr wirklich, dass ich nach all meinen Unibewerbungen und Bemühungen als Hausweibchen in Kiel enden möchte mit einem Pantoffelhelden an meiner Seite, der jeden Tag acht Stunden in seine Behörde schlürft, um den ganzen Tag in Youtube und facbook rumzusurfen. Glaubt ihr das wirklich?
Erst sind alle bestürzt, dass wir gehen, jetzt sind alle bestürzt, dass wir wieder kommen. Was wollt ihr denn nun? Ihr könnt doch nicht ernsthaft glauben, nachdem ich zwei Monate über Argentinien hergezogen habe, dass ich Lydia in diesem Altnazi verseuchten Land lasse. Außerdem hätte ich doch erzählt, wenn Lydia mal mit in die Schule gegangen wäre und Christian sich auf Jobs beworben hätte.
Wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlen sollte, dann entschuldige wir uns dafür, bedauerlicher Weise müssen jetzt alle weiterhin ihre Zeit mit diesem Blog todschlagen, oder auch nicht. Aber es gibt bekanntlich schlimmeres.
Ein Aprilscherz muss erlaubt sein und es wird ja unten drauf hingewiesen. Wer keinen Spaß versteht und auch nicht mal über sich selber lachen kann, dass er auf den Arm genommen wurde, den bedauere ich zutiefst.
P.S.: Wir haben die Komentarfunktion wieder angestellt in der Hoffnung, dass es jetzt erstmal gut geht.
Wenden wir uns aber nun wieder weltlicheren Dingen zu. Da es allen wieder soweit gut geht, musste doch endlich mal eine Chocolateria dran glauben. Man muss nur genug investieren, dann wird die Schokolade auch ganz essbar.
Wo ich echt nichts zu meckern habe ist das hiesige Eis. Das war schon damals herausragend und ist es auch noch heute.
Mmm, lecker!
Unser Versuch mit Radio Bonn/Rhein-Sieg mal wieder, ich weiß nicht zum wievielten mal, in Kontakt zu treten, scheitert meistens daran, dass die Jungs sich einfach nicht schnell genug organisiert bekommen. Dann heißt es ja, ja in zwei Wochen oder so. Klar, in zwei Wochen weiß ich ja auch definitiv wo ich bin und welches Festnetztelefon ich zur Verfügung habe. Solche Trantüten.
Kaum zu glauben, aber ich bin ja ein Spätzünder und habe facebook und StudiVZ endlich für mich entdeckt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber ich habe es tatsächlich fertig gebracht, mich von dieser morbiden Faszination einen ganzen Tag fesseln zu lassen. Und wen man da nicht alles findet. Leute, nach denen ich gar nicht gesucht hatte, viele, die wir auf der Weltreise getroffen haben und Leute aus meiner Grundschulzeit, von denen ich über 20 Jahre nichts mehr gehört habe.
Ein echt faszinierendes Spielzeug.
Oh, hatte ich schon erzählt, es ist Monatsanfang. Das bedeutet, dass viele hier wohl Geld bekommen haben. Die Supermärkte waren rappelvoll und die Leute machten Hamsterkäufe. Nach hiesigem System sinnvoll, da das Geld am Ende des Monats bei weitem nicht mehr so viel wert ist, wie am Anfang.
Einziger Nachteil: Ich vermute, dass die Supermärkte darum wissen und zum Monatsanfang einfach sämtliche Produkte teurer machen und dann auch dabei belassen. Was für eine Inflationsspirale.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 3. April 2009
Bewerbungsgespräch Melbourne (Bariloche, Argentinien)
Am Morgen musste ich natürlich als erstes bei facebook schauen, wobei ich muss sagen, kaum ist in Deutschland Wochenende, hält sich der Rücklauf in Grenzen. Was mag das wohl bedeuten?
Ach ja neben diesen netten Netzwerkspielzeugen trudelte endlich auch mein zweites Referenzschreiben ein, so dass heute die erste offizielle Bewerbung nach Aberdeen raus ging.
Am Abend stand noch das schon viel zu lange aufgeschobene Gespräch mit der Melbourner Monash University auf dem Programm. Mensch, was war ich nervös. Da ich keine Mail schicken konnte, ist ja schon Samstag Morgen in Melbourne gewesen, was bekanntlich bedeutet, dass die Leute zu Hause sind und nicht in ihren Arbeitsaccount schauen, habe ich über Skype eine SMS geschickt, mit der Telefonnummer von hier und einem Zeitraum, wann Helen mich hier erreichen kann. Und ich bin hier hoch und runter getiegert, da ich jeden Moment damit rechnen musste, dass gleich jemand mit dem Telefon vorbei kommen würde. Was dann auch passierte.
Tief Luft holen und durch. Die lange Zeit in Südamerika hat meinem Englisch nicht wirklich gut getan. War das ein Hängen und Würgen. Wobei das Gespräch selber sehr freundlich und persönlich ablief. Nur mein Englisch...so eine Scheiße. Wenn man ständig nach Worten ringt und dann auch noch in die falsche Sprache rutscht. Ich bin einfach kein Sprachtalent.
Aber auch bei Monash hält man mein Projekt für herausragend und möchte mich gerne unterstützen, sofern es mir möglich ist, die Visa- und Geldprobleme, die mit Australien einhergehen überwunden zu bekommen.
Schauen wir mal.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 4. April 2009
Tolles Bergpanorama (Bariloche, Argentinien)
Wir haben vom Guesthouse Aussicht auf einige Berge, wo oben schon ganz viel Schnee liegt. Toll sieht das aus.
Im Supermarkt gab es wie immer eine unglaublich bedauerliche Szene. Eine junge Mutter kaufte mit ihrem Wicht ein, um dann an der Kasse feststellen zu müssen, dass ihre Karte gar nicht mehr funktionierte. Vermutlich so weit im Minus, dass auch keine Kredite mehr drin waren. Vom Gemüse über die Windeln für den Kleinen ging alles zurück. Das Einzige, was sie kaufte, war ein Schokoriegel für ihren Spross, den sie gerade noch bar bezahlen konnte. Mit vollem Wagen an der Kasse und mit leeren Händen aus dem Laden.
Ich weiß nicht, was ich falsch mache, aber mir tut so etwas zu sehen in der Seele weh.
Lang, lang ist's her. Spielen um die Welt
In Krabi haben wir mit Mama und Papa Montagsmaler gespielt.
In Hat Yai haben wir im Schrank gesessen und Fernsehn gespielt. Wir haben dann die asiatischen Musikclips nachgemacht.
In Georgetown haben wir im Zimmer gespielt, dass Florian der König ist, Josua der Angreifer und ich den Florian verteidigeng muss.
Unten in der Halle haben wir immer Kampftricks geübt.
In Tana Ratta sind wir in den Schlafsäcken steckend aufeinander zugelaufen und übereinander hergefallen.
In Kuala Lumpur haben wir mit anderen Travelern Schiffeversenken gespielt, DVDs geschaut und so getan, als wenn wir Detektive wären und andere Leute beobachtet.
In Cherating gab es die Dusche im Garten und ein leeres Haus mit Hängematte und wir haben gespielt, dass wir dort wohnen und uns immer duschen müssen.
In Pekan haben wir nichts gespielt.
In Mersing haben wir draußen Fußball gespielt, bis es zu ekelig war, den Ball immer aus der Abflussrinne zu holen. Drinnen haben wir gespielt, dass wir arbeiten und einen Computer aus Papier gebastelt.
In Johor Bahru sind wir immer Aufzug gefahren und wenn Leute kamen, haben wir sie gefragt, wo sie her kommen.
In Melaka haben wir gutes Kinderfernsehn gehabt und wir haben an der Wendeltreppe gespielt, dass wir dort wohnen.
In Bukittingi haben wir Zeitmaschine auf dem Balkon gespielt und mit Uli oder Janna Vier gewinnt.
In Benkulu da haben wir Bibi Blocksberg gespielt, weil sie dort so einen tollen Besen hatten. Ich bin die Hexe und Josua Joachim.
In Jakarta haben wir die Fische im Teich angefasst und auf den Bänken haben wir Mofa gespielt.
In Bali hatten wir einen Pool und haben nach Sachen getaucht, wer am schnellsten ist. Und wir haben mit Daniel und Samuel im Meer gespielt. Mit den Rücken zu den Wellen, ohne hinzuschauen.
In Sydney haben wir auf dem Spielplatz mit anderen Kämpfen und Massage gespielt.
In Katoomba haben wir auf dem Spielplatz den Lantzelottest bestehen müssen, den wir uns selber ausgedacht haben und auf den Kricketfeldern haben wir viel Fußball gespielt.
In Abercrombie haben wir Straßen mit den Autos in den Staub gezogen.
In Griffith haben wir im Pool mit einem Deutschen Fähre gespielt. Da hat er uns von der einen zur anderen Seite gebracht und Fangen.
Im Mungo Nationalpark haben wir nichts gespielt.
In Broken Hill haben wir auf dem Spielplatz gespielt, dass ich der Motor bin und Josua ist ein böser Roboter, der sich in einen Menschen verwandeln kann. Der Spielplatz war mein Auto und Josua hat so getan, dass er ein Opa ist, um mitgenommen zu werden und dann mit mir zu kämpfen.
In Warumbungel haben wir wieder Autostraßen gebaut. Und auf den Stämmen haben wir Motorrad gespielt.
In Lismore gab es einen Pool, wo wir gespielt haben, dass wir gegen Haie kämpfen müssen. Es gab eine Düse, wo Waffen raus kommen, um gegen die Haie zu kämpfen und dann sind wir immer cool ins Wasser gesprungen. Und wir haben Kängurufangen gespielt. Ich bin das Känguru und hüpfe Unterwasser.
In Brisbane haben wir uns alle an ein Band gebunden, auch Florian und sind so durch die Gegend gelaufen. Am Ausgang haben wir uns dann hingestellt und haben Schranke gespielt.
In Mount Tamburine haben wir mit Kindern Volleyball gespielt.
In Lismore haben wir wieder das selbe gespielt, aber diesmal mit anderen Kindern.
In Crowdy Bay haben wir am Strand Eisdiele gespielt und Sandburgen gebaut. Blödes Wasser, welches diese immer wieder kaputt machte.
In Sydney hat Josua immer mit dem Jungen aus der Schweiz gespielt, der von dem und mir im Pool nassgespritzt wurde. Wir haben auch eine Stadt mit gefundenen Sachen gebaut, aber die ging immer kaputt, weil alle darüber gelaufen sind.
In Santiago haben wir mit Javiera Mensch auf Erden gespielt und Computer und am Fenster haben wir immer Sachen hoch und runter geschickt mit einem Seil und Korb dran.
Wir haben auch Zaubershows gemacht und sind mit dem Fahrrad gefahren.
In Mendoza haben wir mit den anderen Kindern Fußball, Tischkicker und Tischtennis gespielt. Wir sind Fahrrad gefahren und haben im Pool Insekten getötet. Und wir haben Bar gespielt und Autostraßen gebaut.
In Bariloche auf dem Campingplatz haben wir riesige Städte gebaut im Staub. Auf dem Spielplatz sind wir geschaukelt und haben mit Stöcken gefochten.
In El Bolson haben wir Juckpulver gemacht. Im Wäldchen haben wir uns ein Geheimquartier gebaut. Und Internat haben wir gespielt und Sportunterricht. Dabei haben wir den Ball über das Fußballtor geworfen und er durfte nur einmal aufkommen.
In Esquel haben wir das Auto geputzt. Und wir haben gespielt, dass wir feine Herren sind, rauchen und eine Limosine vorbeikommt.
In Rio Senguer haben wir Bar gespielt. Und Fußball, bis der Ball beim Nachbarn mit dem großen Hund landete.
In Los Antiguos haben wir Straßen gebaut und es gab Wippen, wo wir so leise wie möglich aufkommen mussten und Nachtwächter an der Brücke (Wippen), wo man so leise wie möglich rüber musste. Und wir haben feine Damen und Herren gespielt, wo wir über die Brücke müssen (Wippe).
Auf La Siberia haben wir nur Touris angeschaut.
In El Chalten haben wir eine Tonne an die Rutsche gekettet. Sehr schwierig. Und wir haben Zirkus gespielt.
In El Calafate sind wir die Rutsche auf Füßen mit anderen Kindern runter gerutscht. Und dann sind wir alle hintereinander aufeinander drauf gerutscht.
In Puerto Natales haben wir Busstation gespielt und die Touristen mussten ganz viel und die Einheimischen nur ganz wenig zahlen.
Und draußen haben wir gespielt, dass einer der Affe ist und ganz ungezogen ist.
In Punta Arenas haben wir Fußball gespielt.
In Rio Grande haben wir mit einem draußen im Garten stehenden Bett Boot gespielt.
In Ushuaia haben wir immer Flugzeug gespielt und dass ich beim Start aufs Dach springe und das Flugzeug auseinander bricht.
In Rio Grande 2 das selbe wie vorher und Computer.
Auf der Isla Pavon haben wir mit einem Jungen fangen gespielt auf dem tollen Spielplatz.
In Comodoro Rivadavia haben wir gespielt, dass der Hängematte Geld bezahlt werden muss und dann schaukelt sie automatisch.
In Gaiman haben wir auf dem Spielplatz Feuerwehr oder Polizei gespielt.
In Esquel 2 haben wir immer gekämpft und dass jemand die Brücke kaputt sprengt und wir haben getrommelt.
In El Bolson2 haben wir Computer, Tischtennis und Tischkicker gespielt.
In Bariloche 2 spielen wir mit Papierfliegern und Computer.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 5. April 2009
Sonntag (Bariloche, Argentinien)
Mensch, die Tage dümpeln wieder vor sich her. Schule, Wäsche, Supermarkt. Immer das gleiche Gedrisse, nur die Aussicht ist besser.
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| View over the lake. (Bariloche, Argentina) |
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| A house in Bariloche. (Argentina) |
Jake war heute noch hier. Ein einsamer US Amerikaner auf der Suche nach keine Ahnung was und ein begnadeter Origamifalter. Was dazu führte, dass er die wildesten Figuren für die Kids faltete, wenn er nicht gerade im Netz auf Origamiseiten suchte.
Chris und ich haben uns mal ausgiebiger mit den Einschreibungsbedingungen in Melbourne auseinander gesetzt. 21 Seiten Formular mit den dämlichsten Fragen, die man sich vorstellen kann. Und nur die Bewerbung soll schon 100 Dollar kosten, womit noch nichts entschieden ist.
Wenn man dann akzeptiert wird als ausländischer Student stehen ja noch die 28.000 Aussi-Dollar pro Jahr auf dem Programm. Also schlappe 14.000 Euro. Nur, dass ich für sie Forschung betreibe. Was das wieder motiviert.
Ach ja, und dann kommen noch die Visabestimmungen. Christian ist es nicht gestattet über 20 Stunden die Woche zu arbeiten. Juchhu!
Und für ein vier Jahres Visum müssen wir nur mal 100.000 Euro Guthaben auf dem Konto nachweisen. Alles klar! Die habe ich doch in der Portokasse. Was für eine Scheiße. Die Australier wollen wirklich keine Ausländer. Hellen war über den Zustand auch sehr unbegeistert, da alle guten Leute wohl auf Grund dieser Bedingungen abspringen. Und wenn man es doch bis Australien geschafft haben sollte, meinte sie, werden die Leute mit Beendigung des PhDs umgehend des Landes verwiesen. Als ursprünglich aus Großbritannien stammend meinte sie, dass sie jetzt ständig zwischen Australien und England hin und her pendelt, um mit ihren alten PhDs weitere Projekte zu bearbeiten. Was für ein Zustand. Aber Deutschland ist ja genauso kreativ zu kreativen Köpfen.
Mich würde echt mal interessieren, ob es Systeme so schaffen, sich langfristig abzuschaffen?
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 6. April 2009
Deutsche Schule (Bariloche, Argentinien)
Wir sind heute als erstes mal zur Busstation gelaufen, um uns nach Bussen nach Buenos Aires zu erkundigen. Da sind wir wieder über Jake gestolpert, der eigentlich schon weg sein wollte. Ich sag Euch an den Busstationen da trifft man sie alle immer wieder.
Eigentlich wollten wir Ostern noch hier bleiben, aber Ingrid, die Gastgeberin, wollte uns unbedingt zu ihrer Mutter in ein eigenes Apartment abschieben, so dass es dann auf einmal hieß, das Guesthouse sei über Ostern schon ausgebucht. Als ich ihr am Morgen gesagt hatte, dass wir länger bleiben wollten, war von Reservierungen noch keine Rede.
Es ist leider so typisch. Diese Möchte-Gern-Elitären mit deutschen Vorfahren. Ich weiß nicht, aber die sind einfach seltsam. Das waren sie schon damals und sie sind es auch noch heute. Auf der einen Seite versuchen sie sich von den hiesigen Landsleuten durch ihren deutschen Einfluss abzugrenzen. Man ist was Besseres. Und uns Deutschen gegenüber sind sie dann doch nur Menschen mit einem deutschen Großvater und Deutsch als erste Fremdsprache in der Schule. Es mag alles sehr weit hergeholt sein, aber ich war lange genug auf Deutschen Schulen, um zu wissen, dass diese Menschen nichts halbes und nichts ganzes sind. Nur hier in den Bananenrepubliken sind sie etwas und wenn sie dann nach Deutschland kommen, zählen sie wohl eher zu den Ausländern, wobei sie hier doch wiederum sich über die deutsche Abstammung so von der Masse abheben. Ist schwierig in Deutschland mit 80 Millionen Deutschen. Wahrscheinlich sind diese Menschen eher bedauernswert, wir ihre gespaltene Persönlichkeit.
Wobei ich hier ganz deutlich sagen möchte, dass diese Vermutungen unter Vorbehalt sind. Ich weiß nicht, was diese Menschen so schwierig macht und wie immer, es gibt natürlich positive Ausnahmen.
Bei den hiesigen Guesthousebetreibern habe ich das Gefühl, dass wir einfach nicht in ihr Weltbild passen. Eine Familie, die mit Kindern reist, geht gar nicht. Ich habe ihre beiden Kids auch noch nie gesehen, obwohl ein Guesthouse wirklich das perfekte Geschäft ist, um Familie und Job miteinander zu integrieren. Nicht so hier. Was mich zu der Vermutung führt, was für ein verkrampftes Verhältnis die Beiden zu ihren Kindern und ihrem Geschäft haben. Oder anders formuliert, nach was für stringenten Regeln sie hier ihr Leben zu leben versuchen. Wir durchbrechen das ja wieder und scheinen hier jemanden wieder ganz schön vorzuführen. Wobei mir das echt egal ist, wie die Leute leben, sie sollen mich nur freundlich behandeln und ansonsten in Ruhe lassen. Mach ich doch auch so, glaube ich zumindest.
Nichts desto trotz, Lydia fand die Idee mit der deutschen Schule hier in Bariloche gar nicht so blöd, so dass wir mal fragen gegangen sind, ob Lydia und Josua dort nicht mal einen Tag schauen dürfen.
Deutsche Schule ist auch wieder sehr positiv formuliert. Außer Deutsch als erste Fremdsprache ab Klasse 1 mit deutschen Lehrern ist an der Schule nichts deutsch. War dann auch der Grund, warum die Direktorin meinte, dass ein ganzer Tag sinnlos sei, da alles in Spanisch ist, aber zum Deutschunterricht könnten die beiden ja mal kommen.
Gesagt, getan, Lydia ist gleich da geblieben. Mensch die hat Schneid. Ich hätte mich das nicht getraut, aber das ist echt ein sehr, sehr positives Resultat der Weltreise. Offen und neugierig auf Unbekanntes und das Wissen, dass in der Regel nichts passiert.
Die Zweitklässler hatten schon Schluss, aber am Mittwoch darf Josua mal schauen kommen.
Lydia war total begeistert. Endlich wieder Schule. So kann's gehen. Man muss den Kids nur lange genug die blödesten Sachen vorenthalten und schon wird es etwas begehrliches.
Nein, Lydia war begeistert. Sie durfte allen erzählen, wo wir schon waren, dafür wurde extra eine Weltkarte besorgt, wo wohl die Ländernamen fehlten. Lydia meinte nur, dass das nichts macht, sie kenne diese ja. Und sie war sehr amüsiert als die Lehrerin sie fragte, was denn Laos und ob Sumatra ein Land sei. Ich glaube in Geographie macht niemand Lydia so schnell mehr etwas vor.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 7. April 2009
Rutenplanung (Bariloche, Argentinien)
Wann wo noch hin? Das war das Thema des heutigen Tages. Klar, Buenos Aires, aber danach? Bolivien, Atacamawüste?
Das Hauptproblem, welches sich für uns abzeichnet, ist nicht nur, dass reisen in Südamerika ohne Auto immer ein ätzender Krampf ist, sondern die sich ausbreitende Denguefieberepedemie.
Selbst in Buenos Aires gab es schon Todesfälle. Ach manno, da haben wir ja echt gar keine Lust drauf. Die Frage ist, wieviel ist davon real und was ist nur Hysterie. Die Südamerikaner mögen ja gerne den Superlativ. Man kann sich nur dieser ganzen Panik leider nicht ganz entziehen.
Wir müssen mal hören, was andere Reisende erzählen, die aus den Nordregionen Südamerikas kommen, also Bolivien, Paraguay und Brasilien.
In Asien sind wir ja auch durch malariaverseuchte Gebiete gereist und Dengue soll dort auch an vielen Orten allgegenwärtig gewesen sein, es hat nur in der Regel kein Hahn danach gekräht.
Wir wissen es nicht.
Lydia war wieder in der Schule, ist das angenehm, und bei mir liefen tausend und eine Mail ein, wann mit wem telefonieren, Bewerbungsunterlagen an die falsche Adresse gegangen und „ja, das Proposal ist toll, ich leite es weiter“. Klingt doch eigentlich alles ganz gut.
Ach ja, und dann ist ja facebook etc., wo sich immer mehr melden, die mich mittlerweile finden. Was für ein faszinierendes Spielzeug. Ich meine, ich habe da Leute aus der ersten Klasse gefunden, oder jemanden, mit dem ich mal in den USA im Ferienlager war. Krank nicht? Und es gibt nichts schöneres, als zu sehen, was die Leute heute so treiben. Spannend!
So, ich muss jetzt mal aufhören, denn Coffs Harbour, oder besser Waikato, will gleich angerufen werden. Ich muss mich erstmal einlesen, mit wem ich da eigentlich zu tun habe.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 8. April 2009
Nach Buenos Aires über El Bolson - Krank, aber so kann's gehen
(Bariloche zurück nach El Bolson, Argentinien)
Der Tag fing mit viel zu frühem Aufstehen an. So ist das, wenn die Kinder freiwillig um acht in die Schule wollen. Vielleicht sollte man das wirklich mal als pädagogisches Konzept ins Auge fassen, Kindern den Zugang so lange vorzuenthalten, bis sie vom elterlichen Privatunterricht so weichgekocht sind, dass sie liebend gerne in die Schule zurück wollen.
Zum Schulbeginn gab es dann auch Fahnenapell und Liedergesinge, aber keine Nationalhymnen. Das macht es doch gleich etwas sympathischer.
Lydia gerade weggebracht, war auch schon der Josua dran, der vor Aufregung die ganze Zeit durch die Gegend titschte. Sein erster Schulbesuch.
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| So proud to be in school. (Bariloche, Argentina) |
Und ehe er sich versah, war er auch schon in eine dritte Klasse gesteckt worden, wo er lustigerweise gar nicht durch seine Größe auffiel. Die Erstklässler an der deutschen Schule sprechen halt alle kein Wort deutsch.
Total begeistert und Freude strahlend habe ich ihn wieder entgegengenommen. Das hat Spaß gemacht. Es wurden Osterhasen gebastelt und in der Schule Ostereier gesucht. So macht Schule immer Spaß. Mensch, wer hätte gedacht, dass Josua seinen ersten Schulbesuch in Bariloche, Argentinien, macht. Ich war ebenfalls zutiefst gerührt. Er war doch soo stolz.
Ich war dann noch kurz in der Bank, um Kleingeld zu holen. Man weiß ja nicht, ob in Buenos Aires nicht auch dieses Kleingelddrama in öffentlichen Verkehrsmitteln besteht, wie in Mendoza. Aber ich wäre nicht in Argentinien, wenn man sich mal vor Augen führt, wie albern diese Szenarien in der Bank sind.
Ich wollte 20 Peso, also gerade mal 5 Euro, in Kleingeld wechseln. Man glaubt es nicht, aber es ist nicht möglich gewesen. Man konnte mir gerade mal fünf Peso wechseln. Fünf Peso, das sind gerade mal ein Euro. Ein Euro, wie lächerlich ist das denn. Das hat doch den Charme von einem Erstklässler, der mit seinem Euro in die Bank kommt und diesen wechseln will, damit er sich einen Lutscher kaufen kann. Wo bin ich hier nur gelandet?
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| Studying the maps. (Bariloche, Argentina) |
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| The kids want to play computer games all day. (Bariloche, Argentina) |
Wir waren dann doch froh, als wir endlich das Guesthouse verlassen konnten, denn scheiße behandelt zu werden trägt niemals zur guten Stimmung bei und schon gar nicht bei den Preisen.
Mein wieder aufgenommenes Rückentraining und das radikale wegschmeißen von Klamotten hatte seine Wirkung, so dass wir alle ohne große Probleme die drei Kilometer bis zur Busstation geschafft haben.
Und wie immer an der Busstation trafen wir wieder jemanden, diesmal eine junge Deutschlehrerin von der Deutschen Schule auf dem Weg in die Osterferien.
Danach ging der frustrierende Marathon der Busunternehmen los. Wir hatten nicht mit dem Ferienbeginn gerechnet, aber alle Busse waren tatsächlich ausgebucht. Das frustrierende daran war, dass alle Busse ausnahmslos fast leer starteten. Und das bei diesen mega Doppeldeckerbussen. Wo die noch all ihre Passagiere aufsammeln wollten ist mir unklar.
Und hier war jetzt das erste mal auf unserer gesamten Weltreise, dass wir einfach nicht weiter kamen. Wir sind jetzt halt in Südamerika, denn in Asien gab es immer eine Lösung. Hängen geblieben sind wir dort noch nie und wenn es die „Never-Full-Policy“ für die Busse war. Manchmal eng, aber es ging immer weiter. Hier nun nicht.
Und nun? Zurück nach Bariloche? Auf keinen Fall! Diesen Arschlöchern schmeiß' ich doch nicht mein Geld in den Rachen. Die wollten ja, dass wir zur Mutter umziehen. Und in Bariloche jetzt nach einer anderen Unterkunft Ausschau halten? Aussichtslos, es sind ja jetzt Schulferien.
Was also machen?
Wir haben den Führer studiert, verschiedene Optionen gewälzt und sind zum Schluss mit der Karte in der Hand zu den Busgesellschaften und haben gefragt, wo es noch freie Plätze gibt. Ort ist egal.
El Bolson war das einzige, was noch frei war. Und wenn der Campingplatz bei der Bierbrauerei noch offen hat, dann sind wir bei zwei Übernachtungen dort mit den Transportkosten schon günstiger weg als in Bariloche.
Also auf zurück nach El Bolson und Ostern aussitzen. Denn all die Leute, die nach Buenos Aires über die Ostertage fahren, wollen ja auch irgendwo wohnen. Was soviel heißen würde, dass eine Unterkunft zu finden eine super ätzende Angelegenheit wieder würde.
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| Back at the Cervezeria. (El Bolson, Argentina) |
Das Wetter ist wieder hervorragend, um nochmal zu campen, und es gibt schlimmere Orte als beim herzensguten Ruben seine Zeit totzuschlagen.
Wir haben den Busfahrer gebeten, uns direkt bei der Cervezeria rauszulassen, was kein Problem darstellte, und tatsächlich Ruben saß einsam und alleine in seinem Aufenthaltsraum und zeichnete fleißig an seinen Plänen für sein eigenes Restaurant. Wie er strahlte, als er uns sah.
Auf die Frage, warum wir denn wieder da seien, sagte ich, dass seine unvergleichliche Freundlichkeit uns wieder hergetrieben hat. Wie er sich freute, dies zu hören.
Ich finde, man muss guten Service auch mal loben, auch wenn die meisten Argentinier anscheinend keinen Zusammenhang zwischen Service und treuen Kunden herstellen können.
Chris und ich sind dann noch in die Stadt einkaufen gegangen. Es ist so viel leichter, wenn man sich schon auskennt und nicht erst alles neu erschließen muss. Zumal diese überraschende Richtungsänderung doch einiges an Neuorientierung erfordert. Vor allem hatten wir uns doch gerade so ans komfortable Leben in festen vier Wänden gewöhnt gehabt. Abends Radio zu hören ist ein unvergleichlicher Luxus und auch nicht 30 Meter bis zur Toilette in der Kälte laufen zu müssen, ist nicht zu verachten. Jetzt müssen wir halt wieder ins spartanische Zeltleben zurück und dazu noch ohne Auto. Das ist gleich doppelt anstrengend, aber machbar.
Wir waren alle ganz ruhig, ohne Zickenterror und Theater haben wir es diesmal wieder so genommen, wie es halt kam. Und das Wetter ist echt toll.
Mittlerweile sind die Pappeln strahlend gelb und die Berge haben einen rostroten Schimmer angenommen. Toll, ich hatte mir so gewünscht, hier in Patagonien mal Jahreszeiten zu erleben und jetzt habe ich schon immerhin den Sommer und den Herbst mitbekommen. Und das Panorama von El Bolson ist so viel schöner, da man es beim Campen einfach immer vor Augen hat.
Beim Einkaufen stellten wir den positiven Überfluss beim Gemüse fest. Die Preise sind so tief wie noch nie und die Auswahl so groß wie noch nie. Dafür scheint es in ganz El Bolson keine Münzen mehr zu geben. Wir waren in zwei verschiedenen Supermärkten und da man uns kein Wechselgeld geben konnte, bekamen wir einfach den ganzen Schein zurück. Kann ich mit leben.
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| I want to ride my bike. (El Bolson, Argentina) |
Wieder zurück auf dem Campingplatz hatte Josua die beiden deutschen Motorradfahrer fest in der Mangel und quatschte sie zu. Es ist das erste wirklich interessante Pärchen, die wir hier in Südamerika getroffen haben.
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| Lydia wants to ride motorbike, too. (El Bolson, Argentina) |
Mit dem Motorrad von den USA bis hier runter (www.thebundschuhs.de), Respekt sage ich nur. Und gut drauf waren die beiden auch noch und so verging der Abend.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 9. April 2009
El Bolson, die Dritte; gibt’s das? (El Bolson, Argentinien)
An die niedrigen Temperaturen in der Nacht müssen wir uns erst wieder gewöhnen und Florian leider immer wieder zurück in seinen Sack stecken. Er kann es nicht lassen und kriecht dort immer wieder raus. Ich war doch gerade so froh, mir darüber keine Sorgen mehr machen zu müssen, dass er zu kalt werden könnte. Und auch die Wintersachen hatte ich doch schon gewaschen und auf den Grund der Rucksäcke verbannt. Jetzt halt alles nochmal. Wobei die Sicht und auch das tolle Klima einen für die neuerlichen Anstrengungen entschädigt.
Der Vormittag ging mit Wäsche waschen, wer hätte das gedacht, und schnacken mit Ines und Björn drauf. Die wollten dann aber weiter und wir in die Stadt, mal nach der Bussituation schauen. Die hat sich total entspannt, das war nur der Tag der beginnenden Schulferien, der so kritisch gewesen ist.
El Bolson ist ja so viel netter als Bariloche, nur hier hätten wir kein Auto mieten können und die Kinder hätten nicht die Chance gehabt, mal in die deutsche Schule zu gehen.
Es gibt hier einen Handwerksmarkt, der echt süß ist. Nicht der ganze immer gleiche Tourischeiß wie sonst, sondern zum Teil echt kreative Ideen und auch liebevoll selber gemacht.
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| At the market with the mountains in the background. (El Bolson, Argentina) |
Danach sind wir noch ein Eis essen gegangen und wieder zum Campingplatz gebummelt.
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| Fun at the cervezeria. (El Bolson, Argentina) |
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| and more fun. (El Bolson, Argentina) |
Hier trudeln gerade immer mehr Leute ein, so dass wir nicht mehr die einzigen sind. Das tut mir ja immer so Leid, wenn man bei super lieben Leuten ist und man ist der einzige Gast. Und diese Typen in Bariloche verdienen sich 'ne goldene Nase trotz ätzender Kundenpolitik.
Es mag sein, dass wir als Familie lauter sind gelegentlich als andere, wobei wir Nachts schlafen und nicht die ganze Zeit duschen und am rumoren sind. Das ging mir gelegentlich echt auf den Sack, wenn man Nachts aufs Klo muss und alle Bäder sind besetzt, weil jemand um drei Uhr nochmal duscht.
Dafür räumen wir unseren Dreck auch weg und ich nehme auch immer einen Besen in die Hand, um unser Chaos unter den Tischen zu beseitigen. Das wäre bei einigen Travelern auch gelegentlich ganz angemessen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 10. April 2009
Rappel voll! (El Bolson, Argentinien)
Das Wetter ist echt unschlagbar. Strahlender Sonnenschein und morgens und abends schon richtig frisch, so dass man sich auf die Sonne freut.
Als wir unsere Bustickets endlich kaufen wollten, mussten wir feststellen, dass der Typ gestern keine Ahnung hatte. Die Busse sind immer noch rappel voll, so dass wir jetzt erst einen Tag später als geplant, nämlich erst am Montag, los kommen.
Ärgerlich, denn hätten wir das gewusst, dann hätten wir die Tickets gestern schon gekauft.
El Bolson ist heute am Karfreitag rappel voll. Mit Live Musik und Handwerkermarkt und Tretboot fahren. Soviel zum höchsten katholischen Feiertag.
Wir sind bei dem strahlenden Wetter noch auf den nahen Hausberg gestiefelt, um mal von oben auf El Bolson zu schauen. Sehr schön!
Auch auf dem Campingplatz und im Bierlokal brummt der Bär. Die Kids waren den Rest des Tages mit anderen Kindern am spielen und ich kam endlich, endlich mal wieder dazu, ins Spanischbuch zu schauen. Mein Spanisch bewegt sich im Moment einfach nicht von der Stelle. Das ist total frustrierend, aber Grammatik und Vokabeln wollen einfach nicht in den Kopf.
Und was war die Sonne nicht schön.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 11. April 2009
Noch so ein bezaubernder Tag (El Bolson, Argentinien)
Das Spektakulärste war wohl heute Nacht der Haushund, der trotz Dose und Tütenverpackung sich unser übrig gebliebenes Essen einverleibt hatte.
Chris und ich sind nochmal in die Stadt Ostersachen einkaufen, wobei wir auf Schokoeier verzichtet haben. Die sind so unverhältnismäßig viel teurer als die normalen Süßigkeiten, so dass wir uns für mehr von den günstigeren Dingen entschieden haben.
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| Balloon over El Bolson. (Argentina) |
Florian ist beim Spielen hier am Wasserbecken natürlich reingefallen und war ganz nass. Halb so schlimm, nur seine Schuhe, die bekommen wir so schnell nicht mehr trocken.
Und während Christian nichts ahnend in der Sonne saß, puzzelte Florian am Tisch mit unserem Kram rum, um dann zum Spielplatz abzuziehen. Christian sah, wie er hinterm Zelt verschwand, kurz darauf wieder auftauchte, um scheinheilig zu winken und dann endgültig zum Spielen abzog. Und warum das alles? Wie Christian feststellen musste, hatte sich der Schlawiner das Feuerzeug unter den Nagel gerissen und wollte sich nur versichern, dass niemand was gemerkt hat. So ein kleiner Schuft.
Ich hatte wieder Zeit, mich um mein Spanisch zu kümmern, und am Abend hatten wir endlich mal Zeit und Ruhe mit den Kids erst Fußball zu spielen und später dann noch was vorzulesen. All diese Dinge kommen einfach immer viel zu kurz. Entweder sind immer blöde Muss-Dinge zu tun, oder wir sind alle so fertig, dass keiner mehr Lust auf viel Extra hat. Wenn man drei bis vier Stunden schon mit den Kids Schule gemacht hat, dann schwindet die Motivation noch eine weitere Stunde für gemeinsames Spielen zu investieren. Man hat ja schon soviel zusammen gemacht. Nur leider das, was keinem Spaß macht.
Florian war am Anfang des Fußballspiels noch ein begeistertes Hindernis, nur zum Ende hatte er dann die Faxen dicke und heulte nur noch hinter dem Ball her.
Das Gejaule sollte leider auch noch die Nacht weiter gehen, da er sich schon wieder einen Infekt geholt hatte und fieberte.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 12. April 2009
Das beste Ostern in Josuas Leben? (El Bolson, Argentinien)
Nachdem an den letzten zwei Tagen hier der Bär steppte, war heute gar nichts mehr los. Und das am Ostersonntag. Sämtliche Camper packten ihre sieben Sachen und verschwanden. Zurück blieben nur die unsäglichen Müllmassen.
Angesicht der Tatsache, dass Campen hier ein Hobby der Reicheren ist, die vielen Neuwagen sprechen dafür, finde ich es ein Unding, wie die Plätze hier zurück gelassen werden. Man hat wohl zu Hause ein Hausmädchen, welches hinter einem herräumt. So ein Verhalten würde man in Deutschland doch eher als asozial bezeichnen.
Ist es nicht selbstverständlich, dass man seinen eigenen Dreck wegräumt? Hier nicht, von der Bierflasche über die dreckige Windel ist einfach alles liegen geblieben.
Da fällt mir auch nichts mehr zu ein.
Heute morgen ist doch tatsächlich der Osterhase bei uns vorbeigekommen, wobei Florian nicht in der Verfassung war, groß Süßigkeiten zu suchen.
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| Searching easter eggs. (El Bolson, Argentina) |
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| more searching (El Bolson, Argentina) |
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| and even more. (El Bolson, Argentina) |
Der erste Schokoriegel reichte ihm, um sich hinzusetzen und diesen zu verspeisen, alles weitere interessierte nicht mehr. Lydia und Josua sammelten ihre Trophäen zusammen und frühstückten lecker Schokolade. Und auf Grund der mangelnden Sonne und Florians desolaten Zustands mussten wir heute im Zelt frühstücken. Da ist es wenigstens warm.
Ach menno, das ist so ärgerlich, dass wir nicht schon heute fahren konnten. Das wäre perfekt gewesen. Kann halt nicht immer alles klappen.
Da Ruben, der Campingplatzbetreiber, seinen Laden morgen zumacht und er noch seine Eistruhe leer bekommen muss, gab es für die Kids als zweites Frühstück Eis am Stiel.
Um den Tag noch etwas österlicher zu gestalten, haben wir Eier gekocht und angemalt. Leider fielen sie unmittelbar danach dem Hunger zum Opfer.
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| Painting Easter eggs. (El Bolson, Argentina) |
Wir versuchten Florian dazu zu bewegen, doch mal zu schlafen, nur das sah er ganz anders. Mit puterrotem Kopf turnte er begeistert über uns alle im Zelt liegenden, während ich versuchte etwas vorzulesen.
Am Nachmittag haben wir Ruben auch eine Osterüberraschung geschenkt, woraufhin er uns unbedingt allen ein Eis spendieren wollte. Das war schon das zweite für die Kindern. Und am Abend nach dem Abendbrot hat er Lydia und Josua noch eins gegeben. Die Eistruhe muss halt zum Saisonende geräumt werden, denn hier geht nach Ostern alles in die Winterpause.
Somit war das Resümee von Lydia und josua, dass es das beste Ostern ihres Lebens war, da es ja nicht um Konsum ginge, wie Josua sagte, sondern nur ums Eis. Ob er das zu Weihnachten wirklich richtig verstanden hatte?
Florian gehört vermutlich zu den wenigen Kindern, die begeistert Zähne putzen. Er ist immer so begeistert, dass er die Zahnbürste nicht mehr hergeben möchte. Und sobald er sieht, dass es zum abwaschen dieser geht, dreht er sich um und wetzt auf seinen kurzen Beinchen davon. Das macht er immer, wenn er etwas in der Hand hat, wo er genau weiß, dass er es nicht haben darf. Ein kurzer Blick, umdrehen und davon stürmen. Ist das süüüß! Er quietscht dabei ja auch immer so süß und schreit im Moment immer no! no!
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| Photo with Ruben. (El Bolson, Argentina) |
Ich war den Abend über sehr melancholisch, da es mir immer schwer fällt, von schönen Orten Abschied zu nehmen. Besonders war der Trip zurück nach El Bolson wie nochmal zurück an das Ende unseres Autotrips und der war, ist und wird es vermutlich auch lange bleiben ein unvergessliches Erlebnis durch eine der beeindruckendsten Landschaften Südamerikas.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 13. April 2009
Es geht weiter! (El Bolson nach Buenos Aires, Argentinien)
Wir waren früh wach, um unseren Kram einzupacken und waren sehr froh, dass es nicht regnete. Das wäre echt ätzend gewesen. Aber das Wetter war wieder schöner und klarer als gestern, nur der Weg der Sonne über die Berge brauchte bis halb zehn, so dass wir lange frieren mussten.
Wir hatten mit der Busgesellschaft ausgemacht, dass sie uns bei der Cerveceria (Bierbrauerei) einsammelt, so dass wir nicht erst in die Stadt laufen mussten. Wir standen schon auf der anderen Straßenseite und der Bus war schon in Sicht, als Ruben mit seinem grottenscharfen Waltons-Auto auf den Campingplatz bog, bremste, über die Straße sprang und uns alle noch mal drückte, bevor wir dann im Bus verschwanden.
Die Landschaft bleibt auch beim vierten mal toll. Lydia sah das vermutlich etwas anders, da sie sich auf der kurvigen Strecke durch die Berge mal wieder übergeben musste. Vielleicht doch zu viel Eis am Vortag?
In Bariloche mussten wir umsteigen und kamen gerade rechtzeitig als unser Anschlussbus eintraf. Da hätte wirklich nichts schief gehen dürfen, aber so war es sehr angenehm.
Diese langweiligen Luxusbusse. Es ist viel anstrengender, sich fast 24 Stunden auf komfortablen Sitzen langweilen zu müssen, als wenn man in der selben Zeit fünf Reifenwechsel, Verladung von Reissäcken und Mofas plus unzähligen Extrapassagieren, die irgendwie noch mit in deine Sitzreihe müssen, miterleben darf. Da ist wenigstens immer was los. Hier nicht.
Obwohl der Bus um 12:30 Uhr startete gab es kein Mittagessen, sondern erst zum Nachmittag hin gab es schließlich einen albernen Snack bestehend aus einem Alfajor und einem Zwieback, beides extra kompliziert zusammen verpackt, um ja nicht zu wenig Müll zu produzieren und serviert wurde auf unpraktischen Tischchen, die einem auf die Knie gestellt wurden. Warum man bei diesen Luxusbussen dann nicht wenigstens wie im Flugzeug Klapptische eingebaut hat?
Für Florian gab es natürlich nichts, der hat ja keine 155 Pesos (zwischen 30 und 35 Euro) bezahlt gehabt. Aber das kennen wir ja inzwischen. Alle ab fünf zahlen den vollen Erwachsenenpreis und kriegen dafür auch einen Zwieback zum Mittagessen.
Hinter Bariloche fährt man nach nur wenigen hundert Metern aus dem schweizerischen Bergpanorama in eine bergige und karge Prärielandschaft, die von einem Fluß mit einer Wahnsinnsfarbe durchzogen wird.
Irgendwann wurde die Steppe immer platter und zunehmend langweiliger. Öl, Gas und Strommasten stören das Bild und es will und will kein Ende nehmen.
Die gezeigten Videos waren grütze, außer die Musikvideos aus den 80ern und 90gern. Das war richtig lustig, zu schauen, ob man die alle noch kennt. Es passt ja auch perfekt hier her, da hier alles noch aus den 80gern zu existieren scheint. Autos, schicke Trainingsanzüge, Turnschuhe und Jeans, deren Schnitte ich schon vergessen hatte und jetzt auch noch die Musik dazu. Eine echte Zeitreise.
Wir waren froh, dass wir durch Zufall noch genug Essen dabei hatten, so dass wir bis zum Abendessen, welches auch erst gegen 21:30 serviert wurde, hin kamen. Josua schlief zu diesem Zeitpunkt schon und war nicht zum Aufwachen zu bewegen.
Der junge Busbegleiter schien etwas überfordert mit der Aufgabe, da er total gestresst war und kaum hatte er das Essen ausgeteilt, kam er schon wieder rum, um einem das Tablett wieder zu entreißen.
Der Kaffee, der immer gereicht wird, ist absolut ungenießbar. Solch eine Ekelzuckerplörre. Bah!
In Neuquen gab es einen kurzen Stopp, wo die Kids mit allen anderen
ausstiegen, um dann zu sehen, wie der Bus einfach wegfuhr. Sie waren total panisch und verstanden auch nicht, was die Leute ihnen sagten. Denn der Bus fuhr nur um die Ecke, sich mit Essen zu befüllen und dann wieder zurück, die Leute einzusammeln. Aber Angst hatten die beiden trotzdem.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 14. April 2009
Buenos Aires - Eine Weltmetropole (Buenos Aires, Argentinien)
Die Fahrt in die Stadt schien endlos, die Vorstädte wollten einfach kein Ende nehmen. Und mitten in der Stadt angekommen stand es dann total im Stau. Dafür ist die Busstation mitten in der Stadt und nicht 20 Kilometer außerhalb.
Was war das frisch, als wir aus dem Bus stiegen. Wir hatten jetzt mit molligen 30 Grad gerechnet, aber es waren nur 18. Nichts mit dem Ende der Winterklamotten. Also lange Hose und Socken. Die gehen mir ja besonders auf den Sack, weil die die meiste Zeit beim Waschen kosten.
Mensch, was für eine Stadt. Die selbe Atmosphäre wie vor 16 Jahren schwabbte mir entgegen. Dieses brodeln und vibrieren. So quirlig und lebendig. Da ist der Nachbar im Osten, Santiago, nicht nur eine Schlaftablette gegen, sondern eine Stadt, die unter Valium steht.
Buenos Aires ist dagegen eine echte Weltmetropole. Und wenn man hier startet, hat man wahrscheinlich ein ganz anderes Bild von Argentinien, als wenn man sonst wo in das Land kommt wie wir.
Gemächlich, wir waren wieder die Letzten, die noch an der Busstation standen und uns verpackten, ging es Richtung Metro. Hier war es ganz simpel auch ohne Kleingeld Tickets zu erstehen und schon sausten wir Richtung San Telmo, eines der Arbeiterviertel Buenos Aires, wo angeblich der Tango erfunden worden ist.
Das erste Guesthouse war voll, dass zweite wollte 140 Peso, dafür dass es schäbig und ohne Fenster war. Man muss dazu wissen, dass Hostel und Guesthouse hier in Südamerika gleichbedeutend mit unglaublich teuer ist. Hotels sind meist sehr viel günstiger. Man kann hier den Eindruck gewinnen, dass Backpacker in Südamerika noch blöder sind als in Asien und Preise zahlen, die fern von Gut und Böse sind. Im Lonely Planet wird das dann immer mit den gehobenen Ansprüchen der Backpacker begründet. Weswegen wirklich günstige Unterkünfte nur selten angegeben sind.
Beim dritten Spot, Hotel Carly, wo ich schon im Vorfeld versucht hatte telefonisch zu reservieren, um dieses Unterkunfttheater zu vermeiden, ging aber nie, schlürfte ein gelangweilter Typ daher. Er zeigte uns ein Vierbettzimmer, dieses hatte aber keine Fenster. Das Zimmer mit Fenster hatte aber nur drei Betten. Doch, oh Wunder, wir durften es für 75 Peso (ca. 16 Euro) nehmen. Wie kam das? Normalerweise geht das ja immer alles nicht und man zahlt pro Person. Hier nicht. Der Typ war viel zu demotiviert, um lange mit uns rumzudiskutieren.
Warum es so problemlos für uns war, alle fünf in ein Zimmer zu gehen, sollten wir im laufe des Tages herausfinden.
Aber erstmal zu diesem Haus. Es liegt in einer echt tollen Gegend. Viele kleine Straßen mit Lädchen und Cafes, wo alte Männer sitzen ihren Kaffee schlürfen und Zeitung lesen. Das Haus selber muss aus den 20iger - 30iger Jahren sein. Es hat einen Charme, der ist unschlagbar. Wir dachten ja, dass in Kiel unsere Deckenhöhe mit fast fünf Metern hoch sei, aber hier sind es gut nochmal ein bis zwei Meter mehr. Dementsprechend hoch sind die alten Holztüren mit Glas drinnen. Es liegen noch die alten Fliesen und die Bäder scheinen auch aus einem älteren Jahrgang. Besonders die Wasserhähne sind zu beachten. Wenn man denkt, man drehe sie zu, denkt man nur man drehe sie zu. Denn über einen gewissen Punkt hinaus gedreht, dreht man sie schon wieder auf. Aber dieser Charme. Also, wenn hier nicht Evita mal vorbeigekommen ist, dann weiß ich es auch nicht.
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| Our hotel in San Telmo. (Buenos Aires, Argentina) |
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| High ceilings, large windows. (Buenos Aires, Argentina) |
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| View out of our window on the Plaza Dorega. (Buenos Aires, Argentina) |
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| Very stylish, yet a bit old and broken. (Buenos Aires, Argentina) |
In dem Hotel wohnen auch wieder viele Argentinier und zwar fest. Und was uns wirklich überrascht und auch beeindruckt hat, es wohnen hier auch ganze Familien, die sich zu viert ein Zimmer ohne Fenster teilen.
Das freut natürlich Lydia und Josua, dass es Kinder zum spielen gibt, uns hat es mal wieder zum Nachdenken angeregt. Wie arm müssen die Menschen hier sein, so dass sie auf solche Wohnformen zurückgreifen müssen, oder wie teuer müssen Wohnungen in akzeptablen Wohnlagen sein. Das Interessante daran ist, dass man den Leuten überhaupt nicht ansehen kann, dass sie so beengt wohnen.
Die Familie neben uns ist total lieb und die Kids gehen jeden Morgen ganz normal zur Schule. Begegnet man diesen Menschen auf der Straße, würde man sie zur breiten Mittelschicht zählen. Mich würde ja mal interessieren, wie viele Menschen hier in Buenos Aires so leben. In Deutschland scheint mir das undenkbar, da ja jeder Anspruch auf eine gewisse Qudratmeterzahl hat und es Sozialwohnungen gibt, gerade für Familien. Hier nicht. Hier leben die Familien, wie wir es auch tun. Man teilt sich Bad und Küche und schläft in einem Raum.
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| The presidential palace of Buenos Aires (Argentina) |
Sehr spannend! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Auf jeden Fall erklärt es, warum wir auf einmal wieder einfach so ein Zimmer mieten können. Das machen nämlich noch mehr Leute hier in Buenos Aires so.
Den Nachmittag sind wir durch die Stadt geschlendert und haben diese einfach nur wirken lassen.
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| and the plaza in front of it. (Buenos Aires, Argentina) |
Vieles ist erstaunlicherweise viel günstiger als im Süden des Landes.
Da wir die Temperatur überschätzt hatten und ich hoffnungsvoll kurze Hosen an hatte, die langen Hosen waren einfach nicht mehr tragbar nach über zwei Wochen dauertragen, ekelig, haben wir alle ganz schön gefroren und uns auch leider alle erkältet.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 15. April 2009
Eine weitere Reise durch die Zeit (Buenos Aires, Argentinien)
Am Morgen stellte sich als erstes mal wieder das Wäscheproblem. Die Hosen mussten gewaschen werden. Da half alles nichts und auch die ganzen Fliesjacken und Thermohemden brauchten unbedingt eine Dusche.
Die Wäscherei hier um die Ecke ist zwar günstig, hat aber leider nur diese Schrottmaschinen, wo in der Mitte der Pöller ist, der die Wäsche dreht und dabei kaputt macht. Also keine Option. Und so gerne ich sofort in die Stadt gestürmt wäre, hieß es erstmal wieder Wäsche waschen.
Zum trocknen habe ich sie dann aber doch in die Wäscherei gebracht, so dass wir am Nachmittag unsere langen Hosen wieder tragen konnten.
Am Nachmittag haben wir dann einen Stadtbummel durch Puerto Madero, ein völlig neues Stadtviertel von Buenos Aires, gemacht. Das gab es damals noch nicht und es liegt direkt am Wasser. Hier wurden modernste und feinste Bürogebäude hingeflanscht mit einer neckischen Promenade, auf der mehr Wachmänner mit Waffen flanierten als geschäftige Büroangestellte. Direkt an der Promenade steht auch die neue Universität für die oberen 10.000.
Was für ein Szenario. Wir dachten schon, wir seien auf einer Fashion-Show gelandet, aber nicht an einer seriösen Uni. Jungs und Mädels sahen aus, als ob sie definitiv mehr Zeit vor dem Spiegel und in teuren Edelboutiquen zubringen, als vor ihren Büchern. OK, da war die Annahme wohl falsch. Was für Bücher? Die brauchen die doch gar nicht. Nach der vermeintlichen Uni geht es doch ohnehin auf den Posten, den Papi für einen vorbereitet hat. Was muss man dafür schon wissen. Man ist doch sowieso schon kraft Geburt der König der Welt.
Ne, ne, ne. Diese Jungs mit ihren Bügelfalten in der Jeans und die Mädels mit ihren Frisuren, geradem vom Hairstylisten kommend. Da kriege ich Plaque.
Diese Gören will man doch nur nehmen, links und rechts eine runterhauen und dann auf die Straße schmeißen, mit dem freundlichen Hinweis, für ihren Luxus- und Konsumwahn doch mal selber zu arbeiten. Am liebsten auf ein Straße ohne die vielen schwer bewaffneten Wachmänner, damit die einfachen Argentinier, die mit der ganzen Familie in einem Zimmer ohne eigene Küche und Bad leben, auch mal eine Chance kriegen, ihnen das zu erklären ohne fürchten zu müssen, vom Wachpersonal erschossen zu werden. Man muss sich doch nur mal vorstellen, dass diese Kids die zukünftige Führungselite dieses Landes sind. Da kann man doch nur kotzen und dann versteht man auch, warum sich in Argentinien in den letzten Jahrzehnten nichts geändert hat und warum sich in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern wird. Diese Kids kennen den Begriff „sozial gerecht“ nicht und werden auch nie beabsichtigen, dass dieses Land auch nur einen Hauch davon erfahren wird. Das würde ja bedeuten, dass sie etwas abgeben müssten und an Macht verlieren würden. Indiskutabel! Kotz! Kotz!
Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass diese Heinies aus meiner damaligen Klasse in irgendwelchen Entscheidungspositionen sitzen, wo ihnen das Geld in den Arsch geschoben wird. Widerlich! Sicher, nicht alle von den Privatschulen haben die Chance solche Karrieren einzuschlagen, aber ich denke, dass es dennoch erschreckend viele sein werden.
Weiter ging es ins ehemalige Büro meines Vaters. Das hat eine grandiose Aussicht auf den Kongress.
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| View out of the window... (Buenos Aires, Argentina) |
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| ...onto the congress building. (Buenos Aires, Argentina) |
Hier bin ich dann auch auf die alte Sekretärin gestoßen, die schon immer da war und mich noch kannte, und auch,
noch nie getroffen, aber er kannte meinen Vater, der jetzige Büroleiter hier in Buenos Aires.
Und ich dachte, ich mache eine Zeitreise sondergleichen. Diese alten Herren dieser Stiftung, die jetzt geschlossen in Rente gehen, ist ein ganz eigentümlicher Schlag von Mensch. Mein Vater passte dies bezüglich perfekt in das Bild.
Herren, die die 68iger irgendwie verpasst, oder zumindest erfolgreich ignoriert haben. Während wir so schnackten und er wissen wollte, was denn nach dem Jahr käme, ich meinte, dass ich eine Promotion anstreben würde, war er absolut verständnislos, wie ich als Frau denn promovieren wollen könnte.
Das hatte ich doch schon mal gehört. Mein Vater hatte mich auch ausgelacht, als ich ihm eine Promotion als mögliche Option unterbreitet habe. Dabei muss man wissen, dass mein Vater selber promoviert hat, also ist es keine total ferne Idee, nur für seine Tochter passte es irgendwie nicht ins Konzept. Frauen tun so etwas nicht.
Der Büroleiter, wie so viele andere schon vor ihm, konnte und wollte nicht glauben, dass Christian keine Karriere als sonstwas anstrebt. Ein Mann hat Karriere zu machen und die Frau hat ihm den Rücken frei zu halten. So wie ich es kennen gelernt habe und wie es die einzige Möglichkeit scheint, hier im Ausland überleben zu können. Während die Männer mit Abwesenheit glänzen, weiß Gott was die die ganze Zeit machen, ich habe es bis heute nicht herausgefunden, mühen sich die Frauen ab, die Kinder durch diese grässlichen Auslandsschulen zu bekommen. Der Herr schien über seine „Nachfolgerin“ auch mehr irritiert als begeistert. Frauen in Führungspositionen? Wo gibt’s denn so was? Selbst die CDU hat das geschafft. Aber die Altherrenliga tut sich nachhaltig mit diesen Veränderungen schwer. Sie tat sich schon immer schwer mit selbständigen Frauen. Aber wenn die Nachwuchsprobleme so groß sind, dann muss man halt nehmen was da ist, sogar Frauen.
Es war ein netter, wenn auch sehr seltsamer Besuch und mich quält ja nachhaltig die Frage: „Was macht eine politische Stiftung im Ausland eigentlich?“ Ich habe es bis jetzt nicht herausgefunden. Bei Wirtschaftsprojekten kann ich mir was vorstellen, bei sozialen Projekten auch, aber politische Projekte?
OK, man redet mal mit Abgeordneten, aber wenn man sich diese verzogenen Gören an der Uni vorstellt, wenn sie später mal in diese Posten rutschen. Die wollen doch gar nichts erzählt bekommen. Was interessiert die das Gedrisse von irgendwelchen Ausländern. Sie sind sich doch selbst genug. (P.S. dieses Bild hier mag stark überzeichnet sein. Ich ziehe meinen Hut vor all denen, die es ehrlich und aufrichtig meinen und einen mühevollen Weg hinter sich gebracht haben, um etwas positiv zu bewegen, aber die Atmosphäre und auch die Menschen hier machen es einem leicht, dieses karikative Bild weiter zu malen).
Ich frage mich wirklich, was die Stiftungen so treiben, außer Unsummen an Geldern platt zu bekommen. Nicht alleine für die entsendeten Mitarbeiter, die ihre Möbel, Autos und hast-du-nicht-gesehen verschiffen müssen. Die Häuser dürfen nicht zu klein sein und man braucht ja auch noch Unkostenbeiträge, damit man die selben Bedingungen wie in Deutschland schaffen kann. Wohl gemerkt, man ist nicht in Deutschland, sondern im Ausland, so dass das mitunter teuer ist.
Ich frage mich, ob diese Herren über die Lebenssituation der Menschen hier in Buenos Aires Bescheid wissen. Nicht, dass ich viel darüber wüsste. Zu groß ist die Vielfalt und die Heterogenität. Doch durch das Reisen mit beschränkten Mitteln trifft man immer wieder auf Menschen, die ich in Deutschland auch noch nie getroffen habe und wo ich mich frage, gibt es nicht auch in Deutschland seltsame Lebenssituationen, die so gar nicht ins reiche Deutschland passen wollen?
Auch unsere Camperei wurde belächelt. Was ich bedauerlich finde, dass sich der Herr anscheinend noch nie mit den Reiseformen der Argentinier auseinander gesetzt hat. Sollte man nicht möglichst viele Informationen über ein Land und vor allem die Leute, die letztendlich doch eigentlich die Nutznießer der Entwicklungshilfe sein sollten, einholen? Was ist mit dem Kreditdrama immer und überall. Nimmt man das war, wenn man in seinem großen Haus wohnt und nur im Supermarkt um die Ecke einkauft, wo es diese Probleme nicht gibt? Sieht man die Bettler auf der Straße, die nicht nur heruntergekommene Penner sind, sondern ganze Familien, auch mit blonden Haaren, wo die Kinder dabei sind Schulaufgaben zu machen, während die Eltern die Hand aufhalten, da es vermutlich einfach nicht reicht über die Runden zu kommen, auch wenn man zu viert oder so in einem kleinen dunklen Zimmerchen wohnt? Bekommen die Stiftungsmitarbeiter dies alles mit? Berichtet ihnen jemand davon? Sind es nicht die Superreichen, die diese Länder in der dritten Welt halten? Also sollte man sich wirklich nur an denen orientieren?
Ich habe davon damals nie etwas mitbekommen, noch hat mir jemand davon berichtet, wie viele Menschen hier so leben, oder besser überleben. Der Wirtschaftscrash in Argentinien kam ja für alle so unerwartet, und ich vermute, der nächste wird für all jene, die noch nie im Supermarkt an der Kasse irgendwelchen Kreditverhandlungen beigewohnt haben, wieder sehr überraschend kommen. Mal sehen, was in den nächsten Jahren so passiert.
Wie schon in Asien wirken viele Entwicklungshelfer viel zu abgehoben, um wirklich etwas bewegen zu können. Zu weit sind sie von der Realität der einfachen Menschen entfernt. Ich nehme mich da nicht aus. Ich komme aus dem reichen Deutschland und muss mir nicht wirklich Gedanken über die Zukunft machen. Es gibt ja Sozialsysteme. Nicht, dass wir sie nutzen wollten, aber das Wissen, dass eigentlich gar nichts passieren kann, gibt uns ein ganz anderes Lebensgefühl. Die Vorstellung, auf unbestimmte Zeit in miesen Verhältnissen leben zu müssen, ist für uns doch gar nicht antizipierbar? Ich tue mich damit zumindest schwer.
Nein, ich weiß nicht, was ich von Entwicklungshilfe und insbesondere diesen politischen Stiftungen halten soll. Der größte Nutznießer war vermutlich wirklich ich. Mit großem Haus, Pool und dem Abenteuer Ausland.
Aber da ich ja gar nicht weiß, was diese Stiftungen eigentlich machen, darf ich ja auch kein Urteil bilden. Deshalb ist das Gesagte unter Vorbehalt. Sollte ich irgendwann herausfinden, welch großartige Arbeit die Stiftungen leisten, widerrufe ich das hier Geschriebene umgehend. Bis dahin bin ich ratlos, sehe das ganze mit einem kritischen Auge, da zu viele Fragen ungeklärt sind.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 16. April 2009
Großstadtflair! (Buenos Aires, Argentinien)
Der Morgen fing etwas nervig an, weil andere Gäste meinen, nachdem sie die ganze Nacht unterwegs waren, dass um 10 Uhr kleine Kinder nicht quaken dürften. Florian sah das anders und trällerte munter weiter vor sich hin, wenn man dies als singen bezeichnen möchte. Vor allem hatten wir die ganze Nacht non-stop Lärm von den umliegenden Bars und den live-Musikanten, die hier auf dem Platz spielen. Ich finde das hat was, auch wenn es anstrengend ist. Aber so wie ich den nächtlichen Lärm akzeptiere, erwarte ich, dass coole Singels akzeptieren, dass kleine Kinder ihre Lebensfreude ebenfalls lauthals zur Geltung bringen. Und so laut war Florian echt nicht und es war immerhin schon 10 Uhr. Da gibt es Schlimmeres.
Für mich hieß es dann erstmal wieder waschen, da ich gestern nicht alles geschafft hatte, aber dafür bin ich jetzt mit den ganzen dicken Sachen durch.
Derweil dudelte vom Platz charmante Tangomusik und unterstreicht den ohnehin schwer tragenden Charme des Hauses und der Umgebung.
Hier im Hotel sind wir jetzt auch zum ersten mal mit ganz anderen Typen von Reisenden zusammengetroffen. Künstler! Seien es Maler, Fotografen, Sänger oder der Musiker, der hier immer Saxophon übt.
Die junge Fotografin aus Südtirol ist auch die erste Person, die wir getroffen haben, die nicht nur gehört hat, dass irgend jemand Opfer von Kriminalität geworden sei, sondern selber betroffen ist.
Man hat ihr gestern im berühmt berüchtigten La Boca auf einem belebten Platz ihre Kamera via vorbeifahrendem Mofa aus der Hand und vom Hals gerissen. Die Verletzungen sind noch gut zu sehen.
Heftig! Jetzt hat diese Hysterie, die hier ständig propagiert wird, wirklich zugetroffen, was bedauernswert ist und uns zu höherer Vorsicht animiert.
Die Speicherkarte vom Computer verstauen wir nun getrennt, unsere Bauchgurte versuchen wir zu tarnen, was unter dem Tragetuch ganz gut gelingt, und Christian ist so dünn, dass man nicht sieht, dass er einen Gurt unter der Hose trägt. Zusätzlich müssen wir uns noch ein Scheinportemonnaie zulegen, mit ein bisschen Geld, welches man im Falle eines Falles hergeben kann.
Was für ein beschissener Kontinent. Richtung Bolivien und Paraguay wird es ja nicht besser und über Rio de Janeiro brauchen wir ja gar nicht erst zu reden.
Hab ich schon gesagt, dass ich auf sowas gar keine Lust mehr habe.
Am Nachmittag ging es nochmal durch die Stadt, um dann auch schmucke Tangotänzer in der Fußgängerzone zu bestaunen.
Buenos Aires ist einfach toll.
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| Tango... (Buenos Aires, Argentina) |
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| ...and more Tango. (Buenos Aires, Argentina) |
Am Abend hab ich dann nochmal versucht mit der Uni in Coffs Harbour zu telefonieren, da Lewis mir 'ne Mail geschickt hatte, dass er morgens um neun erreichbar sei. Und wenn bei ihm morgens neun Uhr neuer Tag ist, ist bei mir noch 20 Uhr abends des Tages davor. Aber selbst die Skypeverbindung funktionierte. Die ersten fünf Minuten brauchte ich wieder, um mich ins Englische zu finden und danach hatte ich wieder ein nettes Gespräch. Auch hier die positive Rückmeldung, dass mein Proposal toll sei und dass er mich gerne mit nach Waikato in Neuseeland nehmen würde. Auch sollen die Visabedingungen in Neuseeland nicht so ätzend wie für Australien sein. Im Prinzip darf Christian da arbeiten.
Einziges Problem für mich, der Ielts-Test läuft hier in zwei Tagen und der nächste in Buenos Aires erst Ende des Monats wieder. Das schaffe ich dann doch nicht und die Bewerbungsfrist auf Stipendien in Waikato läuft Ende April aus. Auch das ist mir zu schnell, für eine Entscheidung.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 17. April 2009
Ein Blog-Tag (Buenos Aires, Argentinien)
Lydia ist total erkältet und bleibt bei ihrem Gehuste mal einen Tag im Bett.
Ich würde ja so gerne hier durch die Stadt rennen, weil sie so spannend ist, aber der Blog ruft und bevor alles vergessen ist, muss es erstmal aufgeschrieben werden.
Dass Matetee hier allgegenwärtig ist, hatte ich ja schon erzählt. Auch dass man diese Teebecher bis zum Rand voll mit diesem Gras macht, um dann ein Schlückchen Wasser darauf zu gießen, welcher dann aus den Silberstrohhalmen gesüffelt wird. Und damit auch nie jemand ohne heißes Wasser ist, sind überall Radfahrer oder Karrenschieber mit Thermoskannen und heißem Wasser unterwegs, um dieses zum Wohle des Mateteekonsums zu verkaufen. Andernfalls wird das fast kochende Wasser aus der Leitung genommen. Nur für Kaffee ist es dann doch nicht heiß genug.
Besonders die Trennung in Heiß- und Kaltwasserhähne kann einem beim Abwaschen ganz schön auf den Sack gehen, denn die Finger verbrennt man sich dabei immer.
Ich bin ja der Ansicht, dass die objektive Zahl von Magersüchtigen zu damals geringer geworden ist. Wobei das auch am kalten Wetter liegen kann, so dass die Mädels einfach mehr tragen. Die Durchmischung erscheint mir dennoch größer. Damals war es ja schon fast widerlich, diese ganzen halbverhungerten Mädels durch die Gegend wandeln zu sehen. Dafür haben es die alten Damen hier unglaublich schwer. Eine Gesellschaft, die nur aufs Äußere der Frau fixiert ist, hat natürlich keinen Platz für Spätblondinen und Omis mit Föhnfrisur. Was tun diese alten Damen nicht alles, um jung zu erscheinen und dabei sehen sie für uns nur schlecht geschminkt und frisiert aus, weil es einfach des Guten zu viel ist. Wie viele von denen mögen wohl geliftet sein, denn die sehen irgendwie alle gleich aus.
Die Stadt scheint überschwemmt mit Spätblondinen, mensch gibt’s da viele von, und wer den Look der heiteitei Argentinier beschreiben will, liegt mit schnieke und schnöselig, also schnieköselig, vermutlich am nächsten. Was sind die Jungs hier nicht geleckt mit ihren Anzügen und diesen Schmalzlöckchen, während Frau einfach nur blöd aus der Wäsche schaut. OK, die Jungs sehen auch nicht wie Leuchten aus.
Das Hotel hat einen ganz eigentümlichen Charme. Hier laufen Typen rum. Von total offenen, gesprächigen, zu komplett verschlossenen, herumschleichenden. Man hat das Gefühl in einem Krimi gelandet zu sein. Gleich passiert etwas und dann müssen all diese Leute miteinander agieren und fangen an, sich gegenseitig zu verdächtigen. Grottenscharf.
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| Floor tiles. (Buenos Aires, Argentina) |
Was ich hier in Argentinien wirklich positiv finde, sind zum einen immer die Kilopreise, meistens sind es Kilopreise, im Supermarkt, so dass man gar nicht auf den eigentlichen Preis, sondern nur auf den Kilopreis schauen kann, um die Preise miteinander vergleichen zu können. Und da es hier keine Verpackungsnormen gibt, was die Einheitsgrößen angeht, ist das echt hilfreich.
Und die Nummerierung der Straßen ist echt praktisch. Man muss gar nicht die Straßennamen kennen, sondern die Hausnummern und die Nummern des Querblocks. Dann weiß man immer, wie viele Blocks noch zu laufen und in welche Richtung, da im Stadtzentrum mit der Null begonnen wird, jeder Block hundert Meter beträgt und nach außen die Zahlen steigen. Sehr praktisch.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 18. April 2009
Willy will's wissen (Buenos Aires, Argentinien)
Der Vormittag verging mit halbherziger Schule, email-Verkehr mit den Unis halten und weitere potentielle Unis an Land ziehen. Falls das irgendwo nicht klappen sollte, damit es noch genug Alternativen gibt. Womit sich noch St. Andrews in Edinburgh auf meine aktive Liste gesetzt hat. Ne, Jeanne!?
Am Mittag ging es dann mit dem Bus nach Olivos, ein Stadtteil in Buenos Aires, einen Bekannten treffen, an den ich mich eigentlich kaum mehr erinnern konnte, außer dass er super lieb war und der einzige ist, der
in Buenos Aires noch übrig geblieben ist. Alle anderen sind gegangen. Wer hätte das gedacht.
Es war ein echt schöner Nachmittag. Seine vierjährige Tochter war da und sie hatte so ein großes Plastikauto in dem sich Florian den ganzen Tag vom Josua durch den Garten hat rumschieben lassen. Was für ein Vergnügen.
Lydia war immer noch so erkältet, dass sie vorm Fernseher hing und Simpsons schaute. Und dann machte Willy die Kids und mich auch super glücklich, als er einen riesen Berg Pfannekuchen machte.
Hatte ich nicht letztens noch gesagt, mal wieder Pfannekuchen, das wäre was Feines?
Wir haben noch einen kleinen Spaziergang zur Flusspromenade, oder doch schon Meerpromenade, gemacht. Das Wasser war mir damals so gar nicht bewusst gewesen, aber mittlerweile werden überall schöne, attraktive Promenaden mit Segelhäfen gebaut. Das hat sich in den letzten Jahren hier wirklich verändert.
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| The Rio de la Plata in Buenos Aires. (Argentina) |
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| Lots of sailing vessels. (Buenos Aires, Argentina) |
Es war spannend, mal die Sicht von jemanden zu erfahren, der hier selber im Land überleben muss und erstaunlicherweise sprach er die Themen, die wir auch schon wahrgenommen hatten, von ganz alleine an und zwar auch so, wie wir es sehen.
Die elitäre deutsche Schule, die unerträglich ist. Willy spricht übrigens sehr gutes Deutsch, war aber nie auf der deutschen Schule.
Diese ganzen brotigen Mädels, die mehr Zeit vorm Spiegel verbringen, als einen vernünftigen Satz zusammen zu bekommen und dieses System, wo man nach einem sinnvollen Grund nicht fragen sollte. Nee, Willy klang leicht frustriert und angepisst von all den Dingen hier.
Was wirklich spannend war, war die Story über das Kleingeld. Er fragte uns, ob wir das Kleingelddrama schon mitbekommen hätten. Wer hat das nicht?
Die Erklärung war so banal wie dämlich. Die Rohstoffpreise für die Münzen sind höher als der Wert der Münzen selber mit der Folge, dass das ganze Kleingeld an der paraguayischen Grenze verkauft wird. Krank, oder? Aber der zunehmende Kleingeldmangel ist echt ein Problem.
Auf fünfzig Peso, mit einem Hunderter muss man gar nicht erst ankommen, geben die Supermärkte kein Wechselgeld, wenn man nur etwas unter 10 Pesos kaufen will. Dann wird der Verkauf der Ware verweigert, weswegen Christian frustriert ohne Kekse zurück kam. Man muss dazu wissen, dass es sich bei 50 Pesos gerade mal um 10 Euro handelt. 10 Pesos sind gerade mal 2 Euro und aus dem Automaten bekommt man nur hunderter Scheine. Ist das krank, oder total krank?
Busfahren ist nur mit Münzen möglich und da Kinder hier ja schon ab drei Jahren voll zahlen (geil nicht?), brauchen wir immer Unmassen an Münzen. Wir sammeln und horten sie, wie etwas sehr wertvolles, während überall Werbung läuft, dass man seine Münzen bitte nicht horten soll, sondern ausgeben. Vielleicht schmelzen wir auch unsere ganzen Münzen ein, wenn wir in Paraguay sind.
Krank, kränker, am kränkesten!
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 19. April 2009
Geburtstageritis (Buenos Aires, Argentinien)
Was für eine Nacht. Wir werden hier ja ohnehin schon die ganze Zeit mit Tango beschallt, aber heute Nacht war es dann einfach zu viel. Von 23 bis 7 Uhr morgens nonstop schallte Musik und Lärm zu uns hoch. Und kaum war der letzte endlich von der Straße kamen auch schon die Leute zum Aufbau des Künstlermarktes, der Sonntags hier statt findet. Was waren wir gerädert.
Und endlich klingelte es bei mir. Das holländische Pärchen, welches hier wohnt, kam mir von Anfang an so bekannt vor, aber ich konnte sie beim besten Willen nicht zuordnen. Christian sagten die beiden nichts. Aber heute fiel es mir dann plötzlich ein. El Chalten, auf dem Tagestrip zu dem kleinen Gletscher hatten wir sie angesprochen und gefragt, ob es eine Möglichkeit gäbe auf den Gletscher selber drauf zu kommen. Die Erinnerung war deshalb so schwer, weil wir wegen des strömenden Regens dort alle in dicke Jacken und Mützen gepackt waren.
Als ich Rozanne fragte, ob sie es denn wirklich seien, klingelte es auch bei ihr. Sie hatte sich schon gewundert, wie es denn käme, dass zur Zeit so viele Deutsche mit Kindern unterwegs seien. Sind es ja gar nicht. Es handelt sich immer um die selben. Die beiden Reisen ebenfalls um die Welt, nur anders herum. Unter www.overalenergens.nl kann man sie begleiten.
Und was macht man bei schönem Wetter in einer Stadt von Welt? Genau, man besucht ein Pferderennen.
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| Horse racing. (Buenos Aires, Argentina) |
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| Watching the race. (Buenos Aires, Argentina) |
Sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln hier durch die Stadt zu bewegen macht einfach nur Spaß. Es ist einfach und es gibt viel, viel zu sehen.
In Palermo bei der Pferderennbahn mussten die Kinder dann feststellen, dass Pferderennen ein sehr meditativer Sport ist, wo das sportliche Ereignis immer nur ein paar Minuten dauert. Spannend geht halt anders.
Nach dem wir rund dreißig Minuten auf das erste Rennen gewartet haben, reichte es uns schon, da man kaum was vom Rennen sehen konnte. Also sind wir rüber zum Polofeld, hier kamen wir nur nirgendwo rein, der Eingang war schlicht und ergreifend unauffindbar, und die Vorbereitungen der Pferde, die man dennoch sehen konnte, nahm und nahm kein Ende.
Somit sind wir dann auch hier weiter gezogen, während Josua anfing zu heulen, da ihm die Ohren so weh täten. Wenn das mal nicht die gefürchtete Geburtstageritis ist.
Durch den unspektakulären botanische Garten von Palermo, der sich vor allem durch seine unzähligen Katzen auszeichnete, da saßen wirklich überall Besucher und hatten Katzen auf den Schoß, welche dazu auch noch gut gepflegt aussahen, ging es zurück ins Hotel.
Das Gegenmodel dazu sind die Hundeparks, wo es sogar geschlossene Ausläufe für die Unmassen von Kötern aus gutem Hause gibt. Der Rest rennt ja sowieso frei rum und kackt die Bürgersteige zu.
Florian hält sich die meiste Zeit bei der Nachbarfamilie auf und nimmt deren Zimmer auseinander, aber sie scheint total angetan von ihm zu sein, denn man hört sie immer herzhaft lachen.
Ansonsten hat Florian jetzt wirklich das ätzendste Kleinkindalter erreicht. Er macht nur Scheiß. Alles muss ausprobiert werden. Wenigstens kommt er langsam mit dem Sprechen zu Potte. Auto klappt schon ganz gut. Aber warum er immer „No“ schreit ist mir unklar.
Lydias gute indonesischen Sandalen haben jetzt endgültig ihren Geist aufgegeben. Die Schnallen samt einer Sohle sind abgerissen. Da ich keine Ahnung habe, wo man in Buenos Aires Schuhe bekommt, die nicht in irgendwelchen teuren Boutiquen verkauft werden, müssen wir wohl auf die günstigeren Länder warten.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 20. April 2009
Geburtstag, aber so was von auf argentinisch! (Buenos Aires, Argentinien)
Dieser Tag sollte so gar nicht funktionieren und forderte unsere Geduld bis zum Bersten heraus.
Josua zu Ehren sind wir in ein klassisches Cafe gegangen, um ganz typisch für Buenos Aires zu frühstücken. Während Chris und ich Kaffee und Media Lunas (kleine Chroissants) bekamen, gab es für Lydia und Josua heiße Schokolade bestehend aus heißer Milch mit einem echten Stück Schokolade, welches man in der Milch auflösen muss.
Leider schmeckte Josua die heiße Schokolade nicht und die Doughnuts, die wir dann zum zweiten Frühstück besorgten, enthielten Dulce de Leche, welche Josua auch nicht mag.
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| Cafe in Buenos Aires (Argentina) |
Der Plan für den heutigen Tag war eine Shopping-Mall, wo es oben Kinderbespaßung geben sollte.
Schon bei der U-Bahnstation stellte sich das erste Problem, die Bahnlinie fiel aus, so dass wir umdisponieren mussten und bis zu einer anderen Metro-Station laufen mussten, welche uns in die Gegend der Shopping-Mall bringen sollte.
Mit allen anderen, die auf andere Strecken ausweichen mussten, ging es in den schärfsten U-Bahnwagons, die ich je gesehen habe, los. Die Wagons waren von innen noch mit Holz vertäfelt. Klassische Holzbänke und Spiegel hingen an der Wand und die Fenster waren aufmachbar. Dafür waren die U-Bahntunnel dann aber auch beleuchtet. Vielleicht waren es ja die ehemaligen Straßenbahnen aus einer anderen Zeit.
Im richtigen Viertel angekommen sind wir erst in die falsche Richtung gelaufen und als wir dann endlich beim Kaufhaus waren, mussten wir feststellen, dass der Spielepark Montags geschlossen hat. So eine Scheiße. Die Indoorkirmes, die es auch noch gab, zwar nicht, aber die machte erst um eins auf.
Also hatten wir noch eine Stunde zum warten.
Die Zeit kann man ja nutzen um ein Eis essen zu gehen, dachten wir, aber auch die Eisdielen waren alle noch zu.
Nun gut, dann vielleicht ein Hot Dog zum Mittagessen. 9 Pesos sollte dieses zunächst kosten, der Straßenpreis liegt bei 2,50. Wir haben aber dann doch noch welche für 3 Pesos gefunden, wobei sie bei weitem nicht so gut wie in Santiago waren.
Um die Zeit weiter totzuschlagen, sind wir noch in zwei Banken, um jeweils 10 Peso (2 Euro, mehr geht pro Bank nicht) in Kleingeld zu wechseln und dann ging es zurück in die Mall.
Hier tat sich irgendwie gar nichts. Auf meine Nachfrage, wann denn endlich aufgemacht würde, hieß es gleich, gleich.
Also habe ich eine Chip-Karte besorgt, auf der Geld gespeichert ist, um die Fahrgeschäfte benutzen zu können. Als ich dann aber bei einem fragte, hieß es nicht unter acht Personen. So viele Kinder liefen hier aber definitiv nicht 'rum.
Beim Roller-Coaster stand noch ein anderer einsamer Junger, aber der Typ, der das Ding bediente, dachte nicht im Traum daran, die Kids einsteigen zu lassen, sondern verschwand einfach.
Uns reichte es. Jetzt hatten wir extra so lange gewartet und jetzt ging es doch alles nicht. Total frustriert bin ich zurück an die Kasse, um uns das Geld wieder zurück geben zu lassen. Das Mädel schaute entgeistert auf die Karte und fragte uns dann, warum wir nichts der Fahrgeschäfte genutzt hätten. Ich meinte auch nur, dass nirgends jemand sei, der die Teile bediene.
Ein kurzes Telefonat und die Managerin persönlich stand auf der Matte und begleitete uns zu den Fahrgeschäften, stauchte ihre Angestellten zusammen und Lydia und Josua durften als einzige Fahrgäste auf dem Roller Coaster fahren.
Die Managerin verschwand und mit ihr wieder das Personal.
Es war nachhaltig eine schwere Geburt, die einzelnen Karussells benutzen zu können. Beim Auto-Scooter hieß es, dass Josua nur in Begleitung eines Erwachsenen drauf dürfe, was wieder unnötig Geld kostete, so dass ich die Karte nochmal aufladen musste, um jeden Wunsch von Josua, der im Rahmen des Möglichen stand, zu erfüllen. An der Abwesenheit des Personals konnten wir ja auch nichts ändern.
Am glücklichsten schien Florian zu sein, der die ganze Zeit von einem automatischen Auto zum nächsten lief, um sich hineinzusetzen, das Lenkrad zu drehen und Knöpfe zu drücken.
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| Josua's birthday cake. (Buenos Aires, Argentina) |
Es war dann auch schon Zeit, wieder zurück ins Hotel zu fahren, denn wir hatten die Nachbarkinder und sonst wen zum Torte essen eingeladen. Wir sind extra beim Carefour ausgestiegen, um Josuas Wunschtorte zu kaufen, aber oh weh, es gab sie nicht.
Wir haben die paar Torten, die da waren, gedreht und gewendet und Josua hat sich dann für eine entschieden, die hoffentlich ohne Dulce de Leche war. Ist hier in Argentinien kein leichtes Unterfangen.
Zurück im Hotel entspannte sich endlich die Situation. Es gab Torte und Kinderspiele. Eine Holländerin hier im Hotel hatte extra einen Bottich mit Wasser und einen mit Mehl besorgt. Aus ersterem musste man einen Apfel mit dem Mund fischen und aus letzterem sofort danach eine Cherry-Tomate. Sehr lustig.
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| Playing birthday games. (Buenos Aires, Argentina) |
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| Everybody had fun. (Buenos Aires, Argentina) |
Josua bekam sogar ein Spielzeugmotorrad von Maxi und Floppi, den beiden Nachbarkindern, geschenkt und den Rest des Abends haben wir mit lustigen Spielen verbracht. Halt ein richtiger schöner Kindergeburtstag.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 21. April 2009
Aggression liegt in der Luft (Buenos Aires, Argentinien)
Nach dem Gestern schon so eine Herausforderung für die Geduld war, war bei mir heute gar nichts mehr mit Geduld.
Der Typ, der schon die letzten Tage immer meinte, dass Florian morgens still zu sein hätte, pampte mich heute morgen, oder besser heute Vormittag um 10:30 Uhr an, der Florian sei zu laut, da er noch schlafen wolle. Auf so einen Scheiß war ich heute morgen ganz schlecht zu sprechen.
Ich pampte nur zurück, dass es erstens schon 10:30 sei, Ruhezeit ist bis 8 Uhr, und zweitens, dass Florian ein Kleinkind sei. Da kann man nicht mal eben sagen „Sei doch mal ein bisschen leiser.“
Da ich ohnehin schon so geladen war, fragte ich ihn nur, ob er Kinder hätte und wir könnten uns gerne zu dem Thema unterhalten, sobald er im Bilde sei.
Da fängt er doch tatsächlich an, mir etwas davon zu erzählen, dass er ja die letzten Tage extra geduldig mit uns gewesen sei...
Moment mal, wer ist hier geduldig mit wem? Wir ertragen seit Tagen den nächtlichen Lärm von diesen ganzen Singles, die ihr Leben in vollen Zügen genießen ohne Rücksicht auf irgend jemanden. Aber OK, wir sind in Buenos Aires, das gehört halt dazu. Aber ein zweijähriges Kind, welches seine Lebensfreude ebenfalls lauthals bekundet, ist nicht zu akzeptieren?
Dazu muss ich sagen, dass unsere Kids echt verdammt leise sind. Da kenne ich Schlimmeres. Und ein bisschen Quaken und La-La singen um 9 Uhr morgens, wir passen ja schon auf sofern es möglich ist, muss auch der asozialste Single akzeptieren.
Nach diesem schönen Start in den Tag, übrigens die erste Nacht, die leise genug war, so dass wir alle bis 8:30 Uhr geschlafen haben, ging es auf den Weg zu meiner alten Schule und Haus.
Direkt an der ersten Kreuzung durften wir Zeugen der unglaublichen Sozialität der Argentinier werden.
Es hatte mal wieder gekracht und die Autos blockierten samt Abschleppwagen die Straße. Da hier die Straßen alle enge Einbahnstraßen sind, ging nichts mehr. Aber anstatt dass die vordersten Autos abbogen und einen kleinen Umweg in kauf nahmen, damit der Verkehr nicht all zu sehr zurückstaut, blieben sie einfach stehen und von hinten wurde aggressivst gehupt. Als wenn das helfen würde hier.
Um mit dem Bus bis zu meiner alten Schule zu kommen habe ich mir den Busführer von unserer Nachbarfamilie geliehen und auf ging's. Wir mussten etwas suchen und fanden die richtige Verbindung erst, nachdem wir bei einer Touriinfo gefragt hatten, aber dann kamen wir ohne Probleme klar.
In der U-Bahn meinte mich wieder jemand in diesem gruseligen Englisch ansprechen zu müssen, welches die Leute hier sprechen, wenn sie mit uns Americanos kommunizieren wollen. Ich war so sickig, dass ich nur meinte, er solle doch bitte Spanisch sprechen, wenn er was von mir wolle. Das kann ich wirklich besser verstehen als dieses Kauderwelsch.
Christian und ich haben uns lange gefragt, woran sie uns als Ausländer erkennen, da wir immer mal wieder in Englisch angesprochen werden, wobei es hier auch sehr viele blonde Einheimische gibt. Und bei meiner Beobachtung, woran ich andere Ausländer erkenne, ohne dass diese sonderlich auffallen müssen durch Führer oder Unsicherheit, ist bei den Mädels ganz eindeutig der intelligentere Gesichtsausdruck.
Frauen hier schauen alle aus wie Schicksen. Unglaublich brotig. Frauen aus Industrienationen sehen alle sehr viel solider, selbstbestimmter und halt auch gebildeter aus. Das Frauenbild hier ist viel schärfer und eingeschränkter. Heterogenität ist ein Fremdwort und man kann schon durch Belanglosigkeiten, wie zum Beispiel eine etwas maskulinere Uhr oder so, sich dem Frauenbild widersetzen. Albern, nicht?
Der Bus ließ uns an der richtige Station in Lomas de San Isidro raus und mit dem geliehenen Stadtplan ging es durch nobelste Villenviertel, wo fast an jeder Ecke ein Wachmann saß, zur Deutschen Schule.
Und da war sie. Ein unscheinbares, hässliches Gebäude aus denen Alpträume gemacht sind. Mensch, was habe ich hier gelitten. Das schlimmste Schuljahr meines Lebens verbracht, aber dafür die nettesten Mitleidenden getroffen.
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| The infamous Colegio Goethe. (Buenos, Aires, Argentina) |
Wenn Deutschland wüsste, was für einen elitären Pröll es da mitfinanziert? Dass sie kontraproduktiv zu jeder Entwicklungshilfe die Leute heranzieht, die dieses Land in diesem Zustand halten? Da kann man sich fast schämen, über seine Steuern so ein verwerfliches System zu unterstützen.
Auf unser Ersuchen beim Pförtner, in die Schule rein zu dürfen, wurden wir darauf hingewiesen, dass ohne einen Termin bei der Sekretären dieses absolut ausgeschlossen sei. Wer hätte das gedacht. Und uns schlug der volle Charme dieser Schule, wie ich ihn kennen gelernt hatte entgegen. Ach ja, fotografieren war auch verboten, war uns aber egal. Irgendwo ist einfach eine Grenze der Elitarität erreicht. Wir wollten ja keine Schüler fotografieren.
Das einzige, was sich hier geändert hat, ist, dass Kindergarten und Grundschule mittlerweile direkt neben der weiterführenden Schule stehen. Damals waren diese irgendwo anders. Und mit 1750 US-Dollar pro Monat ein Vergnügen, welches sich nur wenige leisten können.
Wir sind dann meinen alten Schulweg rückwärts gelaufen, in der Hoffnung, mich noch vollständig erinnern zu können. Straßennamen und Hausnummer von meinem alten Haus waren leider nicht mehr heraus zu bekommen. Ich glaube aber, dass wir die richtige Straße gefunden haben, wobei das Haus wohl abgerissen worden sein soll. Es ist unglaublich schwer, Orte nach so langer Zeit wieder ausfindig zu machen, da es weitgehend alles Mutmaßungen sind. Aber trotzdem glaube ich, dass ich am richtigen Ort war, denn das ein oder andere hatte ich schon noch im Kopf.
Für mich war es ein ausgesprochen seltsamer Trip. Viele alte Erinnerungen und Gefühle. Diese wohlhabenden Viertel mit diesen schönen Alleestraßen. Es wirkte alles so friedlich, wenn da nicht diese Schule gewesen wäre.
Zurück ging es wieder mit dem Bus, vorbei am Rugbyfeld, wo mein Bruder damals gespielt hatte, und vorbei am großen Einkaufscenter, wo meine Mutter immer einkaufen war.
Und als wenn das nicht schon alles genug für einen Tag zum verdauen gewesen wäre, mussten wir leider Zeuge eines Spektakels werden, auf welches ich lieber verzichtet hätte.
Der Bus bahnte sich seinen Weg in die Stadt, unterdessen waren Christian und ich uns am unterhalten. Plötzlich hielt der Bus neben einem andern mitten auf der Straße an, beide Busfahrer stiegen aus und fingen an, sich aufs übelste zu beschimpfen. Warum und wieso war uns total unklar. Und wir wären nicht in einer Bananenrepublik, wenn die beiden Typen nicht wirklich mit Fäusten aufeinander losgegangen wären. Was haben die sich geschlagen. Dem einen blutet hinterher gewaltig die Nase. Die Insassen des Busses waren genauso fassungslos wie wir und niemand wusste so genau, was zu tun ist.
Damit unser Busfahrer, der dem anderen die blutige Nase geschlagen hatte, nicht abhaut, wohlgemerkt mit einem vollen Bus von Passagieren zu denen auch wir gehörten, stellte sich der stark blutende Mann vor den Bus. Das hinderte unseren Busfahrer aber nicht daran, es dennoch mal mit dem Gas zu versuchen. Der gerammte rappelte sich aber wieder auf und stellte sich erneut vor den Bus. Zum Glück ließ der Busfahrer auf die Zusprache von Fahrgästen schließlich ab und ließ es bleiben.
Kurz darauf war auch schon die Polizei da und der Bus fuhr an den Straßenrand. Wir stiegen alle aus, ohne zu wissen, was zu tun sei. Der nächste Bus wurde angehalten und zum Ärger unseres Busfahrers, der uns eigentlich als Zeugen haben wollte, wofür auch immer, stiegen wir alle geschlossen in den anderen Bus ein und waren froh, dieser grässlich aggressiven Atmosphäre entkommen zu sein.
Zurück im Hotel wurde die Stimmung nicht wirklich besser, da die Singles wohl mittlerweile geschlossen der Meinung sind, Florian würde zu viel schreien. Wenn die wüssten, was wirkliche Schreikinder sind und was da noch auf sie zukommt, sofern sie je das Glück haben, Kinder zu bekommen, sie würden nicht wagen, den Mund zu öffnen. Aber so sind sie, die die meisten Singles der Industrienationen, dumm, unwissend, ja eigentlich schon bedauerlich und aus dieser Position heraus auch absolut nutzlos für die Gesellschaft.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 22. April 2009
Wandeln durch die Stadt (Buenos Aires, Argentinien)
Josua hat die ganze Nacht unter Ohrenschmerzen gelitten und dazu kamen Alpträume, die der Schlägerei am Tage geschuldet waren. Die Situation war aber auch echt bedrohlich gewesen.
Josua blieb im Bett, Lydia leistete ihm Gesellschaft und Christian und ich sind zum Busbahnhof, Tickets besorgen.
Eigentlich wollten wir über Salta nach Bolivien, aber bei den Preisen haben wir dann Bustickets nach Iguazu erstanden. Da müssen wir ja unbedingt noch hin. Dann können wir das endlich abhaken und versuchen dann, unseren geplanten Tripp durch Bolivien und Paraguay einfach rückwärts zu machen.
Die Dengueepedemie ist auch langsam rückläufig, es wird trockener und kälter. Mensch, was ist es hier kalt in Buenos Aires.
Von Retiro, wo der Bahnhof liegt, sind wir noch zur ehemaligen israelischen Botschaft, oder besser zu deren Gedenkstätte. 1992 ist sie einem Attentat zum Opfer gefallen, mitsamt unserem Hotel, welches schräg gegenüber lag. Ich hatte damals Glück gehabt, denn ich war zur Zeit der Explosion noch im Schulbus und bin unmittelbar nach der Explosion ins Chaos gerannt, wo ich durch puren Zufall meinen Vater fand und einsammelte.
Ich wollte einfach nochmal dort gewesen sein und stellte an der Gedenktafel schockiert fest, wie viele Menschen dabei eigentlich ums Leben gekommen sind.
Danach ging es weiter nach Ricoletta, das Viertel der Reichen und Schönen. Und auch hier hatte ich eine überraschende Erkenntnis. Die Shopping-Mall, wo mein Vater mit meinem Bruder und mir ganz häufig am Anfang unserer Zeit in Argentinien, meine Mutter kam erst später und wir lebte erstmal in einem Hotel, essen gegangen war, ist wohl eine der teuersten Malls von ganz Buenos Aires. Ob meinem Vater das damals bewusst war?
Retiro, das Viertel mit dem Bahnhof, liegt unmittelbar daneben und dort gibt es Essen zu Preisen, die sind schon fast unanständig billig. Da waren wir früher nie.
Wir sind dann noch zum berühmten Friedhof in Recoletta gelaufen, wobei mir der in Punta Arenas in Chile viel besser gefallen hat. Der war einfach viel persönlicher und nicht so ein reiches schickie-mickie-getue mit Prunk und Protz.
Und weil es einfach nur Spaß macht durch diese Stadt hier zu laufen, sind Chris und ich den gesamten Weg nach San Telmo zu Fuß zurück und haben diese wahnsinns Atmosphäre eingesaugt.
Was auffällig hier in Buenos Aires ist, sind die vielen Käseblättchen, oder sagt man besser Wixvorlagen, von denen hier unzählige an den Straßenzeitungsständen verkauft werden. Man muss schon blind sein, wenn man die übersieht.
Ach ja, Sozialverhalten ist ja so ein Thema hier.
Wenn man es vermeiden kann, sollte man niemals einen Rettungswagen benötigen, denn der hilft einem nicht im geringsten. Rettungsgasse, Rücksicht, was ist das denn?
Da stehen wir an einer Ampel, von hinten dröhnt das Martinshorn, aber man muss nicht glauben, dass irgendeiner der Autofahrer auch nur im Traum daran dachte zur Seite zu fahren. Zu wichtig ist man selbst.
Plötzlich erbarmte sich jemand und fuhr über die rote Ampel, aber nicht etwa, um den Rettungswagen vorbei zu lassen, sondern die Gunst der Stunde zu nutzen, bei rot über die Ampel zu fahren und sich hinter die nächste rote Ampel zu stellen. In die entstandene Lücke fuhr übrigens ein anderes Auto, der Rettungswagen war leider nicht reaktionsstark genug. Gibt’s das? Was im Straßenverkehr total an Zivilisation fehlt, findet man an überraschender anderer Stelle. So stehen die Leute zum Beispiel an der Bushaltestelle genau wie in England artig in der Reihe.
Und noch eine bemerkenswerte Sache, die man hier nicht und dafür eher in Asien vermuten würde. Ich habe aus purer Faulheit unseren Kram doch in die Wäscherei gebracht, um am Abend nicht alles wieder zu bekommen. Wie schon mal in Argentinien fehlten wieder Socken. Auch beim Nachfragen waren diese nicht mehr aufzutreiben. In Asien ist uns das nie passiert, oder zumindest haben wir immer alles wieder auftreiben können, wenn etwas fehlte. Hier nicht. Weg ist weg, und Florian hat jetzt nur noch ein Paar Socken. Vielleicht bekommen wir ja in Bolivien ein paar günstige.
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| Photo shooting. (Buenos Aires, Argentina) |
So wie es aussieht, hat Lydia ihr Portemonnaie im Hotel verloren. Als ich bei der Putzfrau und dem Wärter, oder wie soll ich diesen komischen Typen nennen, nachgefragt habe, wusste man so bestimmt von nichts, dass es einen stutzig machen konnte. Das Geld ist im Prinzip egal, aber das Täschchen kommt aus Chiang Rai in Thailand und ist so schnell nicht mehr zu ersetzen.
Dafür hatte Lydia ihr erstes Fotoshooting. Patricia, die junge Fotografin aus Italien, macht nämlich Portraitfotos von Mädchen in Lydias Alter und da kam ihr die Lydia ganz recht, die sich als Model versuchen durfte. Die Fotos werden zu sehen sein unter www.patriziagapp.com.
Ich hätte ja gedacht, dass fast zwei Wochen in Buenos Aires zu lange seien, aber wir sind jeden Tag unterwegs. Schule gibt es nicht mehr und langweilen tun wir uns auch nicht.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 23. April 2009
Hast du den Willen zum Grillen - Echtes argentinisches Asado
(Buenos Aires, Argentinien)
Wegen der etwas angespannten Stimmung im Guesthouse wollte ich ja eigentlich die Flucht ergreifen. Ich mag das einfach nicht und ich dachte ja, dass der Wärter, der hier fürs Guesthouse zuständig ist, uns noch was erzählen wird wegen Florian. Hat er aber nicht. Dafür hat der Typ, der mich so angepampt hatte einen auf den Deckel bekommen. Er war zu laut.
Ha! Ha! Ha! Genugtuung!
Die Atmosphäre hat sich darauf spontan entspannt und der Guesthousewärter ist auch gar nicht so schlimm, wie er auf den ersten Blick durch seine grummelige Art wirkt.
Susan und Pete aus Brisbane haben sich endlich gemeldet. Susan musste nach ihrer Ankunft in Australien gleich für lange Zeit ins Krankenhaus, so dass wir sie deshalb nicht erreichen konnten.
In Buenos Aires ist von all den alten Leuten, die ich noch kannte, niemand mehr übrig geblieben. Es sind wirklich alle nach Deutschland, außer Willy, und das ist nicht die schlechteste Wahl.
Ganz im Gegenteil er ist das Beste, dem wir in Buenos Aires begegnen konnten, denn heute gab es bei ihm echtes argentinisches Asado. Rund vier Kilo Fleisch vom Profi gegrillt.
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| Asado. (Buenos Aires, Argentina) |
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| Meat! Yummy! (Buenos Aires, Argentina) |
Was für ein Genuss. Jetzt ist auch klar, warum das argentinische Fleisch einen so hervorragenden Ruf besitzt. Die Zubereitung ist es. Lecker!
Wir hatten einen schönen Grillabend bei Willy und Willy hat es gleich zweimal geschafft, die Kids glücklich zu machen. Nicht nur, weil er dieses große Spielauto zum reinsetzen repariert hatte, war leider sofort wieder kaputt, sondern auch weil er uns beim ersten Besuch mit dem Pick-Up vom Bus abgeholt hatte. Josua konnte es den ganzen Tag auch gar nicht erwarten, dass wir endlich zu meinem Freund fahren. Der Name war Josua mal wieder entfallen.
Nachts mit dem Bus durch Buenos Aires ist kein Problem. Die Stadt ist voll und lebhaft und es gibt wieder viel zu sehen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 24. April 2009
Warten auf den Bus (Buenos Aires nach Puerto Iguazu, Argentinien)
Da der Bus erst am Abend fuhr, haben wir den Tag im Guesthouse rumgehangen und gewartet. Ich habe nochmal sämtliche Klamotten in die Wäscherei gebracht. Wenn man es nicht mehr gewohnt ist zum Beispiel Fließjacken regelmäßig zu waschen, dann muss man sich das richtig vornehmen, da nach einer Woche noch nicht das Gefühl da ist, dass es einfach gar nicht mehr tragbar ist. Man wird dies bezüglich ohnehin extrem robust. Wie keine Wäsche mehr da? Na dann halt die selbe nochmal anziehen. In Deutschland war so etwas undenkbar, aber hier ist es einfach egal. Wir reisen ja nicht um die Welt um gut auszusehen.
Bei unserem Versuch unsere restlichen chilenischen Pesos noch umzutauschen sind wir gescheitert, da Banken kein Geld wechseln. Sehr sinnvolles Konzept. Die nächste Wechselstube war uns aber zu weit. Dann vielleicht in Bolivien wieder, wenn wir uns wieder der chilenischen Grenze nähern.
Wir haben uns noch mit jeder Menge Essen für die Fahrt eingedeckt und zum Mittag das restliche Fleisch von Willy verputzt. Immer noch lecker.
Und dann ging es per U-Bahn zur Busstation. Hinter der Busstation liegen dann übrigens auch, nur durch die Bahn und eine große Straße vom reichesten Viertel Buenos Aires getrennt, die Armenviertel.
Wir haben diesmal den fünf Sterne Bus erwischte, da er genauso teuer war wie die anderen. Ein Werbeangebot, also warum nicht.
Die Cama Busse besitzen nur drei Sitze pro Reihe und der Service war unerwartet herausragend. Wir haben unseren Proviant gar nicht gebraucht. Wir bekamen gleich am Anfang jeder, selbst Florian, eine Tüte mit jeder Menge Snacks. Dazu saßen wir oben ganz vorne und konnten so noch ein letztes mal den Flair von Buenos Aires einatmen, als wir durch die Stadt auf die riesige Ausfahrtstraße (ca. 12 Spuren insgesammt) noch mal an San Isidro vorbei fuhren.
Mein Fazit zu Buenos Aires ist einfach nur Wou! Wou! Wou! Was für eine Stadt. It blows your mind! Schmunzele einfach über die schniköseligen Menschen und genieße dieses Weltmetropolenflair. Es hat was von Paris, halt nur auf argentinisch.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 25. April 2009
Willkommen zurück in den Tropen (Puerto Iguazu, Argentinien)
Wo war das Sprühzeug? Das war unsere erste Amtshandlung nachdem wir den Bus verlassen hatten. Ist das wieder heiß hier. Danach ist es mir doch tatsächlich passiert, dass ich nicht in der seriösen Touriinfo gelandet bin. Das hatten wir ja seit Asien eigentlich nicht mehr, dass sich irgendwelche Schlepper ein offizielles Aussehen geben. Ich wurde aber sofort stutzig, als er mir statt auf meine Frage nach Campingplätzen zu antworten immer das selbe Hotel anpries. Ich ließ ihn reden, bedankte mich und bin dann in die richtige Touriinfo. Hier haben wir alles bekommen, was wir brauchten.
Wieder so sehr an Luxus gewöhnt haben wir uns dann aber erstmal in Ruhe hingesetzt und die möglichen Hotels auf der erhaltenen Karte angestrichen. Dann sind wir aufgebrochen, um diese abzuklappern. Und in der Busstation gab es zum ersten mal Anquatscher hier in Argentinien. Das hatten wir schon fast wieder vergessen, wie das ist. Mir gehen die aber so am Arsch vorbei, dass ich sie erst wahrgenommen habe, als Christian mich darauf aufmerksam gemacht hatte.
Es ist eigentlich schade, wie man mit der Zeit abstumpft und viele Dinge, die für Europa undenkbar oder den Reiz des Abenteuers und der fernen Länder ausmacht, für einen so normal werden, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. Ich nehme auch an, dass wenn wir in Südamerika mit unserem Trip gestartet wären, die Berichte ganz anders ausgefallen wären. So hatten wir die harte Schule von Südostasien hinter uns, so dass es hier doch eher alles easy going ist.
Und wie stark man sich anpasst. Wir wissen, wie teuer die Dinge sind und wie auch sonst die für uns wichtigen Dinge gehandhabt werden, so dass man es so hin nimmt und sich erstaunlich gut arrangiert.
Die Hotelsuche war mal wieder frustrierend. Teuer und öddelig. Also doch der Campingplatz „El Pindo“, von dem uns im Vorfeld von anderen so abgeraten worden war. Der war aber OK für 60 Peso für uns alle zusammen. Das ist halb so teuer gewesen, wie die günstigsten Hotels.
Und wer hätte es gedacht, aber die Chilenen, die auch dort campten, konnten mal wieder nicht die Finger von einander lassen. Wir wunderten uns erst ein wenig bis wir die chilenischen Nummernschilder der Motorräder sahen. Ja! Ja! Ja! Das war ja auch schon in Santiago so auffällig. Die sind echt krass, diese vermeintlich so konservativen Chilenos.
Wir sind dann noch mal in die Stadt gelaufen. Hier muss man wirklich nicht gewesen sein. Ich wusste nichtmals, dass es bei den Iguazu-Wasserfällen überhaupt eine Stadt gibt. Als ich damals mit meinem Vater hier war, sind wir vom Flughafen direkt ins Hotel, welches neben den Wasserfällen steht. Jetzt weiß ich, dass es auch eine Stadt dazu gibt. Wobei ich jedem, dessen Budget ein Fünf-Sterne-Hotel zulässt, empfehle, ins Hotel bei den Wasserfällen zu gehen, um einfach einen längeren und auch ruhigeren Eindruck von diesem Naturschauspiel zu bekommen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 26. April 2009
Die Wasserfälle von Iguazu (Puerto Iguazu, Argentinien)
Wir sind nicht nur super früh ins Bett, sondern auch super früh aufgestanden, so dass wir um neun an der Bushaltestelle standen zusammen mit allen anderen Angestellten des Nationalparkes.
Mit fünf Peso pro Person und Weg ist der Bus echt teuer. Dazu kommt ja auch noch der Eintritt für die Wasserfälle, wo die Ausländer mal wieder das Doppelte zahlen müssen. Das heißt 2x60 Peso (ca. 13 Euro pro Person) und nochmal 2x30 Peso, wobei der Mann an der Kasse Josua für fünf hielt, so dass er nichts zahlen musste. Das ist uns nur recht, zumal hier auch nicht der Raum für Verhandlungen war.
Mit einer Bimmelbahn ging es quer durch den Nationalpark und über Laufstege zum „La Garganta del Diabolo“, den wirklich beeindruckend großen Wasserfällen. Was das rauschte und welche Dampfwolken hier aufstiegen.
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| La Garganta del Diabolo. (Iguazu, Argentina) |
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| ...and more impressions (Iguazu, Argentina) |
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| ...and more impressions (Iguazu, Argentina) |
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| It was so difficult to chose from all the great pictures. (Iguazu, Argentina) |
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| Canyon below the waterfalls. (Iguazu, Argentina) |
Obwohl wir nur kurz nach Öffnung des Parks schon da waren, war es rappelvoll, was das Laufen auf den Stegen echt anstrengend machte. Besonders, wenn man in geführte Reisegruppen rannte. Wobei ich mich echt frage, was man da einen Führer braucht? Ist ja alles ausgeschildert und so maßlos groß ist es dann auch nicht.
Die Massen machten jegliche Atmosphäre kaputt, weswegen ich vermute, wenn man im Hotel hier gleich bei den Fällen untergebracht ist, dass man morgens und abends etwas mehr Ruhe hat das ganz auf sich wirken zu lassen. So hatte ich leider den Eindruck, einfach nur eine Touriattraktion abzureißen, wo man nur durch viel mentale Arbeit dem ganzen einen Zauber verpasst bekommt.
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| Rainbow. (Iguazu, Argentina) |
Wir waren gut sechs Stunden auf der argentinischen Seite des Parks unterwegs und haben uns jeden vorhandenen Wasserfall angeschaut und sind dann noch auf die Insel „Isla San Martin“ rübergefahren, wo man nicht nur im Rio Iguazu plantschen konnte, sondern wo es dann auch endlich ein bisschen ruhiger wurde, wahrscheinlich weil die riesigen geführten Gruppen nicht in die kleinen Boote passen würden.
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| There is more than one waterfall. (Iguazu, Argentina) |
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| And even more. (Iguazu, Argentina) |
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| Splashing in the Rio Iguazu. (Iguazu, Argentina) |
Gesehen haben wir den obligatorischen Tukan und Nasenbär, nur die Krokodile haben sich nicht sehen lassen.
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| Aren't they cute? (Iguazu, Argentina) |
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| Tucan. (Iguazu, Argentina) |
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| Recycling is only for the tourists. I never saw different collection cars. At some places it is only sighned in English, so it can't be serious. (Iguazu, Argentina) |
Auf die brasilianische Seite und noch mehr Tourimassen hatten wir dann keine Lust mehr.
Als wir wieder beim Campingplatz waren verschwand Lydia sofort im Zelt, so fertig war sie. Das tropische Klima ist aber auch anstrengend nach so langer Zeit in kühleren Regionen.
Chris und ich sind noch los, um beim Supermarkt etwas zu kaufen, aber die hatten doch alle tatsächlich zu und das obwohl der Typ in der Touriinfo gestern versichert hatte, sie würden Sonntags auf haben.
Wir sind bis in die Stadt reingelaufen, um dort festzustellen, dass der einzige offene Supermarkt absolut indiskutabel war. Ich war so sauer, besonders weil wir jetzt nicht genug zu Essen mehr hatten, und bin nochmal in die Touriinfo um mich zu beschweren. Bringt zwar nichts, aber was soll's. Auf dem Rückweg mussten wir noch unser hart erobertes Kleingeld in Scheine tauschen.
Bei dem Kiosk, wo ich fragte, hieß es erst ne, ne, aber als das Mädel dann aber das ganze Kleingeld sah und sie verstand, was wir eigentlich wollten, leuchteten bei ihr die Augen auf. Münzen in Scheine tauschen und nicht umgekehrt! Das muss wie Weihnachten sein für eine Verkäuferin.
Auf dem Rückweg sind wir doch noch an einem kleinen Lädchen vorbei gekommen, wo wir wenigstens Brot bekommen haben, mit dem wir uns eindeckten.
Da wir von der Hitze mit langen Hosen und Wanderschuhen total fertig waren, hieß es wieder früh ins Bett.
Die langen Hosen sind Pflicht für uns, wegen der Mücken und dem damit verbundenen Risiko von Malaria und Dengue, und da Lydias Sandalen schon kaputt sind und meine schon mehrfach genäht, heißt es für uns beide sowieso immer Wanderschuhe tragen für solche Trips.