Weltreise
mit drei Kindern

Brasilien

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 10. Juni 2009

Die taffe brasilianische Grenze (Quijarro, Bolivien, nach Corumba, Brasilien)

Morgens wurden wir im Grenzort Quijarro ausgekippt. Wir sind erstmal zur öffentlichen Toilette. Hier wird niemals nur Toiletten angeboten, sondern immer auch Duschen, die von den Einheimischen auch fleißig genutzt werden.

Danach haben wir erst noch in Ruhe einen Kaffee im Markt getrunken und für die Kids gab es lecker Eisandwiches. Dem Küchenbetreiber ließ sich sogar ein Lächeln entlocken, als er hörte, dass wir Europäer und keine Americanos sind.

Alle waren sie hilfsbereit, niemand versuchte uns zu erzählen, dass die Grenze, wie im Lonely Planet beschrieben, über vier Kilometer weit weg sei, sondern jeder meinte, man könne dort auch gut hinlaufen. Das haben wir dann auch getan. Und mehr als 1 1/2 Kilometer war das bestimmt nicht. Auf dem Weg zur Grenze kamen wir an vielen schon fast an westlichen Standard heranreichenden Supermärkten vorbei. In Santa Cruz gab es ja nichtmals einen vernünftigen Supermarkt. Hier an der Grenze scheinen sie auf die brasilianische Kundschaft ausgerichtet zu sein.

An der Grenze wurden wir wie gewohnt ausgestempelt, tauschte die verbliebenen Bolivianos und sprühten uns noch gegen die Mücken ein. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir mit allem fertig waren. Dann marschierten wir rüber zu den Brasilianern. Die winkten uns nur durch und meinten, wir sollen in den Bus steigen. An der Grenze selber gibt es nämlich keine Einreisestelle. Auch sehr sinnvoll. An der Grenze wurden nur Gepäck und Autos kontrolliert. Aber weder unser Gepäck noch unser Auto, ach wir hatte ja gar keins dabei, schien von Interesse. So richtig sicher waren wir uns nicht, jetzt ist es ja nicht mehr so einfach zu fragen, da ja keiner von uns Portugiesisch spricht.

Also sind wir in den Bus der dort stand und für schlappe 7,50 Reais (fast vier US Dollar) ging es nach Corumba. Und das kann man wirklich nicht laufen, da es über sieben Kilometer sind. Im Bus diskutierte der Busfahrer und die Kassiererin, wo sie uns am besten raus lassen, da sie nicht bei der Einreisestelle vorbeifuhren. Ich hab nichts verstanden. Dieses nölige Genäsel, so hört sich nämlich Portugisisch für uns an, ist eine akustische Herausforderung. Erinnert ihr euch noch an dieses Mädel bei Germany's Next Topmodel. Die kam doch auch aus Brasilien und sprach immer so nölig. Die meinte das wahrscheinlich gar nicht so, sondern das war einfach nur der Akzent ihrer Muttersprache.

Gruselig!

Zum Glück war eine Bolivianerin mit im Bus, die auch zur Einreisestelle musste, und nicht nur wusste, wo diese war, sonder natürlich Spanisch sprach.

Gemeinsam sind wir aus dem Bus gestiegen und noch richtig weit bis zum Busterminal gelaufen, wo es die so wichtigen Stempel gab. Wäre sie nicht mitgekommen, hätten wir vermutlich nach dem dritten Block aufgegeben, weil wir vermutet hätten, falsch zu sein. Die Dame, die uns begleitete, meinte aber, es sei die billigste Form hier her zukommen, da Taxis unbezahlbar seien.

Am Busterminal und somit bei der Imigration, es wäre auch zu praktisch gewesen dieses Büro an die Grenze zu legen, gab es unsere letzten Einreisekarten auf dieser Weltreise zum ausfüllen und somit auch unseren 14 Landesstempel. Ja!

Der Beamte schaute sich unsere Pässe sehr scharf an, aber die Gelbfieberimpfungen mussten wir nicht nochmal vorzeigen, dafür fragte er mich sehr eindringend, ob Christian denn wirklich der Vater meiner Kinder sei, da er einen anderen Nachnamen hat. Ich bestätigte dieses. Dennoch fragte er nochmal nach, ob ich denn ganz sicher sei. Ich bin mir da absolut sicher.

So schlimm, wie alle beschrieben oder besser der Lonely Planet beschreibt, ist die brasilianische Grenze nicht, das einzig anstrengende waren die fünf Blocks, die wir mit Gepäck zum Busterminal laufen mussten. Und natürlich die Unsicherheit, ob wir die Imigrationsbehörde dort auch finden würden, oder nicht doch zur Grenze oder sonstwo hin müssten. Und das bei den Taxipreisen in Brasilien, die nicht viele Experimente zulassen.

Wir haben uns dann entschieden, in Corumba erstmal zu übernachten, da die Nacht im Bus echt kurz, oder besser wenig war.

Der Weg in die Stadt war dann bestimmt auch nochmal über ein Kilometer, so dass wir wieder gut marschiert sind mit unserem Gepäck. Wenigstens hat keins der Kinder uns die ganze Zeit vollgejault.

Mensch, was ist Brasilien langweilig. Die angeblich so verruchte Grenzstadt Corumba ist sowas von einer aufgeräumten Kleinstadt. Die Autos halten bei Rot an den Haltelinien. Es fahren fast nur gute neue Autos 'rum und die wuseligen Straßenstände sucht man hier vergebens. Dafür gibt es moderne Einkaufsgeschäfte, die im westlichen Stile ihre Waren präsentieren. Also keine Abstelllager, wo man bis unter die Decken suchen muss, um das zu finden, was man braucht.

Die Guesthousesuche stellte sich als echt schwierig heraus. Während alle im Park saßen bin ich los, aber Spanisch ist hier keine Sprache, die viele können, genauso wenig wie Englisch. Was für ein Hängen und Würgen. Danach ist Christian nochmal los. Und da wir nur eins gefunden hatten, welches unter 100 Reais lag (stolze 50 Dollar), haben wir das dann einfach genommen. Für 66 Reais (33 US Dollar) gab es vier Betten, ein eigenes Bad und einen Fernseher. Der Standard ist hier wieder höher, was man bei den Preisen aber auch erwarten sollte.

We could see onto the Rio Paraguay from our Hotel; the weather was not too good, though. (Corumba, Brazil)

Der alte Herr an der Rezeption sprach leider überhaupt keine Fremdsprachen, noch ließ sich sein nasales Genuschel entziffern. Also nuscheln und das dann auch noch nasal ist ungefähr so furchtbar, als wenn ich versuche mit vollgeschäumten Mund und Zahnbürste zu reden. Es ist nicht möglich. Es brauchte somit auch etwas, bis wir sicher waren, auch nur den Preis zu zahlen, den wir annahmen.

Zum Essen gab es erstmal nur einen Snack in einem Bistro, um dann im Supermarkt mal wieder Nudeln und unsere Tomaten-Pamperita zu kaufen. Was habe ich die seit Argentinien vermisst. Nee, quatsch! Ich kann sie nicht mehr ab. Zumal der Nährwert so ungleich höher ist als mein Süppchen und der Reis mit Salat aus Bolivien, dass es echt unangenehm war, den Kram zu essen. Wissen die Deutschen eigentlich welche Kalorienmassen sie da täglich in sich reinstopfen. Wenn man so einen unmittelbaren Vergleich hat, von ganz diametralen Ernährungsmodellen, dann fällt es einem auch körperlich richtig auf. Zwischen Asien und Australien hatten wir das ja auch schon. Und obwohl in Asien und auch in Bolivien alles in Öl geschmissen wird ist das Essen leichter und besser verträglich als dieses hochpotente europäische Monsteressen für den zwei Meter Mann mit 100 Kilo und minus fünf Grad Außentemperatur.

Ich freue mich schon, wenn wir zurückkommen und dann hoffentlich Sticky Reis in irgend einem gut sortierten Asialaden finden. Denn den vermisst jeder von uns.

Fürs Schlafen haben uns die vier Betten nichts gebracht, da wir unser Netz nicht über alle bekommen haben. Und das ist hier echt wichtig, da ich hier schon die gefährlichen Mücken rumfliegen gesehen habe, die das Potenzial für Dengue haben. Also haben wir zwei Betten zusammengeschoben, uns quer darauf gelegt und eine Isomatte noch daneben.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 11. Juni 2009

Ja, ja, das Pantanal (Corumba nach Campo Grande, Brasilien)

Was für ein Frühstück! Kaffee, Kakao, Brötchen, Obst. Wer hätte das gedacht?

Having breakfast... (Corumba, Brazil)
...more breakfast... (Corumba, Brazil)
...and more. (Corumba, Brazil)

Danach ging es zur Busstation, wo ich mich mal nach Touren ins Pantanal erkundigt habe. Das wäre im Prinzip ganz nett und zum Abschluss auch 'ne ganz nette Sache. Angeboten wird hier so was wie Ferien auf dem Bauernhof, nur dass man statt Schweinefüttern Piranas angeln geht. Preislich war es auch OK, nur das, was uns dann doch zögern ließ, war diese unsägliche Kälte. Und eigentlich dachte ich, dass das Pantanal, übrigens das größte Feuchtgebiet der Welt, ein heißer, schwüler Ort sei. Pustekuchen! Es fisselte und war bestimmt deutlich unter zwanzig Grad. Nicht das wirklich optimale Wetter für Ranch und Boottrip.

Wir sind dann nach Campo Grande gefahren. Über die Buspreise hier muss ich glaube ich nichts sagen. Die sind teurer als in Argentinien, dafür hat Josua nichts gezahlt. Drei mal 75 Reais (rund 35 US Dollar pro Person für eine sechsstündige Busfahrt). Naja, und das Pantanal ist halt das Pantanal. Nett, aber bestimmt nicht spektakulär. Somit zog sich die Fahrt auf der gut ausgebauten Straße im viel zu komfortablen Bus. Langweilig! Was wir aber gesehen haben waren jede Menge Kaimane, Tukane und südamerikanische Störche. Sehr schön!

The landscape was quite boring. (Pantanal, Brazil)

Und ich glaub es ja immer nicht, aber die Zeitzone hier ist so beschissen gewählt, dass es wirklich schon um fünf Uhr nachmittags dunkel war. Dabei hatten wir doch die Fahrt extra so gewählt, um nicht im Dunkeln in Campo Grande anzukommen.

Pech gehabt und dabei soll das doch so gefährlich sein.

Die Tourverkäufer hier an der Busstation waren aber ausgesprochen freundlich und haben uns geholfen, die Jugendherberge direkt gegenüber des Busbahnhofes zu finden. Wir haben auch nicht lange diskutiert. Für 75 Reais (35 US Dollar) haben wir ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad, WLan und Swimmingpool akzeptiert.

Und obwohl es so schweinekalt war, sind die Kids noch in den Pool gehüpft, um sofort wieder raus zu kommen.

Chris und ich sind dann noch los zum Supermarkt. Es war alles total harmlos. Niemand, der uns überfallen wollte oder sonst was. Das Warenangebot ist hier weitaus größer als in Argentinien und Chile, die Preise sind sehr viel günstiger als in Deutschland, aber auch sehr viel teurer als in Bolivien.

Aber wenn man jemanden erzählt, man fährt für zwei Wochen nach Brasilien, sagt jeder oh wie toll. Wir sitzen mehr hier und sagen: “Jetzt auch noch zwei Wochen Brasilien, dass lohnt sich ja gar nicht.“

Deshalb schauen wir jetzt nicht mehr auf jeden Cent und machen noch zwei Wochen schön Urlaub, sofern wir dies überhaupt können, und dann geht auch schon ein sagenhaftes Jahr zu ende.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 12. Juni 2009

Alles sichern! (Campo Grande, Brasilien)

Mensch, was ist es kalt hier. Und wir dachten, wir seien jetzt in Brasilien, das Land, welches synonym für Sommer, Sonne, Sonnenschein steht. Die Sonne lässt sich nur wenig blicken, wir haben Hochwinter und es ist schweinekalt.

Dafür ist das Frühstücksbuffet echt riesig und das größte, welches wir auf unseren ganzen Weltreise je hatten. OK, wir hatten noch nie ein Frühstücksbuffet.

Wir sind die Glücklichen, die als Einzige in ihrem Zimmer das kostenlose WLan empfangen können, was das Abrufen von Mails endlich ermöglichte. Mensch, da waren noch ungelesene von vor vier Wochen. Kann das sein?

Egal! Unser primäres Anliegen war, all unsere Bilder zur Sicherung nach Deutschland zu schicken, so dass, wenn uns jetzt auf den letzten Metern der Computer wirklich noch geklaut werden sollte, Rio ist doch so gefährlich, nicht unsere ganzen Bilder weg sind. Die liegen nämlich schon seit Iguazu auf Halde.

Also hat Christian Stunden über Stunden Dateien geschickt und von allem anderen was wichtig war auch noch Sicherheitskopien geschickt. Um den Computer ist es jetzt im Prinzip nicht mehr traurig, wenn er verschwindet, da die Kiste echt nur noch ein Fragment ist. Das Kabel ist im Arsch, der Akku geht nicht mehr vernünftig, das Touch-Pad ist auch eine Herausforderung und ständig hängt er sich selber auf. Nur noch 11 Tage, dann hat er es geschafft.

Hitze, Staub und Feuchtigkeit plus indifferente Stromspannungen setzen so einer Kiste dann doch irgendwann zu, wenn man das runterfallen mal unberücksichtigt läßt. Alles schon da gewesen.

Wegen des opulenten Frühstücks haben wir aufs Mittagessen verzichtet und Abends lecker Kartoffeln mit Reis gemacht. Gegen Nudeln mit Tomatenpamperita wehre ich mich. Ich kann sie einfach nicht mehr sehen.

Lydia und Josua, also eigentlich nur Lydia, gehen morgens, mittags, abends tapfer in den Pool. Mensch, was ist der kalt. Aber das wusste ich heute ja noch gar nicht, da ich erst übermorgen in den Pool hüpfe, oder vielmehr als Eiszapfen hinein friere. Ja, ja, ja, jetzt bloß nicht zweifeln, dass ich nicht jeden Tag fleißig im Schweiße meines Angesichtes schreibe.

Our pool... (Campo Grande, Brazil)
...get into the water before the crocodile is behind you. (Campo Grande, Brazil)

Abends gibt es endlich wieder, Wlan im Zimmer sei dank, Radio und Fernsehen, doch die deutschen Nachrichten sind für uns unerträglich geworden. So was von langweilig und am Leben der Menschen, besonders auf der Welt, vorbei. Ich glaube auch am Leben der Menschen in Deutschland vorbei. Da wird auf einem kulturhochmütigem Niveau komplett an der Realität, besonders auch der betroffenen Länder, zum Beispiel über die Kinderarbeit der Welt geredet. Echt, ich könnte kotzen, was Unicef für einen Scheiß da von sich gegeben hat, wie toll sie die Kinderarbeit doch zurückgedrängt hätten. Ich habe besonders in Bolivien keine einzige Unicefeinrichtung gesehen, noch irgend jemand oder irgend etwas, was den Kindern und ihren Familien geholfen hätte, so dass der Erwerb der Kinder zum Familieneinkommen nicht mehr nötig gewesen wäre. Statt dessen, wie übrigens fast überall auf der Welt, viele Kinder bei der Arbeit.

Fazit Bolivien:

Bolivien war und ist mit Abstand das faszinierendste Land, welches wir in Südamerika besucht haben. Es ist landschaftlich wunderschön, beeindruckend und unglaublich vielfältig. Willst du Hochgebirge und frieren, oder lieber tropische Urwald- und Feuchtlandschaften? Es gibt alles und das zu Preisen, die uns jubeln lassen.

Wer wirklich mal wissen möchte, was für eine Kartoffelvielfalt eigentlich auf der Welt existiert; auf nach Bolivien. Selbst Wikipedia de oder uk schweigen sich über diese Vielfalt aus. Da gibt es nur die Bio-Linda und Bilder gibt es sowieso nicht.

Wer wirklich liebe Menschen in Südamerika treffen möchte, sollte mit Kindern nach Bolivien reisen und es öffnen sich Türen, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt.

Bolivien fasziniert, Bolivien beeindruckt. Besonders hat mich die Arbeitsamkeit der Menschen beeindruckt. Von morgens bis abends über 12 bis 16 Stunden pro Tag wird dort hart gearbeitet. Jeder trägt durch seine eigene kleine Geschäftsidee und Selbständigkeit zum Familieneinkommen bei. Über die wirkliche Kreativität der Geschäftsideen kann man streiten, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten und auch Ausbildungsstand finde ich es beeindruckend, was die Menschen hier leisten. Wenn die Deutschen mit ihrem ach-so-tollen Ausbildungsniveau nur annäherungsweise so kreativ und engagiert in die Selbständigkeit gehen würden und bis zu 16 Stunden Arbeit akzeptieren würden, dann würde vielleicht auch mal ein Ruck durch Deutschland gehen.

Bolivien brodelt. Dieses Land hat meiner Ansicht nach ein unglaubliches Potenzial. Wenn sie dieses nutzen könnten, würden sie Europa früher oder später echt noch in die Tasche stecken. Denn Bolivien hat etwas, was Deutschland schon gänzlich verloren gegangen ist und das sind Kinder und die Wertschätzung der Familie. In Deutschland bekriegen sich die Generationen alle gegenseitig, während in Bolivien die breite Masse selbstverständlich in familiären Strukturen lebt und auch Hand in Hand arbeitet. Es hat mich beeindruckt, was für einen Respekt Müttern für ihre Leistung Kinder zu bekommen und großzuziehen entgegen gebracht wird. Kinder werden hier meiner Ansicht nach als gemeinschaftliche und auch sehr sehr lohnenswerte und wertvolle Aufgabe gesehen.

In Deutschland wird man doch entweder von seiner Umwelt, die ja alles besser weiß, nur blöd belehrt, oder man ist Täter, da ja alle Eltern potenzielle Kindermishandler sind, oder man darf sich so nette Sprüche wie: “Sie haben Kinder! Ja das ist ja ihr Problem und Privatvergnügen.“ anhören. Wie ich mich schon wieder auf Deutschland freue, mit dieser herausragenden Kinderfreundlichkeit konfrontiert zu werden.

Bolivien macht, im Gegensatz zum Rest von Südamerika richtig Spaß zu bereisen.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 13. Juni 2009

Endlich mal akzeptables Wetter (Campo Grande, Brasilien)

Da wir noch nicht alle Fotos hochgeladen haben, müssen wir bedauerlicher weise noch einen Tag länger bleiben. Oooh!

Die Kids können sich hier wunderbar die Zeit mit Schule vertreiben und ich mit Blog schreiben.

Da Christians Hose wieder droht zu reißen, sind wir hier mal zur Haupteinkaufsstraße gelaufen. Wenn Geschäftszeiten sind, ist es hier rappelvoll. Leider werden um Punkt sechs Uhr, es ist ja dann schon eine Stunde dunkel, die Bürgersteige, aber so was von, hochgeklappt.

Die Brasilianer lieben anscheinend Jeans, denn was anderes war nicht zu finden und das ganze zu Preisen, die man auch sein lassen kann. Also wird Chris bis zum Abflug wohl mit kurzer Hose rumrennen müssen, trotz Kälte.

Brasilien ist im Prinzip wie Argentinien, nur dass die Atmosphäre sehr viel entspannter und ungleich freundlicher ist. Florian amüsierte die Jungs von der Rezeption, die sich mit Begeisterung um ihn kümmern. Hier scheint sich kein junger Mann dafür zu schämen, dass er Kinderjeck ist.

There are 30 million crocodiles in the Pantanal. Florian is fighting a specially vicious one. (Campo Grande, Brazil)

Im Unterschied zu Argentinien ist Brasiliens Straßenbild sehr viel aufgeräumter, schon allein dadurch, dass so gut wie nur halbwegs neue Autos und Neuwagen rumfahren.

Und endlich haben wir auch den Markt für die deutschen Automarken entdeckt, denn in Asien war er definitiv nicht. Hier in Brasilien fahren sie alle 'rum. Dafür gibt es so gut wie keine Japaner oder so.

Sagte ich schon, dass das Essen, was man hier so auf die Hand kaufen kann, tot langweilig ist. Empanadas, Empanadas, Empanadas und andere trockene Teigtaschen. Echt anstrengend, da der Rest des Essens hier auch nur aus Pizza, Pasta und Fleisch zu bestehen scheint. Das hatten wir doch schon. Wenigstens haben wir eine Küche und das Gemüseangebot ist echt gut und weitgehend günstig.

Wenn man aus Bolivien kommt, dann fällt einem der krasse Unterschied zwischen den Menschen ungleich stärker auf. Die Menschen hier sind soviel größer wieder und sie sehen soviel gesünder und jünger aus. In Bolivien gab es ja im Prinzip nur zwei Altersstufen. Bis 6 Jahre und ab 50 Jahren. Die Gruppe dazwischen existiert gerade in der indigenen Bevölkerung nach unseren Maßstäben gar nicht. Besonders die Mädels gehen nahtlos von 16 auf die 50 optisch über.

Ansonsten lässt sich Brasilien sehr gemächlich und unspektakulär an. Wenig, was sich an Besonderheiten für mich festhalten ließe, zumal die Sprache ein echter Hinderungsgrund ist und ich oft in Sprachlosigkeit verstumme. Wie ich das hasse. Denn beim Spanischen war es doch gerade so schön, mehr über Land, Leute und Kultur in Erfahrung zu bringen, da man nicht nur mit den Menschen reden kann, sondern auch Medien und Straßenwerbung erfassen kann.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 14. Juni 2009

Hach, wir bleiben noch! (Campo Grande, Brasilien)

Hach, es ist hier so gemütlich und komfortabel. Tolles Frühstück, Pool, Internet und eine Küche zum kochen. Wer weiß schon, wie das in Sao Paulo oder Rio sein wird.

Eigentlich wollte ich ja noch mein Spanischbuch zu ende machen. Mensch, die letzten zwei Lektionen. Auf der anderen Seite, wer braucht schon den spanischen Subjuntivo. Ging doch auch prima ohne.

Zum Spanisch bin ich dann doch nicht gekommen. Oooh! Bin ich traurig!

Chris und ich brainstormten so beim Frühstück, was wir eigentlich alles an Infos zum Reisen mit Kindern und besonders zum kostengünstigen Reisen so gesammelt haben. Denn wenn jetzt nicht noch das absolute Drama passiert, dann könnten wir auf knapp 27.000 Euro inklusive Flug und Krankenversicherung, das waren die beiden teuersten Einzelposten, für das ganze Jahr kommen. Und das ist doch echt der Hammer. Ein Jahr, fünf Personen, einmal um die Welt, viel gesehen, erlebt und probiert und noch unter 30.000 Euro. Ein Jahr in Deutschland ist für uns teurer. Zumal die Vergleichsfamilie, also die einzige deutsche Familie, die „nur“ mit zwei Kindern (mein absoluter Respekt) um die Welt sind, hatten am Ende des Jahres mehr als doppelt soviel, rund 65.000 Euro, ausgegeben. Wir könnten eigentlich gleich noch ein bisschen weiter reisen. Was vor allem bedeutet, dass wir keinerlei Ansprüche in Deutschland auf irgendwelche Sozialleistungen haben werden. Damit hatten wir nicht gerechnet. Aber so bedauerlich finde ich es jetzt gar nicht, über dem Freibetrag zu liegen. Oder im Klartext immer noch wohlhabend genug zu sein, um selber für uns verantwortlich sein zu können. Bedeutet aber auch, dass wir uns privat krankenversichern müssten, wenn wir das wöllten. Nur bei den Preisen stecke ich das Geld schon fast lieber unters Kopfkissen und zahle dann halt selber, wenn gezahlt werden muss. Nee, noch sind wir ja alle jung und wir wollen ja nicht mit dem Schlimmsten rechnen. Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln und ob Deutschland es schafft, uns die allgemein verbreitete Lebensangst, die dem deutschen System innewohnend zu seinen scheint, wieder einzuflößen. Denn wenn ich vor etwas keine Angst mehr habe, dann ist es das Leben. Es ist, wie es ist, es läuft, wie es läuft, und es wird sich für alles schon eine Lösung finden, auch wenn der Schicksalsschlag noch so schwer sein sollte. Niemals aufgeben und einfach am Ball bleiben.

Wer hätte es gedacht, aber Brasilien ist das erste Land, wo die Leute so gläubig sind, dass Sonntags tatsächlich die Supermärkte zu bleiben. Pech für uns, denn wir standen vor verschlossenen Türen und mussten alternativ beim Busbahnhof, ist ja direkt vor unserer Haustür, Teigtaschen kaufen. Waren nicht so schlecht, aber verhältnismäßig teuer und wenig. Dafür gibt’s vor der Kirche Popkorn und den ganzen Tag Popmusikbeschallung.

Aber eine kleine Vordeutschlandsdiät tut uns bestimmt allen ganz gut, da wir in Deutschland von meiner Mutter so vollgestopft werden werden, ein Jahr Enkelkinderentzug muss nachgeholt werden, dass wir in knapp vier Wochen schon nicht mehr in unserer vollen „Schönheit“ auf den Computerbildschirm passen werden.

Apropos Gesundheit; jetzt wird der Florian tatsächlich auf die letzten Meter noch krank. Und ich will den Teufel ja nicht an die Wand malen, aber von den Symptomen könnte es glatt ein leichtes Denguefieber sein. Was aber relativ unwahrscheinlich ist, da es kaum Mücken gibt, die Epidemie durch und Flo immer lange Sachen trägt und auch gesprüht ist. Also kann es auch einfach ein grippaler Infekt sein, um uns nochmal so richtig zu zeigen, wie heiter Reisen mit Kindern sein kann. Hip, Hip, Hura!

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 15. Juni 2009

Und noch mehr warten auf den Bus (Campo Grande, Brasilien)

Da Florian schon beim aufwachen heftig fieberte, haben wir uns entschieden noch hier zu bleiben, da wir hier echt gut aufgehoben sind.

Christian und und ich sind dennoch los, Bustickets für morgen holen gegangen. Und obwohl Kinder ab sieben eigentlich den vollen Buspreis zahlen, fand sich hier eine schöne Lösung.

Der Verkäufer fragte uns von sich aus, ob wir Josua auf den Schoß nehmen wollten, rief seinen Vorgesetzten an und schwubs die wubs mussten wir nur drei Tickets kaufen. Dreimal 100 Reais, das sind jeweils 50 US Dollar für 12 Stunden Bus nach Sao Paulo.

Ich glaube, Aberdeen ist jetzt endgültig gestorben. Vor zwei bis vier Wochen hätte schon längst eine Antwort kommen müssen und egal wen ich anschreibe, es antwortet nichts und niemand mehr. Schade, das wäre die praktischste Variante gewesen.

Also dann doch wirklich Neuseeland. Nach Australien haben wir ja im Prinzip keine Chance rein zu kommen. Und man kann davon halten was man will, aber ich finde Waikato, Neuseeland, was mein Favorit wäre, nicht nur attraktiv, sondern von der Story, wie ich da dran gekommen bin ausgesprochen lustig. Wenn schon schwierig, dann wenigstens mit einer lustigen Story dahinter.

Zur Erinnerung: Wir haben im Warrumbungle Nationalpark einen deutschsprachigen Engländer mit schwangerer, schweizerischer Freundin getroffen. Er ist Musik-Dozent an der Sydney Uni und empfahl mir mal bei den Wald- und Wiesenunis zu schauen, da die nicht von Chinesen überrannt werden und somit mehr Potential bieten.

Wir könnten es doch mal bei der Southern Cross University in Lismore versuchen. So kamen wir nach Lismore. Wenn man Lydia nach ihrer Lieblingsstadt in Australien fragt, sagt sie immer „Lismore“.

In Lismore haben wir in der Bücherei das Internet genutzt, um Themenbereiche und Personen ausfindig zu machen, die in irgendeiner Form in mein Interessengebiet passen. Und so bin ich über Lewis gestolpert, der mit viel gutem Willen eventuell passen könnte. Es war die erste Person, die ich überhaupt in Australien ausfindig gemacht habe und das auch nur, weil wir halt gerade in Lismore waren.

Ich bin ja dann zum Campus, nur um dort zu erfahren, dass Lewis auf dem Campus Coffs Harbour ist und damit war für mich die Sache gegessen. Denn als wir aus Brisbane zurück nach Sydney fuhren und in Coffs Harbour vorbei kamen war Feiertag. Wieder verpasst und total vergessen.

In Chile bin ich dann bei meinen Bemühungen zufällig wieder über seinen Namen in meinen Dateien gestolpert. Und weil ich ja sowieso so fleißig am Proposal verschicken war, an alle und jeden, so auch zu Lewis.

Er meldete sich total begeistert nur mit dem Zusatz, dass er nach Waikato geht, mich aber mitnehmen würde, alternativ für mich jemanden in Australien sucht und was mich beeindruckt hatte, mit dem Hinweis, dass man mit so einem Proposal vielleicht bei renomierteren Unis und Personen nachfragen sollte. Dann passierte lange nichts mehr. Irgendwann habe ich den Kontakt wieder aufgenommen, tatsächlich ein erstes Gespräch in Buenos Aires hinbekommen und je länger ich mit Christian darüber nachgedacht habe, desto besser gefällt mir Waikato.

Jetzt kann man sich fragen, was um alles in der Welt ich bei einem Typen will, der von dem praktischen Teil meines Vorhabens keine Ahnung hat, keine Connections und dazu noch am Arsch der Welt ist.

Die Antwort ist ganz einfach. Der Arsch der Welt ist nicht zu verachten. Außerdem ist es klasse, wenn ich mit als eine der ersten Promoventen an diesem Institut die Richtung ganz entscheiden mitbestimmen kann. Und was ganz ganz entscheidend ist, dadurch, dass Lewis kaum Ahnung vom Praktischen hat, habe ich vermutlich absolut freie Hand und niemanden, der mir ständig dazwischen funkt. Da uns eigentlich nur der theoretische Hintergrund meines Proposals verbindet, was mir ausgesprochen entgegen kommt, denn ich bin bekennende Theoretikerin, scheine ich dort bestens aufgehoben.

Wir werden sehen. Nur diese pissige Warterei macht mich noch wahnsinnig.

Jetzt warte ich schon wieder auf den Bus morgen und in Sao Paulo auf den Bus nach Rio und in Rio auf den Bus zum Flughafen, da ausnahmsweise dann mal auf ein Flugzeug. Und zurück in Deutschland warten wir auf Visa, Wunder und Hast-Du-Nicht-Gesehen. Ich hoffe, dass wir irgendwann auch mal irgendwo ankommen und dies nicht erst, wenn ich im Sarg liege.

Fazit Lydia Bolivien

Bolivien war sehr schön und sehr kalt, wobei ich es gut fand. Auch das Essen war gut. Bolivien war sehr billig, so dass ich mir jede Menge Süßigkeiten kaufen konnte.

Die Menschen waren sehr, sehr nett im Gegensatz zu Argentinien. Sie haben uns immer und überall gefragt, wie wir heißen. Etwas, was in Argentinien gar nicht vorkam. Die Bolivianer hatten alle Kinder, was ich auch sehr sympathisch fand. In Bolivien gab es endlich wieder Märkte , was ich super toll fand. Das fehlt in den anderen Ländern.

Fazit Josua Bolivien

Ich fand es auf jeden Fall sehr schön und die Menschen waren so was von lieb. Ich konnte mir jeden Tag so viele Sachen kaufen.

Für 0,50 Bolivianos hat man einen großen Lutscher mit Kaugummi gekriegt. In Bolivien gab es noch die Märkte, von denen ich das Zeug her hatte. Das Essen war gut und auch der Käse, Kuh oder Ziege, war erstaunlich gut. Die Guesthäuser waren toll und wir waren in der höchsten Stadt der ganzen Welt. Und es war kalt.

Die Menschen waren sehr viel lieber als in Argentinien und ein bisschen lieber als in Chile.

Spielen um die Welt die wahrscheinlich Vorletzte

In El Bolson 2 sind wir immer mit Anlauf die Stange auf dem Spielplatz runtergerutscht. Wir haben auch noch Sandburgen gebaut, die andere Kinder kaputt gemacht haben. Auf der Wippe haben wir gespielt, wer der Schwerere ist und Josua hat immer gewonnen. Im Wassertümpel haben wir immer ein Holzbrett hin und her fahren lassen.

In Buenos Aires haben wir meistens Computer, oder mit den anderen Kindern verstecken gespielt.

In Iguazu sind wir nur über den Campingplatz gelaufen.

In Asuncion haben wir Fernsehen geschaut.

In Sucre haben wir immer an der Rezeption mit dem Typen dort gespielt und haben uns auch mit den leeren Wasserflaschen bekämpft.

In Potosi sind wir direkt ins Bett. Die Höhe hat geschlaucht.

In La Paz haben wir Fernsehen geschaut, gebastelt wie die Blöden und vor der Zimmertür mit den Autos gespielt. Abends haben wir mit unseren Gastgebern und deren Tochter Pi Ca Chu, so was wie Schnick Schnack Schnuck gespielt.

In Copacabana haben wir mit dem Angestellten Fußball gespielt.

In Puno haben wir den Fernseher im Zimmer genossen und Guesthäuser gemalt.

In Cusco haben wir Dart gespielt und im großen Flur haben wir gespielt, als wenn es unsere Wohnung in Kiel wäre und wir dort wohnen.

In Arequipa haben wir Bilder, Bilder, Bilder von Guesthäusern gemalt.

In Puno 2 haben wir schon wieder das gemacht, was wir beim ersten mal gemacht haben.

In La Paz 2 ebenfalls. Zusätzlich haben wir gespielt, dass wir ganz gemeine Sachen mit dem anderen machen.

In Rurrenabaque haben wir mit den Katzen und diesem komischen Wagen gespielt. Für die Katzen habe ich einen Parkur aufgebaut und sie dadurch getragen.

In Santa Cruz haben wir die anderen Gäste mit unseren selbstgebastelten Kameras aus Flaschen gefilmt.

In Corumba haben wir Computer gespielt.

In Campo Grande gehen wir baden. Jeden Morgen, Mittag und Abend gehen wir in das schweinekalte Wasser. Wir spielen dann immer noch ganz lange am Rand. Wir malen auch Bilder, wie zum Beispiel von den Petronas Towers und wir spielen Computer.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 16. Juni 2009

Der Tag der Überschriften: Warten auf den Bus II; Das vorvorletzte mal Packen; Unsere letzte Nachtfahrt (Campo Grande, Brasilien)

Wenn man um Punkt sieben morgens beim Frühstück ist und bis abends um neun auf den Bus warten muss, dann erscheint dies unendlich lange. Ich finde diese Phasen mittlerweile sehr meditativ. Und sie vergehen, ohne dass man sich zu sehr langweilt. Man muss wissen, dass wir keine Bücher zum lesen haben. Das geht gewichtstechnisch einfach nicht.

Die Kids waren mit dem Pool voll ausgelastet. Es waren jetzt auch mal zwei Tage warm. Ja, Mücken! Und Florian besserte sich, trotz morgendlichem Fieber und Fiebersaft zunehmend.

Ich weiß jetzt endlich, was in Aberdeen passiert ist. Das Institut versucht verzweifelt eine fachkompetente Aussage der Informatiker zu bekommen. So ist das, wenn man an Geistes- und Sozialwissenschaftler etwas technisches heranträgt. Obwohl ich zugeben muss, dass ich so etwas auch nicht beurteilen könnte. Das ist auf jeden Fall der Grund, warum es so furchtbar lange dauert. Wenigstens geben sie sich Mühe und fragen mal bei den Nachbardisziplinen nach. In Deutschland hat doch mein Proposal schon deshalb keine Chance, da die Interdisziplinarität viel zu groß ist.

Christian hatte die Zeit nutzen wollen und mal versucht eine unverbindliche Preisvorstellung bei den privaten Krankenkassen zu erlangen. Ha! Ha! Ha! Unverbindlich, Preise, aber doch nicht als potenzieller Kunde bei einer privaten Krankenversicherung. Wer das schon mal versucht hat, weiß wovon ich rede. Ohne deine kompletten Daten erstmal unverbindlich herauszurücken geht gar nichts. Das Angebot muss ja maßgeschneidert auf deine Bedürfnisse sein. Wir wollten eigentlich nur eine grobe preisliche Orientierung und keine maßgeschneiderte Scheiße. Um die kümmert man sich, wenn man sich für einen Versicherer entschieden hat. Nicht vorher.

Das coolste an der Internetanfrage war die Huk Coburg. Sorry, dass ich hier Namen nenne, aber das war einfach so unmöglich. Die hat getrackt, von wo die Anfrage kommt und sperrte dann erstmal jede weiteren Anfragen unsererseits, da wir natürlich über eine brasilianische Verbindung kamen. Das ist uns in Südamerika schon öfters passiert, zum Beispiel dass e-Mails nicht durchgelassen wurden. Also von uns geschickte, da GMX über seinen normalen SMTP-Port keine ausländischen Verbindungen durchlässt. Wenn man ein wenig im Internet herumliest findet man dafür einen interessanten Workaround: GMX betreibt nämlich einen zweiten „geheimen“ SMTP-Port (587 statt 25, für alle die dieses Problem auch haben), um Firewalls auszutricksen und der prüft die IP-Adresse nicht auf ihre Herkunft. Auf jeden Fall noch nicht, so dass wir immer noch e-Mails aus dem Ausland verschicken können. Hat aber ganz schön lange gedauert, das herauszufinden, und es steht auch nicht auf den Seiten von GMX.

Und, Cookies sei dank, funktionierte danach bei der Seite der Huk Coburg gar nichts mehr. Christian hat dann erstmal die Cookies gelöscht und die Datenschutzrichtlinien der Huk Coburg studiert. Interessanterweise steht darin, dass die Huk Coburg konsequent auf Cookies verzichtet, um ihre Kunden vor dem Missbrauch ihrer Daten zu schützen. Ist das rechtlich zulässig so ein Vorgehen? Ich bezweifele das. Ist auch egal, da in den Datenschutzrichtlinien auch drinsteht, dass alle Daten an Dritte weitergegeben werden, so dass eine Einwilligung sowieso nicht in Frage kommt. Vielleicht halten die sich, wie bei den Cookies, auch an diese Klausel nicht. Aber, wieder sind Zweifel angebracht.

Zurück nach Brasilien. Wodurch zeichnet sich Campo Grande aus? Durch seine unüberschaubare Anzahl an Drogeriemärkten, oder besser Apotheken. Die Preise können da eindeutig mithalten. Wahrscheinlich findet man zur Rechtfertigung auch deshalb ganz oft noch eine richtige Apotheke hinten im Laden.

Wir wollten und mussten Windeln kaufen, die es leider nicht im Supermarkt gibt. Und die Preise der Drogeriemärkte schlagen sich auch auf die Windeln nieder. Das sind hier echt irische Windelpreise. Normalerweise gibt es weltweit einen Einheitspreis für Windeln, nur nicht in Brasilien. Hier zahlt man für eine Packung, wie auch schon damals in Irland, für die selbe Größe und Marke schlicht und ergreifend das Doppelte zu den deutschen Preisen. Autsch!

Und was zeichnet Brasilien aus? Die dralle Weiblichkeit, die die Mädels hier ohne Scham zur Schau stellen. Mit viel zu engen Jeans und knappesten Oberteilen wird gezeigt, was Frau hat. Wobei ich sagen muss, es passt zu den Mädels hier und die schokoladige Haut eignet sich echt besser zum Herzeigen als das Milch-Weiße der deutschen Mädels. Das möchte doch wirklich keiner sehen. Also Weißwurst in Wurstpelle. Dann doch lieber Marchmellow mit Schokoguss.

Und was scheint die größte Leidenschaft der Brasilianer? Genau, neben dem Fußball gibt es noch Lotto. Schlangenweise stehen sie vor den Lottobuden um ihr Glück herauszufordern.

Was uns noch ganz lustig aufgefallen ist, ist das Taxifernsehen. Soll heißen, dass es am Mofataxistand einen extra Fernseher für die Mofafahrer gab, der gut gesichert dort hing und lief. Der Taxistand war auch nicht mehr als eine Bushaltestelle.

Leider sind die weiblichen Angestellten im Hostal alles andere als brasilianische Frohnaturen. Die schauen immer so was von böse und grimmig. Dagegen ist die männliche Crew super lieb. Josua stand den ganzen Abend hinter der Rezeption am Computer und Florian amüsierte die Leute vor dem Hostal mit dem Handy, welches er ergattert hatte. Er machte sich die richtige Musik an und ging dann ab wie ein Zäpfchen.

Wir konnten ganz gemütlich bis kurz vor 21 Uhr im Hotel warten. Als der Bus dann am Terminal direkt gegenüber einfuhr, sind wir dann losgelaufen. Unsere wohl kürzesten zwei Kilometer.

Der Bus war so leer, dass ich mich echt wunderte, aber so hatte Josua wenigstens einen eigenen Platz, was ja nicht stört.

Und Gott sei Dank sind wir hier nicht mit ätzenden Ballerfilmen vollgedröhnt worden. Auf der Fahrt nach Campo Grande gab es Amagedon. Schon mal Amagedon auf Portugisisch gesehen? Also irgendwie fehlt dieser Sprache eine ernsthafte Dramatik. Wenn Bruce Willis in einer kritischen Situation seine Chaps anfängt anzunäseln, dann bleibt einem das kichern einfach nicht erspart.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 17. Juni 2009

Ist es gut, wenn es im Bus friert? (Campo Grande nach Sao Paulo, Brasilien)

Mensch, was war das kalt heute Nacht im Bus. Am morgen waren sogar Teile der Fenster mit Eis überzogen. Von innen wohl gemerkt. Echt kalt!

Wir haben irgendwie den langsamsten Bus erwischt, der zwischen West- und Ostbrasilien hin und her fährt. Überall hielt er und fuhr von der Schnellstraße runter. Und ich will ja nichts sagen, aber Brasilien wirkt auch in den kleinen Käffern hier sehr viel aufgeräumter. Selbst Corumba, was am Arsch der Welt von Brasilien ist und ja so 'ne finstere Grenzstadt mit Schmuggel und Prostitution sein soll. Das gibt es bestimmt irgendwo, aber das primäre Stadtbild war, wie in Campo Grande, was fast eine Millionenstadt ist, total aufgeräumt und friedlich.

Und wenn man so durch die Landschaft fährt, vom Pantanal kommend, wird einem klar, warum das Pantanal so spektakulär ist. Mensch, ist die Landschaft hier langweilig. Viel großflächige Landwirtschaft. Es hat den Charme der Voreifel, nur statt Getreidefelder gibt es Zuckerrohr, Zuckerrohr, Zuckerrohr. Ach ja, und Termiten- statt Maulwurfhaufen.

Eigentlich sollten wir um acht, mit Zeitverschiebung um neun Uhr Ortszeit in Sao Paulo, ankommen. OK, auch in Brasilien klappt nicht alles. Wir kamen irgendwann nach zwei Uhr mittags an. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn wir wenigstens gewusst hätten, wo wir denn eigentlich angekommen sind. Denn der einzige Busbahnhof, der in der Lonely Planet Karte eingezeichnet ist, war es nicht. Was uns darauf schließen ließ, dass es wohl mehr als einen Busbahnhof in Sao Paulo geben muss. Na, wer hätte das gedacht bei einer Stadt die mehr Einwohner als ganz Australien hat. Lonely Planet halt.

Die alten Damen, die großzügig die Kids schon die ganze Fahrt über futtertechnisch mit versorgt hatten, sprachen uns darauf an, ob wir nicht hier aussteigen wollten. Es brauchte etwas, bis die Verständigung mit dem Busfahrer erbrachte, dass wir besser hier aussteigen als sonst wo, wenn wir nach Sao Paulo wollten. Wo immer er noch halten sollte.

Zum Glück war dem Busterminal sowohl die Metro als auch die Bahn angeschlossen, so dass wir ohne große Probleme unseren Weg machten. Am Ticketschalter fragte die Frau zwar nach Josuas Alter, schlug aber vor, dass er einfach so unter den Drehkreuzen durchkriechen solle. Also haben wir nur drei mal 2,55 Reais (2,70 Reales sind ca. 1 Euro) gezahlt. Also bei Kindern sind die hier echt super lieb.

Mitten im Zentrum tauchten wir dann ans Tageslicht, ohne einen Plan, wo wir sind. Ein Mädel wollte uns unbedingt helfen, wusste nur leider selber nicht, wie die Straßen hießen und so. Sie konnte aber Passanten fragen, so dass wir unseren Weg fanden und auch nach dem Abchecken von drei Hotels eine Preisvorstellung hatten und schließlich doch zum ersten, Rivoli, zurückkehrten, wo wir für 90 Reais (45 US Dollar) ein Vierbettzimmer plus Frühstück bekommen haben. Das scheint hier immer inklusive.

Wir sind somit mitten in der Fußgängerzone gelandet, aber in einem nicht wirklich guten Viertel. Vermutlich doch für die Verhältnisse in Sao Paulo, aber eben doch anders als das, was wir bisher in der brasilianischen Provinz erlebt haben.

Was sich hier als Straßenbild bot, haben wir bis jetzt noch nicht erlebt gehabt. Asuncion war dagegen für Warmduscher. Da waren die Armenviertel, oder Marginalsiedlung wie sie im gehobenen Deutsch heißen, zwar direkt in Sichtweite des Stadtzentrums, aber hier...

Meine Fresse, hier liegen die Kids, die gerade mal 13 sein mögen mit ihren Matratzen unter ihren Decken direkt am Straßenrand der Fußgängerzone. Und auch nicht ein oder zwei, sonder dicht an dicht, eine Matratze neben der anderen. Meine Fresse!

Aber es scheint ein inoffizielles Sozialsystem zu geben, da die Halbwüchsigen von den angrenzenden Geschäften mit Wasser und Essen versorgt werden. Das ist ähnlich wie bei den Mönchen in Asien. Die haben ja auch ihr Essen auf der Straße bekommen. So auch hier, wo die Jungs am Abend alle mit ihren Dosen die Geschäfte abklapperten.

Frauen sind da übrigens nicht drunter. Ich frage mich, wo die sich aufhalten, denn da gibt es doch bestimmt auch Obdachlose. Mich wundert es, dass die Stadt und die Städter dies einfach so zu tolerieren scheinen.

Und jetzt verstehe ich auch endlich, warum Rio und Sao Paulo am Wochenende so gefährlich sein sollen. Wenn hier wochenends alles zu hat und nur noch diese Halbstarken die Straßen bevölkern, dann möchte ich nicht hier sein.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 18. Juni 2009

Echt krass! (Sao Paulo, Brasilien)

Das Frühstück war mal wieder so was von üppig.

Danach stand Stadtbesichtigung auf dem Programm. Nach Aussagen der Touriinfo soll es ungefährlich sein, hier rumzulaufen. Auf Kleinkriminalität muss man immer aufpassen. Die Touriinfo versicherte uns auch, dass das Leitungswasser hier trinkbar sei. Ganz ehrlich, ich habe keine Lust dies auszuprobieren. Wir haben die Flüsse gesehen beim reinfahren in die Stadt. Dagegen sahen die Gewässer in Bangkok nach biologischen Oasen aus. Hier stinken die Gewässer nicht nur entsetzlich, sonder sie besitzen eine metallige Farbe und schäumen.

Schon am frühen Morgen waren die Hubschraubertaxis unterwegs, die dicht über den Häuserschluchten ihre Kunden von einem Hochhaus zum nächsten bringen. Die sinnvollste aller Fortbewegungsmöglichkeiten hier, um das Elend auf der Straße zu meiden.

Auch heute stellte sich kein positiveres Bild dar. Überall Deckenhaufen, oder Kartons unter denen geschlafen wurde.

People sleep everywhere in the streets... (Sao Paulo, Brazil)
...and nobody bothers. (Sao Paulo, Brazil)
The boys obtained something to eat; it is eaten in only a few seconds. (Sao Paulo, Brazil)

Und wenn nicht geschlafen wird, dann wird viel zu laut und aggressiv durch die Gegend gerufen, oder Leute angepöbelt. Wir vermuten, dass dieses anormale Verhalten durch Entzugserscheinungen hervorgerufen wird. Also freundlich und gemütlich geht anders. Die Stimmung ist nicht wirklich entspannt.

Dazu kommen die lebenden Litfaßsäulen. Arme Schweine, die den ganzen Tag mit einem Plastikschild über die Schultern hier in den runtergekommenen Fußgängerzonen stehen und sonst was bewerben. Besonders grotesk sind die, die lauter Jobannoncen auf ihrem Schild tragen. Bei einer Firma, die auf diese erniedrigende und menschlich unwürdige Weise wirbt, da will ich doch nicht arbeiten. Wie gehen die denn dann mit mir um? Nein, das eigentlich groteske daran ist, dass es billiger ist, jemanden in die Fußgängerzone zu stellen, als eine Anzeige zu schalten, zumal die, die werben, niemals einen der angebotenen Jobs ausüben könnten. Die in der Arbeitsagentur in Deutschland können das zwar auch nicht, aber die bekommen wenigstens vernünftige Gehälter und besitzen dazu eine vermeintlich notwendige Qualifikation, um Jobs an den Mann (Frau) zu bringen. In Sao Paulo geht es auch ganz ohne Ausbildung.

Cheap advertising: people stand around in the streets wearing signs. Renting space elsewhere would propably be too expensive. (Sao Paulo, Brazil)

Sao Paulo ist ein echtes Moloch. Vor lauter Smog ist die Ferne nicht sichtbar. Die geht in einem grau, gelben, milchigen Schleier unter.

Die Innenstadt ist heruntergekommen und auch nicht das, was wir von einer Fußgängerzone erwarten würden. Normale Läden zum einkaufen gibt es eigentlich gar nicht. Einkaufen geht man hier wohl eher in den Malls außerhalb.

Es gibt viel zu viele Garagentore, die geschlossen sind und ungenutze Häuserwandflächen, wo die Obdachlosen vor leben.

Und so schäbig das Stadtbild ist, so wenig verwundert es, dass der Frauenanteil viel zu gering ist, im Vergleich zu den Heerscharen von Männern, die alleine, aber auch gerne in Gruppen auf den Straßen herumlungern und keiner sinnvollen Beschäftigung nachzugehen scheinen.

Kinder gibt es in der gesamten Innenstadt gar nicht. Wir fielen total aus dem Rahmen. Der Kontrast zum netten Campo Grande könnte kaum größer sein.

Dennoch hatten wir einen netten Tag. Wir sind in dem Shoppingviertel welchem gelandet, wo es rund um Karneval und Party alles gab. Die Brasilianer lieben es wohl, riesige Partys mit jeder Menge Gedöns auszurichten. Ein Partyladen neben dem anderen, wo es von Verkleidungen über ramschige Geschenke für die Gäste, alles natürlich in Großhandelspackungen, über riesige Girlanden, Tischdecken, mit einem ganzen Arsenal an Zubehör von Deko, bis hin zu Bonbons und Dekoelementen für die Torten alles gab. Auch wir konnten uns dem nicht verschließen und haben schon mal für Florians zweiten Geburtstag eingekauft. Wenn er schon nicht mehr in Brasilien Geburtstag hat, dann wenigstens auf brasilianisch feiern. Er ist der einzige von uns, der nicht auf dieser Weltreise Geburtstag haben wird.

Pralinen scheinen hier auch ganz wichtig dazu zu gehören. Es gibt stapelweise so Papier in Blumenform zu kaufen, auf die man dann seine Pralinen für die Gäste stellen kann. In einem Laden standen Kunden, die wirklich ihre selbstgemachten Pralinen auspackten, um zu überprüfen, ob die Größe mit den Papierchen denn passe.

Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Christian ist tatsächlich Opfer der Anrotzer geworden. Eigentlich eine Masche, die für Bolivien so populär sein soll. Man wird von jemanden angerotzt und während dieser sich entschuldigt und versucht dich sauber zu machen, klaut dir jemand deinen Kram. Chris ist zum Glück nichts geklaut worden, zumal wir ja auch direkt hinter ihm waren, so dass der Typ es sich wohl doch noch anders überlegt hat und im Gedränge verschwand .

Und was den Campo Grandern ihre Drogerieläden sind, ist den Sao Paulern ihre Süßigkeitenläden. Alle paar Meter taucht ein Laden auf, der alles an Süßigkeiten zu bieten hat, was Brasilien zu bieten hat. Lecker!

Wir sind dann noch auf eines der Hochhäuser hoch, wo man kostenlos hoch konnte, nachdem man sich einer langwierigen Registrierung mit Pass und allem unterzogen hatte. Die Aussicht war aber toll.

Sao Paulo seen from above... (Brazil)
...the smog is unbelivable. (Sao Paulo, Brazil)

Und obwohl Sao Paulo das größte Wirtschaftszentrum ganz Südamerikas sein soll, finde ich nicht, dass es mit Sydney oder Singapur mithalten kann. Es sind verhältnismäßig wenig beanzugte und kostümierte Menschen unterwegs. Frauen scheinen nicht nur im Straßenbild unterrepräsentiert, sondern auch in der Wirtschaftswelt hier, denn wirklich kostümierte gibt es kaum und die, die es gibt, sind dann auch noch alle zum Großteil europäisch aussehend. Von den afroamerikanischen hat man dort verschwindend wenige. Was ich sehr interessant finde, da ich nicht den Eindruck bis jetzt hatte, dass es ein nennenswertes Gefälle zwischen hell- und dunkelhäutigen gibt.

Was wir in Sao Paulo aber noch nicht gesehen haben sind arbeitende, oder auch bettelnde Kinder. Somit gibt es auch einen eigenen Schuhputzerstand, wo nur Erwachsene ihre Dienste anbieten. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, es gibt wirklich keine Kinder die unter 13 oder 14 sind. In Bolivien liefen auch gerne mal vier-, fünfjährige bettelnd über die Straßen oder arbeiteten im Supermarkt an der Kasse. Hier gibt es gar keine Kinder auf der Straße. Weder bettelnd noch sonst wie.

Obwohl, das stimmt nicht ganz. Auf unserem Weg durch die Stadt begegneten wir einer Schulklasse, ca. 10-11 Jahre. Aber die waren nicht nur in Begleitung von ein zwei Lehrern, sondern auch eines Bodyguards, zumindest sah es so aus. Na, wenn die Zustimmung eines Stadtausflugs einer Klasse nur mit Bodyguard möglich ist, dann weiß ich nicht, ob ich wirklich hier meine Kinder zur Schule schicken möchte. Möchte ich nicht. Sao Paulo ist wirklich eine der Städte, wo ich sage „absolutes no go“. Man sollte sie sich einfach wegen des Kontrastes mal angesehen haben. Ich hatte ja schon Angst, dass Brasilien so langweilig wie in der Provinz bleibt. Das hat sich mit dieser Stadt definitiv erledigt. Langweilig ist es hier bestimmt nicht.

Wir durften dann noch Zeugen von einer groß angelegten Polizeirazzia werden. All die Verkäufer von illegal kopierten DVDs, die permanent mit Funkgeräten in Verbindung stehen, nahmen plötzlich geschlossen ihre sieben Sachen in die Hand und waren ganz schön am rennen. Wobei ich sagen muss, dass die Polizeipräsenz nicht annäherungsweise so groß hier ist, wie zum Beispiel in La Paz, wo ja überall freundliche Uniformierte rumstanden.

Neben solchen Bildern gab es dann auch noch die endlose Schlange von Personen in der Fußgängerzone. Rund 50 Meter in die eine Richtung, um dann nochmal gut 60 Meter in die andere Richtung zu gehen. Wofür standen die denn alle an? Wir liefen und liefen an dieser endlos wirkenden Schlange vorbei, um dann auf ein einfaches Pavillonzelt zu stoßen, welches mitten in der Fußgängerzonen stand. Kaum zu glauben, aber hier fand der Kartenvorverkauf für Oper und Theater statt. Anscheinend gab es was ganz tolles. Denn Sao Paulo soll ja das Kulturzentrum Brasiliens sein. Ich weiß, fällt schwer zu glauben.

Am Abend wurden wir dafür mit Live-Samba-Klängen vollgedröhnt. Das Pendant zum Tango in Buenos Aires.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 19. Juni 2009

Der erste Eindruck zählt!? (Sao Paulo nach Rio de Janeiro, Brasilien)

Was für eine Nacht. Ich dachte ja echt im falschen Film gelandet zu sein. Als ein höllen Geschrei von Halbwüchsigen auf der Straße ausbrach und nicht enden wollte, bin ich doch mal schauen gegangen. Vom dritten Stock geht das ja alles ganz gefährdungsfrei. Und wie froh war ich, dass ich im dritten Stock war und somit weit, weit weg von den randalierenden Jungs, die in ihrem Frust sämtliche Ladenfenster einschlugen, oder es zumindest versuchten. Die Ladenbesitzer kennen das bestimmt schon, weswegen nur besondere Scheiben genutzt werden, die der jugendlichen Gewalt nicht so schnell zum Opfer fallen. Aber den Kiosk, der auf der Straße stand, haben sie übel zugerichtet. Ich weiß nicht, was eigentlich los war, aber es sah so aus, als wenn es eine heftige Auseinandersetzung mit anderen vagabundierenden Gruppen gegeben hatte und einer der Jungs hatte ganz schön was abbekommen. Seine Kumpels waren wohl absolut ungehalten darüber, weswegen sie ihren Zorn nun an allem ausließen, was sich anbot. Jetzt wird auch klar, warum die häufigste Todesursache bei Männern unter 25 Jahren hier in Brasilien Mord ist. Wenn man so was nur ließt oder hört kann man mit so einer Information gar nichts anfangen.

Ich hatte ja schon Angst, dass sie in ihrer unberechenbaren Aggression versuchen, die Türen der umliegenden Gebäude aufzubrechen, denn dann wären wir ja auch dran gewesen. Der zerlegte Kiosk stand nämlich direkt vor unserer Hoteltür. Diese Szene machte auch klar, warum Läden hier immer Garagentore besitzen, da diese dieser Gewalt besser standhalten können.

Je teurer die Hotels, desto pissiger der Service. In Bariloche sind wir deswegen gegangen und hier war es auch nicht besser. Das potunfreundliche Mädel, die fürs Frühstück zuständig war, pampte erst einen Gast an, der sich über die Ameisen auf den Tellern beschwerte und weigerte sich, mir einen Wischlappen auszuhändigen, da Flo seine Milch umgeworfen hatte. Dann nicht. Wir haben es dann alles auf den Boden tropfen lassen. Wer nicht will, der hat schon. Ich hätte es ja weggewischt. So war die Sauerei perfekt und für uns eine kleine Genugtuung für so einen scheiß unfreundlichen Service.

Was war ich froh, Sao Paulo so schnell verlassen zu können. Innerhalb von nur 30 Minuten waren wir mit der U-Bahn am richtigen Busbahnhof (Tiete) und keine fünf Minuten später saßen wir auch schon im Bus nach Rio. Und wodurch zeichnen sich Großstädte auch noch aus? Es gibt keinen Verhandlungsspielraum. Während Josua bis jetzt immer umsonst mit durfte, mussten wir heute den vollen Buspreis für ihn zahlen. Die magische Grenze in Brasilien ist hier nämlich sechs Jahre. Also nicht wirklich viel besser als in Argentinien. Dafür war es unsere günstigste Etappe hier in Brasilien mit 58 Reais pro Ticket (immerhin 4x29 US Dollar).

Unsere letzte Busetappe auf dieser Reise, über 18.000 Kilometer haben wir im letzten Jahr im Bus zurückgelegt. Und dann sooo langweilig.

The most boring bus trip; the landscape between Sao Paulo and Rio de Janeiro is so uninsteresting. (on the way to Rio de Janeiro, Brazil)

Wenn man mal von der üblichen Sicherheitseinweisung, die jeder seriösen Busfahrt voraus geht, ich habe keine Ahnung was uns da eigentlich immer erzählt wird aber ist ja auch egal, und den unzähligen, wie Bunker aussehenden Motels absieht, die die Straße säumen. Haben die Leute denn keine Betten zu hause? Vermutlich nicht in getrennten Zimmern und bei einem so stockkatholischem Land ist ja jeder außereheliche Intimkontakt zum anderen Geschlecht, oder auch nicht, absolut verboten. Und was wäre Moral, wenn sie nicht doppelt wäre. Wo eine Nachfrage, da auch ein Angebot, oder nicht? Also neben Fußball- und Lottoleidenschaft auch noch Motels. Na, warum nicht. Ich hab ja schon drei Kinder.

Als wir mal wieder an einem der Rasthöfe hielten, ist Chris mit den Kids raus um mal nach einen Kaffee zu schauen. Und obwohl wir seit einem Jahr auf den Josua einreden, dass rumzappeln und mit den Armen über dem Kopf rumwedeln ein absolutes Tabu ist, kann er es bis heute nicht lassen. Jetzt kann jeder sagen, er ist doch noch ein Kind und was soll denn daran so schlimm sein? Was daran so schlimm sein soll? Ganz einfach, weil er durch sein Gezappel beinahe Opfer eines überaufmerksamen Polizisten geworden wäre. Denn der Polizei bewachte angespannt die Befüllung eines Geldautomaten als Christian mit dem zappelnden Josua um die Ecke bog. Der Polizist sah nur etwas sich wild bewegendes um die Ecke kommen und zog erschrocken seine Waffe. Teu, teu, teu, er hat noch rechtzeitig gemerkt, dass es sich nur um einen kleinen Jungen handelt, und steckte genauso erschrocken die Waffe schnell wieder weg. So locker sitzen hier die Waffen und nur wer zuerst schießt überlebt. Josua hat Gott sei Dank von der Waffe, die auf ihn gerichtet wurde, nichts mitbekommen. Aber das ist mit einer der Gründe, warum rumzappeln ein absolutes „No Go“ in der dritten Welt ist.

Nach der heiteren Nacht und dem heiteren Zwischenfall an der Tankstelle sollte uns diese Glücksträhne erhalten bleiben und es sehr heiter weiter gehen.

Zwar wird die Landschaft Richtung Rio etwas schöner durch die Berge und kurvigen Straßen, aber man tritt dann auch leider sehr schnell in das Umland von Rio ein. Von Süden kommend, im Westen an der Stadt vorbei bis in den Norden der Stadt haben mich die Wohngebiete nicht wirklich überzeugt. Je näher wir dem Stadtzentrum kamen, umso schlimmer wurden die Favelas. Die Gewässer, die wir passierten, waren eine reine Zumutung. Es stank so erbärmlich und die metallikfarbigen Kloaken kennen wir ja schon aus Sao Paulo. Hier schäumte das Wasser zwar nicht, dafür schwamm so viel Müll und Sperrmüll darin herum, dass selbst Lydia und Josua sprachlos aus dem Fenster starrten. Und mit jedem Kilometer, mit dem wir uns dem Busbahnhof näherten, betete ich, dass die Gegend doch bitte ein bisschen besser werden möge. Denn die Zona Norte, wo wir ankommen sollten, wo übrigens auch der Flughafen drin liegt, wir müssen also noch einmal da durch, ist eine absolute „No-Go-Area“ für Ausländer und alle, die an ihrem Leben hängen. Wir hatten ja in der Nacht erleben dürfen, was passiert, wenn die Jungs sauer werden und zu was sie alles in der Lage sind.

In Asien haben wir A niemals kilometerlange Favelas gesehen und B hatte ich nie das Gefühl, dass die Menschen dort je so aggressiv gewesen wären wie hier. Ja, wir haben uns auch hier und da bedroht gefühlt. Wenn ich an Phnom Penh zurückdenke, aber das, was wir hier nur bei der Einfahrt nach Rio alles zu Gesicht bekamen, hat uns vollends den Rest gegeben. Und dabei dachte ich echt, dass wir nach einem Jahr schon viel gesehen und erlebt hätten, aber wir haben halt wohl noch nie wirklich „Dritte Welt“ gesehen. Und das nach der so zivilisierten und harmlosen Provinz Brasiliens. Wir dachten ja, dass Brasilien das zivilisierteste Land Südamerikas sei. Aber das hat hier dann wohl ein Ende genommen.

I want to go to Rio... Grande, Senguer, Mayo, Turbio, Gallegos, egal welches, aber alle sind besser als das hier. (Meine Güte, waren wir schon in vielen Rios.)

Kaum standen wir am Busbahnhof, die Gott sei Dank gut nach außen hin immer abgeschirmt sind, ertönte ein lautes Geschrei und zwei Uniformierte schleppten einen Penner aus der Busstation.

Willkommen in Rio de Janeiro, die angeblich schönste Stadt Südamerikas. Es kann nur noch besser werden.

Wir fanden jemand, der uns sagen konnte, mit welchem Bus wir in die Stadt kommen und während wir endlich die nicht ganz vertrauenserweckende Gegend vor dem Busbahnhof durchs Einsteigen in den richtigen Bus hinter uns lassen konnte, meint jemand doch tatsächlich zu versuchen, etwas aus Christians schwerem Rucksack zu bekommen. Da das fast unmöglich ist, war es harmlos, passte aber doch schön ins Bild.

Die Busse haben immer so blöde Drehkreuze vor der Kassiererin, die schräg hinter dem Fahrer sitzt, durch die wir mit unserem Gepäck nicht durch kommen. So mussten wir wieder aussteigen und hinten einsteigen.

Und dann ging es los. „Es kann nur besser werden!“ Der Bus fuhr eine Strecke, die ich in meinen kühnsten Träumen nicht genommen hätte. Jetzt bloß keine Panne haben und den Bus verlassen müssen.

Wir kamen gegen drei in Rio an, wir waren ja zeitig gestartet und hatten einen 8 Uhr 30 Bus aus Sao Paulo erwischt. Eigentlich genug Zeit, um in die Stadt zu kommen und ein Guesthouse zu finden. Dachten wir. Da hatten wir aber auch noch nicht mit dem Verkehr hier gerechnet. Im Schneckentempo ging es endlich, endlich aus diesen furchtbar bedrohlichen Vierteln raus und mitten durchs Zentrum. Die Atmosphäre wurde etwas besser.

Leider verpasste der Busfahrer es, uns an der richtigen Stelle raus zu lassen und nur, weil ein freundlicher Mitfahrender uns in der Karte suchen sah, fragte er, wo wir denn hin wollten, und meinte, dass wir da schon vorbei seien, wir sollten am besten direkt aussteigen. Das taten wir auch.

Wir standen an einem größeren Grünstreifen und mussten diesen passieren, um wieder auf die Geschäftsstraße zu kommen. Grünstreifen und Parks sind ja immer potentiell gefährlich, da hier die Ärmsten wohnen.

Links um eine kleine Mauer und... ganz schnell weg hier. Hier saßen die Obdachlosen auf ihren Matratzen und machten Feuerchen. Nichts wie in die andere Richtung über den Grünstreifen. Oh Scheiße, eine Gruppe vagabundierender Halbstarker ohne Schuhe. Bitte, Bitte, lass sie sich jetzt bloß nicht umdrehen und auf blöde Gedanken kommen. Puh! Geschäftsstraße mit vielen Passanten erreicht.

Wir hatten einige Orientierungsprobleme, zumal die Gegend hier nicht das Goldene vom Ei war und wir die ganze Zeit unsere Umgebung beobachten mussten. Das erste Hotel (Turistico), welches wir eher durch Zufall erblickten und das im Lonely Planet stand, lag nicht nur in dieser unguten Gegend, sondern hatte auch unwesentlich seine Preise erhöht. Von 30 US Dollar das Doppelzimmer mal eben auf schlappe 75 Dollar.

Dass Rio die teuerste Stadt sein würde, die wir auf unseren ganzen Reise besuchen würden, wussten wir. Sogar teurer als Sydney. Aber irgendwo sind einfach Grenzen. Immerhin war das Hotel auf unserer Karte eingezeichnet, so dass wir jetzt wenigstens mit Sicherheit wussten, wo wir waren.

Wir sind dann weiter, die Gegend besserte sich und wir haben ganz knapp vor Einbruch der Dunkelheit im Hotel Riazor ein Dreibettzimmer für 110 Reais (55 US Dollar) gefunden. Das wohl billigste, was man hier bekommen kann, wenn man nicht in wirklich gefährlichen Vierteln landen will. Und eigentlich wollte der Rezeptionist wegen der Kinder 10 Reais mehr, also 120 Reais, von uns, doch auf meinen Einwand, dass es sich doch um Kinder handele und die Brasilianer doch so kinderlieb seien, konnte er mir nichts mehr entgegensetzen und gab uns den Raum dann doch für 110 Reais.

Ich meine, das wäre preislich ja alles nicht so schlimm, wenn man auch entsprechendes erwarten könnte. Leider ist dem nicht so. Das Hotel hier ist nicht nur das absolut teuerste unserer ganzen Reise, übrigens inklusive Australien, sondern auch das schäbigste, welches wir in ganz Südamerika hatten. Schön dunkel mit dunkelgrünem Linoleumboden. Mensch, was war ich frustriert. Das Ziel unserer Reise, unsere allerletzte Station und dann so ein bitteres Ende.

Aber wenn man es positiv betrachtet, dann wissen wir jetzt wenigstens, worauf wir uns in Deutschland wieder freuen können. Das ging in Campo Grande total verloren, da wir dort alle Annehmlichkeiten hatten, die man so haben kann. Und Campo Grande war eine moderne, zivilisierte Stadt, also kein Chaos wie in Bolivien. Die perfekte Einstimmung auf Deutschland.

Und jetzt nochmal das volle Programm.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 20. Juni 2009

Die letzte Prüfung - Jahresabschlusstest (Rio de Janeiro, Brasilien)

Da Wäsche waschen in Brasilien unbezahlbar ist, das Kilo für gerne mal 7 Reais (3,50 US Dollar), wasche ich ja schon wieder die ganze Zeit selber. Und ich sag euch was. Morgen muss ich das letzte mal per Hand waschen und es reicht dann bis Deutschland. Ja!

Das Frühstück war zwar umfangreich, aber nicht annäherungsweise so nett wie in Campo Grande.

Und dann hieß es Zähne zusammenbeißen und raus zur Stadtbesichtigung. Mir hatte der Tag gestern eigentlich vollkommen gereicht, aber was will man machen. Wir sind jetzt hier, also müssen wir hier durch. Vielleicht verbirgt sich hinter irgendeiner Ecke ja doch noch der sagenumwobene Mythos von Rio. Es haben ja auch alle, die wir getroffen haben, immer gesagt, ja Rio, da braucht man mindestens eine Woche, um diese tolle Stadt zu besichtigen. Ähä! Wahrscheinlich hat die dicke Smogschicht, die größere Distanzen auch nicht mehr ermöglicht zu sehen, den Leuten so den Geist und die Sicht vernebelt, dass sie auf so komische Aussagen kommen. Denn die müssen doch auch alle über die Zona Norte reingekommen sein.

Vielleicht aber wird der Flughafenbus, den wir ja auch noch nehmen müssen, irgendwo angehalten und die Touristen so lange unter Druck gesetzt, bis sie zustimmen der Welt zu erzählen, wie toll Rio doch sei. Erst dann dürfen sie ins Flughafengebäude und das ganze Elend hinter sich lassen.

Ich wäre lieber noch zwei Tage länger in Campo Grande geblieben, um nur drei Tage Rio zu haben, aber das ging nicht, da wir ja sonst am Wochenende in Sao Paulo gelandet wären, was wiederum viel zu gefährlich gewesen wäre. Also Augen zu, oder besser Nase zu, und durch. Der beißende Uringestank der hier überall in der Luft liegt, kann einem echt zusetzen. Überall sind Urinlachen und ganze Bäume stehen in Urin ertränkt. Das liegt wohl an den Unmassen von Leuten, die auf der Straße leben...

Der Weg ins Zentrum, wir sind ja mal wieder gelaufen, ging an Heerscharen von Obdachlosen vorbei, die vor sich flohmarktsmäßig ihr Diebesgut, oder doch nur der Mülleimerinhalt, ausgebreitet hatten. Das waren keine Händler, davon haben wir schon viele gesehen. Das Zeug, das sie anboten, bestand nicht aus einem Sortiment, sondern es war willkürlicher Kram und von allem immer nur ein Exemplar. Ob die abgetragenen Schuhe vom ehemaligen Besitzer freiwillig rausgegeben worden sind, oder ob er sie jetzt nicht mehr braucht?

Und egal wo man lang läuft, überall lungern die Ärmsten der Armen auf der Straße rum. Überall liegt irgend jemand unter seiner Decke. Ich frage mich, ob die Polizei hier regelmäßig rumkommt, um die Leichen unter den Jungs hier ausfindig zu machen. Zusammengerottete Halbstarke, die hier überall rumvagabundieren und manchmal sind die Straßenverhältnise so mies, dass wir wieder zurück mussten und eine andere Straße suchen mussten, wo wir halbwegs sicher durch zu kommen schienen. Denn, ich habe vor diesen Typen Angst. Mir hängt die Nacht in Sao Paulo echt noch nach und die Kids waren vielleicht gerade mal 13 oder 14. Auch sind die Jungs hier sehr viel größer als in Asien, wo die Männer ja so auf Christians Brusthöhe endeten. Hier nicht. Und größer bedeutet auch stärker und hier leider auch aggressiver. Das ist keine Phantasie, die wir uns ausmalen, sondern die Statistik belegt es, dass Sao Paulo und Rio die gefährlichsten Städte dieser Welt sind. 700 Morde allein in Sao Paulo. Nicht pro Jahr, nein pro Monat. Da kann man sich echt fragen, warum die denn immer noch alle da sind. Haben die nicht genug Waffen, um sich gegenseitig von diesem Elend zu erlösen?

Sorry für diesen Zynismus, aber ich bin so schockiert, frustriert und auch überfordert. Mit drei Kinder sich hier durch zu bewegen ist eine Prüfung, die ihresgleichen sucht. Da verlangt doch tatsächlich die letzte Stadt unserer Weltreise nochmal alles von uns und jetzt zeigt sich auch, ob wir das Jahr über fleißig gelernt haben, um jetzt durch Rio zu kommen. Das Problem ist, wenn wir unsere Hausaufgaben nicht richtig gemacht haben, dann endet dieser Blog leider abrupt.

Ich habe mich immer gefragt, was macht Soldaten, die in Afghanistan waren, hinterher so lebensunfähig, wenn sie zurückkommen. (Gibt es statistische Erhebungen zu.) Man muss nur einen Tag durch Rio laufen, um einen flüchtigen Eindruck zu bekommen, welch einer Situation Soldaten im Einsatz ausgesetzt sein müssen.

Nach knapp 2 1/2 Stunden laufen durch die Innenstadt waren Christian und ich fix und fertig. Diese permanente, ungebrochene Aufmerksamkeit. Ständig die Gegend zu scannen, jede Person auf ihr mögliches Gefahrenpotential zu überprüfen und immer sofort zu reagieren, sobald eine Situation ungute Züge annimmt. Und wir liegen damit nicht total psychotisch falsch. Wenn man sich man anschaut, wie die Polizei hier durch die Stadt geht. Nicht unter fünf Mann, so aufgestellt, dass der eine den anderen deckt und die hinteren haben ihre Waffen gezogen und jeder Zeit bereit.

Wir laufen so ähnlich. Nur wir haben keine Waffen.

Vorne läuft Christian mit dem Rucksack, wo ja all unser Elektroequipment drin ist. Er ist größer, so dass man nicht unmittelbar wie bei mir an den Rucksack kommt. Ich habe Florian, da mein Bauchgurt doch kaputt ist und das Tragetuch diesen perfekt fixiert und diesen auch optisch nicht so in den Vordergrund treten lässt. Christian ist ja so dünn, dass man bei ihm nicht sieht, dass er unter der Hose einen Gurt trägt.

Ich bin ja dankbar dafür, dass kaum Traveler die Bauchgurte tragen, so dass sie bei Kleinkriminellen nicht so bekannt zu seien scheinen. Mir ist das recht. Denn beklaut wurden immer nur Leute bis jetzt, die sichtbare Umhängetaschen oder so dabei hatten. Teu! Teu! Teu! Wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt.

Links und rechts hinter Christian laufen Lydia und ich und Josua läuft mal hier mal da. Aber immer möglichst dicht beieinander, um möglichst keine Angriffsfläche zu bieten und möglichst groß zu wirken.

Doch 2 1/2 Stunden ständiges schauen, lauern, Aufmerksamkeit, das macht dich fertig. Wir sind dann zügig wieder zurück zum Hotel, um mal 'ne kurze Pause zu machen.

Nachmittags sind Chris, Flo und ich nochmals los. Diesmal in Richtung Süden. Unser Hotel liegt am Südrand von Gloria und danach soll es ja in Richtung Süden besser werden. Was es dann auch wurde. Viele normal aussehende Menschen, die über die Straßen liefen, shopten und in den Straßencafes saßen. Die Anzahl der am Rand liegenden Penner kam fast denen einer deutschen Fußgängerzone gleich und somit besser zu händeln für uns. Interessant hier war die Tatsache, dass hier jede Menge junge Mütter mit ihren Babys bettelten. Dafür gab es keine halbwüchsigen Jungs mehr. Ob es hier Regeln gibt, wer sich wo aufzuhalten hat, oder darf?

Das Straßenbild war auf jeden Fall ein ganz anderes und kam Buenos Aires schon sehr nahe. Dennoch sitzt einem der Eindruck der Armut im Nacken und man weiß, sobald man sich umdreht und nur ein paar Meter wieder Richtung Norden läuft, man in eine andere Welt eintaucht.

Ob Unicef eigentlich weiß, was sie damit angerichtet haben, dass die Kinderarbeit zurückgegangen ist? OK, OK, ich weiß natürlich nicht, ob Unicef überhaupt in Rio und Sao Paulo tätig ist und sich diese dämliche Aussage überhaupt auf Südamerika bezog, aber mal ganz objektiv. Auch in Rio findet man im Stadtzentrum weder bettelnde, noch arbeitende Kinder und auch keine bettelnde, oder obdachlosen Frauen. Nur Männer, und alle über 13 oder 14. Jetzt kann man sagen, dass das doch gut sei. Ich sage „falsch“! Denn jeder, der nur ein bisschen logisch denken kann, kann sich ausmalen, was passiert, wenn sich nur noch Halbstarke und Männer an einem Ort mit sehr knappen Ressourcen befinden. Genau, die Aggressivität und Brutalität steigt ins Grenzenlose. Kinder und Frauen puffern diese immer sehr stark ab. Ich glaube nicht, dass Rio und Sao Paulo durch welche Maßnahmen auch immer dahinter stehen, sich wirklich ein Gefallen getan haben.

Interessant an all den Herumlungernden ist auch, dass sie durchweg nicht betteln. Da sie aber auch irgendwie überleben müssen legt das natürlich den Verdacht nahe, dass viele von denen nur über kriminelles Handeln überleben können. Das ist unserem Sicherheitsempfinden auch nicht gerade zuträglich. Insbesondere tragen wir natürlich im Verhältnis zu normalen Touristen ganz schön viel teuren Kram mit uns durch die Gegend. Alles unbeaufsichtigt im Hotel zu lassen ist aber auch keine Alternative. Uns haben auch schon mindestens genauso viele Leute berichtet, dass ihnen ihr Kram im Hotelzimmer abhanden gekommen ist wie auf der Straße.

So viel zum Mythos Rio de Janeiro. Wir haben ihn heute wohl noch nicht gefunden.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 21. Juni 2009

Das etwas andere Rio (Rio de Janeiro, Brasilien)

Häää? Was ist denn jetzt passiert? Wir müssen einen echt schlechten Start hier in Rio gehabt haben.

Schon mit dem Schlimmsten rechnend, denn heute ist ja Sonntag und Sonntags sind Sao Paulo und Rio ja absolute No-Go-Areas, sind wir Richtung Süden nach Ipanema. Unser Rezeptionist, ein super lieber Typ, schaute uns auch etwas seltsam an, als wir ihn fragten, ob man denn an die Strände könne heute.

Schon als wir in den Bus eine Straße weiter einstiegen waren unglaublich viele Freiluftfanatiker, nicht Frischluftfanatiker, unterwegs. Seien es Jogger, Walker oder Familien mit Rädern. Je weiter wir Richtung Süden kamen desto leichter wurden die Outfits, bis die Leute nur noch in Badesachen durch die Straßen flanierten. Wir sind dann einfach ausgestiegen und genossen es, absolut frei uns wieder bewegen zu können egal welche Straße wir wählten und landeten dann tatsächlich an einem der Traumstrände dieser Welt, Ipanema.

The beach of Ipanema was crowded on sunday. (Rio de Janeiro, Brazil)
This is the picture everybody expects from Rio. (Rio de Janeiro, Brazil)

Ich hab es ja echt nicht für möglich gehalten nach diesem beschissenen Start hier, aber Rio hat wirklich was zu bieten. Und damit meine ich nicht nur Abenteuer und Spannung beim Durchqueren von zwielichtigen Gegenden.

Wow! Was für ein Strand, Panorama, Flair. So habe ich mir immer Florida und Kalifornien vorgestellt. Von der sechsspurigen Straße, die durch einen Palmenstreifen in der Mitte geteilt ist, waren drei Spuren für die sonnenhungrigen Rioaner gesperrt. Hier wurde gesportet was das Zeug hielt. Und wenn man ein Kleinkind wirklich glücklich machen will, dann sperr ihm eine Straße und lass es darauf frei rumrennen. Mensch, was war Florian glücklich.

Aber auch Lydia und Josua kamen voll und ganz auf ihre Kosten. Die Brandung war riesig und der Strand so was von sauber und präpariert mit tollstem Sand. Man muss es sich leisten können. Und die Schönen und Reichen dieser Stadt und diejenigen, die vor allen Dingen letzteres sind und ersteres gerne wären, lassen sich diesen Luxus anscheinend einiges kosten.

Es gab Liveguards, Strandverkäufer, die alle registriert sein mussten, Rettungsdienstler in roten Muscle-Shirts und keine einzigen herumvagabundierenden Kids, Arme oder Bettler. Alles schön sauber, sicher und aufgeräumt. Und die Maßlosigkeit kennt dann auch keine Grenzen mehr, so dass die Süßwasserduschen, die hier standen, weder an noch ausgestellt werden konnten, sondern einfach die ganze Zeit liefen.

Und ob man es hören möchte oder nicht, aber die Anzahl Schwarzer war erschreckend gering hier. Dafür stieg die Zahl der naturblonden Menschen. Ich finde das nachhaltig krass, da ja unter den auf der Straße lebenden überhaupt keine europäisch aussehnden zu sein scheinen. Und dabei macht der Anteil der Afroamerikaner nur circa sechs Prozent der gesamten brasilianischen Bevölkerung aus. Heftig, nicht?

Wobei ich sagen muss, dass trotz dieser unguten rassischen Verteilungen, das subjektive Gefühl bleibt, dass die Durchmischung im Verhältnis zum Rest der Welt unglaublich hoch ist. Zumindest von den wenigen Städten, die wir hier in Brasilien gesehen haben.

Interessant war dafür, dass am äußersten nördlichen Ende des Ipanemastrandes plötzlich das Menschenbild sich wandelte. Hier badeten fast ausschließlich nur noch Schwarze und die Zahl der herumvagabundierenden Teeniegruppen nahm schlagartig wieder zu. Wobei die schwer einzusortieren waren, da sie nicht wirklich arm wirkten, aber auch nicht in die Nobelgesellschaft weiter südlich zu gehören schienen. Ich sagte ja schon mal, dass man Menschen auf Grund ihres Verhaltens meistens recht gut einsortieren kann und muss. Vielleicht handelte es sich hier vor allem um die Angestellten, die Sonntags nachmittags zwei Stündchen frei hatten.

Überhaupt ist der Übergang zwischen bettelarm und gesunden Lebensverhältnissen fließend. Oft sieht man Menschen, die auf den ersten Blick ganz normal gekleidet scheinen, und auch von der Hautfarbe heller sind. Doch beim genaueren hinsehen fällt dann auf, dass sie sich anders verhalten, als man es von jemanden mit diesem Kleidungsniveau erwarten würde. Solche Menschen wühlen dann auch gerne mal in Mülltonnen. Von denen ansonsten unauffälligen Menschen gab es auch einige in Ipanema. Und da erwartet man so etwas echt gar nicht.

Ich möchte an dieser Stelle kurz mal einen Einschub machen, da es unglaublich schwer ist, die Gruppe derer, die auf der Straße lebt namentlich zu benennen. „Obdachlose“ klingt viel zu harmlos und abgehoben, um auch nur annäherungsweise das Elend, welches mit diesem Zustand verbunden ist, zu verdeutlichen. „Penner“ trifft auf eine Teilgruppe hier zu, wobei man mit Penner eher ältere Menschen assoziiert und in Deutschland unter Pennern Menschen versteht, die sich das Leben auf der Straße verhältnismäßig frei ausgesucht haben, da sie theoretisch Anspruch auf Wohnraum etc. ja hätten. Also ist auch der Begriff des Penners hier nur sehr eingeschränkt nutzbar. „Straßenkids“ ist auch ein unzureichend greifender Begriff, da man darunter eher Kinder bis maximal 12 Jahre versteht. Die sind hier aber auf der Straße faktisch nicht vertreten. Und somit bleibt die Gruppe der circa 13- bis 20-jährigen, die das Straßenbild ganz entscheidend prägt, die vergessene Gruppe, die nichtmals einen Namen trägt.

Mir saßen die letzten beiden Tage noch etwas im Nacken, so dass bei mir keine ausschließliche Begeisterung aufkommen wollte. Wobei ich sagen muss, dass ich die Begeisterung für Rio jetzt durchaus nachvollziehen kann. Die Gegend ist wirklich schön und direkt an einem perfekten Strand gelegen. Einziger Wermutstropfen war beim Spaziergang durch die Straßen zur Lagune auf der anderen Seite der auch hier nachhaltig existierende beißende Uringeruch. Ob das die Kanalisation ist, aber dann müsste es eigentlich anders riechen. Ich weiß nicht, was hier in Rio falsch läuft. Wir dachten ja, dass Santiago die Stadt des Uringestankes und der Penner sei, aber da waren wir halt noch nicht in Rio gewesen.

Rio übertrifft einfach in seinen Superlativen. Die reichste, ärmste, schönste, hässlichste, und leider auch stinkendste Stadt, die wir bis jetzt besucht haben. Und das schöne Panorama wird durch den dichten Smog auch stark beeinträchtigt. Klare Sicht ist das Gegenteil von Rio de Janeiro.

Aber zurück zum Strand. Da, wo der Wohlstand herrscht, herrscht auch das Übergewicht. Sowohl beim Hund wie auch beim Herrchen. Also reich ja, aber schön? Die brasilianischen Schönheiten ließen etwas auf sich warten, denn von Magersüchtigen, Silikonimplantierten, bis hin zu alternden möchtegern Gigolos ließ sich alles finden. Nur wirkliche brasilianische Schönheiten waren rar. Mag daran liegen, dass diese meist ein hohes Maß an afroamerikanischem Einschlag haben und somit auf diesem elitären Fleckchen Erde eher selten anzutreffen sind.

Wir haben ja mit unseren blonden Haaren keinerlei Probleme uns unter das Volk der Reichen und Schönen zu mischen, auch wenn wir mittlerweile klamottentechnisch echt heruntergekommen ausschauen. Aber uns würde man wohl nie unterstellen, dass wir hier nicht hergehören, sondern eher einem abgefahrenen Modetrend folgen. Vielleicht so Alternativreiche, oder so. Gibt’s so was?

Und während wir wohl an einem der schönsten Stadtstrände dieser Welt sitzen, kommt Josua und meint, dass er jetzt total gerne im Schwimmbad in Deutschland wäre. Dass Leute im Schwimmbad in Deutschland sitzen und sich wünschen, an einem klasse Strand zu sein, das ist nicht ungewöhnlich. Aber an einem Traumstrand in der Brandung spielend sich in ein Freibad zu wünschen? Josua weiß einfach noch nicht zu schätzen, was Mythen eigentlich bedeuten. Da geht es nicht um Spaß, wobei er echt nicht unglücklich aussah, sondern um hartes Durchhalten und alles nur für den Mythos. OK, OK es gibt schlimmere Mythen, als die Strände von Rio.

Die Lagune, wo wir nach dem Strand noch vorbei sind, war auch ein nobler Ort, wo man Wasserski fuhr und ein edler Country-Club für eine Handvoll Auserlesener aufs Wasser reichte.

Waterskiing on the Lagoon in Ipanema. (Rio de Janeiro, Brazil)

Als wir aus Ipanema zurück kamen haben wir noch einen kleinen Abstecher an den hiesigen Strand gemacht, um die sonntägliche Atmosphäre auszunutzen, die uns ja schon am morgen beim Einsteigen in den Bus entgegenwehte. Hier gab es wieder Penner, wobei diese auf Grund der vielen anwesenden Familien beim Sonntagsausflug nicht bedrohlich wirkten, sondern im allgemeinen Gewusel eher untergingen. Der Strand war nicht so pikfein herausgeputzt, dafür schien die Stimmung besser. Riesige Großfamilien, die mit Kind, Kegel und Oma hier ihr Wochenende verbrachten. Wobei diese Familien trotz dunklerer Färbung jetzt nicht bettelarm waren, sondern nach gesunder Mittelschicht aussahen. Aber Mittelschicht reicht halt nicht für Ipanema, sondern nur fürs Grenzgebiet zum Norden.

Wir hatten ja etwas Angst, dass wir die richtige Bushaltestelle verpassen könnten, da nur eine Station weiterzufahren bedeutet hätte, dass wir wieder in das Grenzgebiet geraten wären, wo wir bei unserer Ankunft gelandet waren. Und das wäre wieder gefährlich geworden.

Wir haben eine Punktlandung hinbekommen. Ich dachte erst, wir seien noch ein Stück südlich vom Hotel und liefen so einen Block weiter nach Norden, um an der nächsten Straßenecke festzustellen, hier ist schneller Rückzug angesagt. Als wir durch die Seitenstraße an der Bushaltestelle rüber zu unserer Hotelstraße kreuzten, kamen wir exakt vor unserem Hotel raus.

Dazu muss man wissen, dass unser Hotel an der absoluten Grenze Richtung Norden liegt von dem, was gerade so noch geht. Denn zwei Straßen weiter und du stehst in einem Gebiet, wo du nicht stehen willst. Auch unser Ausflug zu Fuß ins Zentrum war grenzwertig gewesen. Eigentlich soll man dies auf Grund der mangelnden Sicherheit zwischen unserem Gebiet und dem Zentrum nicht tun. Und auch das Zentrum hat keinen überzeugenden Ruf. Wir durften uns ja von all dem selber überzeugen. Umso schöner, dass der heutige Tag uns wieder mit Rio versöhnt hat.

Unser Hotel liegt Gott sei Dank auf einer sehr belebten Straße mit vielen Supermärkten, das ist ja immer wichtig für uns, so dass man auch im Dunkeln, also so ab fünf, noch raus kann. Selbst Sonntags war viel los und die Supermärkte bis abends geöffnet.

Und auch wenn es schwer zu glauben ist, aber im Gegensatz besonders zu Argentinien, wo mich das ja immer so angekotzt hat, dass alles immer abgeschlossen ist, stehen hier die Türen und Fenster von unserem Hotel immer weit offen. Die Kids, die morgens vor der Tür noch liegen, verflüchtigen sich im laufe des Tages. Ich habe ja den Eindruck, dass man sich kennt und miteinander arrangiert hat. Aber auch das Internet-Cafe, in dem wir waren, hatte durchsichtige Scheiben und eine offene Tür. In Sao Paulo konnte man den Türsteher bitten, die abgedunkelte Tür für einen aufzuschließen, wenn man rein wollte.

Auch die Supermärkte haben nicht so ein Wachpersonal wie in Argentrinien, wo ja selbst der Supermarkt in El Bolson einen schwer bewaffneten Wachmann hatte. Also scheint die Gefahrenwahrnehmung hier nicht so wild zu sein.

Es sind im Gegensatz zu Sao Paulo unglaublich viele Mütter mit ihren Kindern unterwegs und es gibt im Gegensatz zum Rest von Südamerika den wir gesehen haben auch wieder jede Menge Kinderwagen.

Was es aber wider erwarten gar nicht gibt sind diese Partyläden wie in Sao Paulo. Ich dachte ja, dass Rio, die Karnevallsstadt welche der Welt, damit überfüllt sein müsste. Pustekuchen! Nicht ein einziger ist hier. Vielleicht in der Zona Norte, aber das zählt nicht. Schade, ich wollte doch für Florians Geburtstag noch ganz viele lustige Sachen kaufen. Hätte ich das mal in Sao Paulo getan. Aber da war mein Gepäck noch so schwer. Jetzt, wo wir ganz viel Kram rausgeschmissen haben, der sich nicht mehr lohnt noch mit nach Deutschland geschleppt zu werden, haben wir ja Platz, aber nichts, womit wir ihn füllen könnten, denn Brasilien hat einfach nichts, was man jetzt groß einkaufen könnte als Souvenir oder so. Schade, wir hätten von Bolivien zurück fliegen sollen, da gab's doch so viele schöne Sachen. Dazu kommt ja, dass Brasilien, und insbesondere Rio, einfach das teuerste Land Südamerikas ist. Wir regen uns ja schon nicht mehr darüber auf, da uns das völlig klar war. Transport ist hier etwa doppelt so teuer wie in Argentinien, wo wir ja noch so über die hohen Preise gejammert haben, bei den Windeln schlucken wir auch nur noch, da die Billigsten immer noch teuer aber dafür grottenschlecht sind, Unterkunft topt hier ja alles und wir hatten jetzt auch unser teuerstes Internet unserer gesamten Reise. Mit 4 Reais (2 Dollar) die Stunde unschlagbar. Bei der Wäsche habe ich ja schon beim ersten Umschauen aufgegeben und Wäschereien Wäschereien sein lassen. Da wir wieder Wasser kaufen müssen, ein Blick auf die Gewässer vor Rio genügte für diese Entscheidung, schlägt auch das zu Buche und dazu kommt, dass wir auf die letzten Tage keine Lust mehr haben auf jeden Cent zu schauen, so dass wir uns schon viele leckere Sachen leisten. Wobei Essen gehen einfach mit Kindern keinen Spaß macht, weswegen wir mehr unter diesem Gesichtspunkt als dem finanziellen bis dato darauf verzichtet haben. Wir sind ja nicht in Bolivien, wo man vorher mal in die Töpfe spinksen kann.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 22. Juni 2009

Geht doch, aber nur in die eine Richtung (Rio de Janeiro, Brasilien)

Florian war ja schon gestern im Begriff krank zu werden. Heute Nacht kam dann auch wieder das Fieber, wobei heute Morgen es auch wieder weg war.

Der Service hier im Hotel ist soviel freundlicher und der abgetakelte Charme dieses Hauses hat was.

Our hotel (it's the white building in the middle) looks so great from the outside. (Rio de Janeiro, Brazil)

Als passionierte Kaffeetrinkerin weiß ich echt nicht, was wir hier falsch machen, aber der brasilianische Kaffee ist eher durchschnittlich. Aber dafür gibt es wenigstens wieder welchen, genauso wie auch Toilettenpapier wieder zur Zimmerausstattung gehört. Also hier und da ist Brasilien dann doch zivilisierter als seine Nachbarn.

Da es heute morgen erst bewölkt war, haben wir etwas gezögert, wo wir denn nun hin wollen. Denn eigentlich stand doch der Zuckerhut auf dem Programm, aber ohne irgend eine Aussicht auf Aussicht eher sinnlos.

Ich habe also erstmal meine allerletzte Handwäsche erfolgreich hinter mich gebracht und in freudiger Vorfreude auf eine Maschine auch nur noch die Teile gewaschen, die wir für die letzten Tage noch brauchen. Der Rest hat auf eine Waschmaschine zu warten.

Die Sonne kam dann doch noch und wir sind mal los. Die gesamte Strecke von unserem Hotel war problemlos laufbar. Edle Kolonialbauten säumten die Straße und auch die Uni von Rio residiert in einem riesigen, feudalen Gebäude direkt unterhalb des Zuckerhutes. Irgendwas muss ich falsch gemacht haben mit meiner Uniwahl.

The Pao de Acucar. (Rio de Janeiro, Brazil)
We wondered that no plane ever crashed into it. (Rio de Janeiro, Brazil)

An der Seilbahn war nicht mehr viel Diskussionsbedarf. Im Führer noch mit 12 US Dollar angegeben kostet sie jetzt nur mal eben fast das Doppelte, 22 US Dollar pro Person und Kinder von sechs bis zwölf die Hälfte. Also für 66 US Dollar insgesamt hätten wir ein bisschen Seilbahn fahren können. Sorry, aber ihr wisst ja, dass wir nicht bereit sind, für jeden Scheiß, nur weil irgend jemand gesagt hat, das muss „man“ machen, jeden erdenklichen Preis zu zahlen.

Wir sind stattdessen im Schatten des Zuckerhutes schön durch urbanisierten Tropenwald am Meer entlang gelaufen. Da die Smogschicht heute echt dick war und nur eine geringe Sicht zuließ, haben wir glaube ich nicht viel von einer milchig gelben Stadtsicht verpasst.

Die Kids durften sich dafür von einem Teil des gesparten Geldes in einem Süßigkeitenladen bedienen. Das macht doch gleich viel mehr Spaß.

Am Nachmittag sind Chris und ich nochmals ohne Lydia und Josua los. Wir wollten nach Santa Teresa laufen, das unmittelbar über uns am Berg liegen muss. Leider ging es wieder zwei Straßen Richtung Norden und dann endete unser Ausflug auch schon wieder. Das Straßenbild änderte sich abrupt. Wir schienen plötzlich die einzigen europäisch aussehnden, die Häuser nahmen sehr heruntergekommene Zustände an und es waren wieder viel zu viele Männer auf der Straße, die keiner ersichtlichen Tätigkeit nachgingen. Der penetrante Straßenjunge, der uns minutenlang verfolgte und belästigte, hat uns dann den Rest gegeben umgehend umzukehren.

Diese Stadt ist echt zum kotzen was das angeht. Nach Norden geht einfach nichts, nichts, nichts.

Poor sick Florian. (Rio de Janeiro, Brazil)

Wir haben dann Florian ganz schnell ins Bett zurück gebracht, da das Fieber wieder kam und er aussah wie ein Glühwürmchen. Nicht, dass er sich eine Grippe eingefangen hat. Da hier gerade Grippewelle ist. Für eine Tropenkrankheit hustet er zu viel und hat eine laufende Nase, dazu ist das Fieber nicht plötzlich aufgetreten, sondern hat sich ja schon angekündigt gehabt.

Ach menno, jetzt beenden wir diese Weltreise tatsächlich so, wie wir sie begonnen haben. Mit blöden Infekten.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 23. Juni 2009

An der Copacabana (Rio de Janeiro, Brasilien)

Den heutigen Vormittag war Chris mit den Großen auf dem Spielplatz während Flo schlafen musste. In der Nacht hatte er über 40 Grad Fieber. Das sieht uns ganz nach einer fetten Bronchitis aus.

Irgendwann berappelte er sich aber wieder und wir haben uns entschieden, doch noch einen kleinen Ausflug an die Copacabana zu machen. Die muss man ja gesehen haben.

Also was da im Führer steht halte ich für totalen Humbug. Hier waren weder Prostituierte noch Kinder aus den Favelas unterwegs. Es war ähnlich wie in Ipanema, halt nur mitten in der Woche so dass es natürlich nicht so voll war. Und aus deutscher Sicht gibt es hier am Strand eine lustige Kuriosität. Offene Wickeltische mit Blick aufs Meer. Wo hat man das schon.

Die Kids genossen die unglaubliche Brandung und die riesigen Wellen. Vor lauter Smog lag die Sicht aber heute sogar unter 1000 Meter. Ich finde das nachhaltig heftig und auch einen absoluten Minuspunkt für Rio.

The Copacabana in the smog... (Rio de Janeiro, Brazil)
...on the next day the weather was better. (Rio de Janeiro, Brazil)

Wir sind dann noch ein bisschen am Strand entlang geschlendert und zurück hinten durch die Straßen von Copacabana (das ist nicht nur der Strand sondern eigentlich ein Stadtteil von Rio). Die Geschäfte sind hier alle auf die etwas kaufkräftigere Kundschaft ausgelegt, es macht dennoch viel Spaß hier entlang zu bummeln. Es gab sogar auch Partygeschäfte, nur nicht annäherungsweise so vielfältig vom Sortiment und rummelig voll wie in Sao Paulo.

Christian findet ja die eingezäunten Stadthochhäuser nachhaltig lustig. Da hat man schicke Wohnhochhäuser und damit niemand an die Wand pinkeln kann, oder davor schläft, werden einfach Zäune davor gesetzt, so dass die Hochhäuser quasi kleine Vorgärten bekommen, wo dann auch mal eine Bank drin steht, wo der Wächter drauf sitzen kann.

Irgendwann haben wir uns dann einen Bus geschnappt, nur um mit Entsetzen festzustellen, dass dieser zwar in Richtung unseres Stadtteils fuhr, aber ganz kurz vorher auf die Schnellstraße abbog und wir uns die Haltestelle, an der wir aussteigen wollten, von der Autobahn her anschauen konnten. Scheiße! Und er fuhr und fuhr und fuhr, immer weiter Richtung Norden auf der Autobahn.

Endlich im Stadtzentrum fuhr er dann doch noch von der Autobahn wieder herunter und hielt, so dass wir diese heitere Strecke, die ich schon am Samstag heftig fand, wieder zurücklaufen durften.

Aber ich muss gestehen, unter der Woche ist es hier viel harmloser. Die Straßen waren voller Menschen und alle Geschäfte hatten geöffnet, so dass unser erster, vom Wochenende geprägte Eindruck des Zentrums echt blöd daneben war.

Hatte ich schon erzählt, dass das Fernsehprogramm in Brasilien so grottenschlecht ist. Man hat zwar immer einem im Zimmer, aber mehr als drei Sender gibt es nicht. Ob das an den Anschlüssen der Hotels liegt, oder weil es tatsächlich hier nur Schrott gibt, kann ich nicht sagen.

Ach ja, und Rio ist im Gegensatz zu den Pantanalstädten echt eine Mückenbrutstätte. Die Mückenschwärme sind mir schon bei unserer Ankunft aufgefallen. Dabei ist unser Hotel leider überhaupt nicht mit Mückengittern ausgestattet. Aber wir sehen das nicht mehr so eng. Malaria ist hier eigentlich kein Thema, die Denguezeit ist vorbei. Also hoffen wir mal nichts Schlimmes.

Neben den Mücken im Zimmer haben wir auch eine kleine Hotelmaus, die Nachts immer gucken kommt, was es denn so an Essen im Angebot gibt. Dann rascheln die Tüten und sie muss enttäuscht feststellen, dass die guten Sachen alle im Kühlschrank sind.

Nachmittags sind Chris und ich nochmal alleine los und so langsam macht sich doch eine gewisse Nervosität breit, was denn uns in Deutschland so erwarten wird. Die Schonfrist ist jetzt fast vorbei.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 24. Juni 2009

Nur noch ein Tag (Rio de Janeiro, Brasilien)

Flo war endlich wieder fieberfrei, nur der blöde Husten schafft alle.

Ich wollte doch den Kram, den ich aussortiert hatte, den Jungs hier vor der Tür geben. Die betteln auch im Gegensatz zu vielen anderen sehr aufdringlich. Die, die nur rumliegen und schlafen, werden dafür gelegentlich von Passanten geweckt, um ihnen Geld zuzustecken.

Kaum zu glauben, aber ich hatte echt Hemmungen, dem circa 15-jährigen Jungen die Tüte mit Chris Sachen und noch Keksen zu geben. Nicht, dass der sauer wird, weil es kein Geld ist oder so.

Irgendwie bescheuert, dass man sich quasi dafür schämt, jemanden was Gutes zu wollen. Ich haben dem Jungen die Tüte dennoch gegeben und bin schnell verschwunden. Ob er sich gefreut hat, kann ich nicht sagen, aber als ich ihn später wieder sah, hatte er sein sehr altes versifftes T-Shirt gegen Christians nicht ganz so altes T-Shirt ersetzt.

Für uns hieß es dann auf zur Christusstatue und mal sehen, was der Spaß denn kostet. Wir haben einen netten Spaziergang bis zur Zahnradbahn durch die besseren Wohnviertel von Rio machen können, um dann wieder vor der Kasse zu stehen und uns zu wundern, was die Leute gewillt sind zu zahlen. Pro Person ist es zwar mit nur 36 Reais (18 US Dollar) billiger als der Zuckerhut, aber da es keinen Kindertarif gab, wäre es absolut teurer für uns geworden. Man könnte theoretisch auch hochlaufen, das ist aber ganz schön weit und ich bezweifele, dass die Sicherheit gegeben ist, da ja alle mit der Bahn fahren, so dass man vermutlich sehr alleine auf dem Weg ist, oder nur mit Leuten dort ist, mit denen man dort nicht sein möchte.

Na gut, dann müssen wir morgen aus dem Flugzeug auf Rio runter schauen.

Wir haben uns dann noch entschieden, zum Abschluss noch mal an den Strand von Ipanema zu fahren. Hier war heute auch nicht so viel los, aber dennoch sehr schön. Zu Fuß sind wir dann auch nochmal rüber an die Copacabana. Ich glaube, welcher der Strände der schönere ist, ist reine Geschmackssache. Mir gefällt Ipanema besser, aber letztendlich ist es wohl gehopst wie gesprungen.

Playing in the waves . (Rio de Janeiro, Brazil)

Zurück wollten wir eigentlich mal mit der Metro, haben uns bei den Preisen aber spontan dagegen und wieder für den Bus entschieden. Erwischt haben wir dann einen Circelbus, der immer im Kreis durch Rio fährt und uns so eine tolle Stadtrundfahrt gegönnt, nochmal durch Ipanema hinter der Lagune rum und praktischerweise direkt vor unserem Hotel vorbei. Mehr sehen für weniger Geld ist kaum möglich.

Ich muss Lydia echt mal meinen Respekt ausdrücken. Die schafft es wirklich mit diesen grässlichen Thailand-Flip-Flops meilenweit zu laufen. Aua!

Was hier im Vergleich zu anderen Ländern noch auffällt sind die unterschiedlichen Schwerpunkte der Gesundheitsversorgung. Zum einen gibt es hier immer schwadronierende Ärzte, die dich schneller geimpft haben, als man gucken kann. Und dann muss ich sagen, dass hier die medizinische Ausstattung mit Hilfsprodukten unglaublich gut ist. Jeder noch so arme Bettler hat, wenn er ihn braucht, einen modernen Rollstuhl oder Krücken. In Kambodscha hatte dafür jeder sanierte Zähne. Wenn man diese Versorgung mal besser aufteilen würde, dann hätten die Kambodschaner Rollstühle und die Brasilianer auch noch sanierte Zähne.

Zum Abschluss dieses Jahres wollten wir es dann doch noch mit dem Essen gehen versuchen. Doch es kam, was kommen musste. Die Verständigung klappte gar nicht. Die Speisekarte war so gut wie nicht verständlich für uns und die Bedienung rannte ständig weg und war so blöd und unfreundlich, dass es ein echter Krampf war. Mehr als drei Gerichte haben wir so nicht hinbekommen und ich hatte keine Lust mehr, hinter den eigentlich integrierten Getränken oder noch einem weiteren Essen herzurennen, weil das Mädel von der Bedienung so schwer von Begriff war. Toller Abschluss! Wir wissen schon, warum wir so was nie machen. Es macht einfach keinen Spaß. Da es natürlich zu wenig zu Essen war, mussten wir hinterher doch nochmal in den Supermarkt. Echt klasse!

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 25. Juni 2009

Das Ende einer Weltreise (Rio de Janeiro, Brasilien)

Noch nicht gestartet und schon fix und fertig. So hieß es doch letztes Jahr auch schon, bevor wir gestartet sind und jetzt bin ich schon wieder fix und fertig, bevor wir überhaupt zum Ende gekommen sind.

Ich bin schon müde aufgestanden. So was kann ich ja gar nicht haben. Und obwohl wir soviel Sachen aussortiert haben, wollten die Rucksäcke nicht leichter werden und sich schon gar nicht packen lassen. Ich habe irgendwie Stunden gebraucht das letzte mal meinen Rucksack zu packen. Vielleicht hatte es deshalb so lange gebraucht, weil ich diesen denkwürdigen Moment einfach nicht loslassen wollte.

Christian wollte für den Flug seine lange Hose wieder anziehen. Die sieht aus. Nicht nur, dass sie das letzte mal in Rurrenabaque gewaschen worden ist, sondern sie reißt echt an allen Ecken und Enden. Hoffentlich schafft sie es noch bis morgen Abend.

Florian war gar nicht mehr zu gebrauchen. Der hustete non-stop durch. Erst als er Hustenbonbons bekam, gab es für eine Minute Ruhe.

Gegen 12 haben wir dann das Zimmer geräumt und obwohl wir uns alle seit Wochen so auf diesen Tag gefreut hatten, wollte sich kein Hochgefühl einstellen. Das Wetter hat es uns dennoch nicht schwer gemacht, Rio zu verlassen. Es goss nämlich in strömen. Somit beenden wir dieses unglaubliche Jahr, wie wir es begonnen haben. Mit Regen und einem ständig kranken Florian.

Was für ein Glück wir mit dem Wetter hatten. Denn als wir noch in Campo Grande waren und die Wetter-Charts für Rio verfolgten, war dort die ganze Zeit Regen. Und hier in Rio hatten wir dafür die ganze Zeit Sonne und über 20 Grad. Bis auf heute, aber das stört ja nicht, wenn man mal unsere Warterei an der Bushaltestelle im Regen und mit dem ununterbrochen hustenden Florian vernachlässigt. Denn es sollte eigentlich einen Flughafenbus geben. Nach 1 1/2 Stunden haben wir es dann aber aufgegeben, sind zurück vor's Hotel und haben dort am Taxistand ein Taxi genommen. Das kostete nur 40 statt der 50 erwarteten Reais. Der Bus sollte 4X8 Reais kosten, so dass wir auch mit dem Taxi gut weggekommen sind.

Beim Durchqueren der Nordzone stellte sich diese als soviel harmloser dar, wie noch bei der Einfahrt nach Rio. Ich habe echt keine Ahnung, was hier passiert ist. Ob wir uns einfach nur an die Optik mittlerweile gewöhnt haben, oder ob das nächtliche Erlebnis aus Sao Paulo soviel Einfluss hatte, dass plötzlich alles in der Wahrnehmung abrutschte?

Ist auch egal. Am Flughafen angekommen stellten wir fest, dass es den Flughafenbus doch gab und der auch des öfteren beim warten an uns vorbeigerauscht war. Nur leider konnte man weder eine Busnummer noch ein Schild mit dem Fahrtziel erkennen.

Mensch und dann saßen wir am Flughafen. Nach stundenlangem Warten auf den Bus gab es jetzt stundenlanges Warten aufs Flugzeug.

Waiting for the plane. (Rio de Janeiro, Brazil)

Weltreise ist und bleibt „Warten!“. Keiner von uns konnte glauben, dass das jetzt unsere letzte Reiseetappe sein sollte. Wir waren doch gerade so schön im Fluss und jetzt soll schon wieder alles vorbei sein?

Echt kaum zu glauben.

Während wir am internationalen Flughafen von Rio saßen, der mehr was von einem Provinzflughafen hat, lief des Öfteren Sicherheitspersonal vorbei, die halbwüchsige mit kurzer Hose und Flip-Flops aus dem Flughafengebäude begleiteten.

Ich bin aus Langeweile in den einen Buchladen und habe mir mal die Bildbände Brasilien angeschaut. Mein Eindruck war und bleibt Richtig. Brasilien hat landschaftlich einfach nicht viel zu bieten. Die paar netten Bilder stehen in keinem Verhältnis zur Größe dieses Landes. Die meisten Fotos sind dann auch Fotos von kolonial geprägten Städten, da haben wir vom Original in Europa genug, und Menschen, die im Vergleich zu Bolivien oder Peru echt langweilig wirken. Es ist nett, aber nicht herausragend.

Die Sicherheitsvorkehrungen hier am Flughafen waren überschaubar. Wir durften auch Florians Fiebersaft ohne Probleme mitnehmen.

Und weil Warten so schön ist, hatte der Flug auch noch Verspätung. Wir waren dann auch das letzte Flugzeug, welches gegen 23:30 Uhr abflog. Drei Fernsehbildschirme reichten hier, um die Flüge bis Übermorgen anzuzeigen. Gerade mal 12 internationale Flüge pro Tag starten hier in Rio. Bei so einer Megacity hätte ich echt mehr erwartet. Aber die Flüge gehen alle über Sao Paulo.

Endlich saßen wir im Flugzeug und wie auch schon am Schalter war das Personal super freundlich zu uns, so dass sich bei uns der leise Verdacht hegte, dass wir durch unsere Beschwerde über Lan einen speziellen Kundenvermerk irgendwo stehen haben, so dass echt alle sehr zuvorkommend waren. Wir haben für Flo sogar einen eigenen Sitzplatz bekommen, den er dringend brauchte um sich gesund zu schlafen.

Wobei die Flugzeugsitze soviel unbequemer als die in den Bussen waren.

Weiter geht's in Deutschland!



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