[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 13. März 2009
Waffenexport (El Calafate, Argentinien, nach Puerto Natales, Chile)
Am Morgen haben wir erstmal versucht, all unseren Lebensmittel wegzufrühstücken, da man ja so vieles nicht mit über die chilenische Grenze nehmen darf und da wollten wir heute hin.
Bei einem Blick auf unseren desolaten Reifen mussten wir dann doch schließlich einsehen, dass damit keine weite Reise mehr gemacht werden kann. Also sind wir zur gegenüber liegenden Autowerkstatt. Das ist hier echt ein Vorteil, durch die ganzen Schrotthaufen, die sich hier durch die Gegend tuckern, gibt es an jeder Ecke eine Autowerkstatt.
Innerhalb von 20 Minuten war das Rad geflickt und das Ganze gerade mal für 15 Pesos (knapp über 3 Euro). Solche Dienstleistungen sind dann wieder spottbillig.
Der Stein, der im Reifen steckte, schien sich dort sehr wohl zu fühlen, da es dem Gomaristen etwas Mühe kostete, ihn endlich zu entfernen.
Mit gutem Gewissen ging es dann Richtung Puerto Natales in Chile. Obwohl wir eigentlich keinerlei vernünftige Karte besitzen, wollten wir dem ersten Schild mit der Kilometerangabe bis zur Grenze nicht glauben.
Fast 400 Kilometer! Das konnte doch nicht wahr sein. Vor allem hatten wir jetzt definitiv nicht mehr genug Essen für eine Übernachtung auf der Strecke, noch sollte es Dörfer unterwegs geben.
Nach rund 60 Kilometern kam dann der Abzweig der Ruta 40 und hier tauchte dann auch ein Schild auf, was von gerade mal 150 Kilometer sprach. Das schien sehr viel realistischer und war machbar.
Die Landschaft schien immer noch karger zu werden. Das Wetter war sehr wechselhaft, so dass man auf der Ebene immer sehen konnte, wenn die Wolken den Boden berührten und es in der Ferne regnete. Ansonsten war es selbst im Auto lausig kalt.
Mit dem Lago Argentino schienen wir erstmal den letzten Riesensee hinter uns gelassen zu haben. Übrigens eine seltsame Wasserverteilung hier in Patagonien. Es gibt diese Meerartigen Seen, mit diesen unglaublichen Wasservorkommen, aber selbst schon an den Rändern der Seen wächst nichts mehr und es ist karg und staubig. Wieso, weshalb, warum es kaum Vegetation gibt, trotz des vielen Wassers, ist mir total unklar, denn wenn man die Umgebung regelmäßig besprengt, dann wächst dort auch was.
Aus dem Nichts heraus tauchten auf einmal jede Menge knorrige Bäume auf, die die Kargheit durchbrachen und kurz vor der Grenze haben wir nochmal angehalten, um unser letztes Essen zu verkochen. Der nahe gelegene Fluss kam uns fürs Abwaschen sehr gelegen, nur der Wind und die Kälte machten das hantieren aus dem Auto heraus etwas schwierig.
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| We have to cook at the street because you are not allowed to take vegetabels over the border. (near Chile, Argentina) |
Rio Turbio, die Grenzstadt auf der argentinischen Seite, ist eine echt triste Arbeiterstadt und es nervt mich, dass innerhalb der Städte immer die Beschilderung aufhört, wo es weiter geht. Also hieß es mal wieder sich durchfragen.
Am argentinischen Grenzposten mussten wir erst unsere Pässe ausstempeln und dann durften wir uns noch an einem anderen Schalter anstellen, um auch das Auto ausstempeln zu lassen. Die Damen hatten es aber nicht so eilig. Erstmal noch ein bisschen schnacken, dann noch hier und dort etwas räumen und dann ganz in Ruhe sich durch die Papiere arbeiten.
Die Kids hatten im Auto gewartet und als wir aus dem Gebäude endlich raus waren, kam Lydia auf uns zugerannt, sie müsse ganz dringend auf die Toilette. Doch die Argentinier haben es nicht so mit Service.
Wir also ins Auto in der Hoffnung, dass die Chilenen dies bezüglich etwas zuvorkommender seien. Und das waren sie auch.
Lydia verschwand und für Christian fing mal wieder ein schier endloser Formularterror an.
Als erstes bekamen wir die Zolldeklarationen in die Hand gedrückt. Da uns total unklar war, was man denn nun mitnehmen durfte, haben wir erstmal „Nothing to declare“ angekreuzt und unsere Tüte mit unseren Resten unter die Nase gehalten mit der Frage, was wir denn davon jetzt noch wegschmeißen müssen. Aber Marmelade, Butter und Co durfte alles mit. Nur frische, nicht weiterverarbeitete Lebensmittel dürfen nicht mit. Und warum? Wegen dem Rinderwahn. Ich finde, dass der sich doch schon flächendeckend entlang der Grenze ausgebreitet hat. Nur unter dem Begriff Grenzwahn oder Wahnvorstellungen.
Danach mussten wir mal wieder fünf Einreisezettelchen ausfüllen. Was das immer dauert. Ich glaube, einen großen Teil der Weltreise verbringen wir damit, immer wieder die selben Formulare für die Einreise in die verschiedenen Länder auszufüllen. Und das alles für nichts und wieder nichts. Jedes mal werden die Zettel fein säuberlich gestempelt und weggeheftet. Wofür die da sind, weiß kein Mensch. Kontrolliert und in die Computer eingescannt werden sowieso immer nur die Pässe. Derweil musste Florian gewickelt werden und einer der Zollbeamten kam auf mich zu und meinte, wir hätte auf unserer Deklaration das Falsche angekreuzt. Wir hätten „Ja“ ankreuzen müssen. Hää? Wir hatten ihnen doch extra unsere Lebensmittel gezeigt.
Darum ging es aber gar nicht. Leider verstand ich ihn nicht, bis er mir im Auto Lydias selbstgebastelten Bogen auf der Ablage zeigte. Autsch! An den hatte ich gar nicht gedacht. Auch Josuas Steine schütteten wir weg, um nicht noch mehr Probleme zu bekommen.
Der Bogen musste dann ordnungsgemäß zerlegt und vernichtet werden. Die Zollbeamten konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie Lydias gequälten Gesichtsausdruck sahen. Sie haben ihr extra das Band noch abgemacht und ihr versichert, dass es in Chile auch gute Stöcke gäbe, um sich einen Bogen zu basteln. Aber über die Grenze durfte der Bogen nicht!
Endlich konnten wir uns einstempeln, um dann am Autoschalter auch noch das Auto einstempeln zu lassen, nur beim Zoll gab es wieder Probleme. Da wir ja das falsche angekreuzt hatten, mussten Christian und ich die Deklarationen nochmal neu ausfüllen. Danach gingen unsere leeren Rucksäcke noch durch das Röntgen (unser ganzer Kram liegt halt im Kofferraum, aber alle Taschen müssen geröntgt werden) und als wir gerade los wollten, kam der Zollbeamte wieder an, ich hätte mich beim Ausfüllen der Deklaration mit den Zeilen vertan, so dass ich den Spaß nochmal ausfüllen durfte.
Nach bestimmt 1 1/2 Stunden hatten wir es dann endlich geschafft.
Von dem kleinen Zetteldrama mal abgesehen war die Grenzkontrolle weitaus harmloser gewesen, als uns alle haben weiß machen wollen. Wir hatten ja doch schon etliche Storys zur Einreise nach Chile gehört. Aber wohl eher Storys als sonst irgend etwas. Man wundert sich, wieviel da so nachgeplappert wird, von dem, was im Lonely Planet steht oder irgend jemand mal erzählt hat.
Endlich wieder in Chile. Wobei die Leute an der Grenze nicht unfreundlich waren. Ich war nur über dieses Hickhack etwas entnervt. Der Bogen durfte halt nicht rüber auf die andere Seite der Grenze, aber was soll's.
Kaum in Chile fielen als erstes wieder die vielen schäbigen, aus Wellblech gebauten Hütten auf. Interessanterweise wirkt Chile dadurch auf den ersten Blick viel ärmer als Argentinien.
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| A place of worship: Bottles of water are placed in front of a shrine beside the street. (Puerto Natales, Chile) |
Wer hätte das gedacht, jetzt sind wir bis Puerto Natales gekommen und somit auch wieder am Pazifik. Auf unserer Suche nach einem Guesthouse mussten wir feststellen, dass wir in Santiago so viel Glück mit dem Preis hatten, da hier alles ungleich viel teurer ist als in der Hauptstadt.
Auch die Stadtstruktur ist interessant. Es sind viele Traveler hier, aber auch wieder gehobener Tourismus, da hier das Schiff aus Puerto Montt anlegt. Das ist die einzige Möglichkeit, mangels Straßen, auf der chilenischen Seite in den Süden zu kommen. Das Schiff kostet aber nur schlappe 600 US-Dollar pro Person. Also mehr was für den gut gefüllten Geldbeutel. Dennoch hat Puerto Natales noch viel Eigenleben, im Gegensatz zu El Chalten. Nein, Puerto Natales ist trotz seines heruntergekommenen Aussehens und den Wellblechhäusern, die hier halt dazu gehören, süß. Das Wellblech wird auf kunstvolle Weise genutzt um die Häuser zu verkleiden. Leider absolut ungeeignet für die hiesigen Temperaturen und das Wetter.
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| Only boards and corrugated iron. (Puerto Natales, Chile) |
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| More boards and corrugated iron. (Puerto Natales, Chile) |
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| ...and more boards and corrugated iron. (Puerto Natales, Chile) |
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| The houses are looking so cute but are really made from iron. (Puerto Natales, Chile) |
Wir sind dann doch wieder auf den einen Campingplatz (Josmar 2) ausgewichen, den wir in einem der Touribüros erfragt haben. Die sind meistens, auch wenn man nichts kauft, sehr hilfsbereit.
Auf dem Campingplatz gab es wenigstens die Möglichkeit den Gemeinschaftsraum des angeschlossenen Hostels mitbenutzen zu dürfen. Das ist ja sonst immer strickt getrennt, was mich tierisch nervt. Die Campingplätze bieten nämlich für gewöhnlich auch immer noch ein Hostel und Cabanas an, aber wehe, man verirrt sich vom Campingplatz zum Hostel oder umgekehrt. Albern! Die Argentinier haben einfach noch nie vernünftige Campingplätze wie in Australien gesehen.
Hier in Puerto Natales dürfen wir auch die Küche mitbenutzen und haben freies Internet und das alles nur für 2x3000 und 2x2000 Pesos (ca. 15 Euro).
Das wirklich faszinierende an diesem Ort ist, dass es ein Dreh- und Angelpunkt von vor allem israelischen Touristen ist. Es steht auch alles in Hebräisch, wie überhaupt viel in Hebräisch in der Stadt steht. Es ist mir immer total unklar, woran es liegt, welche Nationen welche Orte besonders intensiv anfahren.
Auf jeden Fall erkennt man Israelies, übrigens genauso wie US-Amerikaner und Chinesen, daran, dass sie unglaublich laut sind. Und Israelis dazu noch, dass sie fast immer in sehr großen Gruppen unterwegs sind. So war der kleine Aufenthaltsraum mit dem Gasstöfchen durch uns und die fast 10 Israelies propevoll. Aber warm.
Im Supermarkt gab es auch wieder unschlagbar billigen Schokoladenkuchen, auf den wir uns gierig gestürzt haben, allein schon wegen der Kälte. Angeblich nur noch vier Grad, aber das glaube ich nicht.
Auch die leckeren Keksbrötchen, die eigentlich Hallullas heißen, mussten wir uns sofort einverleiben. Ansonsten ist das chilenische Essen wie immer ein Disaster.
Die Leute sind hier auffallend viel freundlicher als in Argentinien. Wieder viele lachende Gesichter, die Florian anstrahlten und ihn anfassten.
Die erste Bank, die wir ansteuerten, akzeptierte kein Visakarte, also mussten wir weiter suchen, aber Gott sei Dank ist Puerto Natales groß genug, um noch mehr Banken zu haben. Puh!
Und trotz der Kälte ging das zelten echt gut. Fünf Personen im Zelt heizen gut. Faszinierend ist daran nur, sobald alle in ihren Schlafsäcken liegend, sinkt unmittelbar auch die Temperatur im Zelt. Da Florian nachts die Schlafsackkaputze nicht akzeptiert, trägt er jetzt immer eine seiner kurzen Hosen als Nachtmütze über den Kopf. Dennoch ist das Zelt wärmer als die Zimmer im Hostel, wo die Fenster mit Tesafilm geklebt sind und die Wände wirklich nur aus Metallplatten bestehen. Aber die Kiste hat Charme. Auch der Gasofen im Aufenthaltsraum. Übrigens der einzige Raum in diesem Haus, der hier warm ist.
Da wir in El Calafate wohl das ekeligste Trinkwasser unseres gesamten Tripps hatten und dieses meines Erachtens auch nicht ganz einwandfrei war, da der ein oder andere jetzt Durchfall hat, haben wir hier zuckerfreie Brause gekauft, um diesen ätzenden Chlorgeschmack zu übertünchen. Bei der Süße der Brause fällt es schwer zu glauben, dass diese wirklich zuckerfrei sein soll. War halt nur ein Versuch.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 14. März 2009
Haare und Mützen (Puerto Natales, Chile)
Weil ich Puerto Natales total klasse finde, sind wir einfach noch einen Tag hier geblieben. Kostenloses Internet ist nicht zu verachten.
Als allererstes habe ich über Skype mit unseren kaputten Kopfhörern bei der Autovermietung angerufen, um das Auto zu verlängern. Was für ein Krampf. Die Verbindung brach dreimal ab und mein Verstehen über diese Konstruktion hielt sich in Grenzen, aber ich habe es letztendlich doch geschafft. Auch die e-Mail auf Spanisch, um die Daten nochmal klar zumachen, schien von der Gegenseite verstanden worden zu sein, da wir eine Bestätigung bekamen. Jetzt fahren wir noch eine Woche länger und haben 6000 freie Kilometer. Mal sehen, ob das reicht.
Danach bin ich mit Lydia los, um eine Hose zu kaufen. Mir ist das Konzept mit der Ladentheke nicht so ganz geheuer. Man sagt, was man möchte, und bekommt dann alle Modelle, also alle beide, gezeigt. Leider überzeugte uns das Angebot nicht wirklich.
Am Nachmittag sind wir nochmal los, um zu dem viel beworbenen Aussichtspunkt über der Stadt hochzustiefeln, nur es gab keinen freien Zugang. Man musste das Auto auf einem Privatgelände abstellen und der Typ wollte doch tatsächlich 5000 Pesos (circa 6 Euro) dafür. Der spinnt wirklich, vor allem, weil er die Parkgebühren pro Person berechnete. Hää? Jetzt knallen sie ganz durch hier. Es geht doch ums Auto, oder etwa nicht? Dass man jeden Misst hier immer pro Person bezahlt ist wirklich nervig.
Wir haben auf den Aussichtspunkt verzichtet und uns das tolle Panorama von der Meerpromenade aus angeschaut.
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| A wonderful view. Puerto Natales, Chile) |
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| The promenade in Puerto Natales. (Chile) |
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| The cute streets with this incredible badly built houses in Puerto Natales. (Chile) |
Danach sind wir noch durch die Stadt geschlendert und haben den Kids die typischen Mützen von hier gekauft. Bei dem Wind dringend erforderlich.
Und weil meine Jungs dringend einen Haarschnitt mal wieder verpasst bekommen mussten, sind wir in einen Frisörsalon gestolpert, der eigentlich das Wohnzimmer des Hauses darstellte.
Es gab aber einen Frisierstuhl mitten im Raum, so dass wir annahmen, dass es sich wirklich um einen Frisör handelt.
Die Frisörin, nur unwesentlich älter als ich, war sehr bemüht. Das konnte aber leider nicht über ihre schlechte Handwerkskunst hinwegtäuschen.
Wirklich gute Frisöre hatten wir bis jetzt immer nur bei reinen Männerfrisören angetroffen. Dafür gab es guten Kaffee, Lutscher für die Kids und die Dame legte sogar Ice Age 2 zur Unterhaltung der Kinder in den DVD Player.
Interessanterweise war das erste, womit sie das Gespräch einleitete, die Frage, wie es denn Deutschland ginge, da sie in den Nachrichten gesehen habe, dass Deutschland besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen sei. Sehr spannend.
Sie selber empfand Chile nicht sonderlich betroffen, da sowieso fast alle selbständig seien und jetzt halt ein bisschen mehr arbeiten müssten. Und wenn die Preise halt steigen, dann steigen halt auch ihre Preise. Sehr einfach gedacht, aber vielleicht nicht ganz falsch. Nur die Sache mit der Kaufkraft kommt dabei nicht ganz zur Geltung.
Das schien für sie auch kein Problem, da ja die Angestellten ihren regelmäßigen Lohn bekämen.
Und auf meine Frage, ob die bei Krisen nicht ihren Job verlieren würden, schien sie nicht sonderlich besorgt zu sein, da diese Assoziationskette nicht in ihr Selbständigkeitskonzept zu gehören schien. Wenn es so funktioniert, ist doch alles in Ordnung.
Obwohl das Haareschneiden ziemlich teuer war, immerhin 10 Euro für alle drei Jungs, fand ich die Wohnzimmeratmosphäre sehr lohnenswert.
Kaum waren wir auf dem Campingplatz zurück, brach Josua in Tränen aus, da ihm zu viele Haare in den Nacken gefallen waren und jetzt ganz furchtbar juckten.
Also musste er erstmal unter die Dusche und dann neue Sachen anziehen. Was nicht ganz einfach war, da er keine weiteren langärmeligen Oberteile mehr hatte. Jetzt trägt er halt mehrere T-Shirts übereinander.
Ach ja, und sein Finger ist zwar noch grün und blau, aber es wird besser.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 15. März 2009
Ich lad' dann mal was hoch! (Puerto Natales, Chile)
Keiner von uns hatte Lust bei dem Regen weiter zu fahren. Wir wollen ja auch etwas sehen, so dass wir den Tag im geheizten Aufenthaltsraum verbrachten.
Da irgendwo, irgendwann die Zeit hier umgestellt wurde, standen wir am Morgen eine Stunde vor dem Supermarkt im Regen, bevor dieser öffnete und wir an unsere Hallulla Brötchen kamen.
Die Kids wurden beschult und Christian lud eine Fotodatei nach der anderen hoch. Die haben sich nämlich mittlerweile auf unserem Rechner wieder angesammelt. Und weil er gerade so im Fluss war, wollte er auch noch mal Eben ein Update besorgen, so dass wir deutsches Fernsehen schauen können.
Gut gemeint, leider schlecht geglückt. Den Rest des Tages verbrachte er mit der Herstellung des alten Zustandes des Rechners. Was für mich vor allem bedeutete, dass ich keinen Blog schreiben konnte, so dass sich wieder viel zu viele Tage anhäufen. Ich mag das nicht, da es unglaublich anstrengend ist, sich zurück zu erinnern, bei all den Eindrücken, die auf einen einprasseln.
Trotz der miesen Badsituation, die sind hier echt überschaubar sauber und gut, habe ich versucht, Josuas Oberteile von Haaren zu befreien. Viel mehr war hier aber nicht mit Wäsche waschen.
Was uns überhaupt nicht klar war, ist die Tatsache, dass der hiesige Nationalpark Torres del Paine der Ort ist, wo jeder hier für gut 5-7 Tage wandern geht. Und zwar alle ausnahmslos, außer uns.
Wir hatten das schon in Bariloche überlegt, aber das ist einfach zu sehr Transport als sonst irgend etwas, wenn wir für mehrere Tage wandern gehen und alles mitschleppen müssen. Zumal der Torres del Paine auch richtig teuer ist mit mehr als 20 Euro pro Person. Wie immer zahlen Ausländer, wie auch schon in Calafate und so, um einiges mehr. Und ich dachte schon, dass sei ein asiatisches Phänomen. Falsch gedacht. Es ist ein weltweit vorkommendes Phänomen.
Ein amerikanisches Pärchen verbrachte ebenfalls den Tag mit uns und sie war total begeistert von unserer Reiseform, so dass sie dies gleich ihrer Oma per Mail schreiben musste. Süß!
Das hatten wir aber jetzt schon so oft, dass gerade US-Amerikaner in unserem Alter uns gegenüber erwähnen, wie inspirierend sie uns finden.
Ich frage mich wirklich, in was für furchtbar normierten Lebensbahnen die da im vermeintlichen Land der unbegrenzten Möglichkeiten leben? Denn immer, wenn wir auf US Amerikaner treffen, kommt so etwas. Die deutschen Mädels laufen weg und versuchen das vermeintlich Unaufhaltbare so weit wie möglich nach hinten zu schieben, sie sehen uns aber nicht als mögliche Alternative interessanterweise. Das kommt bei ihnen gar nicht an, währen die Amerikaner, übrigens auch junge Männer, von diesem Alternativvorschlag total begeistert sind.
Wir hatten dann auch darüber gesprochen, dass wir eigentlich nicht zurück nach Deutschland wollen, sondern eher nach Großbritannien oder Australien. Das Mädel verstand gar nicht, dass wir nicht in die USA wollten, denn sie war davon überzeugt, dass die Menschen dort genauso nett wie in Australien seien und alle Menschen auf der Welt unbedingt in die USA wollen. Aha!
Nicht, dass ich es beurteilen könnte, war lange nicht mehr da, aber das hörte sich für mich aus allen Berichten zu urteilen doch etwas anders an. Besonders, weil gerade in dem Moment eine e-Mail von einem Travelerpärchen rein kam, die von Australien direkt in die USA geflogen sind und sie klangen etwas frustriert über die dortige Stimmung.
Aber es ist ja immer gut, wenn man von seinem eigenen Land überzeugt ist, nur ein gesunder Rationalismus schadet auch nicht.
Habe ich schon von den lebenden Parkautomaten erzählt. Auch hier muss man in der Stadt Parkgebühren bezahlen, nur es gibt keine Parkscheinautomaten. Dafür eine Heerschar von lebenden Parkautomaten. Also Menschen, die den ganzen Tag da stehen und sobald jemand parkt, dort hin laufen, um zu kassieren. Dass das billiger ist als Automaten, finde ich echt beeindruckend.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 16. März 2009
Übernachtung in der Bäckerei an der Magellanstraße (Puerto Natales nach Punta Arenas, Chile)
Bei bestem Wetter ging es heute endlich weiter nach Punta Arenas. Und nach einigen Kilometern durch karge, patagonische Steppenlandschaft tauchte sie endlich vor uns auf.
Vom Wind aufgepeitscht, tief blau mit weißen Schaumkronen, die Magellanstraße. Wer hätte gedacht, dass wir es wirklich bis hier her schaffen. Aber jetzt sind wir hier, bei strahlenden Sonnenschein, und können darüber staunen, wie Magellan im 16. Jahrhundert hier durchgekommen sein mag.
Wir wären ja gerne mal ans Wasser gegangen, aber die Magellanstraße schien bis Punta Arenas komplett eingezäunt zu sein. Privatgelände versteht sich, was sonst? Eins der beschissensten Dinge in Südamerika. Immer ist alles „Privado“, so dass auch die Straßen immer riesen Umwege machen muss, um um die ganzen Privatgrundstücke herum zu kommen. Man kann über Enteignungen in Deutschland denken was man will, aber dieser Slalom um die Vorgärten macht echt keinen Spass. Insbesondere, weil die Vorgärten der Estancias hier echt gigantisch sind.
Punta Arenas muss man nicht gesehen haben. Es ist eine relativ große, belanglose und eher hässliche Stadt. Außer der Hauptplatz, der übertrieben herausgeputzt ist, selbst der Straßenbelag ändert sich zu noblen Steinen, ist hier nicht so viel.
Das im Lonely Planet angegebene Hostel Independencia, wo ich zuerst fragte, hatte einen vermeintlichen Zeltstellplatz im Innenhof. So recht wollte mich das Ganze, insbesondere die Nachbarschaft zu den diversen Night Clubs, nicht überzeugen.
Wir sind dann erstmal in die Zona Franca gefahren. Ein Einkaufsgebiet, wo man zollfrei einkaufen kann, was aber jetzt Punta Arenas nicht wirklich zur Shoppingmetropole macht, wenn man nicht gerade ein Auto oder eine Küche kaufen will.
Dennoch war es das größte Angebot, was wir an einen Platz bis jetzt in Südamerika angetroffen haben. Einschließlich der Hauptstadt Santiago im übrigen. Was vor allem bedeutete, dass Lydia, Josua und Florian endlich neue Hosen bekommen konnten, denn bei Josua ist das Hosenbein schon fast abgerissen und Florians Hose stammt noch aus Krabbelzeiten, sodass die Knie total verschlissen sind. Und alle Hosen unter 4 Euro, was will man mehr.
Beim reinfahren nach Punta Arenas hatten wir ein Schild „Camping“ am Straßenrand gesehen, welches wir jetzt wieder suchten aber aus der Stadt kommend nicht wieder fanden. Wir hielten einfach dort, wo wir glaubten, das Schild gesehen zu haben und ich fragte einfach, ob wir hier campen könnten.
Das war gar kein Problem, einziges Problem war, dass es nur kaltes Wasser gab, wenn es überhaupt welches gäbe. Dem war aber zur Zeit nicht so. Dafür gab es aber einen Spielplatz für die Kids und Blick auf die Magellanstraße.
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| View on to the Magellan Strait from our camp ground. (Punta Arenas, Chile) |
Wir sind dann nochmal in die Stadt, da der Friedhof hier so beeindruckend sein soll. Leider war er schon zu und Christian bekam fast eine Krise mit dem hiesigen Fahrstil. Bisher waren wir ja nie in einer größeren Stadt gefahren. So was von autistisch und asozial ist echt anstrengend.
Da wird man in einem affenzahn Rechts überholt, damit der Überholer plötzlich und total unvorhergesehen feststellen muss, dass vor ihm ein Auto fährt, so dass er nicht nach links vor uns einscheren kann. So was aber auch.
Die Schuluniformen sind hier unglaublich britisch angehaucht. Mit Blaser und Schottenrock sehen die Südamerikaner latent verkleidet aus.
Unsere Gastgeber waren sehr bemüht und machten uns in einem Raum den Ofen an. Und während wir versuchten dort zu kochen, fiel die Tür ins Schloss und ließ sich nicht mehr öffnen. Also ist Lydia durchs Fenster, doch auch von außen war nichts zu machen.
Als ich entnervt aufgab und mit Florian ebenfalls durchs Fenster nach draußen kletterte, um schlafen zu gehen, fand Christian den Schlüssel. Auf Essen hatte ich trotzdem keine Lust mehr und so schlossen sich alle an und wir gingen schlafen.
Und warum der Titel heute schon Übernachtung in der Bäckerei heißt, das haben wir erst morgen erfahren...
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 17. März 2009
Sagen umwobenes Feuerland (Punta Arenas, Chile, nach Rio Grande, mal wieder Argentinien)
Ziemlich früh morgens kam das Leben um uns schon in Gang. Erst als wir aus dem Zelt gekrochen kamen und den Herren des Hauses mit Körben voller Brot an uns vorbei kommen sahen, begriffen wir, dass wir in einer Bäckerei übernachtet hatten. Er zeigte uns auch die Backstube, in die wir uns gestern ja schon eingeschlossen hatten ohne es zu merken, und es gab frische Brötchen und Empanadas. Wo man nicht so alles landet.
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| We slept in a bakery in Punta Arenas. (Chile) |
Wir waren uns nicht so sicher, ob wir wirklich auf einem Campingplatz gelandet waren, da wir ja gestern das Schild nicht mehr gefunden hatten und einfach irgendwo gefragt hatten, ob man hier zelten könne. Ob der geschäftstüchtige Bäcker uns einfach im Garten hat zelten lassen? Wir wissen es nicht.
Mangels fließendem Wasser füllten unsere Gastgeber unsere Flaschen bei sich in der Küche ab. Nur leider schmeckte das Wasser so erdig und aschig, dass es schwer war, dieses zu trinken.
Wir wir erfuhren, muss es dem patagonischen Ruf zum trotz fast zwei Monate kaum geregnet haben, so dass der Wasserdruck zu niedrig ist. Das erklärt auch die ganzen ausgetrockneten Wasserstellen, die wir seit Beginn unseres Autotrips passiert haben. Und dabei soll es doch in Patagonien immer so viel regnen. Wahrscheinlich globale Erwärmung, aber die stört uns im Augenblick nicht. Kälter als die fünf Grad, die wir hier im Augenblick haben, sollte es zum zelten wirklich nicht werden.
Wir sind dann doch nochmal zum Friedhof gefahren. Und dieser lohnt sich wirklich.
Jahrhunderten. Auch viele deutsche Inschriften von Siedlern die im 19. Jahrhundert hier her gekommen sind. Beeindruckend, wirklich beeindruckend. Ich glaube auch Lydia und Josua waren beeindruckt. Besonders bezüglich der Tatsache, wie jung die Menschen damals hier gestorben sind. „Dem Auge so fern, dem Herzen so nah!“
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| The amazing cementary in Punta Arenas. (Chile) |
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| Such a fascinating place with tombs from the last 200 years. (Chile) |
Danach ging es nochmals zur Zona Franca, doch beim besten Willen, der achtziger-Jahre-Stil will mir einfach nicht stehen. Dann nicht.
Da wir uns gegen die Fähre in Punta Arenas entschieden hatten, ging es jetzt an der Magellanstraße entlang Richtung Punta Delgada zu der dortigen Fähre an der engsten Stelle der Magellanstraße.
Unterwegs fuhren wir in eine Schafherde mit Goucho zu Pferd, der seine Hunde aber perfekt unter Kontrolle hatte und innerhalb kürzester Zeit war genau eine Spur frei, so dass wir passieren konnten ohne ein Schaf zu überfahren.
Am Fähranleger stellten wir uns vor allem mit all den wartenden Lastern in eine Reihe. Und das, was da dann auf uns zu kam, überzeugte nicht wirklich durch seetüchtiges Aussehen, aber was sollte es.
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| Is this ferry realy save? It doesn't look like it. (Punta Delgada, Chile) |
Mit 13.600 chilenischen Pesos ist diese Fähre um einiges günstiger als in Punta Arenas mit mehr als 30.000 Pesos. Am Tarifbrett gab es auch einen eigenen Tarif für Pferd mit Reiter. Sehr schön, wenn man mal über die Magellanstraße reiten will.
Trotz schönem Wetter war der Wind so stark, dass die Fähre sich kaum am Steg halten konnte und es wie ein Wagnis schien, dort an oder von Bord zu gehen. Die Fähre wurde nicht festgemacht, sondern mit Motorkraft die ganze Zeit wie ein Hubschrauber am Pier balanciert, wo sie sich beim hinauffahren hin und her bewegte.
Stoßstange an Stoßstange wurde geparkt und wir stiegen aus, um von der Passagierkabine die Delfine zu beobachten, die uns begleiteten.
Da diese schwarz-weiß sind, dachten wir erst, es seien Orkas, nur dafür waren sie zu klein.
Was für Wellen, dennoch verhielt sich die Fähre erstaunlich ruhig.
Und dann waren wir in Feuerland! Ein Kindheitstraum von mir, einmal auf dem Sagen umwobenen Tierra del Fuego zu sein.
Einziges Problem, so romantisch, wie es immer beschrieben wird, ist es nicht. Ein unglaublicher, vor allem Lastverkehr, der hier über die Straße rollt. Dazu kommt, dass alle paar Meter Gas und Öl gefördert wird.
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| You allways do have the oil industry on the picture. (Tierra del Fuego, Chile) |
Wir sind sogar an einem offen brennenden Ölfeld vorbeigekommen. Der Name stimmt also schon irgendwie, nur es ist nicht wirklich das, was ich mir unter Feuerland vorgestellt habe. Und niemand, den wir getroffen haben, der je mal die Wahrheit gesagt hätte, sondern wieder nur das allgemeine blöde Nachgequatsche, was die Welt halt hören will.
Neben Öl und Gas gibt es dann auch noch die Tierwirtschaft, die wir schon für Patagonien erwartet, aber dort nicht gefunden hatten. Schafe, Schafe, Schafe und Guanacos. Ach ja, und patagonische Gänse so weit das Auge reicht.
Ich finde Feuerland ungleich stärker besiedelt als die Strecke entlang der Ruta 40. Überall stehen Estancias, nur leider ist campen hier absolut unpopulär in Chile, im Gegensatz zu Argentinien, so dass wir immer weiter fahren mussten, da es keine Möglichkeit für eine Übernachtung gab.
Cerro Sombrero sollte laut einer Broschüre so herausragend toll sein. Ich kann das nicht bestätigen. Das Kaff schien nur aus einer Ansammlung von Häusern zu bestehen. Kein Laden und auch das angebliche beheizte Schwimmbad haben wir nicht gefunden.
Also weiter nach San Sebastian, der Ort an der Grenze zu Argentinien, aber ebenfalls nicht wirklich existent.
Wir hielten beim einzigen Hostal und ich fragte nach camping, doch das hatten sie nicht und die Zimmer waren mit 30.000 chilenischen Pesos (ca. 40 Euro) viel zu teuer. Man bot uns an, wir könnten ja kostenlos vorm Haus zelten. Und auf meine Frage, ob wir denn die Toiletten des Restaurants benutzen dürften hieß es, nein, die seien für die Gäste. Ich schaute mich um. Welche Gäste? Ich war doch die einzigste weitere Person hier.
Christian und ich entschieden uns weiter, über die Grenze zu fahren, in der Hoffnung, dass auf der argentinischen Seite wieder Campingplätze auftauchen würden.
Etwas mulmig war uns zu Mute, da wir unser Gemüse noch nicht verkocht hatten, was wir eigentlich noch vorgehabt hatten und auch die Argentinier die Verbotsschilder für Obst und Gemüse haben.
Auf der chilenischen Seite gab es keine Probleme. Pässe ausstempeln, Auto ausstempeln und fertig. Auf der argentinischen Seite hieß es erstmal wieder Einreisezettel in fünffacher Ausfertigung ausfüllen. Dann Pässe einstempeln, wir müssen aufpassen, dass die unsere Pässe damit nicht unbrauchbar machen, da die immer meinen, eine neue Seite benutzen zu müssen. So viele sind nicht mehr übrig. Auto einstempeln und weiter, nur wer hat da die Schranke hingebaut? Wir hielten die Luft an, als wir uns dieser mit dem Auto näherten, doch sie öffnete sich und wir konnten ohne Zollformular und Kontrolle passieren. Puh! Jetzt haben wir einen Topf Kartoffeln und eine Knolle Knoblauch nach Argentinien geschmuggelt, so dass wir wenigstens etwas für das Abendessen haben.
Trotz Dämmerung mussten wir jetzt auf jeden Fall bis Rio Grande durchziehen, da außer Ölfeldern hier nichts ist.
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| Sunset at Tierra Del Fuego. (Argentina) |
Und Rio Grande verdient seinen Namen in sofern, als dass es eine total unerwartet große Stadt ist. Wir waren über soviel Urbanität sehr überrascht. Im Gegensatz zu Patagonien wohnen echt viele Leute in Feuerland. Alle großen Supermarktketten waren hier vertreten, wir standen im Stau und die Hauptstraße bietet mehr Geschäfte, als ich in Mendoza je gesehen habe. Dazu kommt, dass Rio Grande eine Stadt im Wachstum ist. Überall wird gebaut, jedoch nicht für den Tourismus. Was die Stadt trotz schlechter Rezession vom Lonely Planet so wunderbar sympathisch macht. Es ist nach soviel Nichtigkeiten an Städten eine herrlich normale Stadt. Nicht, dass man sie sehen müsste, aber ich finde sie einen Besuch wert, um diese Atmosphäre mal zu schnuppern.
Auf der Suche nach dem Hostal mit Zeltstellplatz hielt Christian irgendwann an und ich bin zu Fuß los, um festzustellen, dass das Hostal Argentino direkt auf der anderen Straßenseite ist.
Preis und Sonstiges stimmte, es war jetzt auch zu dunkel für weiteres, so dass wir hier im Hinterhof für je 20 argentinische Peso, Kinder frei, campen konnten. Mehr oder weniger auf einer Baustelle, da das Haus gerade renoviert wurde. Wir konnten aber die Küche mit benutzen, wo die streng blickende Hausherrin über alles wachte.
Ein amerikanisches Pärchen kochte auch gerade dort, so dass wir gemeinsam zu Abend aßen und sie wieder total begeistert waren, dass wir mit Kindern unterwegs sind.
Florian hatte so einen wunden Po, dass er richtig weinte, bis wir ihn trotz Geschreis geduscht und gecremt hatten.
Obwohl das Thermometer in der Stadt nur 6 Grad anzeigte und in der Nacht bestimmt mit niedrigeren Temperaturen zu rechnen ist, haben wir nachhaltig keine Probleme mit dem zelten.
Wie wir vom amerikanischen Pärchen erfahren durften, ist Rio Grande wohl ein weltberühmter Ort unter Fliegenfischern. Aha!
Nee, wirklich. Passionierte Fischer kommen extra hier her, um zu angeln. Aber wie es so ist in Südamerika, liegen die meisten Angelgebiete auf Privatgelände und die Eigentümer haben eine Angelmafia gebildet, so dass es wohl unglaublich teuer sein muss (mehrere 100 US-Dollar), um dort angeln zu dürfen. Und das Fleckchen, welches öffentlich ist und für jeden zugänglich, wird in sofern von der Mafia kontrolliert, als dass die aufpasst, dass dort keine Fische mehr ankommen. Das ist mal wieder sooo typisch.
Die Amerikaner waren richtig enttäuscht, da sie extra zum angeln hierher gekommen waren nur um festzustellen, dass es viel zu teuer ist.