Weltreise
mit drei Kindern

Epilog

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 26. Juni 2009

Aus, Schluss und vorbei (irgendwo über dem Atlantik nach Sankt Augustin, Deutschland)

Nicht nur die Weltreise ist am Ende, sonder wir sind jetzt am Ende der Welt. Oder besser, es scheint, als wenn die Welt gleich ganz mit untergegangen sei.

Was für ein beschissenes Gefühl. Was für ein abgrundtief beschissenes Gefühl.

Das einzige wirkliche Hochgefühl, was bei uns lautstarkes Gejubel auslöste, war der Moment, als das Bordpersonal die Einreisekarten für Europa verteilte und wir nur begeistert grinsend unsere europäischen Pässe schwenkten. Keine Stempel, keine Einreisekarten mehr. Aber auch das werde ich vermissen.

Back in London; now we are once around the world! (England)

In London ging mir dann wirklich auf die allerletzten Meter meine Haarbürste kaputt. Mensch, was der Kram durchgehalten hat. Ich bin nachhaltig beeindruckt.

Und eigentlich wollte keiner von uns in den Flug nach Düsseldorf steigen, aber wir haben es dann doch getan. Und da waren wir wieder. Zurück in Deutschland, wo vor einem Jahr eine unglaubliche Reise ins Ungewisse startete. Jetzt wissen wir zwar, was in diesem Jahr passierte, haben aber keinen Plan von dem was kommen wird.

Es fühlt sich so grauenhaft an, in dieses enge Korsett von deutschem System zurückgepresst zu werden. Wir sind doch extra geflohen, um mal durchatmen zu können. Und jetzt sind wir schon wieder zurück.

Und mit dem Einpferchen von Florian in den Kindersitz und uns in Anschnallgurte wurde schlagartig klar, dass es mit der Freiheit erstmal ein Ende hat. Denn wenn der Bus hier nicht in die eine Richtung fährt, dann gibt es auch keinen anderen, der in die andere Richtung fährt.

Hier gibt es nur friss oder stirb, habe Erfolg oder scheitere am System. Zwischenlösungen, Alternativen, oder Ansätze, so dass alle gut wegkommen, wie wir sie kennen lernen durften in diesem Jahr, sehe ich hier nicht und habe ich hier auch noch nie gesehen.

Fazit Brasilien:

Im Unterschied zu Asien sind die Städte hier verhältnismäßig sauber, wobei die Menschen hier ungleich dreckiger sind als in Asien. Da hatte jeder noch so arme Mensch eine Flanellhose mit Bügelfalte. Zumindest

schien es so, da die Menschen, auch die Ärmsten, in Südostasien immer viel Wert aufs äußere Erscheinungsbild gelegt haben. Hier nicht. Und im Unterschied zu Bolivien gibt es hier auch keine öffentlichen Toiletten und insbesondere Duschen mehr. Das fand ich in Bolivien eine vernünftige Lösung, solange noch nicht alle Häuser an fließendes Wasser angeschlossen sind.

Nein, Brasilien zeigt sich auch nach zwei Wochen immer noch genauso, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Und meine Vorstellung war, dass ich mir nichts vorgestellt habe, da über Brasilien nie wirklich etwas spektakuläres berichtet wird. Jetzt weiß ich warum. In Brasilien, wenn man mal von Rio de Janeiro absieht, gibt es nichts Spektakuläres. Dieses Land zeichnet sich durch seine Belanglosigkeit aus. Zumindest das, was wir gesehen haben. Es ist nett, aber weiter auch nichts. OK, alle schwärmen so von den Stränden. Da ich aber kein Strandmensch bin, sind mir diese ziemlich egal. Und wirklich herausragende Bilder von den brasilianischen Stränden habe ich glaube ich auch noch nie gesehen. Oder die Bilder, die ich mal irgendwo vielleicht gesehen habe, waren so austauschbar mit jedem x-beliebigen netten Strand auf der Welt, dass es mir entgangen ist, dass es sich um Brasilien handelt.

Ach ja, Brasilien hat ja noch den Amazonas. Schon mal auf einem Fluss in den Tropen unterwegs gewesen? Es handelt sich immer um schlammige, braune Flüsse, die mit langweiligem Grünzeug gesäumt sind und die meiste Zeit ist man mit Mücken todschlagen beschäftigt. Spannende Tiere sieht man so in den aller seltensten Fällen und unserer Erfahrung nach sieht Urwald immer nur gut von oben aus. Von unten sieht man außer Schlamm sowieso nichts und anfühlen tut er sich auch eher bescheiden. Die angeschauten Bildbände am Flughafen sprechen Bände.

Sao Paulo und Rio sind heftige Städte. Solche Kontraste in dieser Dichte waren wir noch nicht gewohnt. Da hatte Brasilien tatsächlich auf die letzten Meter doch noch mal richtig was zu bieten. Die gesellschaftskritischen Implikationen, die damit einhergingen, haben meinen müden Geist, der sich die letzten Wochen in Trägheit geübt hatte, echt herausgefordert. Die wieder anlaufenden Auseinandersetzungen mit dem „Sein der Welt“ haben mich zum Teil so fertig gemacht, dass ich gar keine Lust mehr zum schreiben hatte. Ist auch der Grund, warum das Zeug jetzt erst ins Netz kommt. Ich brauchte erst eine langweilige deutsche Lebensatmosphäre, um über die Probleme dieser Welt zu sinnieren. In der Situation ist das immer eine geistige Herausforderung, die einen plättet.

Rio ist die Stadt der Superlative, aber mein Herz bekommt die Stadt nicht. Zu krass sind die Kontraste, zu heftig das Gefühl, dieser Armut hilflos gegenüber zu stehen, bei dem gleichzeitigen Gefühl, dass wir, also die Bildungselite dieser Welt, und zu der rechne ich uns, da soviel Ausbildung, wie wir genossen haben, kaum zu toppen ist, verantwortlich für diese Menschen, für diese Welt sind. Das mag anmaßend klingen, aber wer, wenn nicht die Menschen, die das Wissen, oder besser den Zugang zum Wissen dieser Welt besitzen und es auch verstehen, soll sonst verantwortlich sein, seinen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Mit dieser Aussage meine ich nicht, dass jetzt alle, die studiert haben und gut ausgebildet sind, in die dritte Welt reisen müssen, um dort den Menschen in sinnlosem Aktionismus zu helfen, sonder es geht um die Erkennung hochkomplexer Systemstrukturen. Und auf diese sollte jeder, der die Möglichkeit hat, mit Fingerspitzengefühl, wegen der möglichen weitreichenden Konsequenzen, einwirken und seinen Beitrag leisten. Ja, ja, das mag utopisch, naiv und verklärt klingen. Aber ist es denn wirklich so? Hat die Wirtschaftskrise nicht eines besseren belehrt, dass das vermeintlich ausschließliche Handeln in der westlichen Welt nicht verheerende Konsequenzen für die dritte Welt hatte und noch immer hat. Ich denke schon, dass Menschen, die in die gut situierte westliche Welt geboren wurden und in den Genuss von einer soliden Bildung, oder darüber hinaus, gekommen sind, diese Bildung und ihren Wohlstand, der den Industrienationen zu eigen ist, auch wenn gerade die Deutschen immer glauben, sie seien so arm, diese Resourcen nutzen müssen, um nicht nur sich selber durchs Leben zu bekommen. Wir leben auf kosten der armen Länder dieser Welt und wir sollten uns immer mal wieder vor Augen führen, was das eigentlich bedeutet und ob wir das wirklich verantworten und mit unserem Gewissen vereinbaren können.

Ich möchte hier der Verständlichkeit halber zwei Dinge noch klar stellen. Natürlich glaube ich nicht, dass ich so wichtig wäre, dass von mir alleine das Wohl und Wehe dieser Welt abhängt. So Größenwahnsinnig bin ich noch nicht. Aber in unserer Masse nehmen wir bewusst oder unbewusst Einfluss, so dass wir immer vor Augen haben müssen, was wir durch unser gemeinschaftliches Handeln bewirken und auslösen.

Auf der anderen Seite möchte ich nicht in die Kategorie der naiven Träumer gesteckt werden. Die sich eine bessere Welt wünschen und glauben, diese durch unreflektierte Entwicklungshilfe oder das unsägliche Volunteerswesen zu erreichen. Sicher, Soforthilfe ist absolut notwendig, aber nicht langfristig tragend.

Nein, ich kenne die Lösung leider auch nicht. Zumal ich bezweifele, dass es „die Lösung“ für alle Drittweltländer dieser Welt gibt. Es muss vermutlich für jedes Land, jede Region, jede Stadt eine ganz individuelle Lösung geben. Aber schon mit dieser Aussage bin ich auf verlorenem Posten, da so Entwicklungshilfe nicht funktioniert. Auch diese unterliegt der Globalisierung und kennt immer nur ein gerade populäres Konzept, welches dann auf alle Länder gepresst wird. Anders lassen sich mir die absolut identischen Outputs in Asien und Südamerika nicht erklären. Und diese Länder sind so unterschiedlich, sowohl kulturell, wie auch von ihrem Entwicklungsstatus.

Ich glaube, wer durch Rio und Sao Paulo reist ohne sich mit den sich stellenden gesellschaftlichen Problemen auseinander zu setzen, war meiner Ansicht nach erstens nie wirklich da, oder zweitens ist ein Ignorant, auf den die Welt echt verzichten kann. Denn wer sich in dieser unmittelbaren Konfrontation nicht mit diesen Themen auseinander setzt, der würde auch nie sein Handeln in der ersten Welt reflektieren. Und somit weiß er nicht, was er tut, oder besser was er jemandem antut.

So, jetzt habe ich viel rumgelabert, nicht wissend, ob ich überhaupt irgendwelche Zusammenhänge erfasst und verstanden habe. Deshalb probiere ich es mal mit einem kleinen Beispiel, um selber zu sehen, ob meine Kritik angemessen ist.

Nehmen wir doch mal den schönen Klamottenproduzenten H&M. Wer kauft nicht gerne billige Sachen. Produziert wird der Kram unter anderem in Kambodscha. Und damit er so schön billig für uns „Europäer“ ist, wird er garantiert unter Einsatz von Kinderarbeit hergestellt. Nach „landesüblicher Regelung“ oder so heißt es ja dann immer so schön. Die Frage ist jetzt, in wie fern die Verkäuferin durch die Annahme eines Jobs bei H&M Mitschuld an den Bedingungen der Kinder in Kambodscha ist? Sie muss ja auch überleben und will ja nur Arbeit. Rechtfertigen diese genannten Kriterien denn wirklich jedes handeln von uns Westlern? Arbeitsplätze ist ja so unser Dogma und Kinderarbeit auf der Welt zu bekämpfen nur solange akzeptabel, wie keine „Arbeitsplätze in Gefahr“ sind. Und damit sind nicht die Arbeitsplätze der Kinder gemeint.

Wenn wir uns jetzt geschlossen mal gegen diese unwürdigen Bedingungen der Produktion stellen würden, mit dem Risiko dass wir für Klamotten mehr zahlen müssten. Was sich ja kein Hartz-IV-Empfänger leisten könnte. (Das ich nicht lache.) Nehmen wir diese Situation rein hypothetisch einfach mal an. Der Kunde weigert sich aus Gewissensgründen diese Klamotten zu kaufen. Was wäre die Konsequenz? Die Verkäuferin verliert ihren Job. Um Gottes Willen. „Arbeitsplätze!“ Und die Kinder in der Dritten Welt auch, so dass sie jetzt hungern. Wir tun ja immer so, als ob die Verkäuferin die am härtesten getroffene Person in dieser Kausalitätskette wäre, aber sie muss auch ohne Job nicht hungern. Da gibt es tatsächlich noch ärmere Schweine. Also wäre ja niemanden geholfen und wir können so weiter machen wie bisher. Können wir das wirklich? Ist das Modell bis hier hin nicht etwas zu kurz gedacht?

Denn, wenn H&M jetzt konsequente finanzielle Einbußen durch ihr menschenunwürdiges Produktionssystem hätte und umdenken müsste, dann könnte man doch sich utopisch vorstellen, dass H&M auf die Idee kommen könnte statt der Kinder die Eltern einzustellen, die vielleicht auch so viel verdienen müssten, um ihre Kinder zu finanzieren, so dass diese, ganz naiv gedacht, in die Schule, statt zur H&M-Produktionsstätte gehen. Trägt die kleine Angestellte bei H&M nicht auch eine gewisse Mitverantwortung für die Lebensbedingungen der Kinder in Kambodscha, auch wenn sie nichtmals weiß, wo Kambodscha liegt? Ich denke, dass man den einfachen Verkäuferinnen wohl eher keinen Vorwurf machen kann, da sie wirklich nicht in der Lage sind, so weit zu blicken. Aber wir sind es. Ich bleibe bei dem Begriff, die Bildungselite dieser Welt. Wir verstehen eher, was unser Handeln auslöst. Leider ist es in Europa gar nicht möglich, Produkte zu bekommen, die nicht irgendwo den deutschen Grundrechten zu wieder sind. Irgendwas muss man ja nun doch anziehen und essen. Aber vielleicht gibt es ja doch Möglichkeiten, auf eine bessere Welt hinzuwirken. Und wenn man einfach mal seinen Blick hebt und feststellt, dass wir im zweitreichsten Land dieser Welt leben und das unsere vermeintlichen Probleme so albern und auch dreist denen gegenüber sind, die in Rio auf dem Boden im Dreck leben.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 27. Juni 2009

Der Duft der weiten Welt (St. Augustin, Deutschland)

Mensch was haben wir heute Wäsche gewaschen. Ihr wisst gar nicht, wie toll es ist Knöpfchen an einer Waschmaschine drücken zu dürfen. Und wie die Sachen danach riechen. Uns war gar nicht klar, wie extrem unser Zeug doch mittlerweile stinkt. Aber das war unterwegs nicht relevant. Wir haben ja auch unsere Deos nicht mehr ersetzt, nachdem sie alle waren, da man ja die ganze Zeit DEET auf die Haut sprüht. Das reicht an Geruchskomponente.

Nein, letztendlich hatten wir ja in unseren Rucksäcken gar nicht soviel drin, so dass nach drei Maschinen plus Trockner bis auf die Schlafsäcke wirklich alles gewaschen war.

Geschlafen habe ich glaube ich gerade mal vier Stunden. Ich bin viel zu unruhig und fühle mich so was von deplatziert hier.

Zeitweilig hatte ich ja Unterwegs das Gefühl, wir seien total reiseunfähig, aber wieder in Deutschland habe ich mehr das Gefühl unfähig für ein normales Leben zu sein. Ich muss mich bewegen, ständig die Herausforderung der Neuorientierung und was ist das Leben ohne Wäschedrama. Ich will doch nur „das Leben wieder in vollen Zügen genießen“.

Florians 2. birthday. (St. Augustin, Germany)

Jetzt haben wir all die Annehmlichkeiten, die wir zeitweilig uns so gewünscht haben, und sie sind auf einmal belanglos und gar nicht mehr so toll, wie es noch von der anderen Seite der Welt aussah.

Ich bin ja passionierter Nutella-Fan, aber irgendwie will bei mir keine Nutellastimmung aufkommen. Stattdessen vermisse ich nachhaltig Sticky-Reis und all dieses Grünzeug, welches in Asien immer im Essen ist. Selbst Florian kann mit Schokopudding und Nutellabrötchen wenig anfangen. Als er sah, wie ich eine Banane aß, ließ er alles stehen und liegen und aß für mich die Banane auf.

Die Kinder sind die, die hier im Moment am glücklichsten sind. Die sehen wir gar nicht mehr. Die sind bis abends um 21 Uhr mit dem Fahrrad auf dem Spielplatz. Das ist aber auch irritierend, dass es so lange hell ist. Sonst haben wir ja gegen 18 Uhr schon den Rückzug angetreten. Florian ist nachhaltig krank, scheint aber unglaublich glücklich zu sein, hier riesige Spielzeugkisten ausräumen zu dürfen und sich frei bewegen zu können. Das Konzept „Oma“ hatte er schon gestern verstanden. Das ist die, die einem jeden Wunsch erfüllt.

Christian und ich haben beide festgestellt, dass man auf der Toilette echt aufpassen muss, das Papier nicht reflexartig in den Mülleimer zu werfen und auch das trinken von Leitungswasser braucht Überwindung.

Die meiste Zeit haben wir neben dem Waschen mit dem Einräumen unserer Klamottenkisten in die vorbereiteten Schränke verbracht. Ich wusste bei den meisten Sachen gar nicht mehr, dass ich so etwas habe. Und so starten wir uns alle die ganze Zeit an, da jeder von uns so verändert aussieht in nicht immer den selben Klamotten. Man hat das Gefühl, da stehen ganz fremde Menschen vor einem.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, auch hier ist die Welt klein. Die Nachbarn kamen am Abend vorbei, um uns zu begrüßen und beim schnacken erzählte die Nachbarin, dass ihre Freundin auch gerade in Laos sei. Ganz im Norden als Entwicklungshelferin.

Moment mal! Im Norden Laos, Entwicklungshelferin. Die haben wir doch dort getroffen. So kann's gehen. Auch hier ist man vor Überraschungen nicht gefeit.

Ach ja, so schnell seid ihr uns noch nicht los. Es fehlen ja noch die Durchschnittswerte von Bolivien und Brasilien. Da müssen wir aber erst auf die Kontoauszüge warten, die in den nächsten Wochen auftauchen müssten.

Und natürlich fehlt noch ein Gesamtfazit, sofern dies überhaupt möglich ist. Es gibt einfach so viele Aspekte, die zu berücksichtigen sind und vieles wird vielleicht auch erst mit der Zeit, oder sogar erst nach Jahren deutlich.

Also immer mal wieder schauen, wir sind noch nicht fertig mit euch und der Welt. Wobei tägliche Berichterstattung aus Deutschland erspare ich euch und mir. Zum einen will ich euch nicht langweilen und zum anderen möchte ich selber nicht frustriert werden von der gequirlten Langeweile, die hier uns so entgegenplätschert.

Aber was ich schon mal verraten kann ist, dass das letzte Jahr das beste Jahr meines Lebens war.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 3. Juli 2009

Lasst mich schreiben! (Sankt Augustin, Deutschland)

Ich leide, wenn ich nicht schreiben darf. Und man glaubt es kaum, aber man erlebt auch hier seltsame Dinge. Besonders im Zusammenhang mit der Wiedereingliederung.

Kurzer Rückblick. Am Sonntag Morgen sitzen wir gemütlich beim Frühstück als Josua reinstürmt und total verstört meint, dass da ein Polizist vor der Haustür stünde und mit uns reden wolle. Ups! Das geht ja blendend los. Hatte Josua keinen Helm an, oder dürfen sieben Jährige nicht alleine Radfahren? Nein, Josua hatte den Polizisten umgefahren. Super!

Aber der Herr war super lieb. Er wollte nur sicherstellen, dass Josua nichts passiert sei, da bei dem Zusammenstoß zwischen joggendem Polizist und radelndem Josua letzterer vom Fahrrad gefallen war. Als Entschädigung bekam Josua eine Einladung auf die Polizeiwache. Dinge passieren.

Apropos Einladungen. Von allen Seiten mehren sich diese und weitere nette Angebote. Sei es Berlin, Wien, Santiago, Bristol, Brisbane oder ein Bootstrip in Norddeutschland. Toll! Ich danke Euch. Das Angebot gilt selbstverständlich auch anders herum, egal wo wir letztendlich landen. Also fleißig hoffen, dass es uns an einen coolen Ort verschlägt.

Eine andere nette Story war Christians Versuch Arbeitslosengeld zu beantragen. Dazu muss man wissen, dass wir uns im Reihn-Sieg-Kreis befinden, der sich einmal um Bonn herum erstreckt. Die Verwaltungen sind aber normalerweise getrennt.

Also ist Christian hier zum Arbeitsamt in Siegburg, um gesagt zu bekommen, dass hier nur schwerbehinderte Akademiker und normale Menschen bedient werden. Alle anderen müssen nach Bonn. Häää?

In Bonn wurde Christian wieder erwarten und nach vielen schrecklichen Storys herausragend freundlich und zuvorkommend behandelt.

Na, dann schauen wir mal, was wir so an Gründerförderung und so bekommen.

Ach ja, für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. In zwei Wochen ist die Outdoor, eine große Messe in Friedrichshafen. Da wollen wir nicht fehlen, müssen dafür eben noch ein Unternehmen gründen.

Ich hatte ja gehofft etwas mehr Zeit zu haben. Auf der anderen Seite sind wir so genötigt endlich mal in die Gänge zu kommen.

Da Christian bei der Arbeitsagentur angegeben hatte, dass er die Selbständigkeit anstrebt, ist er jetzt natürlich an die Sachbearbeiterin für Informatiker weitergeleitet worden. Ich weiß nicht, ob die wirklich überzeugt sein wird, wenn Chris von Outdoorprodukten und Büchern spricht. Passt nicht ganz. Oder?

Also wird Christian mit meiner Idee für die Promotion dort vorsprechen, da da etwas technisches drin ist und diese nachhaltig mit und ohne Uni nicht vom Tisch ist.

Den Rest der Woche haben wir vor allem mit Anträgen zugebracht. Wie ich Deutschland dafür liebe. Und wir hatten ja schon gejubelt, keine Einreisekarten in die EU ausfüllen zu müssen. Ha Ha Ha! Was uns hier erwartet ist schlimmer.

Flo und ich waren noch beim Frisör. Nach einem Jahr keine Schere waren meine Haare einfach mal wieder dran. Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Chile war ja noch ein herausragend guter und günstiger Haarschnitt beim Florian. Es geht halt immer noch schlechter und teurer. Was will man machen. Drei Jahre Ausbildung schaffen auch nicht zwangsläufig Qualität.

Ansonsten genießen wir morgens nicht mehr Klamotten aus Rucksäcken zu wühlen und unseren Kram sonst wo rumliegen lassen zu können.

Apropos Rucksäcke. Ich habe diese in der Badewanne, ja toll nicht, wir haben mal wieder eine Wanne, gewaschen und besonders Josuas Rucksack hat so extrem seine Farbe geändert, dass es schwer zu glauben ist, dass es sich um den selben Rucksack handelt. Der strahlt in einem Rot. War der wirklich mal so Rot?

Ha! Ich habe in Bonn einen dieser Mückentennisschläger gefunden und er war billiger als in Rio. Gibt’s das? Diese Dinger sind echt praktisch, da man mit denen durch die Luft fuchteln kann und herumschwirrende Mücken durch einen Elektroschock von ihren blutrünstigen Vorhaben abgebracht werden.

Wir haben mal in den Kellerraum mit unserem Kram geschaut und ich hatte das Gefühl, dass der Kram da echt gut steht und ruhig noch ein bisschen stehen bleiben könnte. Ich brauche ihn nicht und ich vermisse ihn auch nicht. Einziger Nachteil ist, dass wir an die ein oder andere Kiste müssten und „die“ stehen ganz, ganz hinten gut eingebaut, von allem, was sonst noch da war.

Lydia und Josua genießen es mit den Nachbarkindern spielen zu können. Wir sehen sie eigentlich gar nicht mehr. Und Lydia wandelt sich gerade zu einem echten Mädel mit Schminke, Nagellack und theatralischen Äußerungen und Gesten. Göttlich!

Florian akzeptiert es gelegentlich in einem eigenen Bett zu schlafen, was ich eine echte Bereicherung finde. Und Josua genießt es endlich mal richtig viel essen zu dürfen. Da wurde bei den Nachbarn Pizza und Eis geschnorrt, um dann nach Hause zu kommen und vor angeblichem Hunger zu vergehen, bis doch noch Eis und Jogurts von der Oma rausgerückt wurden. Die wusste ja nichts von Josuas Mittagessen bei den Nachbarn.

Klasse!

Übrigens, wir hatten ja in Asien Briefe an den Lonely Planet geschrieben, was wir so an Anregungen für die Bücher hätten. Diese Briefe habe ich in die letzten Artikel zu den jeweiligen Ländern (Kambodscha, Laos, Vietnam) gepackt, wenn jemand detaillierte Infos zum bereisen dieser braucht, die ganz gut in den Lonely Planet gepasst hätten, da aber nicht drin standen.

Fazit Lydia Brasilien

Brasilien war im Großen und Ganzen landschaftlich sehr schön. Es gab überall leckeres, tolles Frühstück. Blöd war es, dass es wieder so teuer war. Rio war furchtbar, weil da alle, also nicht alle, aber viele auf der Straße wohnten. Die Strände waren toll. Besonders die Brandung, wo man stundenlang drin bleiben konnte, wenn man nicht von der Unterströmung erwischt wird.

Sao Paulo und Rio fand ich noch schlimm, weil es diesen unglaublichen Smog gab und du konntest wirklich nicht sehr weit sehen.

Fazit Lydia Welt

Die Welt ist ja eigentlich doch sehr klein. Man kann sie ziemlich schnell bereisen und sie ist wunderschön.

Ich habe gelernt, dass man Sachen nicht einfach sofort kaufen soll, da es die Sachen irgendwo anders auch billiger geben kann.

Australien war das schönste Land. Billiger als Deutschland und man spricht Englisch.

Fazit Josua Brasilien

Ich fand Brasilien eigentlich ganz schön. Nur die Bettler auf der Straße fand ich nicht so schön in Rio und Sao Paulo. Eine Stadt fand ich schön, da gab es nicht so viele Bettler, das war die zweite Stadt mit gutem Swimmingpool, gutem Frühstück und vier Betten im Hostal.

In Rio gab es die Copacabana und Ipanema, die waren so schön, da da nicht mehr so viele Bettler lagen. Das Meer war sauber aber man konnte nichts sehen wegen dem Smog.

Fazit Josua Welt

Ich habe gelernt auf der Welt, dass man auf die Sachen sehr aufpassen muss. Es macht Spaß zu fliegen und ich fand es sehr schön zu sehen, wie die Menschen gewohnt haben. Das spannendste Land war Argentinien, weil es teuer war und weil es mein Hassland war. Die erste Busfahrt war spannend, weil sie mit der Polizei gedroht haben. Das schönste Land war Australien, da gab es nämlich den Woolworths.

Es ist ziemlich anstrengend ein Jahr mit der ganzen Familien immer zusammen zu bleiben. Kein Spielzeug ist nicht so schön, aber ich habe mir Autos gekauft.

Spielen um die Welt die Letzte

In Sao Paulo haben wir im Flur mit unseren selbstgebastelten Tütenbällen (es gibt ja soviel Tüten immer und überall) versucht Tore zu werfen.

In Rio de Janeiro waren wir auf dem großen Balkon und haben Besen auf dem Finger balanciert.

In Deutschland gibt es Freiheit für Kinder. 24 Stunden lang alles machen, was man vorher nicht machen konnte. Fahrradfahren, Film drehen mit Nachbarkindern. Mit Kreide auf der Straße Straßen malen. Im Garten mit Dreirädern und Bobbycar einen Parcours absolvieren, ins Schwimmbad gehen, Playmobil spielen, deutsches Fernsehen schauen, Klavier spielen, Kassetten hören, Computer spielen, malen und lesen.

Packliste (ohne Gewähr)

Hier jetzt nochmal unsere ganze Packliste mit unseren Abschließenden Produkteinschätzungen:

Get ready packed. (St. Augustin, Germany)

Rucksäcke:

1. Bach Specialist 85l(sehr zu empfehlen) der einzige Nachteil, der allen Rucksäcken zu eigen ist, sind die viel zu engen Täschchen außen an den Seiten. Hier würde ich mir eine bessere Lösung wünschen, um Wasserflaschen dort reinstecken zu können, denn immer um die sechs Kilo Wasser in der Hand zu schleppen ist echt heftig. Meine Arme sind auch so dick dadurch geworden, dass mir einige meiner Oberteile nicht mehr richtig passen wollen.

2. Tatonka (Outdoor Experience 50; ca. 55-75l) (die eigentliche Typbezeichnung kenne ich nicht, da das Ding schon über 13 Jahre alt ist, ist aber spitze und hat ohne Schäden alles überstanden)

3. Black Bear Calgary 45; 45l (obwohl die Verschlussschnallen etwas verbogen sind und ich eigentlich erwartet hatte, dass die Reißverschlüsse aufgeben, hat dieser Billigrucksack das komplette Jahr durchgehalten. Respekt!)

4. Tatonka Baloo Kinderrucksack; 22,5l (der ist der absolute Hammer, dafür dass er täglichen Extremstrapazen ausgesetzt war. Nur oben an der Zugschlaufe musste ich öfters nachnähen. Den kann ich wirklich nur empfehlen. Mehr für weniger Geld kann man nicht bekommen.)

5. 3x Regenschutzüberzüge 2x four seasons (sind mittlerweile kaputt, da gibt es aber bestimmt bessere Alternativen) 1x Eiger (indonesische Outdoormarke, bis jetzt sehr gut)

Schlafsäcke:

1. Vaude Travel Light 225 (sehr gut für sein Alter. Und dass der Reißverschluss irgendwann seinen Geist aufgegeben hat, ist wohl eher eine Altersschwäche, als ein Qualitätsmangel. Ließ sich aber mit einer Zange einfach reparieren.)

2. 2x Black Bear Colorado 160 (ein spitzen Preisleistungsverhältnis. Wir sind prima damit zurecht gekommen. Selbst die tiefen Temperaturen in Patagonien sind mit Thermounterwäsche darin gut machbar)

3. Vaude Dreamer I 170 (Josua ist damit super zufrieden gewesen und obwohl er schon ziemlich alt ist, hat er mit am besten durchgehalten)

4. Mammut Ajungilak Tundra Junior 150 L (sehr gut; einziger Nachteil ist die zu kleine Kapuze, so dass der Kinderkopf nicht richtig verpackt ist, wenn es kalt wird und der hakelige Reißverschluss. Aber wenn man ein Kind hat, das viel schwitzt, dann ist dieser Schlafsack definitiv die erste Wahl)

Zelt:

Tatonka Arctis 3 (hier gibt es echt nichts zu meckern. Das Ding hat ein spitzen Gewichts-Volumen-Verhältnis und hat von Sturm, über Frost und tropische Temperaturen alles mitgemacht. Und ich bin sicher, es war nicht seine letzte Reise.)

Isomatten:

1. Halti Hyperlight 640 (von Halti halte ich gar nichts, da auch bei unserer umgetauschten Matte sich sofort die inneren Membranen lösten und ganz unangenehme Blasen warfen; haben wir mittlerweile entsorgt, weil sie inzwischen wie ein Luftbalon aussieht. Beide Halti-Matten, die wir ausprobiert haben, waren nach kürzester Zeit kaputt. Finger weg!)

2. Thermarest Prolight 3 (nicht herausragend für den stolzen Preis, aber machbar. Auf keinen Fall vergleichbar mit den alten Thermarestmatten, da auch die nach einiger Zeit anfing, Luft zu verlieren)

3. Nordisc (nachhaltig die beste und billigste Matte, trotz schlechterem Packvolumen und höherem Gewicht; sehr zu empfehlen, da sie die einzige Matte war, die wirklich ein Jahr durchgehalten hat)

4. Pacific Outdoor, AO-Lite We: Petite (naja! Nicht so schlimm wie Halti, hat aber auch kein halbes Jahr durchgehalten)

Reparaturmaterial:

1. Segelgarn (sehr wichtig für die Rucksäcke und um Schuhe zu nähen)

2. Ledernadel

3. normale Nadeln

4. normales Garn (Nähen ist eine bleibende Konstante auf so einer Reise)

5. festes Klebeband (zum kleben von Regencapes etc.)

6. Flickzeug für die Isomatten (hilft leider nur provisorisch, da die Matten irgendwann alle anfingen Luft zu verlieren)

7. Ersatzschnallen für die Rucksäcke: je 1x groß/mittel/klein (haben wir gar nicht gebraucht, ist aber trotzdem sinnvoll)

8. 1x so etwas wie ein Rückschlaufteil für den Rucksack (auch das brauchten wir nicht)

9. Sicherheitsnadeln

Sonstiger Kram:

1. Kompass

2. Trillerpfeife

3. Wasserdesinfektionsmittel Micropur Forte (totale Fehlinvestition, da man gar keine kleinen Wassereinheiten damit desinfizieren kann. Die kleinste Einheit sind 20 Liter. Wo habe ich denn die dabei?! Hätten wir nur einmal gebraucht, so dass wir bei dieser Gelegenheit feststellen durften, dass es nicht zu gebrauchen ist. Wir haben das Wasser dann trotz Bedenken trinken müssen. War aber in Ordnung, niemand ist krank geworden. Zumal wir eigentlich bis auf dieses eine Mal nie in der Verlegenheit waren, Wasser nicht kaufen oder das Leitungswasser nicht trinken zu können.)

4. Brillenfixierband (haben wir nicht gebraucht)

5. Kniemanschette (außer mal die Lydia hatte sonst keiner Probleme mit Knien, Hüfte, oder Rücken. Man muss sich einfach nur ausreichend belasten, dann hat man auch keine orthopädischen Wehwehchen mehr.

6. Akkuladegeräte für Videokamera und Fotoapparat

7. 8x Kassetten für die Videokamera

8. 2x Stirntaschenlampen vom ALDI (funktioniert noch)

9. kleine Sicherheitsschlösser (mehr für die Optik, als für die Sicherheit)

10. quarderförmiges Doppelbett-Moskitonetz (circa 3x2x2 Kubikmeter) + 2-3x Zeltleine zum aufhängen (ein absolutes Muss. Vor allem in dieser Größe, um sämtliche Betten und Hochbetten mit unters Netz zu bekommen)

11. Provianttasche (Das ist ein neuralgischer Punkt, da diese einer unglaublichen Belastung ausgesetzt ist, durch das Gewicht der Wasserflaschen und in den Bussen immer umfiel und alle Flaschen ständig durch den Bus rollten. Es gibt eine bessere Lösung, die ist aber noch nicht fertig.)

Kochutensilien:

1. Kocher MSR Whisperlight (spitze, frisst alles was brennbar ist und brennt überall. Bleibt auch nach unten so kalt, dass man zur Not im Hotelzimmer kochen kann...)

2. Kochgeschirr: 3x einfache Töpfe mit zusätzlichem Greifer (uns fehlte letztendlich noch ein größerer Topf, bei fünf Personen. Ging aber auch so.)

3. 3x dreieckige Topftassen (mir fehlt der Name, sind aber vielseitig einsetzbar)

4. 2 asiatische Metalllöffel (Das beste Besteck überhaupt. Sie sind für alles zu benutzen und passen ins Kochgeschirr.)

5. einige Plastiklöffel, auch im asiatischen Stil (Die kann man während der Reise sammeln, da man immer mal hier und dort einen bekommt und sie auch regelmäßig wieder kaputt gehen)

6. 1x Scheuerschwamm

7. dünne Putzschwämme

8. 1x Spüli (Zum Schluss ging es auch ohne...)

9. 1x Messer (zum Schneiden und Schmieren)

10. Ein Küchenhandtuch zerschnitten in vier Teile (Eins zum abtrocknen, eins um Boden und Tische zu wischen, eins für Mund und Hände der Kids und eins was in der Wäsche ist)

11. 1x Schweizer-Taschenmesser (vor allen Dingen als Dosenöffner und als zweites Messer)

12. ein paar Gummis

13. Tiefkühlbeutel (Zum einpacken aller wichtigen Dokumente und Equipment. Man sollte ersatztüten dabei haben, da auch der beste Gefrierbeutel irgendwann durch ist. Ansonsten bekommt man überall, auch in Australien, Tüten hinterhergeworfen)

14. ein paar Tütenschließer aus Draht

Verbrauchsgegnstände:

1. Gallseife plus Nagelbürste für die Handwäsche (Die beste Lösung für die Handwäsche.)

2. Mückensprühzeug mit mindestens 15% DEET (mal mehr, mal weniger, Sprühflaschen. Sprühflaschen sind wesentlich praktischer, da man besser dosieren kann. Wenn nichts mehr rauskommt einfach anpieksen. Was für uns aber wirklich wichtig und eine große Hilfe war ist der folgende Web-Link vom Auswärtigen Amt, da man oft mangelhaft beschriftete Flaschen hat, oder Flaschen wo alles mögliche drauf steht nur nicht DEET. Und damit man doch ein hoch potentes Mittel erwischt, hat uns der ausgedruckte Zettel bei der Zuordnung der Wirkstoffe sehr geholfen:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/download/MalariaMerkblatt.pdf

3. Klopapier (Ist ja eigentlich Hygienepapier und man braucht es immer und überall, da man nur in zivilisierten Ländern Toilettenpapier in der Toilette vorfindet. „We have toilet paper sevice“ heißt, dass man welches draußen kaufen kann)

4. Taschen- oder Feuchttücher für alles (Da diese aber immer sehr teuer sind, hatten wir irgendwann in unserem Tagesrucksack eine Tüte mit einem angefeuchteten Lappen dabei. Geht auch sehr gut. Darf man nur nicht vergessen regelmäßig auszuwaschen, denn bei über 30 Grad kann das Ding echt zum Leben erweckt werden.)

5. Sonnencreme (Haben wir erstaunlich wenig gebraucht, besser versuchten der Sonne aus dem weg zu gehen wo immer es geht.)

6. Batterien

7. Steckeradapter (Die haben wir aber nur in Malaysia und Australien gebraucht, da sonst unsere Euro-Stecker überall rein gingen.)

Medikamente:

1. Malariaprophylaxe (Teu! Teu! Teu! nie gebraucht. Aber nachfragen, ob die Krankenkasse das nicht alles übernimmt. Unsere hat die Prophylaxe komplett bezahlt.)

2. Fiebersaft/Zäpfchen Kinder (Bedenke, dass Zäpfchen bei tropischen Temperaturen gerne mal schmelzen und nicht mehr eingeführt werden können. Kann man sowieso außerhalb Deutschlands nirgendwo kaufen. Besser eine kleine Spritze dabei haben, um dem Baby den Saft durch den Mund einzuflößen)

3. Vomexzäpfchen gegen Erbrechen

4. Durchfallmittel (Kinder/ Erwachsene)

5. Nasentropfen für Flo (unbedingt immer mit geben, damit auf keinen Fall eine Mittelohrentzündung entstehen kann)

6. Salbe gegen Pilzerkrankungen

7. Warzenmittel

8. Spritzen/ Nadeln (die Nadeln haben wir nie gebraucht, es ist aber manchmal besser eigene sterile Nadeln dabei zu haben)

9. Fieberthermometer

10. Mulbinden

11. Sterile Auflagen

12. Pflaster

13. Schere

14. Pinzette

15. Handschuhe

16. Desinfektionsmittel (Das sollte im Tagesrucksack immer dabei sein, damit jede Schramme sofort behandelt werden kann, da in den Tropen die Entzündungsgefahr ungleich höher ist und kleinste Schrammen böse Wundinfektionen nach sich ziehen können.)

Ganz wichtig:

1. 2x Bauchgurte von Deuter (spitzen Qualität, und unerlässlich. Die mit sicherste Methode seine Wertsache immer bei sich zu haben, da kaum jemand dies so macht und somit bei Kriminellen kaum bekannt ist. Sieht zwar scheiße aus, aber in gefährlichen Gegenden, oder dichtem Gedränge in die Hose stecken.)

2. 2x Kuscheltiere

3. Reiseführer (Oder immer eine Karte des Ortes wo man hin will, denn ohne Karte muss man sonst auch mal auf Aussagen von Leuten vertrauen, denen man eigentlich nicht vertrauen will oder sollte.)

Klamotten

Regenschutz:

1. 4x Ponchos aus Asien (nicht so stabil und relativ schwer, aber funktional und absolut wasserdicht; leider in beide Richtungen)

2. 1x Regenhose für Josua (für Lydia, Christian und mich haben wir vergessen, diese nachzuschicken. Für Asien überhaupt nicht erforderlich wegen der hohen Temperaturen. Hose hochkrempeln ist immer sinnvoller. Ansonsten haben wir keine Regenkleidung benötigt, man muss sich halt nur nicht anstellen.)

3. 3x feste Regenjacken (wichtig vor allem gegen den Wind)

2x Rainbird, Childrens Stowaway K8004 (Funktional, aber keine sonderlich gute Qualität. Da gibt es definitiv was besseres.)

4. 5x Fleecejacken, eine davon von Eiger (Unerlässlich für Südamerika, da dieser Kontinent soo unglaublich kalt ist.)

Sandalen:

1. 2x Sandalen von Eiger (nicht sehr gut)

2. 2x Teva (sehr, sehr gut)

Wanderschuhe:

1. LOWA Renegate GTX Mid Lady (sehr komfortabel)

2. LOWA (hier kennen wir den Produktnahmen nicht mehr, dennoch zu empfehlen)

3. 2x von Anaconda Cape Trial WPJR (australische Outdoormarke, die nicht hält, was ich von so einem Produkt erwarte. Beide Schuhpaare sind schon an den Knickstellen gerissen.)

Schwimmsachen:

1. 4x Badesachen

2. 1x Schwimmflügel

3. 2x Schwimmbrillen (Nicht erforderlich, aber die Kinder hatten Spaß damit. Da ist doch tatsächlich auf dem Flug nach Europa unsere letzte Brille kaputt gegangen. Was für eine Punktlandung.)

Alltägliche Klammotten:

1. 5x T-Shirt (der Fünftagesrythmus hat sich für uns bewährt)

2. 5x Unterwäsche

3. 1-2 lange Hosen (je nachdem, wem gerade was kaputt gegangen ist)

4. 1-2 kurze Hosen (Auch gerne lange Hosen mit abnehmbaren Beinen. Spart Platz und Gewicht.)

5. 2x Thermoshirts four season (nicht schön, aber funktional und in Südamerika absolut unerlässlich)

6. 3x Thermoshirts von Cape (australische Eigenmarke von Anaconda. Die sind OK aber nicht herausragend.)

7. 3x lange Thermounterhosen von Cape (Die lange Unterwäsche der Kinder musste alle unterwegs ständig genäht werden, da die immer wieder einriss.)

8. 5x Langarm-Shirts (Schaden nichts, aber gegen Mücken helfen sie kaum, da es auch einfach zu heiß in Asien war, um sie zu tragen. Für Südamerika kamen sie wegen der Kälte sehr gelegen.)

9. 3x BH

10. 3x Gürtel

11. 5x Sonnenhüte (Unerlässlich!)

Kultursachen:

1. 2x nicht sehr große Handtücher

2. 2x Kulturbeutel (dafür eignen sich die Schlafsackbeutel, da man sie knautschen kann, sie leicht, reißfest und schnell trocknend sind.)

3. Nagelbürste (absolut unverzichtbar für die Füße, wegen dem Dreck auf der Straße und zum waschen der Wäsche)

4. Fußpfeile (um sich gelegentlich wieder als Mensch zu fühlen)

5. Tigerbalsam (das Mittel für und gegen alles, besonders Florians Husten und das Jucken der Bettwanzenstiche)

Schulsachen:

Josua:

1. Mathematik: Westermann, 1 und 2 Arbeitsheft „denken und rechnen“ (Gut aufgebaut und schön damit zu arbeiten)

2. Deutsch: Ravensburger, Deutsch 1. Klasse lesen und schreiben (Das ist OK. Hilft auf jeden Fall auch selber eine Anleitung zu haben. Ein Lesebuch wäre sinnvoll gewesen, hatten wir aber leider nicht, so dass wir immer improvisieren mussten. Beim nächsten Mal...)

3. Schreibheft mit Linien für die erste Klasse

Lydia:

1. Mathematik: 5 und 6 Lambacher Schweizer, Training Klassenarbeiten Mathematik für Gymnasien (Kompakt dargestellt und basiert auf guten Erklärungskünsten der Eltern. Dennoch, sehr gutes Mathebuch, welches viele wichtige Themen anschneidet (die man im Mathestudium alle wiederfindet, die aber den intellektuellen Horizont vieler Mathelehrer vermutlich sprengen, so dass man etwas aufpassen muss, da entsprechende Mathelehrer so etwas nicht gerne sehen).)

2. Deutsch: Cornelsen 5 und 6 Deutschbuch, Arbeitsheft (Gut nutzbar; vor allen Dingen für die Gramatik)

3. Schreibheft

4. Englisch: Langenscheidt, Praktisches Lehrbuch Englisch (Als Selbstlernbuch hervorragend. Leider Thementechnisch nicht auf die Interessen von Kindern ausgelegt. Leider haben uns die Schulbücher noch weniger überzeugt, da man dort vor allen Dingen bunte Bilder und wenig Text oder Vokabeln durch die Gegend schleppt. Auch sind die Englischanforderungen auf so einer Weltreise etwas höher als in der Schule)

5. Zirkel

6. Geodreieck

Nicht für die Kinder:

7. Langenscheidt, Praktisches Lehrbuch Spanisch (Ich liebe diese autodidaktischen Bücher und komme super damit zurecht.)

8. Langenscheidt Spanisch Wörterbuch

9. 2x Mäppchen (da es sonst immer Ärger gibt)

10. Kulis (kann man nie genug haben; immer darauf achten einen blauen oder schwarzen an der Grenze dabei zu haben (Einreisekarten!!!), da man sonst in viele Länder nicht einreisen kann (wäre uns in Singapur fast zum Verhängnis geworden))

11. Edding (braucht man auch immer mal wieder)

Elektrogeräte:

1. 1x mp3 Player (Mit jeder Menge auch an Kinderhörspielen vollgestopft. Zwei wären besser gewesen, aber einer ist gleich am Anfang kaputt gegangen.)

2. Asus Eee PC (Der ist Gold wert, sonst würde es diesen Blog nicht geben. Auch Bankgeschäfte im Internetcafe, welche doch immer mal wieder erforderlich sind, sind so nicht mehr in diesem Maße Vertrauenssache)

3. Canon Eos 1000 D Fotokamera (Wer gerne fotografiert sollte auf jeden Fall ein gutes Gerät mitnehmen. Das haben wir falsch gemacht, da unsere Anfangsbilder qualitativ echt schlecht sind und erst ab Malaysia durch die neue Kamera begeistern.)

4. Panasonic NV-GS 230 (Da keiner von uns gerne filmt, war die Videokamera eher Ballast als sonst was. Wir haben uns bis jetzt nichtmals angeschaut, ob die Bildqualität in Ordnung ist.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 4. Juli 2009

Abrechnung (Sankt Augustin, Deutschland)

Man glaube es oder nicht, aber der ganze Spaß hat uns wirklich nur 24.748,32 Euro gekostet. Und das für ein Jahr und fünf Personen. Mehr Spaß für weniger Geld geht wirklich nicht. Und hier kommen nochmal die Durchschnittskosten für alle Länder in der Übersicht.

Thailand 1: pro Tag 32,05

pro Person 6,41

Kambodscha: pro Tag 40,10

pro Person 8,02 (die Vietnam-Visa sind mit 5x 37 Dollar enthalten)

Vietnam: pro Tag 29,54

pro Person 5,90

Laos: pro Tag 22,73

pro Person 4,55

Thailand 2: pro Tag 24,60

pro Person 4,92

Malaysia: pro Tag 48,64

pro Person 9,73

pro Tag 35,31 (ohne die Fotokammera)

pro Person 7,06

pro Tag 29,31 (und ohne die Arztkosten)

pro Person 5,86

Indonesien: pro Tag 22,24

pro Person 4,45

Australien: pro Tag 88,74

pro Person 17,75

pro Tag 70,97 (ohne Anschaffungen)

pro Person 14,19

Argentinien

/Chile: pro Tag 46,64

pro Person 9,33

Bolivien: pro Tag 21,36

pro Person 4,37

Peru: pro Tag 19,86

pro Person 3,99

Brasilien: pro Tag 58,86

pro Person 11,77

Gesamtkosten: 24.748,32

davon Flüge: 8.814

davon Krankenversicherung: 1.845

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 4. Juli 2009

Fazit einer Weltreise (Sankt Augustin, Deutschland)

Geschafft!

Drei von fünf Kontinenten bereist, in 101 verschiedenen Betten geschlafen, mehr als 2500 Fotos geschossen, mehr als 70.000 Kilometer zurückgelegt, davon mit dem Bus 20.000, mit dem Auto 10.000, mit dem Zug 4.000, mit dem Schiff 500, mit dem Mofa 135, und mit dem Flugzeug 37.000. Und dabei hat der Spaß weniger als 25.000 Euro gekostet.

Man kann es für „mutig“, „durchgeknallt“, „verantwortungslos“ oder aber „toll“ halten; jeder Tag ist schriftlich dokumentiert egal ob total angekotzt oder Begeisterungsstürme. Nur langweilig war es nicht.

Mann muss sich nur trauen!

Kann man wirklich ein Fazit über ein ganzes Jahr ziehen? Es war so viel was wir erlebt, gesehen und lernen durften. So viele unterschiedliche Aspekte des Lebens die angesprochen wurden. Worüber zieht man so ein Fazit? Vielleicht übers Wetter? Ja ihr lacht jetzt, aber das Wetter hat uns doch hier und dort echt überrascht. Wer hätte ahnen können, dass Südamerika ein so schweinekalter Kontinent ist. Also ohne Winterklamotten würde ich da nicht durchreisen wollen. Und Asien mit seiner Regenzeit? Auch hier haben wir gelernt, was es heißt, „Im Regen zu stehen“, oder wie unerfrischend doch ein „Sumatra Rain“ ist.

Aber mal ganz ehrlich. Ich hatte spätestens in Südamerika das Gefühl, dass das, was wir tun, so was von normal ist. Denn alle, die wir trafen, reisten ja auch und so spektakulär unterscheidet sich das eigene Reisen dann auch nicht von dem der anderen. Die Welt ist nicht unbereisbar, sondern eigentlich ist es doch immer nur das selbe.

Und dann kamen wir zurück nach Deutschland. Und mir wurde auf einmal schlagartig klar, warum das, was wir vollbracht haben, eine unglaubliche und auch herausragende Leistung ist. Denn so langweilig eine Busfahrt durchs Pantanal auch sein mag, eine Autofahrt über eine deutsche Autobahn ist dagegen quasi schon Scheintod.

Nein, unsere Weltreise war nicht perse spektakulär, nur Deutschland ist einfach sooooo langweilig, dass alles aufregender ist, als einen Tag hier sein zu müssen. „I want to go to Rio!“

Ich habe das Gefühl der totalen Fehlplatzierung. Und während ich im Ausland Angst hatte, dass dies oder das passieren könnte, habe ich in Deutschland ständig Angst was falsch zu machen. Und das zurecht. Denn absolut unbewusst standen Chris und ich an einer Straße und warteten eigentlich, dass die Autos vorbei fuhren. Taten sie aber nicht. Stattdessen wurden wir böse angehupt, denn da war ein Zebrastreifen. Alles ist zureglementiert. „Leben“ ist was anderes. Und ich trage auch gerne die Verantwortung für mein eigenes Leben. Aber selbst das ist hier nicht erlaubt. Und so fühle ich mich in ein System zurückgepresst, aus dem wir doch gerade erfolgreich für ein Jahr ausgestiegen sind.

Und somit nimmt dieser unsichtbare Druck, der mir jetzt schon wieder die Luft zum atmen raubt, jegliches Hochgefühl. In Australien war ich noch total berauscht, dass wir wirklich über den Landweg nach Bali gekommen sind. Das hatte ich einfach nicht für möglich gehalten.

Reversal Culture Shock nennt man das wohl. Ich nenne es „das Kotzen“.

Wie kann ein Land, ein Kontinent, nur so maßlos reich sein und das auf Kosten von anderen. Ich bin total frustriert an diesem Scheiß wieder partizipieren zu müssen, wieder zum Mittäter zu werden, ohne einen Ausweg zu sehen.

Gefangen im goldenen Käfig. So darf ich jetzt wieder auf die große, weite Welt raus schauen und muss mir anhören, dass es uns doch so gut geht. Ja!? Aber für was für einen Preis? Möchte ich den wirklich zahlen?

Das war so klar. Sobald ich nach Deutschland zurück komme, werde ich durch die entstehenden Dissonanzen zu Grunde gehen. Es ist sogar noch schlimmer, da ich die Lösung für die Welt nicht kenne, aber weiß, dass die dritte Welt etwas weiß, was wir bornierten Industriestaatler vor langer Zeit schon vergessen haben.

„Die Wertschätzung von Familie und Kindern.“ Wir haben so wunderbare Menschen kennen lernen dürfen, die nicht wissen wollten, was für Abschlüsse, oder Karrieren wir vorzuweisen hatten, sondern die uns wertschätzten, weil wir als Familie einfach waren, weil wir Kinder hatten.

Zurück in Deutschland heißt es als erstes Formulare und Anträge ausfüllen. Und man wird immer gefragt was man ist? Wie, sie haben mehr als zwei Kinder? Ja, dann müssen sie noch ein extra Formular ausfüllen. Wenn man in den Ländern war, in denen wir waren, und dann nach Deutschland zurückkommt ist das Straßenbild unglaublich schockierend. Nicht nur, dass keine Menschen auf den Straßen sind, sondern wenn dann mal ein Mensch auftaucht ist er alt. Unter 40 ist hier doch schon die absolute Ausnahme. Schlimm, wirklich schlimm. Ich hätte nie gedacht, dass der demographische Wandel schon so gravierend sichtbar ist.

Überall sonst ist die Welt eine junge Welt. Man sieht am Straßenbild, dass es eine Alterspyramide gibt, die richtig rum aufgebaut ist. Kinder und junge Menschen sind immer und überall. Und junge Menschen haben eine andere Lebenseinstellung. Die meistens von denen haben noch was vor, was die Atmosphären ganz entscheiden prägt.

Was haben denn die Menschen hier noch vor. Noch mehr Konsum? Noch mehr haben? Noch mehr sich aneignen an Eigentum? Ich könnte kotzen, denn das ist die Atmosphäre, die uns hier entgegen schlug. Und schlug ist da wohl echt der richtige Begriff. Mitten ins Gesicht. Ich bin sprachlos, mir blutet das Herz, ich könnte heulen und bin total am resignieren. Soviel Ungerechtigkeit, so eine Ungleichverteilung von Wohlstand und hier schreien sie, es sei immer noch nicht genug. Wie viele Kinder oder Menschen überhaupt müssen denn noch zu Grunde gehen, bis wir mal den Hals voll kriegen?

Wäre es nicht wirklich langsam mal Zeit, endlich auch mal an andere zu denken und einfach unseren Überfluss abzugeben? Denn die „dritte Welt“ könnte uns dafür soviel zurück geben. Aber wir glauben doch, dass man von der primitiven „dritten Welt“ nichts lernen könnte. Ich stelle das sehr in Frage.

Ich bin kein Mensch, der gut mit Dissonanzen umgehen kann. Und wenn man das für psychotisch hält, dann kann ich das nur bestätigen. Diese Situation bringt mich noch ins Grab. Deutschland fühlt sich wie eine schwere Depression an. Man ist so abgesichert, so in Watte gepackt. Man darf nichts, was auch nur annäherungsweise einen Hauch von Risiko in sich trägt. Eigenverantwortung ist verboten. Das Leben ist so berechenbar, so leblos. Man spürt vor lauter Risikovermeidung weder sich noch das Leben.

Ja, wir sind etwas paranoid geworden. Bei unserem ersten Ausflug in die Bonner Innenstadt haben sowohl Christian als auch ich immer reflexartig nach den nicht mehr existenten Bauchgurten gegriffen. Geld wurde zum Unverständnis aller Anwesenden auf seine Echtheit geprüft. Es waren unbewuste Prozesse, die wir erst registrierten, als die Umwelt seltsam reagierte. Auch wurden Passanten auf ihre Gefährlichkeit hin eingeschätzt und dass alle Deutsch sprachen, führte zu totaler Irritation, da es sonst ein Zeichen dafür war, dass solche Menschen für uns eine gewisse Relevanz haben konnten. Hier spricht es aber jeder.

Das mag die Kehrseite der schönen weiten Welt sein, wobei es jetzt so extrem wegen Brasilien geworden ist.

Das deutsche System leistet sich Rentner, die eine saubere Straße fegen, wir leisten uns Rentner, die zu zwei Personen auf 150 Quadratmetern wohnen, wir leisten uns Rentner, die ihre körperliche Fitness auf Inlinern austoben. Warum leisten wir uns nicht halbwüchsige Rioaner, die genug zu Essen haben, junge Kambodschaner, die statt in die Fabrik in die Schule gehen, oder alte Bolivianer, die nicht mehr aufs Feld humpeln müssen, um Kartoffeln zu hacken. Warum leisten wir uns sowas nicht auch? Ich sage ja nicht, dass wir jetzt alle in Wellblechhütten ziehen sollen, oder den Rechtsstaat abschaffen sollen. Das ist Schwachsinn! Aber wir haben so so viel an Wohlstand, Wissen, Macht und Frieden. Warum nutzen wir dieses Kapital nicht auch gerade für diejenigen, die all diese Dinge nicht haben und so auch sich nicht selber helfen können?

Aber nun mal zu einem sinnvollen unideologisierten Fazit.

Als allererstes möchte ich betonen, dass eine Weltreise mit Kindern kein Urlaub ist. Zumindest nicht, wenn man mit knappen Mitteln reist. Weltreise ist harte Arbeit und Zeit ist Mangelware. Das hatten wir uns auch ganz anders vorgestellt. Besonders Christian hat darunter gelitten, dass er eben nicht mehr Zeit für die Kids hatte. In unserem Fall war einfach immer was zu tun und sollte es mal vorkommen, dass es endlich mal Luft gab, waren wir so ausgepowert, dass nicht mehr viel drin war. Schade! Zum Schluss wurde es etwas besser, da man auch beim Reisen Routinen entwickelt, so dass nicht immer alle Resourcen weggefressen werden. Aber dafür gab es ja immer noch die Schule, die so unendlich viel Zeit und Nerven gekostet hat.

Was fällt mir noch zu „der Welt“ ein. Die Welt ist eine Welt der Familien. Komme mit Kind und Kegel und jeder öffnet sein Herz und Tür.

Nur die westlichen Nationen scheinen dieses Konzept vergessen zu haben. Uns ist so viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und auch Respekt entgegengebracht worden, dass ich zum ersten mal das Gefühl hatte, dass Kinder wirklich eine gemeinschaftliche Aufgabe sind, die „alle“ etwas angehen und für die es sich lohnt all die vermeintlichen Belastungen und Sorgen auf sich zu nehmen. Mein Fazit dies Bezüglich ist: Wenn man reist, „nehmt Kinder mit!!!“ Ohne macht es sowieso nur halb soviel Spaß.

Und egal wo und wie verzweifelt wir waren. Es kam immer von irgendwo Hilfe her. Kinder werden niemals auf der Straße stehen gelassen.

Besonders mir als Mutter von drei Kindern wurde ein Respekt entgegen gebracht, den ich noch nie, nur auf Grund der Tatsache, dass ich drei Kinder geboren habe, vorher erfahren habe. In Deutschland sind Kinder doch Privatvergnügen und wer so doof ist, welche zu bekommen, der muss selber sehen wo er bleibt.

Familie ist „die Struktur“, die weltweit die Menschheit am Leben hält.

Die „dritte Welt“ ist nicht so unterentwickelt, wie wir es hier allgemein hin glauben. Afrika und Indien ausgenommen. Das kann ich nicht beurteilen.

Wie ich schon öfters erwähnte, glaube ich, dass unglaublich viel Potenzial in vielen der besuchten Länder liegt. Da müssen wir uns noch warm anziehen. Vor allem sind sie viel mehr und jünger als wir. Ich bin mal gespannt.

Was aber unglaublich unangenehm ist, ist der unglaubliche Rassismus, der überall herrscht. Ob er nun direkt uns galt, oder irgend welchen Minderheiten in den einzelnen Ländern. Da ist Europa echt ein herausragend positives Beispiel, was Integration bedeutet.

Und während Südostasien durch Fremdheit glänzt und viel Lernerfahrung benötigt, um irgendwann gelassen zu verhandeln, ist Südamerika überhaupt kein Ort, wo man wirklich viel verhandeln kann.

Auch zeichnete sich Südostasien durch viele interessante Traveler aus. In Südamerika und Australien haben wir nette, aber kaum interessante Traveler getroffen. Dort haben wir vor allem mit Einheimischen e-Mails getauscht.

Und was ganz praktisches. Wir hatten durch Zufall einfach Glück. Die Abflugzeiten. Immer schauen, dass man nicht nachts irgendwo ankommt, oder zu Zeiten los muss, wo man sich noch in der Dunkelheit durch die Städte bewegen muss. Auch Wochentage können wichtig sein. Sonntags in katholischen Ländern kann zu Problemen führen. Wir hatten gerade in Rio einfach Glück.

Räume immer darauf hin aussuchen, ob es Möglichkeiten gibt, das Mückennetz aufzuhängen.

Man hat auf so einer Reise keine Zeit zum krank sein. Orthopädische Wehwehchen sind vergessen und der Durchfall gehört mal mehr mal weniger dazu.

Schlafen bekommt eine andere Bedeutung. Es geht nicht um Komfort, sondern um ein Mittel zum Zweck. Wie und wo ist dabei nebensächlich.

Langsam fällt einem auf, wie stark das Leben von Improvisation geprägt ist. Aber es hält einen fit und fordert immer wieder zu neuen Lösungen heraus.

Was kann ich zu den einzelnen Ländern sagen? Thailand ist gut um zu starten, wobei der allgegenwärtige Sextourismus echt widerlich ist. Kambodscha bedarf eines zweiten Besuches. Wir waren einfach noch zu naiv, als wir dort waren. Vietnam ist klasse. Super spannend und schön.

Laos ist glaube ich mit das tollste Land gewesen. So liebe Menschen.

Malaysia ist easy going und besticht durch sein unglaubliches Multikulti.

Singapur ist eine einzige Supermall, aber sehr lustig. Besonders die Grenze.

Indonesien ist das Land, wo sich einfach nur eine Katastrophe an die andere reihte. Aber es klappte ja alles irgendwie. Es ist das Land des Abenteuers. Australien ist Urlaub. Easy, freundlich, schön.

Chile war auch super freundlich. Argentinen hat auf der einen Seite dieses wahnsinns Landschaft und auf der anderen Seite die Menschen. Es war mit Abstand das unfreundlichste Land von allen. Paraguay ist Paraguay. Und Bolivien ist mein Favorit in Südamerika. Da habe ich mein Herz dran verloren, vor allem weil ich auch mit den Leuten reden konnte. Und es gibt nichts süßeres als kleine süße „Mamitas“.

In Peru haben wir auch super liebe Menschen getroffen. Dennoch ist Peru auf den Trampelpfaden sehr unangenehm.

Tja und Brasilien? Brasilien ist das Land mit den krassesten Kontrasten. Aber Jahresabschlusstest gut bestand. Wir haben das Jahr über schön gelernt gehabt, um sicher durch Sao Paulo und Rio zu kommen.

Und die Welt? Die Welt ist enorm geschrumpft und dennoch viel zu groß, um alles je gesehen zu haben.

Die Erkenntnis ist, dass es gar nicht so sehr ums sehen geht, sondern ums sein. All diese Tourispots, die sind nett, aber nicht annäherungsweise so spannend und interessant, als wenn man einfach an einem langweiligen Ort mal länger bleibt und den Lebensrhythmus der Menschen miterlebt.

Und soviel wir uns auch gefetzt, gestritten, rumgezickt haben. Ich könnte mir niemals vorstellen mit irgendjemand anderem an meiner Seite als Christian dieses unglaubliche Jahr erlebt zu haben. Und auch andere Kinder sind ausgeschlossen. Denn was Lydia, Josua und auch Florian geleistet, erduldet und vollbracht haben, das kann nicht jedes Kind. Und ich bin sooooooooooooooooo stolz darauf, so tolle und taffe Kinder zu haben, die dieses riesige Projekt ganz maßgeblich mitgetragen haben. Und ohne ihre unvergleichlichen Persönlichkeiten und Kooperation wäre diese Reise zum scheitern verurteilt gewesen. Aber... wir haben alle zusammen wohl das unglaublichste Jahr unseres Lebens hinter uns gebracht.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 1. August 2009

Es ist noch nicht vorbei! (Sankt Augustin, Deutschland)

Nee, nee, so schnell kommt ihr mir nicht davon.

Wir puzzeln seit den letzten Wochen hier so vor uns hin. Meine Mutter will, dass wir so schnell wie möglich Ihr Haus verlassen. Das ist mir recht, oder das ist Ihr gutes Recht. Das hält uns wenigstens auf Trab. Und da Deutschland für uns zur Zeit überhaupt nicht in Frage kommt, haben wir folgenden Plan gefasst. Wohl gemerkt, Pläne sind immer dafür da über den Haufen geworfen zu werden. Und auch wenn nichts läuft wie geplant, dann läuft es bestimmt auch ungeplant ganz hervorragend. Ich bin da sehr zuversichtlich

Aber zurück zum Plan. Wo geht man hin, wenn man nicht in Deutschland bleiben möchte und örtlich auch nicht mehr gebunden ist? Da wir auf den englischsprachigen Raum fixiert sind, fiel relativ schnell die Entscheidung mal wieder nach Irland zu gehen.

Wir waren dort schon mal, aber das war leider zur falschen Zeit am falschen Ort, so dass wir relativ schnell wieder nach Deutschland zurück sind. Wir denken aber, dass Irland eine zweite Chance verdient hat, besonders wenn man nicht an den Großraum Dublin gebunden ist. Und die Wirtschaftskrise hat zu unseren Gunsten die Hauspreise, ohne Scheiß, um die Hälfte einbrechen lassen, so dass es auch finanziell, im Moment zumindest, ganz gut ausschaut. Ach ja, und das wirkliche Argument für Irland sind die Kinder. Nicht nur unsere, sondern Irland ist das kinderreichste Land Europas, also ist es unser Land. Je mehr Kinder rumlaufen desto besser. Dazu kommt, dass wir diesem ätzenden dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland entkommen wollen. Wir sind ja schon damals aus Nordreihn-Westpfahlen nach Schleswig-Holstein geflohen. Erst genanntes Bundesland hat mittlerweile schon ab dem Kindergarten Gesetzesregelungen, die ich in der momentanen Ausführung nicht unterstützen kann und letzteres ist um einiges humaner was besonders die Schulgesetze angeht. Aber ob drei- oder zweigliedrig, die Schulen sieben weiterhin ohne Sinn und Verstand und zwar auf Kosten unserer Kinder. Und da in Deutschland doch der totale Förderwahn für Eltern mit Kindern gilt und jeder sich erhofft, somit seine Kinder optimal auf die Arbeitsmärkte von morgen vorzubereiten, wollen wir bei diesem Wahn nicht außen vorstehen. Da wir im letzten Jahr gesehen haben, dass Lydia exzellente Leistungen erbringen kann, dafür bedarf es aber ihrem eigenen Lerntempo und das bietet die Gliederung der Schulformen nicht, gehen wir dorthin, wo wir uns erhoffen, dass wir bessere Lernbedingungen für unsere Kinder vorfinden. Na, ich finde, damit ist der Gedanke des deutschen Förderwahnsinns doch mal konsequent zu Ende gedacht. Sorry, aber ich halte diesen kopflosen Aktionismus vieler Eltern hier in Deutschland für absolut überzogen, wenn nicht sogar total kontraproduktiv.

Also ich weiß nicht, wie die Märkte von morgen aussehen und was die Schlüsselkompetenzen sein werden, um auf diesen zu bestehen. Ich bezweifle aber, dass es die musikalische Früherziehung oder der Balletunterricht sein werden. Klar, wer später Musiker oder Tänzer wird ist bestimmt nicht falsch in solchen Kindergruppen aufgehoben. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass mein damaliger Gitarrenlehrer erst mit über 18 Jahren zum Gitarre spielen gekommen war und jetzt sehr erfolgreich Konzerte gibt. Ich nehme nicht an, dass in seiner Generation man viel für frühkindliche Förderung übrig hatte.

Ach ja, es geht wahrscheinlich gar nicht um die Musik selber, sondern um die Korrelationsstudien, dass der, der musikalisch begabt ist, auch mathematisch begabter sei. Mag hier und da stimmen, aber ich glaube man hat Christian und auch seiner Umwelt viel erspart, ihn nicht mit einem Musikinstrument zu quälen. Etwas unmusikalischeres als ihn habe ich echt noch nie erlebt. Dafür hat er erstaunlich erfolgreich Mathe studiert und auch seine Promotion über projektive Geometrie war nicht ganz frei von Mathematik. Also ich habe es nicht verstanden und ich habe immerhin mal ein Instrument gelernt. Soviel zu Statistiken, im Einzelfall ist alles anders.

Aber mal ganz ehrlich. Was ist das für eine Angst, die deutsche Eltern zu diesem Förderwahn ihrer Kinder treibt? Gibt es vielleicht doch so etwas wie ein kollektives Unterbewusstsein, welches signalisiert, dass sich irgendetwas in naher oder ferner Zukunft ändern wird. Das unsere Kinder nicht mehr in eine sichere Zukunft, was immer das heißen mag, starten werden?

Ich frage mich, ob die Lösung wirklich Englisch schon ab dem Kindergarten ist. Denn mal ganz ehrlich, es war ganz praktisch Spanisch fürs Reisen durch Südamerika zu können, aber mein Bezug zum spanisch sprechenden Raum dieser Welt hält sich in Grenzen, so dass es bis auf weiteres für mich jetzt erstmal keinen Nutzen mehr hat. Und ich vermute, dass es so vielen mit dem Englisch geht. Wenn meine persönliche Ausrichtung der frankophone Raum oder so ist, ist Englisch relativ sinnlos. Was nicht heißt, dass Lernen egal was Schwachsinn sei, nur was man später wirklich von all dem braucht unterliegt ganz seltsamen Bedingungen.

Ich kann mich zum Beispiel an nichts erinnern, was ich in der Schule gelernt habe, was mir hinterher wirklich von Nutzen war. Denn sei es Englisch, Deutsch oder sonst was, gelernt habe ich die Dinge, die ich wirklich brauche, erst hinterher während der Uni. Mit meinem Schulenglisch hätte ich doch nichtmals die Bewerbungsunterlagen für die Unieinschreibungen verstanden und mein Deutschniveau war so mangelhaft, dass ich in den Klausuren der Oberstufe in allen Fächern immer Punktabzug hinnehmen musste. Dafür habe ich im letzten Jahr über 1000 Seiten Text produziert. Und ich weiß ja nicht wie ihr dazu steht, aber gramatikalisch und sprachlich kann es doch nicht ganz unter aller Sau sein. Sonst würdet ihr das hier ja gar nicht lesen. Nee, gelernt habe ich erst nach der Schule. Deshalb müssen wir aus diesem wahnhaften Deutschland wieder raus. Wohl gemerkt immer in der Hoffnung, dass es irgendwo vielleicht ein System gibt, welches im Bezug auf den Aspekt der Kinder etwas lockerer ist und die Kinder das lernen läßt, was ich für wirklich wichtig halte. Kreativität, Flexibilität, geistige Beweglichkeit, den Mut zu Neuem, Mobilität ob räumlich oder geistig und natürlich ein hohes Maß an sozialer Aufmerksamkeit für sich und andere, wie auch kritische Reflexionsfähigkeit, eben nicht einfach so vorgekaut wie man vieles bekommt zu schlucken, sondern auch mal nach dem wieso, weshalb, warum fragen und vielleicht sogar auch nach Alternativen. Unterschiedlichste Perspektiven einnehmen halte ich für extrem wichtig, da einem dann plötzlich auffällt, dass das, was im ersten Moment so plausiebel klang, plötzlich doch noch ganz andere Konotationen mit sich führt. Und mein Plädoyer an die Eltern ist: „Was du nicht willst, das du dir tust, das füg auch keinem andern zu!“ Heist soviel wie, wenn ich als Eltern nicht bereit bin meine Fremdsprachenkompetenzen oder musischen Talente für mich weiter zu fördern (denn für uns geht das Leben, man mag sich wundern, auch noch weiter) sollte ich mich ernsthaft fragen, warum ich von meinen Kindern erwarte, dass die ihre knapp bemessene Kindheit mit solchen Aktivitäten füllen müssen. Wo bleibt das Kindsein? Das Entwickeln der wirklichen Kompetenzen, den Soft Skills. Harte Fakten kann ich heute im Internet nachlesen. Das brauche ich im Detail nicht zu lernen. Ein grober Überblick, um die Zusammenhänge zu verstehen und zu wissen wo es steht. Ich glaube schon, dass Kinder die Dinge lernen, die für sie wichtig sind und auch später werden könnten, vorrausgesetzt man begreift hier in Deutschland irgendwann, dass es keine Noten oder formalen Abschlüsse sind, die aus unseren Kindern die besseren Menschen und schon gar nicht die erfolgreicheren Menschen machen. Besonders nicht wenn man mal den Lebenserfolg und nicht die formale Karierre als Maßstab nimmt.

Und wer meine Kritik und Geläster für anmaßend hält, denn ich weiß ja gar nicht, wie die Märkte der Zukunft sein werden - genau, alle anderen aber auch nicht - dem sei mitgeteilt, dass erstens auch Christian und ich total in diesem Förderwahn gefangen wahren. Er bezog sich primär noch auf uns selber, da wir ja selber noch gar nicht zuende gefördert worden sind. Ranten wir doch die letzten Jahre einem blöden Abschluss nach dem anderen nach. Und? Was ist die Konsequenz? Wir machen uns selbständig im Outdoor-Bereich. Häää? Wobei das naheliegend ist, da sowohl Chris wie auch ich unsere Kindheit im Wald „spielend“ verbracht haben. Soviel zu frühkindlicher Förderung und Prägungen.

Zweitens interessiert es die Welt wenig, welche Abschlüsse man hat, sondern was man wirklich kann. Und das scheint mir in vielen, vielen Fällen weit weg von dem zu sein, als das was viele als Ausbildungsgrundlage haben. Nur weil etwas potenziell so ausshieht, als wenn es mal viel beruflichen Erfolg verspricht, frage ich mich immer für was für einen Preis dieser vermeintliche Erfolg denn erkauft wird. Zumal ich davon überzeugt bin, dass man nichts wirklich gut machen kann, wenn man nicht mit Leib und Seele dahinter steht. Die Frage der „Authentizität“ wird immer endscheidender.

Und drittens: Es gibt ja noch die Freiheit zur Gestaltung.

Bei all dem Förderwahn, der hier betrieben wird, für fiktive Arbeitsmärkte, wäre es da nicht viel sinnvoller, statt unsere Kinder zu maltretieren, vielleicht die Arbeitsmärkte der Zukunft aktiv mitzugestalten, damit unsere Kinder auch ohne musikalische Früherziehung dort einen, ihren Platz finden? Mir scheint es echt sinnvoller, statt die Kinder passend für die Welt, die Welt passend für die Kinder zu machen. Ist mindestens genauso anstrengend, aber vielleicht einen Versuch wert. Die Kids werden schon nicht hinten runterfallen. Dafür ist die menschliche Rasse viel zu robust. Aber vielleicht lernen die Kinder was viel entscheidenderes. Und zwar, dass es sich lohnt für unsere Welt einzutreten, sich zu engagieren und sich zu bemühen und zwar nicht nur für sich selber, sondern für uns alle, so dass auch die Generationen, die noch folgen werden eine Welt vorfinden, auf der es sich zu leben lohnt.

So jetzt habe ich mir wieder den Kopf über Sinn und Unsinn des deutschen Tuns gemacht und eigentlich wollte ich doch von unserem Plan erzählen.

Also Irland, weil ungebunden und überhaupt. Und bevor mich jemand noch einmal fragt, ob Christian oder ich dort Jobs in Aussicht hätten: „Neinnn!“ Wir sind ein Jahr um die Welt gereist, haben erlebt, was Freiheit ist und solange wie wir können, werden wir abhängige Arbeitsverhältnisse meiden. Soll nicht heißen, das wir nicht irgendwann darauf wieder zurückgreifen müssen, aber der Plan ist, dieses möglichst lange herauszuzögern. Getreu dem Motto: „Bevor ich meine Arbeitskraft und Ideen irgend jemandem für schlechte Bezahlung zur Verfügung stelle, nutze ich Ideen und Arbeitskraft lieber für mich selber.“

Also lautet unser Credo: „Selbständigkeit“. Die stand ja schon die ganze Zeit zur Debatte, die Frage war nur mit was. Das „Was“ hat sich in unzähliger Form geklärt, wir kommen mit allen Ideen gleichzeitig kaum hinterher und wir schauen einfach mal, was am Ende und ob überhaupt etwas funktioniert. Aber ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Ach ja, zur Beruhigung aller Bildungsfanatiker. Bildung muss nicht für die Katz sein, weswegen Christian auch noch in seinem Fachgebiet an den Start geht und mein Promotionsthema ist mit und ohne Promotion auch nicht zu vernachlässigen, was den freien Markt angeht.

Wir haben also für „Die Outdoor“, die größte Outdoor-Messe der Welt, ein Gewerbe angemeldet und haben auf der Messe mal ganz vorsichtig die allgemeine Stimmung abgeklopft. Ich hatte schon schlechtere Perspektiven. Oder genauer formuliert, es gibt wieder eine Perspektive. Wer mit drei Kindern um die Welt reist, der ist doch qusi genötigt hinterher genauso bekloppt weiter zu machen. Ich finde es fühlt sich hervorragend an und immer schön optimistisch denken. Geht zur Zeit noch viel hervorragender. Und egal was kommt, wir haben Spaß und lernen jede Menge über uns, das Leben und den Rest. Was will man mehr an Bildung.

Nein, wenn mich diese Weltreise wirklich etwas gelehrt hat, dann dass ich keine Angst haben muss. Das passt schon alles irgendwie. Irgendwo geht es immer weiter. Man darf sich nur nicht davor verschließen, auch mal in eine ganz andere Richtung zu laufen. Ja, ja und manchmal muss man auch wieder zurück laufen. Aber es gibt immer einen Bus. Man muss halt manchmal etwas warten und den Weg, den der Bus nimmt, ist nicht immer der direkteste, aber Spaß macht es und man kann echt tolle Leute unterwegs treffen.

Nein, was ich eigentlich versuche zu sagen ist, dass wir noch nicht am Ende sind. Wir wandern vielleicht nicht aus, aber weiter.

Der Plan ist also ein Jahr nach Irland zu gehen, dort auf die Visa für Neuseeland zu warten, da Waikato nachhaltig mein Uni-Favorit ist. Aberdeen ist einfach zu tranig. Da bekam ich immer nur Antworten, wenn ich direkt über den Institutsleiter Druck gemacht habe. Vielleicht ist es besser so. Das weiß man im Vorfeld ja nie und ist frustriert. Und wenn man später zurück schaut denkt man, mensch was hatte ich für ein Glück. Wenn das nicht schief gegangen wäre, dann wäre ich nicht zufällig dort gelandet und hätte nicht zufällig diese Person kennen gelernt, die in irgendeiner Weise für meinen Lebenserfolg ganz entscheident war.

Somit haben wir jetzt echt viel zu tun, da ich mit meiner Promotion jetzt schon mal anfangen wollte, also die ganzen unliebsamen Fleißarbeiten erledigen und schon mal in die Materie richtig einarbeiten. Chris scheint sich im Keller eingeschlossen zu haben und bastelt an seinen Ideen rum und bei mir stehen noch die Manuskripte aus, die in den Druck sollen wie auch noch unsere Outdoor-Ideen.

Also an Ideen und Arbeit mangelt es nicht.

Somit müsste der Blog jetzt seinen Namen ändern in: „Wir sind noch nicht fertig!“ oder „Der Weg in die Selbständigkeit!?“ oder „Reif für die Insel - Wenn man die Freiheit sucht und ich hab keine Ahnung was findet!“

Der folgende Eintrag ist nur was für starke Nerven, die mit Gefühlsduselei und Selbsterkenntnisgedrisse was anfangen können. Wer das nicht kann, sollte den Eintrag auf jeden Fall überspringen. Ich verspreche auch, danach wieder so zu schreiben, wie ich es das ganze letzte Jahr über gepflegt habe zu tun. Aber ein bisschen künstlerische Freiheit muss auch mal sein.

Und auf einmal machte es klick!

Was immer es auch war, auf einmal zog der Himmel auf und die Sonne fing wieder ganz vorsichtig an zu scheinen (wie poetisch). Und was immer auf der Outdoor passiert war, es hat mich aus meinen Depressionen geholt, den Blick geklärt und ja! ja! ja! es geht weiter.

Ich habe meinen Glauben zurück gewonnen, der mir auf so brutale Weise durchs Schicksal genommen wurde.

Ich weiß jetzt, wo ich hin will (wer Glaubt wird selig). Nein, wo ich hin muss (man muss schon sehr stark im Glauben sein, um so etwas zu sagen). Es mag vermessen klingen, albern, oder verrückt, aber ich weiß jetzt was meine Aufgabe in diesem meinem Leben ist (göttliche Eingabe, oder was?). Und egal, ob das was ich mir jetzt vorgenommen habe direkt klappt oder nicht, ich weiß in welche Richtung ich gehen muss. Ich weiß sogar noch viel mehr (Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung). Ich weiß, dass nichts passieren kann, denn ich glaube an mich und meinen gefundenen Sinn hier zu sein. Es kann nichts passieren, denn egal was auch passiert, dies nennt man Leben und ich glaube ... glaube, dass ich meinen ganz, ganz kleinen Beitrag leisten kann für die Dinge, die mir wichtig sind, die mir ein Anliegen sind an ihnen, für sie, mit ihnen zu wirken (was für ein Idealistisches Gedrisse).

Und egal was ich auch machen werde, meine Botschaft wird immer mitschwingen. „Leben ist, was wir drauß machen!“ nicht „Du“ nicht „Du bist Deutschland“ und auch nicht „Spaß ist was du drauß machst“. Nein, „Wir!“ „Wir sind die Zukunft und die Gegenwart Deutschlands“ und „Spaß ist, was wir draus machen!“

Und so gerne ich mich für dieses Land auch einsetzen würde, so habe ich das Gefühl, dass noch nicht der Richtige Zeitpunkt hier und jetzt ist. Zu groß ist der Druck, der Frust und die Verletzungen, die durch dieses Land, soviele positive Eigenschaften es auch haben mag, über uns ergangen sind und auf uns lasten.

Hier in Deutschland bin ich dazu verdammt ein Leben in klassischer Rollenverteilung leben zu müssen. Ich kann das nicht. Ich konnte das noch nie. Ich zerbreche daran und auch Christian kann sich nichts anderes vorstellen als eine wirklich ausgewogene Partnerschaft, als wahres Team gemeinsam nicht nur durchs Leben zu gehen, sondern es auch gemeinsam zu er- und leben. Die Maximierung der gemeinsam verbrachten Zeit, das gemeinsame Planen, Schaffen und Arbeiten ist schon immer die Basis unserer Beziehung gewesen. Und keiner von uns möchte dieses missen. Ganz im Gegenteil. Die Selbständigkeit ermöglicht dies bezüglich ganz neue Dimensionen.

Wir leben nach dem Motto „Leben ist, was wir drauß machen!“ und zwar alle zusammen, als ganze Familie.

Wider aller Vorurteile: Kinder zu bekommen bedeuten nicht das „Aus“. Sie bedeuten: „Leben ist, was wir drauß machen!“ Es gibt so viele alternative Möglichkeiten sein Leben mit Kindern zu gestalten. Man muß nur den Mut haben. Man darf keine Angst haben, sollt sich nicht von der Gesellschaft in irgendein Lebensmodell pressen lassen, in das man gar nicht will. Und man sollte schon gar nicht davor davon laufen, denn irgendwann ist es für Frauen dann wirklich zu spät. Zu spät, das größte Wunder was diese Welt für uns bereit hält zu erleben. Das Heranwachsen eines kleinen neuen Erdenbürgers.

Und niemand sollte sich das Recht nehmen lassen, diese kleinen Wesen ein Stück auf Ihrem Lebenswegen begleiten zu dürfen.

Seit so vielen Jahren suche ich nach meinem Platz in dieser Welt. Das Gefühl, dass all die Anstrengungen, Rückschläge und Leiden irgend einen Sinn haben könnten. Ich denke nicht, dass ich ihn schon gefunden habe, aber ich habe das Gefühl, dass sich ganz langsam eine Möglichkeit abzeichnet, aus all dem was war etwas ganz, ganz tolles zu machen (zumindest für mich). Ich habe endlich die Möglichkeit, das zu machen, was ich schon immer machen wollte (jetzt bloß nicht patzen). Und das macht Mut, gibt Zuversicht und lässt mich wieder nach vorne schauen. Ich/ Wir habe noch was zu tun. Wir habe noch was vor.

„Leben ist, was wir drauß machen!“

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 8. August 2009

WDR 5 (Köln, Deutschland)

Nachdem wir auf der Outdoor in Friedrichshafen waren und direkt danach auch noch in Kiel, das sind wirklich die diametralsten Punkte in Deutschland, waren wir nach unserer kleinen Süd-Nordkreuzung heute auch noch in Köln. Das war nicht ganz so weit. Aber mindestens genauso spannend.

Die Outdoor-Messe bestach vor allem durch ihre Zeltlager, die für die Messebesucher existierten. Ich habe noch nie soviele hochkarätige Zelte auf einem Platz gesehen. Dafür muss man vermutlich sonst ins Everest Baisislager. Das Zeltlager war echt besser als die Präsentationshallen mit den Zelten auf der Messe. Hier draußen konnte man alle erdenklichen Marken mal in realem Einsatz sehen.

Leider hatten wir keinen Fotoapparat dabei. Das war einfach ein spitzen Bild. Dies ist sowieso ein Phänomen. Nach einem Jahr immer auf der Suche nach Fotomotiven setzt sich dieser Blick fort. Nur, dass wir jetzt keine Kamera mehr mit uns rumschleppen. Vielleicht sollten wir das mal machen und zum Beispiel Bonn aus einer touristischen Perspektive fotografieren. Das ist bestimmt echt lustig und füllt die Textseiten mit Bildern bis wir nach Irland kommen.

Die Messe selber war hoch interessant. Allein das Klientel hatte ausgesprochen hohen Unterhaltungswert. Da waren die Typen, die so aussahen, als wenn sie gerade von drei Wochen Wildnistrecking wieder gekommen seien, wohlgemerkt, es handelte sich um eine Fachmesse, also alles Leute, die geschäftlich hier waren. Und auf der anderen Seite hatten wir die Anzugfraktion. Klasse, da viel gar nicht auf, dass Christian seine lange Hose vergessen hatte und wir aus Bequemlichkeit unsere Wandersandalen an hatten. Ganz im Gegenteil, wir passten voll ins Bild. Und da wir Florian im Tragetuch dabei hatten, hatten wir nicht nur unser Demoobjekt gleich bei der Hand, sondern fielen auch so stark auf, dass potenzielle Geschäftspartner, die wir vorher an ihren Ständen angesprochen hatten, uns irgendwo im Gedränge anquatschten und uns fragten, wie es denn für uns liefe. Denn selbst ganz große Firmen, an die wir herangetreten sind und die echt super skeptisch waren, wer wir denn seien und was wir denn wollten, schienen sich im laufe des Gespräches für unsere Idee begeistern zu lassen und waren hinterher echt bemüht uns zu helfen. Na, dann schauen wir mal.

Wir waren dann unmittelbar nach der Outdoor in Kiel und hatten ein paar echt nette Tage bei Freunden, während Lydia bei ihrer Freundin verschwand und Josua holten wir auch erst zur Abfahrt wieder bei seinem Freund ab. Das tat den beiden vielleicht gut. Und auch die Tatsache, dass sie über so einen langen Zeitraum den Kontakt gehalten haben, finde ich beeindruckend.

Da unsere Freunde auch so einen Wicht wie Florian haben, fiel mal wieder Florians, positiv ausgedrückt, Temperament auf.

With friends at the beach in Kiel. (Germany)

Der kann einen echt wahnsinnig machen. Und ist nochmal eine ganz andere Liga als Lydia oder Josua es je waren. Ich hoffe ja, dass sobald wir mal wieder ein richtiges geregeltes Leben führen, denn im Moment sind wir immer noch in einem Ausnahmezustand, dass Florian dann etwas ruhiger und auch besser lenkbar wird.

Wobei ich sagen muss, dass wir ihm mittlerweile erfolgreich beigebracht haben abends im eigenen Bett zu schlafen und auch mittags einen Mittagsschlaf zu akzeptieren. Das macht schon viel aus.

In Kiel haben wir zufällig auch noch unseren alten Vermieter getroffen, der uns sagte, dass unsere Nachmieter auch schon wieder weg sind. Ich will ja nichts sagen, aber das war mir schon letztes Jahr klar. Aber Rechthaber mag ja keiner, so dass ich nichts gesagt haben will.

Nee, hätte unser ehemaliger Vermieter gesagt, die Wohnung sei gerade frei, wir wären echt schwach geworden. Besonders Chris war total wehmütig in Kiel. Es ist und bleibt einfach ne tolle Stadt mit soviel mehr Kindern als in Bonn zum Beispiel. Das ergibt doch gleich eine ganz andere Atmosphäre.

In Kiel waren wir aber auch noch beim Radio Schleswig Holstein und bei den Kieler Nachrichten. Wer sich interessiert, der kann ja mal unter http://www.kn-online.de/lokales/kiel/104219-Mit-drei-Kindern-in-drei-Kontinenten.html schauen. Teile des Textes sind zwar aus dem Blog abgeschrieben, aber was solls. Das heutige Journalistentum ist was es ist, nämlich am sterben. Abgelöst von Laien und Privatleuten, die in Blogs schreiben über das, was sie denken und erleben.

Kaum zurück in Bonn stand WDR 5 vor der Tür um ein Interview mit Lydia zu machen und wir waren dann am 6.8.2009 selber im Studio, als Gäste in der Live-Sendung „Neugier genügt“.

Ich will ja nichts sagen, aber ich war ein bissel aufgeregt. Gott sei Dank waren alle im Studio so was von lieb, dass sich die Aufregung schnell legte und dann waren wir auch schon auf Sendung.

Wow, ich hatte mich immer schon gefragt, wie man denn Gast bei WDR 5 wird. Chris und ich hören schon seit Jahren begeistert WDR 5. OK, OK, es gibt Sendungen, die man besser hätte sein lassen können und auch das blöde Gedudel zwischen drin kann einem ganz schön auf den Sack gehen. Aber es gibt echt gute Sendungen und auch gerade WDR 5 hat uns auf der Weltreise begleitet und uns die Möglichkeit gegeben, sofern Internet vorhanden, mal zu hören, was so geht in Deutschland.

Ach ja, und dann war ja da auch immer noch die Frage, wie denn eigentlich Ralph Erdenberger, der Moderator, ausschaut, den wir so oft gehört aber noch nie gesehen haben.

Ich muss zugeben, Stimme und Äußeres passen jetzt irgendwie gar nicht zusammen. Soll nicht heißen, dass der Typ unmöglich aussieht, sondern das die Stimme viel älter klingt, als er in natura ausschaut.

Ja und dann haben wir uns nett eine halbe Stunde lang über Sinn und Unsinn einer Weltreise mit Kindern unterhalten und dann war es auch schon wieder vorbei.

Ich frag mich ja, ob uns jemand gehört hat, der uns noch von anodazumal kennt. Fänd ich lustig, werde ich aber wohl nie erfahren. Nee, war eine spannende Erfahrung. Auch die Einspielungen von Lydias Interview, welches wir bis dahin noch nicht gehört hatten, waren echt spitze.

Man fragte uns nach dem Interview, ob Lydia nicht vielleicht noch bei Lilliputz, der Kindersendung auf WDR 5, vorbeischauen möchte. Das wäre natürlich total klasse, wenn Lydia mal so eine Erfahrung mitnehmen könnte.

Tja, und jetzt sitzen wir hier und basteln weiter an all unseren Geschäftsmodellen rum.

Die Stoffexemplare aus Asien und Portugal sind schon da. Jetzt müssen wir noch auf die Schweiz warten. Ist ja auch der längste Weg, das braucht halt. Derweil habe ich mich mit der Nähmaschiene meiner Mutter vertraut gemacht. Die ist um Meilen besser als meine Möhre und für den Anfang, solange noch Selbstproduktion angesagt ist, absolut ausreichend.

Ein riesiger Teil der Mails ist irgendwie in ein Loch gefallen, oder ist jetzt überall Sommerpause. Auf jeden Fall haben sämtliche weiteren Anfragen bei Webereien noch zu keinen Reaktionen geführt, aber auch angeschriebene Unis bleiben zum Teil stumm.

Von den Botschaften Australiens und Neuseelands ist auch nichts vernünftiges zu erfahren und meine Anfrage in Melbourne erstmal als Fernstudent zu beginnen ist auch noch nicht geklärt. Nur Lewis aus Waikato wird nicht müde mit mir zu kommunizieren.

Josua und Lydia genießen es bei Christians Eltern zu sein. Da gibt es jede Menge Kinder drum herum. Bei meiner Mutter ist man mehr in einem Altenheim gelandet, hier gibt es eigentlich gar keine Kinder mehr.

Josua hatte keine Lust mit uns und Christians Eltern die Bilder der Weltreise anzuschauen. Das sei ihm zu langweilig, da er doch da gewesen sei und wisse, wie es dort aussieht. Das ist wohl war.

Lydia kam letztens total fertig bei mir an. Sie hat so ein Aufklärungsbuch für Mädchen gelesen rund um Menstruation und Pubertät. „Mensch ist das anstrengend, ich hab jetzt schon keine lust mehr.“ War ihr Fazit.

Ich nutze die Gelegenheit hier in St Augustin zu sein, um meine Oma jeden Tag zu besuchen. Unser gemeinsames Projekt ist es, ihre Lebensgeschichte festzuhalten. Sie erzählt und ich schreibe mit. Wie ich das dann hinterher zu einer interessanten Geschichte zusammen bekomme, muss ich mir noch überlegen, aber es ist eine einmalige Gelegenheit und maßlos viel Zeit ist ja auch nicht mehr. Sie ist immerhin schon 87 Jahre.

Es zieht leider sämtliche Resourcen, um die Weltreise-Story vernünftig zusammenzufassen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Das Ende? Nein! Weiter geht's in unserem neuen Blog...



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