[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 31. Juli 2008
Grenzwertig – von Thailand nach Kambodscha (Trat, Thailand nach Krong Koh Kong, Kambodscha)
Schon am Morgen ging in Trat das Theater mit den Sammeltaxis los. Es gab angeblich keine öffentlichen Busse nach Hat Lek, dem Grenzort an der kambodschanischen Grenze. Man musste also ein Taxi nehmen und hing somit schon ab Trat von der Taximafia ab. Erst wollte man von uns 280 Baht für die ca. 100 Kilometer. Sammeltaxi (auch sawngthaew genannt, wobei ich keine Ahnung hatte, wie man das wohl ausspricht) wohl gemerkt. Ich hab mich dann mal bei den Mini-Air-Con-Bussen erkundigt. Komisch, die sollten genauso viel kosten. Zurück zu den Taxis und mal nachgefragt, wie es sein konnte, dass das Sammeltaxi genauso teuer sei wie der Air-Con Mini-Bus? Und dann fiel der Preis plötzlich. An der Wand hing ein Fahrplan plus dem Hinweis, dass der Trip zur Grenze 70 Baht pro Person kosten solle. Wir vermuteten dies zumindest, da wir außer der 70 nichts weiter vom Text lesen konnten. Als ich darauf verwies, wurden die Taxifahrer unschlüssig, was zu tun sei. Der Preis lag noch bei 250 Baht. Problem war nachhaltig das unzureichende Englisch der Gegenseite. Wir gingen bei solchen Verhandlungen mittlerweile dazu über, uns erstmal etwas zurück zu ziehen, etwas teilnahmslos in die Gegend zu schauen und der Dinge zu harren, die da kommen würden. Da das Taxi nach circa einer halben Stunde Verhandlung los musste (die schienen tatsächlich einen Fahrplan zu haben) und kaum andere Fahrgäste hatte, Christian und ich aber keinerlei Anstalten machten, uns zu bewegen, kam dann das Angebot von 200 Baht (ca. 4?).In der Nachsicht tut es mir echt Leid, dass wir immer so hart verhandelt haben. Zwei Punkte möchte ich dies Bezüglich dennoch anführen. Erstens wenn man kein Einkommen zu Hause hat und auch nicht weiß, ob man umgehend nach Beendigung solch eines Trips haben wird, schien sich die Relation zum Geld stark zu ändern. Und zweitens versuchten wir mit dem hiesigen und nicht dem deutschen Preisverständnis, Angebote zu verhandeln, die irgendwo zwischen dem Lokalen und dem Touri-Ausnehmerpreis lagen. Ich möchte kurz einmal verdeutlichen, was es bedeutet hätte, wenn wir mit dem deutschen Preisverständnis und der Einstellung "Ach, ist ja nur 1Euro mehr" gereist wären. Angenommen wir hätten etwa 10 Verhandlungssituationen pro Tag, dass müsste im Schnitt hinkommen, und jedes mal würden wir "Ach, ist ja nur ein Euro mehr" sagen, dann wären das pro Tag schon 10Euro mehr. Und auf 365 Tage gerechnet, wären wir dann mal eben bei 3650Euro mehr.
Zurück zum Erlebten. Ich war dennoch darauf gefasst, dass unser Trip nicht bis zur Grenze gehen würde. Andere Traveler hatten dies Bezüglich wohl sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Peu-a-Peu stiegen alle anderen Fahrgäste aus, so dass wir als einzige übrig blieben. Gar nicht gut!
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| The start in a new big adventure. (Trat, Thailand) |
Plötzlich hielt der Fahrer einfach an, stieg aus und ließ rund ums Auto die Planen runter, so dass wir nur noch nach hinten raus schauen konnten. Ein leicht mulmiges Gefühl machte sich breit.
Keine 30 Sekunden später fing es wie aus Eimern an zu gießen. Also hatte der Fahrer den Regen kommen sehen und uns nur vor der Nässe schützen wollen.
Auf der Strecke nach Hat Lek haben wir nach einem Monat Thailand zum ersten Mal das Meer gesehen. Das war aber auch das einzig erfreuliche an diesem Tag.
In Khlong Yai, auf halber Strecke, hielten wir dann schon wieder und der Fahrer stieg einfach aus und verschwand, ließ aber den Motor laufen und es gab auch noch ein nicht abgegebenes Paket bei uns im Wagen. Alle anderen Pakete waren unterwegs schon abgegeben worden, so dass eigentlich alles dafür sprach, dass die Fahrt noch weiter gehen müsse.
Wir warteten. Der Regen prasselte auf die uns umgebende Plane hernieder. Wir konnten nicht sehen, was draußen passierte.
Plötzlich tauchte ein Mann in einem Wagen auf und meinte, für 100 Baht würde er uns zur Grenze bringen. Wir haben erst nicht reagiert, da irgendwelche Anquatscher ja immer unterwegs sind. Er ging aber nicht weg, sonder versuchte uns auf immer aggressivere Art klar zu machen, dass das Taxi hier endete. Und das Paket?
Wir versuchten ihm klar zu machen, dass wir bis nach Hat Lek bezahlt hätten. Er blieb hartnäckig und wir blieben zunächst einfach sitzen, nicht wissend, was zu tun sei. Es regnete in strömen und ich wollte erstmal mit unserem Fahrer sprechen. Der war aber nirgends zu sehen. Der Anquatscher verschwand, tauchte aber kurz darauf mit seinem Wagen wieder auf und hatte sich verbale Verstärkung mitgebracht. Jetzt sollte es nur noch 60 Baht bis zur Grenze kosten. Diesmal näherte er sich noch weiter. Wir saßen zu fünft mit unseren Rucksäcken an die hintere Wand gedrängt, so dass er uns nicht einfach herausbefördern konnte. Vielleicht hielten ihn auch die Kinder von solch drastischen Maßnahmen ab.
Christian und ich waren uns unschlüssig, was wir jetzt tun sollten, da die Situation doch zunehmend bedrohlicher wurde.
Wir entschieden uns dafür, dass ich mich auf den Weg mache, das Auto trotz Regen zu verlassen und den Fahrer zu suchen. Christian hatte Florian im Tragetuch und war somit sehr immobil. Wir wollten auch auf keinen Fall unseren Platz im Auto hier im Nirgendwo, 40 Kilometer vor der Grenze aufgeben und dadurch diesen Wegelagerern voll und ganz ausgeliefert zu sein. Als ich den beiden Typen von meinem Vorhaben berichtete, zogen sie sich auf einmal wieder zurück. Unser Fahrer tauchte aus dem Nichts wieder auf und die Fahrt ging weiter. Vermutlich war sein Deal mit dieser Gang nur, dass er das Auto für ein paar Minuten verlässt. Aber das sind reine Mutmaßungen.
Puh, es war keine Panik, die mich in solchen Situationen begleitete, sondern die Angst, dass diese Situationen eskalieren könnten und vor allem den Kindern etwas angetan werden könnte.
Es stiegen Gott sei Dank unterwegs nochmal zwei Frauen zu, so dass sich Christian und ich wieder etwas entspannten. In Hat Lek angekommen, stürmte eine Schar von Männern an unseren Wagen und wollten unsere Sachen tragen oder einen Regenschirm für uns halten. Es sei angemerkt, dass der Grenzposten nur 20 Meter von uns entfernt war und diese Männer für ihre Dienste viel Geld im Nachhinein einforderten. Das stand zumindest im Führer, dass man auf gar keinen Fall vermeintliche Nettigkeiten annehmen solle, da man sonst ausgenommen würde wie eine Weihnachtsgans.
Wir kamen kaum aus dem Wagen. Da wir aber gut vorbereitet waren und durch unsere Anzahl und Größe die Meute gut abgeschirmt bekamen, hatten wir innerhalb von 5 Minuten alle unsere Rucksäcke auf und die Regencapes übergezogen. Wir hatten ja in den thailändischen Busstationen schon unter vereinfachten Bedingungen üben dürfen.
Jetzt ging es an die Grenzpassage. Thailand war harmlos, da nur ausstempeln. Dann ging es vorbei an sehr viel Militär zu Fuß 20 Meter durch das Niemandsland zum kambodschanischen Grenzposten.
Das bedeutete in unserem Fall wieder, von einer Horde Männer belagert und bequatscht zu werden, was extrem störend war, wenn man fünf mal Einreisescheine ausfüllen muss und dabei mit Geburtsdaten und Passnummern nicht durcheinander kommen durfte. Auch hier galt wieder vorsichtig zu sein, dass man von niemandem auch nur einen Kuli annahm, da man sonst dafür einen Dollar hätte zahlen sollen. Wir hatten ja zum Glück schon unsere Visa im Pass und mussten somit keine mehr kaufen. Dennoch hat diese Prozedur bestimmt eine halbe Stunde gedauert, wobei wir stets durch unsere Anzahl die Männerhorde auf Abstand halten konnten. Vier Personen mit Rucksäcken im Kreis stehend sind schwer zu durchbrechen.
Erstaunlicherweise gab es mit den Grenzbeamten keinerlei Probleme. Josua hat ein bisschen mit den Beamten geschäkert und schon hatten wir unsere Stempel, ohne die angekündigte extra Stempelgebühr, für die diese Grenze so berüchtigt war.
Doch unser Glück war nur von kurzer Dauer, da wir jetzt einen Transport bis nach Krong Koh Kong benötigten und der Grenzposten in fester Hand der Taximafia lag. Wie wir später erfuhren, sollte man sich mit denen auch auf keinen Fall anlegen, da die wohl auch gerne mal Schlägertrupps bilden und Abends bei deinem Hotel vorbeischauen. Ob das wirklich stimmte, kann ich nicht sagen.
Es wurden 300 Baht für die 7 Kilometer gefordert. Das es teuer werden würde, war uns klar gewesen, nur dass es so teuer werden sollte, dass hatten wir nicht erwartet.
Kurze Szenenbeschreibung. Es regnet immer noch in strömen. Wir standen in voller Montur mit den auf Dauer doch schwerer werdenden Rucksäcken in einer Traube von Männern, die uns nicht für unter 250 Baht transportieren wollten. Florian hing derweil auf Christians Bauch unter dem Regencape und brüllte wie am Spieß. Der Verhandlungsführer sprach verdammt gutes Englisch, war aber zu keinem Kompromiss bereit. Wir fragten bei den Mofa-Taxis nach. Unter 200 Baht kamen wir nicht, dazu hätten wir auch die Kinder alleine auf ein Mofa setzen müssen. So viel Vertrauen hatte ich dann doch nicht.
Wir standen und warteten und diskutierten. Christian und ich waren hilflos, wussten nicht, was wir tun sollten. Wir fragten vorbeikommende Mädels, ob sie sich mit uns ein Taxi teilen wollten, diese hatten aber schon eine gebuchte Tour. Als ich bei deren Tour-Taxi nachfragte, ob es uns mitnehmen könne, hieß es nur, sie seien voll. Eine halbe Stunde später verließ das Tour-Taxi mit nur drei Personen die Grenze. Hoffnungslosigkeit. Es regnete immer noch. Weitere Diskussionen. Der Rädelsführer fing plötzlich an, von 100 Dollar (das war jetzt wirklich viel Geld!) für eine Tour nach Sihanoukville zu reden. Wir mussten unbedingt hier raus. Die geforderten 250 Baht für die 7 Kilometer Taxifahrt nach Krong Koh Kong wurden nun auch noch an weitere Bedingungen, wie die 100 Dollar für die vermeintliche Tour nach Sihanoukville, geknüpft. Dabei war es völlig unklar, ob das Taxi uns wirklich nach Krong Koh Kong bringen würde, geschweige denn nach Sihanoukville, und wieviel wir am Schluss wirklich los sein würden.
Wir mussten hier raus! Bis auf Florian schlugen sich die Kinder echt tapfer. Dann plötzlich, nach über einer Stunde im Regen stehen und diskutieren, sahen wir einen Traveler in einen Pick-Up steigen. Christian war sofort zur Stelle, rannte vor den Wagen und fragt ihn, ob er uns mitfahren ließe. Wir mussten so schnell wie möglich aus dieser Situation heraus, bevor es hier eskalierte. Der Traveler hatte nichts dagegen. Der Pick-Up-Fahrer aber wehrt sich. Ich flehte ihn an und verwies auf das Baby, dass mittlerweile das Schreien eingestellt hatte. Christian zog das Regencape von sich und zeigt ihm den total erschöpften Florian. Der Pick-Up-Fahrer war verzweifelt. "Sie tun mir etwas an, wenn ich euch mitnehme" flüstert er und schaute zu der unruhig werdenden Meute hinüber. Ich flehte weiter und schob derweil die Kinder auf die Ladefläche des Pick-Ups. Er hatte keine Wahl mehr, wir saßen schon auf dem Wagen. Nach heftiger Diskussion mit dem Rädelsführer brauchte er sofort 200 Baht Schutzgeld von uns, die er sofort an diesen abgeben musste, so dass er uns quasi umsonst mitgenommen hat. In der Situation war es mir egal, da wir und vor allem die Kids aus dieser Situation raus mussten.
Der Tag war hier aber noch nicht zu Ende. Auf die Ladefläche stieg noch einer der Mafiosis als Wachhund, um sicher zu stellen, dass nichts außerhalb ihres Sinnes von statten ging. Selbst wenn wir dem Pick-Up-Fahrer noch etwas extra hätten geben wollen, hätte es der andere Typ sofort einkassiert.
Die Straße nach Krong Kho Kong war gut ausgebaut und es herrschte auch wieder Rechtsverkehr. Der Regen peitschte uns während der Fahrt heftigst ins Gesicht, wobei meine Tütenwirtschaft durchaus Wirkung zeigte und nur wenige Teile unseres Gepäcks wirklich nass wurden. Leider konnte ich den Josua nicht in eine Tüte packen. Sein Regencape war schon in Thailand kaputt gegangen und er hatte die ganzen letzten Stunden behelfsmäßig den Regenschutz für den Rucksack genutzt. Dass das auf so lange Zeit nicht erfolgversprechend ist, ist wohl einsehbar. Josua war pitschnass.
In Krong Kho Kong eintreffend wurden wir fast ins Mittelalter zurück katapultiert. Hier war jetzt die "Dritte Welt", welche ich in Thailand erwartet hätte, dort aber positiv überrascht worden bin, um hier in Kambodscha den totalen Kulturschock zu bekommen. Die Straßen verwandelten sich in Schlammpisten. Diese Bezeichnung war eine Schmeichelung, bei diesen Wetterverhältnissen. Es lag überall Müll herum, durch den die Passanten wateten. Horden von Männern, die an Straßenecken rumlungerten, während kaum Frauen zu sehen waren.
Wir stiegen am Markt aus, oder besser gesagt, dort wo die größte Müllkippe war und hatten Gott sei Dank in Trat noch einen extra Führer für Kambodscha gekauft, so dass wir jetzt eine Karte zur Hand hatten. Den selben Fehler wie in Kamphaeng Phet wollten wir nicht nochmal begehen.
Durch den Regen, Schlamm und Müll kämpften wir uns unseren Weg zu dem Guest-Haus welchem, in dem schon eine ganze Reihe von Travelern saßen, die alle total erledigt von dem Grenzübertritt waren.
Eine sonderbare Atmosphäre, wenn Gruppen von Personen zusammentreffen, die alle ähnliches durchgemacht haben. Endlich ließ der Regen nach und wir wagten uns auf eine Erkundungstour durch Krong Kho Kong. Trotz der 26 Grad war es verhältnismäßig frisch, was ich in der Nacht noch sehr zu spüren bekommen sollte.
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| A little bit exhausted after that border crossing. (Krong Kho Kong, Cambodia) |
Krong Kho Kong mit seinen 33100 Einwohnern ist eine Stadt der Illegalität: Prostitution, Schmuggel und die in Thailand verbotenen Kasinos sind das Image dieser Stadt. Wobei wir die Kasinos nicht wahrgenommen haben.
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| The sunset seemed so quiet. (Krong Kho Kong, Cambodia) |
Eigentlich war die Stadt ganz friedlich. Unmengen von Kindern, die auf den Straßen spielten und Florian der einfach jedem ein Lächeln entlockte.
Wir haben uns dann an eine dieser Essensstandeinrichtungen hingesetzt, Müll und Schlamm ignoriert und etwas gegessen. Unser Vorgehen war dies Bezüglich folgender Maßen: Wir haben in jeden Topf hineingeschaut und dann gesagt, welches dieser uns unklaren Gerichte wir wollten. Dazu gab es wie immer Reis. Florian war ja ein Fan von Klebereis. Sobald der den sah, spuckte er alles andere aus und machte solange Theater, bis er seinen Reis bekam. Zum Reis gab es auch noch kalten Tee und bevor ich noch "Stop" rufen konnte, hatte Josua das Glas schon ausgetrunken.
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| A strange dinner at a strange place. (Krong Kho Kong, Cambodia) |
Oh Gott! Hoffentlich würde das gut gehen, denn kurz darauf durfte ich Zeuge werden, wie sie mit den Gläsern umgingen. Sobald neue Kunden kamen wurden die Gläser der alten Kunden einfach genommen, Reste ausgekippt und neuer Tee eingefüllt. Die ganz sorgfältigen haben den Glasrand mit einem Tuch noch abgewischt. Teu! Teu! Teu!
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 1. August 2008
Kulturschock die Zweite –- Auf dem Weg nach Sihanoukville (Krong Koh Kong nach Sihanoukville, Kambodscha)
Nach einer ungemütlichen Nacht auf einem Brett als Bett haben wir uns beim Guest-Hausbetreiber Bustickets nach Sihanoukville, eine Stadt an der kambodschanischen Küste, besorgt. Man zahlt in Kambodscha leider nicht pro Person, sonder pro Sitzplatz. Dies bedeutet, dass wir für die Kinder zwar nur den halben Preis bezahlt haben, aber diese sich auch einen Platz teilen mussten.
Das einst so populäre Boot, welches nach Sihanoukville fuhr, hat die Preise wohl so überzogen, dass keine Touristen mehr damit gefahren sind und sie die Bootroute einstellen mussten.
Die Reisebusse, es war eine ganze Armada, die in Krong Kho Kong startete, fuhren als einzige auf den neu gebauten Straßen Richtung Sihanoukville und Phnom Phen (Haupstadt von Kambodscha).
Die Busfahrt entsprach endlich den viel berichteten Vorurteilen. Lausig kalt und im Fernsehen eine für uns unverständliche Comedy-Sendung in voller Lautstärke am laufen.
Auf dem Pausenparkplatz auf halber Strecke befand sich ein Verkäufer, der Baguettes mit undefinierbaren Belägen verkaufte. Eine ganze Gruppe von Westlern versuchte den Mann zu überreden, ihnen nur die Baguettes ohne irgend etwas zu verkaufen, was auch mein Plan gewesen war. Aber der Mann weigerte sich hartnäckig, mit dem Resultat, dass keiner bei ihm etwas gekauft hat.
So und jetzt muss ich meinem Ärger über unseren Reiseführer Luft machen. Für Thailand waren die Angaben alle weitgehend akkurat und solch eine Masse an Informationen zusammenzutragen und aktuell zu halten, ist eine wahnsinns Leistung. Dennoch hätten wir uns für den Kambodschateil Informationen gewünscht, die uns besser auf das was einen hier erwartet besser vorbereitet hätte. Das der Autor Kambodscha anscheinend über alles liebte und mit seiner kambodschanischen Frau in Phnom Phen sehr glücklich war, ist ja in Ordnung, nur sollte dabei die Wirklichkeit, die vielleicht andere als erstes wahrnehmen, nicht ganz außer Acht gelassen werden. Wie groß die Armut ist, die man hier antrifft und wie weit der Weg noch ist, bis Kambodscha an seine Nachbarländer anschließen kann, wären sehr hilfreich für uns gewesen.
Kurz vor Sihanoukville hatte der Bus angeblich einen Platten und wir mussten aussteigen und zusehen, wie wir weiter kommen. Lustigerweise standen die Tuk Tuks und Mofa-Taxis schon bereit. Wohl gemerkt, zwei Kilometer vor der Stadt. Den vorherigen Tag noch nicht verdaut, ging es gleich weiter. Wir waren noch nichtmal ausgestiegen, da waren wir schon von einer Horde Männer umringt, die nicht nur verbal nervte, sondern sogar handgreiflich wurde. Und da hörte dann der Respekt von unserer Seite auf. Wer meinte, Ausländern gegenüber sich nicht an seine eigenen kulturellen Regeln halten zu müssen, konnte von uns nicht erwarten, dass wir uns in solch einer Situation an ihre halten. Angeblich soll man ja nicht laut werden, nur dass war uns in diesem Moment egal. Wer anfing unsere Kinder zu begrabschen und versuchte, sie von uns zu trennen, musste sich nicht wundern, wenn dann auch der Christian sich mit seinen 1,90m vor diesen Wichten aufbaute und mehr als laut und deutlich wurde. Andere Traveler, die selber der Belästigung unterlagen, wurden ebenfalls extrem Laut und gingen zwischen die Kinder und die Tuk Tuk Fahrer.
Als sie mich auch meinten, anpatschen zu müssen, meinte ich nur, ob sie denn wollten, dass ihre Frauen von fremden Männer belästigt würden. Damit hörte dieses unsägliche rumgezerre und auch nach dem Gepäck greifen auf. Die Kambodschaner konnten im Schnitt recht gutes Englisch, so dass sie uns auch verstanden.
Wir kämpften wieder bitter um den Preis. Der Tuk Tuk Fahrer meinte, wir seien doch fünf Personen und ich schaute ihn auch nur an, dann die Kinder und dann wieder ihn. Wir haben dann einfach unseren Mitreisenden Traveler noch mit in das Tuk Tuk gequetscht und gut war, auch wenn der Fahrer schimpfte.
Leider hatte der Tuk Tuk Fahrer keinen blassen Schimmer von den existierenden Guest-Häusern. Er wollte uns nur dahin bringen, wo er Kommission bekam. Wir sind dann ausgestiegen und zu Fuß weiter, auf der Suche nach den Unterkünften, die im Führer attraktiv klangen.
Leider wurden wir den Tuk Tuk Fahrer nicht wieder los. Er fuhr die ganze Zeit hinter uns her und wollte uns dann kostenlos weiter fahren, da er ja so kinderfreundlich sei.
Wir fanden auch ohne sein freundliches Angebot ein Guest-Haus gleich am Strand.
Dieser stellte sich leider am ersten Abend nicht so reizvoll dar. Alle paar Meter floss eine Kloake des dortigen Guest-Hauses oder Bar ins Wasser und ständig wurde wir bedauerlicher Weise von Bettlern oder Kindern, die etwas verkaufen wollten, angesprochen.
Sehr anstrengend und sehr beklemmend. Wie geht man mit so offener Armut um?
Hier ein erstes Fazit zu Kambodscha. Die Busfahrt bewegte sich zwar durch wunderschöne Landschaft mit blauen Flüssen und reizvollen Bergen, die quasi zum Trecking einladen, wenn da nicht die vielen Mienen wären. Auch diese auf Stelzen gebauten Holzhäuser, mit den auf den Reisfeldern arbeitenden Menschen und den Wasserbüffeln die die Felder pflügen, entsprechen voll und ganz den Bildern, die ich durch die Geozeitschriften im Kopf hatte. Sehr idyllisch , sehr ursprünglich und sehr romantisch!?
Jetzt aber mal Klartext. Auf dieser Straße, auf der wir unterwegs waren, fuhren nur die Touribusse und sonst nichts und niemand. Kambodscha schien so arm, dass es auch in den Städten hier so gut wie keine Autos gab. Die romantischen Reisbauern taten dieses bestimmt nicht alle, weil sie so begeistert vom Reisanbau waren, sondern um irgendetwas zu Essen zu haben. Daran sollte man auch die hiesigen Prostituierten erkennen können, die mit Westlern unterwegs waren. Sie waren erheblich besser genährt als viele andere hier im Land. Beim Busstop gab es bei den Toiletten nicht mal Waschbecken und nebenan gab es dann das Essen. Die Hüttenidylle auf dem Lande hielt auch nur solange an, bis irgendwo jemand ein Geschäftchen hatte, wo Tüten mit Chips und so verkauft wurden. Schon umgab die Hütten ein Schleier aus Müll. Also schloss ich daraus, dass dort wo kein Müll rumlag entweder kein Geschäft oder kein Geld oder beides war.
Überall standen zusammengerottete Horden von Männern. Ein Phänomen, welches ich jetzt schon öfters in Entwicklungsländern gesehen habe. Es wurde sich in den Schritt gefasst, rumgerotzt oder gegen die Wand gepinkelt. Das Geld schienen vor allem die Frauen zu verdienen. Diese saßen hinter ihren Ständen und arbeiteten, waren bis jetzt sehr viel umgänglicher, freundlicher und lächelten auch zurück.
Beeindruckend waren die Unmassen an Kindern hier im Land. Rund 40 Prozent der Bevölkerung sollten unter 15 Jahren sein. Babys und Kleinkinder trugen keine Windeln, sondern machten einfach dort hin, wo sie gerade waren. Und auch Schnuller schienen weitgehend unbekannt, da wir gefragt wurden, wofür denn Florian so etwas hätte. Erstaunlicherweise stieß auch unser Tragetuch auf Verwunderung. Was ich wiederum verwunderlich fand, da ich angenommen hatte, dass man hier seine Kinder, ähnlich wie in Mittelamerika, tragen würde. Und Lydia bemerkte, dass die Frauen hier, aus unserer Perspektive, alle Schlafanzüge trugen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 2. August 2008
Galgenhumor (Sihanoukville, Kambodscha)
Nach einer vollen Nacht schlafen und Baguettes plus selbst gekochtem Kaffee auf unserem Kocher sah die Welt schon gleich wieder ein bisschen netter aus.
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| The first own cooking in Asia. (Sihanoukville, Cambodia) |
Leider war der Strand an dem wir wohnten rund 1,5 Kilometer vom Zentrum Sihanoukvilles entfernt und es gab sonst gar nichts, was man als Selbstversorger kaufen hätte können, ohne dafür in die sehr teuren Traveler Shops zu müssen, so dass wir erstmal eine kleine Wanderung vor uns hatten, um an Essbares zu kommen. Die zwei Supermärktchen, die wir hier gefunden hatten, schienen besonders auf die Bedürfnisse der Expats ausgelegt zu sein. Hauptsächlich importierte Lebensmittel aus Amerika und Europa zu sehr stolzen Preisen.
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| Beech impressions. (Sihanoukville, Cambodia) |
Das es hier Baguettes gab, erleichterte für uns die Mahlzeitengestaltung erheblich, denn Morgens, Mittags, Abends immer nur Nudeln und Reis, das war für Mitteleuropäer wie uns auf die Dauer echt anstrengend. Wir hatten sogar Kartoffeln gesichtet, was ja auch mal wieder eine nette Abwechselung wäre.
An die Tuk Tuk Fahrer musste man mit einem gewissen Galgenhumor herangehen, wenn die einen schon wieder belästigten mit "Hallo Mister, Tuk Tuk". Lustigerweise riefen das auch schon die ganz kleinen Jungen, ohne das ich glaubte, dass diese wirklich wusste warum man das sagt, wirkte es wie eine Begrüßungsformel für Ausländer. Wir Tuk Tukten dann höflich zurück.
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| It could be so nice. (Sihanoukville, Cambodia) |
Auch der Strand wurde ruhiger. Ich weiß nicht, was da gestern los war. Nicht, dass die arbeitenden Kinder weniger bedrückend gewesen wären, aber es war überschaubarer geworden.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 3. August 2008
Malaria!? (Sihanoukville, Kambodsch)
Heute Nacht hatte Florian hohes Fieber entwickelt. Panik!
War es nur ein Infekt, oder hatte er sich eine Malaria eingefangen?
Bitte nicht, nicht dass schon hier unsere Reise zu Ende sein sollte.
Florians Fieber stieg über den Vormittag auf über 40 Grad. Er lag dort und windete sich jammernd von einer Seite zur anderen.
Was tun? Was tun?
Christian machte sich auf den Weg zum Stadtzentrum, um einen Malariaschnelltest zu bekommen. Eine Stunde später kam er unverrichteter Dinge wieder zurück, da es so etwas in den Apotheken nicht gab.
Florian windete sich weiter und unser Paracetamolvorrat war fast zu Ende. Es tat mir in der Seele weh, Florian so leiden zu sehen. Schlimmer noch. Dafür verantwortlich zu sein, dass er sich in so einem Zustand befand. Mir standen die Tränen vor Verzweiflung in den Augen.
Ich betete, dass es keine Malaria sei.
Sollten wir ihm einfach die Malariaprophylaxe geben? Immerhin hatten wir diese für genau solche Situationen mitgebracht, wenn jemand irgendwo Fieber entwickelt und keine schnelle medizinische Hilfe in der Nähe ist.
In Khrong Kho Kong hatten wir einen Deutschen getroffen, der in Sihanoukville wohnte und auf dem Weg zur Grenze war, um sein Visum zu verlängern. Er meinte im Gespräch auch nur, wer durch Kambodscha reist muss sehr gesund sein, da es keinerlei vernünftige medizinische Hilfe gäbe.
Scheiße, jetzt hingen wir hier mit unserem Würmchen und wussten nicht weiter.
Der Typ hatte aber auch in einem Nebensatz erwähnt, wenn man medizinische Hilfe brauche, dann solle man zu Dr. Xu im Peace Hospital in Sihanoukville fahren. Dieser chinesische Arzt hätte seinen Kumpel hervorragend wieder zusammengeflickt, nachdem ihm eine Arterie am Bein gerissen sei.
Peace Hospital, klang nicht sehr vertrauenswürdig. Der Guest-Hausbetreiber hate auch noch nie etwas davon gehört. Genauso wenig der Tuk-Tuk Fahrer, den wir fragten, denn mit einem fiebernden Kind wollten wir nicht erst zwei Kilometer durch die Stadt laufen. Auf einer unserer Karten war dieses Peace Hospital Gott sei Dank eingezeichnet.
Die Karte dem Tuk-Tuk Fahrer gebend machten wir uns also auf den Weg zu Dr. Xu.
Hoffentlich handelte es sich um eine seriöse Einrichtung.
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| The peace hospital. It looks moe like a garage. (Sihanoukville, Cambodia) |
Der erste Eindruck war ernüchternd. Ein großer, zur Straße hin offener garagenartiger Raum (wie hier auch bei Geschäften üblich), an dem rechts drei Krankenbetten standen die ihre besten Zeiten schon hinter sich hatten, ich würde sagen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, könnten aber auch von noch früher gewesen sein. In den Betten lagen zwei Gestalten, welche irgendwelche Infusionen bzw. Sauerstoff aus einer rostigen mindestens drei Meter hohen Flasche bekamen. Hinter einem Schreibtisch vor vergilbten chinesischen Anatomiepostern saß ein schlecht gekleideter Mann, der gerade seine Mückenstiche mit Creme einschmierte und kein Wort Englisch sprach. An sich sprach er kein Wort mit uns. Er stand nach Beendigung seiner Mückenstichbehandlung einfach auf, setzte sich vor den zentral aufgestellten Fernseher, zog die Schuhe aus und zappte sich durch das Programm.
Ob wir hier wirklich richtig waren? Zweifel machten sich breit, aber die Verzweifelung ließ uns ausharren. Eine Frau mit rudimentären Englischkenntnissen kam aus dem hinteren Teil der Garage auf uns zu und fragte, was sie für uns tun könne. Wir schilderten unsere Sorgen bezüglich Florians Gesundheitszustandes und fragten nach Dr. Xu. Sie nickte, ich war aber nicht so sicher, ob sie mich verstanden hatte. Wir wiederholten nochmal Dr. Xu. Sie verwieß darauf, dass sie ihn anrufen würde. Erleichterung, der Typ vor dem Fehrnseher war nicht der gesuchte Arzt. Das ließ hoffen.
Die Arzthelferin füllte dann einen Laborschein aus und zeigte uns, dass sie gerne Malaria, Dengue, Thyphus und die Infektionswerte testen würde. Wir waren mit allem einverstanden, dennoch waren wir mittlerweile so geübt, dass wir selbst in solch einer Situation erstmal nach dem Preis fragten. 20 Dollar war mehr als akzeptabel, immerhin hätte der Malariaschnelltest in der Apotheke in Deutschland 25 Euro gekostet.
Wir warteten auf angegrauten Plastikstühlen gegenüber der Krankenbetten. Worauf war mir unklar. Hoffentlich auf Dr. Xu. Nach ca. 15 Minuten tauchte ein junger Mann mit gebügeltem Hemd und Lackschuhen auf einem Mofa auf. Er grüßte nicht und sagte auch sonst nichts, schien aber viel zu jung für einen Arzt zu sein. Er griff zu einem Stick, piekste Florian nach ausreichender Desinfektion, in den Finger und nahm zwei Röhrchen mit Blut ab. Dann bestieg er ohne ein Wort mit Florians Blut sein Mofa und war auch schon wieder weg, hoffentlich zum Labor. Florian schie jetzt wieder wie am Spieß und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Das Fieber stieg wieder und wir gaben ihm noch ein Paracetamolzäpfchen.
Als ich bei der Dame nachfragte, wie es denn weiter ginge, sagte sie, dass wir rund 30 Minuten auf die Laborergebnisse warten müssten.
Dreißig Minuten können so lang sein. Und was hätten wir getan, wenn Florian tatsächlich Malaria hatte. Ein Flugzeug in Sihanoukville ergattern, nach Phnom Phen fliegen, um dann weiter nach Bangkok zu kommen? Wie lange würde das wohl dauern, bis wir in einer adäquaten medizinischen Einrichtung ankommen? Wenn das Peace Hospital das beste ist, was man hier bekommen konnte?
Der schnittige Typ vom Labor tauchte tatsächlich nach einer halben Stunde wieder auf, mit einem Wisch in der Hand. Zeitgleich fuhr ein alter BMW aus den 80ern vor (bemerkenswert, in einem Land fast ohne Autos) und ein Herr legere gekleidet stieg aus. Man konnte den Eindruck gewinnen, der Herr käme gerade von der Gartenarbeit. Er stellte sich als Dr. Xu vor und er kam bestimmt gerade aus seinem Garten, denn es war ja Sonntag. Christian und mir war durch unsere Tour nach Kambodscha ein Tag verloren gegangen, so dass wir fest davon überzeugt waren, es sei erst Samstag.
Und dann die große Erleichterung, alle Laborergebnisse waren negativ, nur der Wert für eine Infektion war erhöht. Erstmal tief durchatmen und wieder entspannen. Alles war im grünen Bereich. Keine Malaria, kein Typhus, kein Dengue!
Erst im Nachhinein wurde uns klar, wie angespannt wir gewesen sein mussten, da die Erleichterung ungleich stärker wirkte. Schon gegen 20 Uhr sind wir alle ins Bett gegangen, total fix und fertig. Florian war einfach nur krank.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 4. August 2008
Kambodscha – ein unverständliches Land (Sihanoukville, Kambodscha)
Heute stand außer Schule und rumhängen nichts weiter auf dem Plan. Ach ja! Und natürlich Florians Genesung.
Schule war ein immer währender Streitpunkt. Josua vergeudete die meiste Zeit mit rummaulen und Lydia bekam den Fuß nicht auf den Boden. Bei Lydia wollten wir ja eigentlich die fünfte Klasse nur schnell noch mal wiederholen, um dann mit der sechsten zu beginnen, aber das konnten wir knicken. Die Lücken, die Lydia im Schulstoff aufwies, waren einfach viel zu groß. Also haben wir gemeinsam beschlossen, dass Tempo zu reduzieren und auf Klasse sechs vorerst zu verzichten. Auch beim Josua mussten wir das Lerntempo entschleunigen, da er im Moment alles durcheinander warf und sich nur schlecht konzentrieren konnte. Ich muss dazu sagen, dass das Lernen hier nicht ohne war. Überall gab es Ablenkungen und Florian war echt ein nerviger Quälgeist, wenn ihm nicht die volle Aufmerksamkeit gehörte. Dazu kam hier im Guest-Haus noch hinzu, dass wenn man direkt am Meer sitzten wollte, ständig Verkäufer vorbeikamen, gerade auch Kinder, was nochmals eine ganz eigene Brisanz besaß, die auch Lydia und Josua wahrnahmen.
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| It could be such a wonderfull place. (Sihanoukville, Cambodia) |
Was mich zum nächsten Thema bringt. Die Entwicklungshilfe vor Ort. Es gab hier so ein Malprojekt, welches angeblich die Kinder vom Strand einsammelte und ihnen auch Bildung zugute kommen lassen wollte. Ich fragte mich nur, wann sie das machen. Montags Morgens schien es nicht zu sein, da die Kids weiterhin am Strand Sachen verkauften. Überhaupt kamen Fragen auf, wo und wie die EU ihre Gelder im Ausland einsetzte. Stand hier am Wochenende so ein fetter Geländewagen aus Phnom Phen vor einem der teureren Guest-Häuser mit dem Aufdruck, European Union Election Observer 2008. In einem Land, in dem es so gut wie keine Autos gab. Hmm? Wenn man statt solcher Monsterfahrzeuge und den dazugehörigen Gehältern den Kindern hier die Möglichkeit gäbe, ohne existentielle Sorgen zur Schule gehen zu können. Wieviele Kinder könnten wohl für wie lange von solchen Geldern die Schule besuchen? Aber wahrscheinlich hatte ich da nur etwas missverstanden. Es waren ja Wahlen die Tage, so dass die Wahlbeobachter nur ihrer Arbeit nachgegangen sind.
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| It seems so peacefull. (Sihanoukville, Cambodia) |
Hier in Kambodscha wurden wir direkt und unmittelbar mit allen möglichen Unverständlichkeiten, die eine Gesellschaft zu bieten hatte, konfrontiert. Wir kamen gar nicht so schnell hinterher, wie die Eindrücke auf uns hernieder prasselten. Ähnlich wie der unsägliche Regen, der hier auf uns herab regnete.
Kambodscha erwies sich trotz, oder gerade wegen aller Schwierigkeiten als sehr lehrreich. Aber wir suchten ja die Herausforderung und die hatten wir als Traveler-Neulinge hier auf jeden Fall gefunden.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 5. August 2008
Es regnet! (Sihanoukville, Kambodsch)
Nachdem Florian den Infekt überwunden hatte, hat ihn Josua bekommen und wir durften uns in innerer Ruhe üben, da wir weder etwas machen, noch Sihanoukville verlassen konnten. War auch egal, denn warum heißt die Regenzeit Regenzeit? Wegen dem ganzen Regen.
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| There is no such thing as wrong weather, only the wrong clothing. (Sihanoukville, Cambodia) |
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 6. August 2008
Immer noch in Sihanoukville (Kambodscha)
Das war hier echt nicht mehr schön. Es goss seit Tagen und zwar nicht nur ein kurzer Schauer, sonder non-stop in einer Heftigkeit, die ihresgleichen suchte. Sollte aber eher untypisch sein, auch für hiesige Verhältnisse. Das brachte uns nur im Moment gar nichts.
Man konnte von den Tuk Tuk Fahrern halten was man wollte, im Prinzip waren es ja nur arme Schweine und der, der uns zum Krankenhaus gefahren hatte, kam sogar nochmal vorbei, um zu fragen, ob es Florian wieder gut ginge. Total süß.
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| Our street with a lot of Tuk Tuks. (Sihanoukville, Cambodia) |
Wir haben noch das Visum für Vietnam in Sihanoukville besorgt, da es dort die schnellsten und günstigsten Vietnamvisa der Welt geben sollte. Schnell stimmte auf jeden Fall, bezahlt haben wir dennoch 37 Dollar pro Person auch für die Kinder, einschließlich Florian.
Da es wie immer goss, haben wir uns von Dach zu Dach über zwei Kilometer zu unserem Guest-Haus zurückgehangelt. Wenn man verstanden hatte wie es ging, dann wurde man auch so gut wie nicht nass. Wir hatten nämlich unsere Regencapes vergessen. So ein Mist.
Sobald einer der ganz starken Schauer vorbei war, liefen wir solange bis die nächste schwarze Wolkenfront auftauchte, stellten uns unter ein Dach und warteten 10 bis 30 Minuten den Schauer ab. Dann ging es weiter. Alles, was man dafür brauchte, war Zeit. Unser eigentliches Problem mit dem Regen war, dass das Tragetuch nicht nass werden durfte, da dieses sonst nicht mehr trocken würde und Florian die ganze Zeit in einem Feuchtbiotop durch die Gegend zu schleppen, schien mir ausgesprochen ungünstig.
Es wunderte mich übrigens nachhaltig, dass Tragetücher hier nicht üblich, geschweige denn bekannt zu sein schienen. Kinder wurden nur auf dem Arm getragen, da es auch so gut wie keine Kinderwagen gab.
Ein anderes Mysterium war das Einkaufen hier. Zum einen handelten die Frauen auf dem Markt so gut wie gar nicht mit Ausländern. Ich hatte es mehrfach versucht, aber es wurde zum Teil nichtmals verstanden, was ich von ihnen wollte. Dazu kamm, dass die Verkäuferinnen schon immer irgendetwas in Tüten einpackten, bevor wir den Preis geklärt hatten. Es schien unüblich, nach etwas zu fragen, was nicht unbedingt gekauft werden wollte. Dazu kam, dass es immer gesonderte Preise für Ausländer gab. Verständlich angesichts der große Armut aber in der Situation dadurch nicht angenehmer.
Jetzt wussten wir wenigstens, wie sich Diskriminierung anfühlte. Angeblich lag das historisch darin begründet, dass in den 90er Jahren ein Großteil der Entwicklungshilfe in die Gehälter der jeweiligen Entwicklungshelfer geflossen ist, so dass die einzige Möglichkeit für die Menschen hier an dieser Entwicklungshilfe zu partizipieren war, die Preise für Mieten und Lebensmittel für Ausländer so hoch anzusetzen.
In einem Straßenrestaurant war uns folgendes passiert. Wir bekamen eine Speisekarte, die auf der einen Seite in Khmer und auf der anderen Seite in Englisch verfasst war. Da die beiden Menüs absolut identisch aufgemacht waren, ging ich davon aus, dass es sich um die selben Gerichte handelte. Nur die in englischer Schrift kosteten einfach mal mehr.
Das man die Dinge nicht so eng sehen soll und man ja Verständnis für die Menschen in so armen Ländern aufbringen muss, dem stimme ich voll und ganz zu. Jetzt! In der Nachschau geht das immer prima. Mit einem gefüllten Kühlschrank und einem Wasserdichten Dach über dem Kopf, habe ich vollstes Verständnis dafür, das viele Kambodschaner echt arme Schweine sind. Nur in der Situation und jeden Tag aufs Neue so unangenehm schlecht behandelt zu werden, da konnte einem schon mal ganz schnell der Weitblick verloren gehen. Ich möchte auch gerne noch anfügen, dass wir immer gerne Geld ausgegeben haben, wenn wir auf Menschen getroffen sind, die nicht ständig versuchten mit allen Mitteln uns auszunehmen.
Zum Beispiel erinnere ich mich an die im Gegensatz zu ihren Mitstreiterinnen sehr freundliche Baguetteverkäuferin in Sihanoukville. Ihr freundliches Lächeln hat überzeugt, so dass sie mit uns bestimmt ein sehr gutes Geschäft gemacht hat, da wir fast jeden Tag da waren und rund 20 Baguettebrote gekauft haben. Die waren etwa so groß wie ein halbes Baguette in Deutschland. Lydia hat davon Morgens und Abends immer mindestens zwei verdrückt. Die fraß uns im Moment die Haare vom Kopf. Zumal sie mich jetzt fast von der Größe eingeholt hatte.
Apropos Haare. Was hatten die Kinder blonde Haare bekommen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 7. August 2008
Von Sihanoukville nach Phnom Penh (Kambodscha)
Nachdem wir am Vorabend feststellen mussten, dass unsere Bustickets auf das falsche Datum ausgestellt waren und ich schon Panik bekam, noch einen Tag länger in Sihanoukville meine Lebenszeit verschwenden zu müssen, regelte sich das Ganze Gott sei Dank noch, so dass wir heute auch fahren konnten. Wir sind, nachdem wir extra um 5:30 aufgestanden waren, im strömenden Regen mit unserem Gepäck fast zwei Kilometer die Berge zur Busstation hochgewandert.
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| The streets of Shianoukville. (Cambodia) |
Ich muss echt sagen, was die Kids hier hinbekommen haben, ist echt beeindruckend. Auch wenn es nicht immer reibungslos von statten ging. Josua machte oft einen riesen Aufstand unterwegs, obwohl er es wirklich gut machte und auch konnte. Aber irgendwie fehlte ihm da nachhaltig das Selbstvertrauen. Dazu kam, dass wir seit einigen Tagen einen kleinen Zwist mit unseren Kindern und insbesondere mit dem Josua über Luxus führten. Das Leben, welches wir hier zur Zeit führten, war weit, weit weg von dem, was die Kids gewohnt waren. Und Kambodscha lieferte sein übriges. Träumen von den Dingen, die man vermisst, essen würde oder wo man jetzt gerne wäre ist total in Ordnung. Das gehört dazu und es geht uns ja gerade auch darum, den Kindern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, wie gut es uns in Europa geht, und dass all diese Dinge nicht selbstverständlich überall auf der Welt sind. Doch Josua trieb es echt zu weit. Ständig war er am rumjammern. Das Meerwasser sei ihm zu kalt, also blieb er draußen sitzen. Ich fand die Ostsee kälter. Das Duschwasser war ihm auch zu kalt, so dass er einen riesen Aufstand machte, zu duschen. Nach rund sechs Wochen kann man sich langsam daran gewöhnt haben, denn auch hier gilt, dass kalt relativ ist. Das Wasser erwärmte sich durch die Außentemperatur schon sehr gut, so dass man nicht erfror.
Wir waren gestern noch am Nachbarstrand Sokha Beach in Sihanoukville, an dem ein Resort liegt und der nur für Ausländer zugänglich war. Ausnahmsweise mal ein unvermittelter Vorteil. Dieser Strand sah so aus wie aus dem Werbeprospekt. Sauber, gepflegt, einsam. Leider haben wir den Strand erst am letzten Tag gefunden, da er eigentlich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein sollte. Bezog sich aber wohl nur auf die Kambodschaner, denn bei Westlern wusste der Wachmann vermutlich nicht, ob man Gast im Hotel ist, oder nicht.
Hier ging es dann schon wieder los. Warum sind wir nicht in diesem Hotel, dass ist doch alles viel schöner hier und, und, und.
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| This beach is only for tourists. (Shianoukville, Cambodia) |
Es war dort nach unserer Auffassung auf jeden Fall schöner als am Serendipity Beach, wo wir gewohnt haben, aber dieses Ressort Hotel hätte sonst wo auf der Welt stehen können. Es ist einfach nichts, was in so ein Land passt, da es mit dem Land nichts zu tun hat. Und wenn unsere Kinder mal groß sind und ihr eigenes Geld verdienen, dann dürfen sie in alle Ressort Hotels dieser Welt reisen. Kambodscha wurde in diesem Ressort ausgesperrt, so dass die dort Urlaub machenden Touristen dieses Land nicht ertragen müssen, oder sich in ihr gewohntes Umfeld zurückziehen können, wenn sie genug haben von all den fremden Eindrücken. Wir waren aber hier, um Kambodscha nicht nur anzusehen, sondern vor allem auch zu fühlen.
Zurück zum heutigen Tag. Der Bus nach Phnom Penh war dank Klimaanlage mal wieder schweinekalt, so dass wir mit unseren nassen Klamotten die Fahrt über ganz schön gefroren habe, und die Videoclips mit schmachtenden Jungen und Mädchen, die auf dem Busfernseher ununterbrochen in voller Lautstärke sagen, haben es nicht erträglicher gemacht. Dafür war die Landschaft auch bei Regen unschlagbar schön.
Gegen Mittag waren wir dann in Phnom Penh, einer großen und total zugemüllten Stadt mit über 1,5 Millionen Einwohnern. Wir dachten ja, Sihanoukville wäre anstrengend, aber die kambodschanische Hauptstadt übertraf im ersten Moment alles. Dagegen war Sihanoukville eine aufgeräumte und gepflegte Kleinstadt am Meer. Es war unglaublich anstrengend, sich hier fortzubewegen. Viele Autos und noch mehr Mofas, die konzeptlos durch die Gegend fuhren und den Passanten das Leben zu einem Spießrutenlauf machten.
Christian ist dann auch noch, zur Erheiterung aller anwesenden Kambodschaner, in so einen riesigen, schwarzen Haufen getreten und fast bis zu den Knien eingesunken. Sehr eklig! Der sah im ersten Moment wie ein geteertes Stück Straße aus, nur Teer war kein Medium, welches in Kambodscha wirklich viel existierte. Wenn Straßen, dann eher aus Betonplatten. Jedenfalls wissen wir bis heute nicht, was es war. Ich glaube auch nicht, dass wir es wirklich wissen wollten.
Wenigstens gab es wieder ein paar Essensstände auf der Straße, wo man etwas bekam, wenn man sich überwand, zwischen all dem Müll in diesem Gestank etwas zu kaufen. Es gab auch vereinzelt Bäckereien, in denen es zwar kein Baguette mehr gab, ich konnte es auch nicht mehr sehen, aber einige andere Sachen, um ein Frühstück zu gestalten. Richtig knackige Baguettes gab es nur in den teuren Supermärkten für die wenigen, die es sich leisten konnten.
Es gab auch kleine Straßenrestaurants, welche zum Reis, wohl wie die damalige Nachkriegsküche in Deutschland, so Eintopfgemüse anboten, in denen einfach alles (!) drin war, was gerade so da war. Das bedeutete auch, dass man niemals an zwei aufeinander folgenden Tagen das selbe Gericht bekam, auch wenn man dieses bestellt hatte.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 8. August 2008
Verkehrschaos in Phnom Penh (Kambodscha)
Das Guest-Haus (Narin 1, 7 Dollar pro Nacht), in dem wir gelandet sind, wurde von einer super lieben Familie betrieben. Die Kinder waren hier die ganze Zeit mit denen am rumtoben und auch den Florian konnten wir mal für zwei Minuten aus den Händen geben. Endlich mal etwas wirklich positives hier in Kambodscha.
So richtig warm geworden war ja noch niemand von uns mit diesem uns so unverständlichem Land.
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| Our Guesthouse in Phnom Penh. (Cambodia) |
Wir hatten auch auf Grund dessen, dass wir beim Vietnamvisum das exakte Einreisedatum angeben mussten, unseren Aufenthalt hier auf den 18. August beschränkt und würden jetzt einfach noch zu den großen Tourihighlights fahren.
Unser Trip durch die Stadt heute war mehr als anstrengend.
Mit Kindern durch den hiesigen Verkehr war eine echte Herausforderung. Man findet es in Deutschland ja oft albern bezüglich all der Regeln die es gibt, allein nur für die Bürgersteignutzung. Wenn man Kambodscha erlebt hat, dann sind es die sinnvollsten Verordnungen, die man sich nur denken kann. Das bisschen Bürgersteig, was es hier in Phnom Penh gab, war irgendwie immer mit Autos und Mofas zugeparkt, so dass man als Fußgänger genötigt wurde, ständig auf die Straße auszuweichen, auf der nur Autisten unterwegs schienen. Dazu kamen die Schlamm- und Wasserlachen sowie die Müllberge am Straßenrand, so dass wir letztendlich fast mitten auf der Straße laufen mussten. Ein echter Spießroutenlauf, da ständig aus irgend einer Richtung ein Mofa auftauchte, hupte und draufhielt, obwohl hier formal Rechtsverkehr galt.
Phnom Penh war das dreckigste, was wir bis jetzt erlebt hatten. Diese Stadt war so versifft, dass wir uns abends massiv die Füße abschrubben mussten, um das Schwarz wieder runter zu bekommen. Ein Restgrau blieb aber mittlerweile bei allen von uns. Ein Bürgermeister, der all den Müll beseitigen wollte, wurde angeblich bei den Einwohnern aus Sicht der Partei zu beliebt und verschwand daher 2003 einfach.
Um diese Stadt ertragen zu können, blieb nur noch der Tunnelblick.
Dazu kamen die Tuk-Tuk Fahrer. Warum hat denen eigentlich keiner erklärt, dass es nicht besonders gut kommt, Touris immer anzuquatschen und zu belästigen.
Wir standen an einer Ampel (wofür es die gab, war mir unklar, hielt sich sowieso niemand dran). Jedenfalls kam der erste Tuk-Tuk Fahrer und quatschte uns an, ob wir Tuk-Tuk wollen. Selbst nach lautem, wiederholtem Verneinen schien er es nicht zu begreifen. Als er es dann endlich begriffen schien und langsam los fuhr, kam schon der nächste an, der unsere Reaktionen beim ersten gesehen haben musste und fragt ob wir Tuk-Tuk wollen. Häää?
Gerade bei den Männern hatten wir das Gefühl, dass wir es gelegentlich mit vierjährigen Kindern zu tun hatten. Die starrten einen an, wie es für gewöhnlich nur Kleinkinder tun, und ihr Benehmen ließ auch stark zu wünschen übrig.
Unsere Tour durch die Stadt war von den Sehenswürdigkeiten eher unspektakulär. Die Uferpromenade konnte man sich echt schenken, der Rhein ist weitaus attraktiver.
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| The kings palace in Phnom Penh. (Cambodia) |
Die ganzen Nobelhotels und Restaurants, die das Flussufer säumen, stellen einen extrem herben Kontrast zu dem Müll und den bettelnden Kindern, welche am Flussufer rumhängen, dar. Das muss man ertragen können, wenn man dort genüsslich seinen Late Macchiato schlürft. Ich konnte es nicht.
Um den Königspalast waren die Straßen für Autos gesperrt und Wachmänner sorgten dafür, dass keine Einheimischen die Straßen entlang liefen. Ich fragte mich warum? Erträgt selbst der König seine eigenen Leute nicht? Es war zumindest sehr entspannend ruhig, nach einer Runde Verkehrschaos und Mülldeponie.
Es war wirklich so, dass an sämtlichen Straßenecken Polizisten saßen, die willkürlich Autos anhielten und für fadenscheinige Gründe abkassierten. Vermutlich wogen sie dabei jedes mal ab, ob der Fahrer etwas bezahlen konnte und ob er ihnen gefährlich werden könnte. Beides schien in diesem Land durchaus korreliert.
Wir sind dann noch durch den Zentralmarkt gelaufen. Die riesige Kuppel, die diesen überspannt, ist durchaus beeindruckend, da man erst durch niedrige Gänge bis in diese große Halle rein läuft, welche sich dann über einem öffnet. Aber auch hier, wie an so vielen anderen Orten, standen Wachmänner mit Schlagknüppeln und sorgten dafür, dass das Chaos draußen blieb. Vor dem Markt gab es einen lokalen Busbahnhof, was mich sehr erstaunt hat, da er in keinem Führer erwähnt wurde. Daraus schloss ich, dass Ausländer diesen nicht nutzen durften, oder der Autor unseres Führers nicht gut recherchiert hatte.
Erstaunlicherweise gab es mal keinen Regen heute und es kam sogar die Sonne durch, wobei die auch nicht besser war. Sofort stieg die Temperatur unangenehm an und das Licht, welches durch die Sonne erzeugt wurde, war ein ganz milchiges, so dass man immer blinzeln musste. So richtig klare Sicht hatten wir auf unserem gesamten Tripp bis jetzt nur zwei oder drei mal. Schade!
Nach unserer Morgenwanderung waren wir so platt, dass ich erstmal ins Bett gegangen bin, um all diese Eindrücke zu verarbeiten und um einen Moment der Ruhe zu genießen.
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| Impressions of Phnom Penh |
Da weder Christian noch ich begeisterte Filmer und Fotografen waren, blieb unsere bildliche Dokumentation stark auf der Strecke. Es kostete uns immer viel Überwindung, mal die Videokamera raus zu holen und unser Fotoapparat hatte so einen schlechten Öffnungswinkel, dass ich schon keine Lust mehr hatte, damit zu fotografieren. Abgesehen davon waren die Straßen von Phnom Penh kein Ort, an dem ich solch teure Sachen auspacken oder zur Schau stellen wollte, da ich nicht beurteilen konnte, wie wahrscheinlich Raubüberfälle hier seien. Jedenfalls fühlte ich mich sehr unbehaglich, wenn wir nicht ständig in Bewegung blieben.
Florian hatte wohl die letzten Tage seine Impfreaktion, da er am gesamten Körper rote Punkte, wie bei Röteln, hatte. Ansonsten war er aber fit und im Moment genoss er es, endlich mal richtig viel krabbeln zu dürfen. Durch das viele Getrage kam das ja doch etwas zu kurz, so dass er immer noch nicht laufen konnte.
Ach ja, da Feuchttücher hier fast unerschwinglich waren, duschten wir Florian jetzt immer ab, sofern wir die Möglichkeit hatten. Das ging erstaunlich gut und Florian hatte sich mittlerweile auch daran gewöhnt, so dass er nicht mehr wie am Spieß schrie.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 9. August 2008
Kinder, Kinder (Phnom Penh, Kambodscha)
Das Straßenbild in Kambodscha war von den unglaublich vielen Kinder geprägt. 40% aller Kambodschaner sollten unter 15 Jahren. Wenn man denn mal einen alten Menschen sah, stach er wie ein Kuriosum hervor. Damit aber nicht genug, unser Guest-Haus lag direkt gegenüber einer Geburtsklinik, so dass wir vor allem die werdenden Mütter beobachten konnten, wie sie unter Wehen mit Tuk Tuks ankamen und später mit dem Neugeborenen auf dem Mofa oder einem Cyclo (Fahrradtaxi) wieder davon fuhren. Nicht zu vergessen, die Heerscharen von Verwandten, ich vermutete das es Verwandte sind, die das Gebäude belagerten und auf das Baby warteten.
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| On the oposite side of the street relatives are waiting for the new baby. (Phnom Penh, Cambodia) |
Es ist wohl so in Kambodscha, dass die Mädels auf dem Land mit ca. 16 Jahren heiraten und dann Kinder bekommen. Dabei sei bemerkt, dass rund 85% der Bevölkerung auf dem Land lebt.
Interessant fand ich auch das Phänomen, dass es keine Teenies zu geben schien. Kinder bis maximal 12 Jahren waren noch auf der Straße zu sehen und danach assimilierten sich die Kids so dermaßen mit ihren Eltern, dass keinerlei Unterschiede für uns mehr erkennbar waren. Die Teenies kleideten sich wie die Erwachsenen, sie arbeiteten wie die Erwachsenen oder hingen genauso untätig vor öffentlichen Fernsehern oder als Männerrotten an Straßenecken rum.
Wir haben neulich in einer hiesigen Zeitung etwas über die gerade stattgefundene Wahl gelesen, was mich überraschte, dass hier so etwas veröffentlicht werden durfte. Da stand tatsächlich, dass diese Wahlen alles andere als demokratisch waren. Wer hätte das gedacht. Und um zu dieser Erkenntnis zu kommen bedurfte es 11.000 Wahlbeobachter. Wenn die alle so ein dickes Auto gefahren sind, wie die europäischen Wahlbeobachter in Sihanoukville, dann überstieg der Wert all dieser Autos bestimmt das Bruttoinlandsprodukt von Kambodscha. Zu diesem Urteil der Wahl hätte es meiner Ansicht nach nicht einen einzigen Wahlbeobachter gebraucht, da hätte man sich nur mal die Strukturen hier zu Lande anschauen müssen, dass hier vor allem das Recht des Stärkeren gilt. Aber ist doch schön zu wissen, wo die eigenen Steuergelder so hin fließen. Ok, unsere im Moment natürlich nicht, mangels Steuern die wir zahlen.
Apropos, Christian und ich wollten ursprünglich mal in einem Hilfsprojekt mithelfen, hatten von Deutschland aus aber kein Glück. Wir haben jetzt auch verstanden, dass die wirklichen Hilfsprojekte vor Ort viel zu klein sind, als dass man diese in Deutschland auffinden könnte. Hier vor Ort werden überall Leute gesucht, die in Waisenhäusern oder so mithelfen, oder man fragt einfach mal bei solchen nach. Kambodscha wäre da definitiv das richtige Land für, da man ohne Probleme ein Arbeitsvisum beantragen konnte und Hilfsprojekte wie Sand am Meer nach Unterstützung suchten.
Wir mussten nun leider am 18. August das Land verlassen, so dass wir diese Möglichkeiten nicht mehr wahrnehmen konnten, aber jetzt wussten wir, wie es funktioniert, so dass wir vielleicht in einem anderen Land nochmal die Möglichkeit dazu bekamen.
Spannend war auch zu sehen, dass ein Kleider produzierendes Land wie Kambodscha seine Klamotten als Altkleiderlieferungen wieder zurück bekommt und dann auf dem Markt verkauft. Grotesk!
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 10. August 2008
Von Phnom Penh nach Siem Reap (Kambodscha)
Heute ging es nach Siem Reap, um von dort aus die viel beworbenen Tempel von Angkor zu bewundern.
Heute ging es nach Siem Reap, um von dort aus die viel beworbenen Tempel von Angkor zu bewundern. Der Bus fuhr glücklicher Weise direkt in der Stadt los, so dass wir nicht so weit laufen mussten, obwohl wir ja mittlerweile richtig fit sind, was das angeht. An diesem Ticketstand, wo denn dann auch die Busse losfuhren, herrschte das reinste Chaos. Zu viele Leute, die sich auf den vermeintlichen Bürgersteig drängten, um dem morgendlichen Straßenverkehr zu entrinnen. Alleine nach Siem Reap sollten drei Busse gleichzeitig starten, was nicht zur Reduzierung des Verkehrschaoses beitrug, da die Busse mitten auf der Straße einfach hielten und man dann schauen musste, den richtigen zu finden, mit all den anderen 150 Passagieren. Diesmal waren die Bustickets nicht so teuer. Wir haben drei mal knapp 6 Dollar bezahlt.
In Kambodscha gab es zwei Währungen. Zum einen den Dollar, welcher auch aus den Geldautomaten kam und zum anderen der kambodschanische Riel, welcher die nicht existenten Münzen ersetzte. Seltsames System, aber man gewöhnte sich daran.
Außer dem Bus von Krong Koh Kong nach Sihanoukville waren die Buspreise doch humaner, als ich anfangs angenommen hatte. Dennoch kauften wir immer nur drei Sitzplätze. Die mitreisenden Kambodschaner kauften für ihre Kinder gar keine, so dass sie mit halbwüchsigen zu viert auf zwei Plätzen, oder die Kinder auf dem Boden saßen.
Die Fahrt hat verhältnismäßig lange gedauert. Für die 317 Kilometer haben wir über 6 ½ Stunden gebraucht, auf einer deutlich schlechteren Straße als im Süden, dafür mit wesentlich mehr Verkehr.
Wir dachten ja erst, dass wir die Fahrt nicht antreten könnten, da Lydia am Vorabend sich des öfteren übergeben hatte und wir befürchteten, sie hätte jetzt Florians Infekt bekommen. War aber nicht so. Lydia hatte einfach nur einen verdammt empfindlichen Magen, was für so eine Reise nicht gerade günstig war.
Das Busterminal in Siem Reap lag mal wieder exakt 2 Kilometer vor der Stadt und die Meute an Tuk Tuk Fahrern wartete schon begierig auf ihre Opfer. Hier sollte es angeblich die schlimmste Mofamafia geben. Josua traute sich schon nicht mehr aus dem Bus, da die Tür total zugestellt von Männern war, die einen anschrien: "Hey Mister, Tuk Tuk!" Christian war mit Florian schon vorneweg gewesen, um das Gepäck zu sichern, so dass ich mich todesmutig, den Kindern voran, in die Meute warf. Und auch wenn man ja nicht schreien soll, da man sonst sein Gesicht verlieren würde, war ich der Ansicht, diese Tuk Tuk Fahrer besaßen so wenig Gesicht wie ich, da sie mich ja die ganze Zeit anschrien. Also habe ich einfach nur einmal sehr laut und sehr scharf in die Menge geschrien: "Don´t touch my kids!" Funktionierte hervorragend, denn danach war für uns Ruhe und die Meute widmete sich den anderen Reisenden. Erstaunlicherweise stürzte sich die Meute auch auf die den Bus verlassenden Kambodschaner, welche diese auch einfach nur ignorierten.
Wir haben dann unser Gepäck geschultert und sind gemütlich die zwei Kilometer in die Stadt gewandert. Unterbrochen wurden wir nur von Josuas dringlichem Bedürfnis nach einer Toilette, welches wir in einem Guesthouse am Straßenrand fanden. Das sind die kleinen Erheiterungen, die wir mit Kindern meistern mussten.
So auch der Glaube, Windeln für Florian gekauft zu haben (ich konnte den Text ja nicht lesen), um dann festzustellen, dass es sich um Wickelunterlagen handelte. Zum Glück kannte hier immer jemand jemanden, der gerade ein Baby hatte und so etwas gebrauchen konnte.
Der Weg in die Stadt war von rotem Sand und Müll begleitet, doch als wir das Brückchen über den Fluss, an dem Siem Reap lag, überquerten, hatten wir das Gefühl Kambodscha verlassen zu haben.
Das Flussufer war sauber und besaß eine Promenade mit Bänken, die auch nutzbar waren. Es gab Bürgersteige und dafür keine bettelnden oder arbeitenden Kinder. Die Stadt war weitestgehend im kolonialen Stil gehalten und besaß viele neckische Cafes und Bars.
Es hatte schon fast was von Disneyland, weil diese Stadt total künstlich und deplatziert im Vergleich zu dem Kambodscha, welches wir bis jetzt kennen gelernt hatten, wirkte.
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| Improvised cooking. (Siem Reap, Cambodia) |
Für uns als Europäer entsprach Siem Reap viel eher den Sehgewohnheiten aus Europa. Zumindest wenn man vorher im anderen Kambodscha war.
Wir waren hier dennoch nach so viel Stress ganz zufrieden, mal etwas Abstand von den unzähligen Eindrücken zu haben.
Wir waren hier im Guesthouse Ivy 2 (8 Dollar) gelandet, welches für uns mit das beste Guest-Haus unserer bisherigen Reise war. Es handelte sich um ein klassisches Holzhaus mit einer wunderbaren Terrasse, über die sich ein Schatten spendender Baum rangte. Diese allgemeinen Aufenthaltsmöglichkeiten waren für uns ungemein wichtig, um nicht die ganze Zeit im Zimmerchen zu fünf Personen hocken zu müssen. Ein wesentliches Entscheidungskriterium für unsere Guest-Hauswahl. Der einzige Nachteil, den wir erst viel später ekannten war, dass unser Zimmer total verseucht von Bettwanzen war. Wir dachten, da noch keinerlei Erfahrung mit diesen Viechern, dass es sich um Mückenstiche handele. Sehr naiv.
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| Mmm yummie. (Phnom Penh, Cambodia) |
Aber das Zimmer war groß und hatte sogar einen kleinen Balkon, auf dem man hervorragend kochen konnte. Wobei für fünf Personen mit unserem Benzinkocher und dem dazugehörigen Kochgeschirr ein Gericht zu zaubern, bedurfte einigen logistischen Geschicks, da wir nur drei, nicht übermäßig große Töpfe hatten. Aber, es ging. Was hier nicht alles ging, dass beeindruckte mich immer wieder aufs Neue.
Wenn man sich einfach durch die Guest-Häuser frisst, nach Lust und Laune ein Tuk Tuk nimmt und auch sonst sich von Tourveranstaltern durchs Land karren lässt, dann ist Kambodscha bestimmt total Klasse, da vermutlich sehr Problemfrei. Wenn man aber so wie wir unterwegs war, dann gab es jede Menge Hürden zu überwinden, deren Überwindung sich aber auf jeden Fall lohnte, einen dennoch manchmal an seine Grenzen brachte.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 11. August 2008
Endlich Entspannung (Siem Reap, Kambodscha)
Nach soviel Kambodscha bot Siem Reap eine Insel der Erholung, welche wir dann auch genutzt haben. Es gab nichtmals Schule für die Kinder heute.
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| Isn't it beautiful? (Siem Reap, Cambodia) |
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 12. August 2008
Floating Village (Siem Reap, Kambodscha)
Jetzt hatte ich soviel von den schwimmenden Dörfern auf dem Tonle Sap, dem größten Binnengewässer Südostasiens, gehört, so dass ich mir die wenigstens mal anschauen wollte. Unsere Entscheidung, nach Battambang mit dem Boot zu fahren, hatten wir wegen der Preise (20 Dollar pro Person) sein lassen.
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| Isn't that a picture like we imagine living in south-east-asia would be like? (Tonle Sap, Cambodia) |
Wir haben statt dessen heute für zwei Dollar das Stück drei Fahrräder gemietet, für Josua gab es kein passendes, und sind die vermeintlich 15 Kilometer nach Phnom Krom am See geradelt. Meiner Ansicht nach waren es gerade mal vier bis fünf Kilometer, aber die Entfernungsangaben waren hier ja immer sehr relativ. Genauso wie Karten hier mehr als Mind-Maps zu sehen waren.
Der Ausflug war richtig toll. Wir hatten das erste Mal richtige Sonne, so dass unsere Sonnenhüte endlich mal zum Einsatz kamen. Und obwohl wir jetzt schon so lange hier in den Tropen unterwegs waren, hatten Lydia und ich fette Sonnenbrände auf den Armen bekommen. Das Fahrrad war das perfekte Medium, um sich in einem fast autoleeren Land fortzubewegen. Die Straße war OK und es gab mächtig viel zu sehen.
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| The much more interesting Cambodia than Ankor. (near Tonle Sap, Cambodia) |
Auf der einen Straßenseite standen Stelzenhäuser der vornehmsten Art und auf der anderen die einfachen, sehr armen Holzgebauten. Vor den Häusern sahen wir dann die Geisterhäuschen, aus Wellblech gebastelt, so wie ein Vogelhaus, vor dem ein Glas Wasser und Räucherkerzen standen.
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| The treatment of rice. (near Tonle Sap, Cambodia) |
Ich hab auch endlich zum ersten mal Schulkinder wahrgenommen, zumindest glaubte ich das es sich um Schulkinder handele, da die keine Uniformen tragen, wie in Thailand, und auch keine Schultaschen, waren sie unglaublich schwer für uns als solche zu erkennen. Dabei hatten die Schulkinder nur Plastiktütchen dabei, in denen sie Kleinigkeiten mit sich führten, aber keine Schulbücher oder umfangreiche Schreibsachen.
Die Straße zum See war gesäumt mit auf Stelzen gebauten Terrassen, welche meines Wissens als Ausflugsort für die Einheimischen genutzt wurden. Da auch nichts in Englisch dort stand, gehe ich davon aus, dass es sich um etwas lokales handelte. "Die Kambodschaner" lieben es wohl, zu picknicken und mieten sich dafür einen Platz auf so einer Terrasse, wo man dann wochenends mit der ganzen Familie hinfährt.
Das schwimmende Dorf entsprach eher einer schwimmenden Müllkippe.
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| The floating villages at the Tonle Sap. (Cambodia) |
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| It looks more idyllic than it might be for the pople there. (Tonle Sap, Cambodia) |
Die Häuser schwammen wenig idyllisch in ihrem eigenen Müll eingebettet. Es gab auch hier Touribootstouren für rund 20 Dollar pro Person, aber wir glaubten, dass die echt nicht nötig waren, um einen Eindruck von dieser Lebensform zu bekommen.
Die Straße zum See war auch gesäumt mit vielen recht soliden Stelzenhäusern, an denen immer stand, von welcher Organisation dieses gespendet wurde, genauso wie die Brunnen, die den Menschen hier überall zur Verfügung standen. Offensichtlich zogen die Bewohner der schwimmenden Dörfer gerade aufs Land um.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 13. August 2008
Das Sagenumwobene Angkor (Siem Reap, Kambodscha)
Das "Muss" in Kambodscha.
Mit dem Fahrrad haben wir uns zusammen mit all den Reisebussen, Tourbussen und Tuk Tuks auf den Weg nach Angkor gemacht. Die Straße war so voll, dass Fahrradfahren nicht wirklich ein Genuss war, aber immer noch die beste aller Alternativen. Wir hatten Spitzenwetter. Endlich, nach so viel Regen, hat die Regenzeit sich zu dem gewandelt, was ich ursprünglich dachte. Einmal am Tag ein Schauer und ansonsten Sonne. So war es jetzt endlich auch.
An der Kassenanlage herrschte das totale Chaos, da die ganzen Busse ausgekippt werden mussten, dennoch hatten wir innerhalb von ein paar Minuten unsere Eintrittskarten, auf denen dein persönliches, digital erstelltes Foto prangt.
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| I wished we had a better camera. (Angkor Wat, Cambodia) |
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| These tempels are impressive. (Ta Prohm Temple, Cambodia) |
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| Wow! (Prohm Temple, Cambodia) |
Mit dem Fahrrad ging es dann zwischen all den Bussen durch die Ticketkontrolle und dann waren wir endlich bei dem so unglaublich beeindruckenden Angkor Wat.
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| I was a little disapointed after the expectations where so high. (Angkor Wat, Cambodia) |
Ich weiß nicht, für wen er so beeindruckend war, uns hat er nicht vom Hocker gerissen, da die Erwartung nach all den Berichten und Texten, die wir gehört und gelesen hatten, unglaublich hoch waren.
Und die Massen an Menschen mit denen wir da uns durchschoben, plus das leidige Phänomen, dass alte Steine viel zu oft in viel zu heißen Regionen stehen. Natürlich, er ist groß (angeblich das größte religiöse Bauwerk der Welt) und in der Nachschau auf jeden Fall eines der beeindruckensden, historischen Bauwerke die ich bis jetzt je gesehen habe. Auch die Geschichte beeindruckt, Angkor war wohl die erste Millionenstadt der Welt, während London noch 50.000 Einwohner besaß.
Wenigstens sind in Angkor die ganzen Verkäufer aus den Ruinen verbannt worden. Das muss vor einigen Jahren noch richtig gruselig gewesen sein, da man ständig von Leuten geschubst und belagert worden ist. Jetzt kann man ganz ruhig die Tempel besichtigen und die Verkäufer müssen sich auf der anderen Straßenseite aufhalten. Es gab sogar schwer bewaffnetes Personal, die dieses zu kontrollieren schienen. Zumindest vermuten wir, dass sie auch dafür da waren. Genauso gab es Heerscharen von Reinigungspersonal, die draußen die Grünflächen pflegten und sauber hielten.
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| Lunchtime for the staff at Angkor. (Cambodia) |
Der Bayon Tempel mit den vielen Gesichtern hat uns schon viel besser gefallen, da man sich dort wie in einem Labyrinth hindurch suchen konnte, so dass auch die Kids mehr Spaß hatten, den Tempel zu besichtigen.
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| The Bayon tempel was really impressive. (Angkor, Cambodia) |
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| One of the most popular pictures in Angkor. (Cambodia) |
Am schönsten fanden wir aber den Ausblick vom Ta Keo, einer circa 50 Meter hohen Pyramide mit sehr steilen Stufen. Hier hatte man einen schönen Überblick über den stark gezähmten Urwald. Das sah man von oben aber nicht.
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| Don't ask me what the name of this building is. (Angkor, Cambodia) |
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| A lot to see. Also from above. (Angkor, Cambodia) |
Der vom Urwald überwucherte Ta Prohm Tempel war schließlich durchaus beeindruckend.
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| To much tourists taking the mystic atmosphere away. (Prohm Temple, Cambodia) |
Die Menge an Tempeln ist dann wahrlich beeindruckend, auch wenn wir nur relativ wenige angeschaut haben. Mehr ist aber auch einfach nicht möglich gewesen, da die Distanzen zwischen den einzelnen Attraktionen groß waren und die Temperaturen ebenfalls.
Alles in allem war es ein schöner Tag und so im Nachhinein denke ich mir, müsste man dort nochmal hinfahren und viel mehr Zeit verbringen. Denn jetzt wo endlich die Gelegenheit ist über Angkor nachzudenken, war es doch einer der mit am beeindruckendstenTourispots die wir auf unserer Reise besucht haben.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 15. August 2008
...und auf einmal war alles anders – zurück nach Phnom Penh (Kambodscha)
Nach wunderbar erholsamen Tagen in Siem Reap ging es auch schon wieder zurück nach Phnom Penh. Diesmal startete unser Bus direkt in der Stadt, was uns zwei Kilometer Staubstraße zu Fuß ersparte. Dafür mussten wir am eigentlichen Busterminal dann doch noch den Bus wechseln, aber mittlerweile sind wir ja im Schleppen und Hieven von Rucksäcken, Baby und Provianttaschen Meister.
Der Bus war diesmal nur mäßig klimatisiert, was man auf den Plastiksitzen schnell zu spüren bekam. Wir waren schon so an Ventilatoren und Klimaanlagen gewöhnt, dass die Abwesenheit dieser Geräte uns unangenehm auffiel.
Und dann geschah das Unfassbare. Zurück in Kambodscha, Siem Reap wollte für uns nicht wirklich Kambodscha sein, erschien auf einmal alles ganz anders. Der Müll schien weniger und die Reisbauern weniger arm, dafür wirkten sie sehr viel zufriedener auf ihren Reisfeldern, wie sie dort mit ihren Wasserbüffeln die Kreise zogen. Ich habe keine Ahnung, was da eigentlich passiert war, aber diese positive Sicht blieb auch in Phnom Penh erhalten. Der Verkehr war weniger wild, die Tuk-Tuks nur noch ein Hintergrundrauschen und die Leute zeigten uns gegenüber eine Freundlichkeit, die wir bis dahin von den getroffenen Kambodschanern noch kaum kannten.
Erst freute man sich in unserem alten Guesthouse uns wieder zu sehen und als Chris und ich am Abend zum Essen holen auf unseren Markt gingen, wurden wir von ganz vielen wieder erkannt. Es wurde gerufen, gewunken und gelacht. Das ging so weit, dass man uns den Florian einfach aus dem Tragetuch nahm und dann unter einem Heidengetöse ihn allen Anwesenden mit begeistertem quitschen zeigte. Man fragte uns sogar, wo denn unsere beiden anderen Kinder seien, die hatten wir nämlich bei diesem Ausflug nicht mitgenommen, was mir zeigte, dass sie sich wirklich an uns alle erinnern konnten. Selbst die Preise sanken auf einmal für uns. Das hatte ich weder schon mal erlebt, noch hätte ich es erwartet. Anscheinend brauchten sie einfach etwas Zeit, um mit Ausländern warm zu werden. Uns ging es dies Bezüglich ja nicht anders.
Unglaublich, aber langsam fing ich an, Kambodscha zu mögen.
Da es während unserer Shoppingtour anfing, wie aus Kübeln zu schütten, war der Rückweg zum Teil ein Waten durch Waden hohe Wassermassen, die auf den Straßen entlangflossen. Also ein echt feucht fröhlicher Abend mit Grillen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 16. August 2008
Die bedrückende Geschichte Kambodschas (Phnom Penh, Kambodscha)
Man kann nicht in Phnom Penh gewesen sein, ohne im Tuol Sleng Museum gewesen zu sein. Wir hatten gerade wegen Josua überlegt, ob wir diese Völkermord-Gedenkstätte wirklich aufsuchen sollen, aber es gehört einfach zu Kambodscha dazu.
Es handelt sich dabei um eine alte Schule, in der zur Zeit der Khmer Rouge bis zu 12.000 Menschen interniert waren und bis zu hundert Menschen pro Tag auf martialischste Art und Weise zu Tode gefoltert wurden. Auch Kinder und Babys. Neben Fotos und Bildern, wie man die Menschen gefoltert hat, gab es meterlange Bildergalerien mit Fotos der Opfern, die dort zu Tode gekommen waren.
Eine echt erdrückende Reise durch die Zeit, zumal es erst so kurz her ist.
Josua haben wir nicht in alle Räume gelassen, da es einfach zu brutal war. Er wollte auch von sich aus nicht überall hin, so dass immer einer von uns mit ihm draußen auf dem nett zurecht gemachten Hof wartete. Ihn hat das ganze ziemlich mitgenommen, da er noch die folgenden Tage immer wieder betonte, dass er das Museum gar nicht schön fand.
Zur Gemütsaufhellung ging es dann zum viel beschworenen Psar Tuol Tom Pong. Ein nicht ganz so schöner kleiner Touriemarkt. Den hätte wir uns persönlich schenken können. Dafür haben wir auf dem Rückweg durch ein Wohngebiet leckere Dinge zu essen an der Straße gefunden. Mittlerweile hatten wir ein Auge dafür entwickelt, zu erkennen, ob es in dem einen oder anderen Topf etwas leckeres geben könnte.
Als wirklich tollen Markt kann ich den Psar O Russei empfehlen. Hier gab es so gut wie alles auf drei Stockwerken. Dieser Markt sah genau so aus, wie ich mir anfangs den Jatujak Market in Thailand vorgestellt hatte. Kleine dunkle Gänge mit nicht ganz sauberen Böden und riesige Fischabteilungen, wo man mal kurz die Luft anhalten musste. Besonders beeindruckend fand ich die Stoffabteilung. Ein Stand neben dem anderen bis oben mit bunten Stoffen vollgestopft, so dass es fast kein Durchkommen mehr gab.
Apropos Stoffe, unsere Wäsche war mittlerweile so was von im Eimer. Weiße T-Shirts hatten wir keine mehr, sondern nur noch sandfarbene. Das Einzige, was einen beim Abholen der Wäsche aus der Wäscherei daran erinnert, dass sie gewaschen wurde, war der Geruch nach Waschmittel. Optisch konnte man dies nämlich nicht mehr feststellen.
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| Mind your step. (Phnom Penh, Cambodia) |
Ein durchaus häufig auftauchendes Bild, sind schlafende Menschen. Und zwar nicht, weil man so gut überall in die Schlafzimmer der Menschen schauen kann, sondern weil Schlafende an allen möglichen und unmöglichen Orten liegen. Als ich zum Beispiel heute in eine Apotheke gegangen bin, war dort zunächst Weit und Breit keiner zu sehen und erst als ich über den Tresen schaute, lag auf einer Pritsche jemand darunter und schlief. Auf dem Markt, in Geschäften oder am Straßenrand liegen die Leute einfach rum und halten eine kleine Siesta. Ich versuchte mir das gerade mal in einer deutschen Bank vorzustellen. Das wäre ein Bild für die Götter.
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| And we thought that this are bites from moskitous. Quite naive. This were bed bugs. |
Bei unserer weiteren Stadtbesichtigung habe ich mir auch nur gedacht, warum ich mir eigentlich Phnom Penh und nicht Paris oder New York anschaue. Da gäb es wenigstens etwas zu sehen. Wenn man in Kambodscha nicht ständig auf den Boden starren müsste, um nicht über Müll zu stolpern,
dann könnte man auch mal den Blick heben, um festzustellen, dass über den Garagen zum Teil sehr attraktive Häuser standen. Wir hatten uns die großen Prunkstraßen beim Königspalast noch angeschaut. Die waren zwar toll gekehrt und die Grünstreifen auch schön gepflegt, aber sonst war da so gut wie niemand.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 17. August 2008
Fazit Kambodscha
Kambodscha, war kein einfaches Land, welches uns fast bis an unsere Grenzen stießen ließ. Wir haben sehr, sehr viel gelernt und erfahren. Auch unsere gesuchten Abenteuer haben wir bekommen, wie auch Erholung.
Das ausländische Klientel in Sihanoukville war wahrlich nicht dasjenige, welches ein gutes Licht auf die Westler wirft. Auch die Diskriminierung unser eins war nicht leicht zu ertragen.
Den Regeln des "Wilden Westens" wollten wir uns nicht unterwerfen. Gewalt und Geld waren beides keine geeigneten Mittel, um Lösungen herbei zu führen, zumindest nicht für uns.
Fazit von Josua
In Sihanoukville war der Strand schön, weil ich schwimmen gehen konnte. Das Guest-Haus dort fand ich auch toll, denn wir konnten dort kochen. In Siem Reap war der Balkon total schön. Auch die Tempel, besonders der zweite, labyrintartige Tempel (Bayon) war toll.
Das laufen von den Busstationen war mir zu weit. Die Tuk Tuk Fahrer waren blöd... wie soll ich es sagen... die mag ich halt nicht.
Fazit von Lydia
Ich fand es eigentlich ganz nett. Besonders Siem Reap, weil es sauber war und Bürgersteige da waren. Es entsprach den europäischen Standards eher. Die Tempel waren langweilig. Kennst du einen Stein, kennst du alle. Der Strand war gut, bis auf die Kloaken und den Müll, aber man konnte schwimmen und selber kochen. Das weite Laufen in Sihanoukville war blöd. Auch die Müllmassen.
Den Grenzübergang nach Kambodscha fand ich nicht so gut.
Phnom Penh war gut überschaubar. Nicht soviel laufen. Es gab zu viel Müll.
