Weltreise
mit drei Kindern

Paraguay

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 27. April 2009

Grenzgänger (Puerto Iguazu, Argentinien, mal kurz durch Brasilien, nach Asuncion, Paraguay)

Wir waren vor neun auf dem Weg, da drei Grenze zu überqueren vor uns lagen.

Mit dem Bus nach Punta del Este in Paraguay ging es zur argentinischen Grenze, wo es keinerlei Probleme beim Ausstempeln gab. Der Bus wartete sogar bis alle durch waren und weiter ging's.

Er brummte so vor sich hin und passierte dabei die brasilianische Grenze ohne auch nur Anstalten des Anhaltens zu machen. Es war nirgends herauszubekommen, ob wir für das Passieren von Brasilien Stempel brauchten. Also haben wir erstmal gewartet was so passiert.

Der Bus fuhr und fuhr und fuhr durch Brasilien und wieder vorbei am brasilianischen Grenzposten, so dass wir ohne irgendwelche Stempel wieder draußen waren aus Brasilien. Nun gut. Schließlich fuhr er auch über die angeblich so gefährliche Brücke zwischen Brasilien und Paraguay, wo man auf keinen Fall alleine zu Fuß rüber soll, weil eine Bande hier ihr Unwesen treibt.

Totaler Schwachsinn. Die Brücke war zum einen nicht mehr als hundert Meter und zum anderen war sie voll mit Passanten, die zwischen den Ländern hin und her unterwegs waren. In dem Gedränge wird das Raubrisiko wohl doch nicht so groß sein. Da hat der Lonely Planet mal wieder schlecht recherchiert sondern sich mal wieder auf Hörensagen verlassen.

Auf der anderen Seite der Brücke lag dann auch schon Paraguay und der Grenzposten, doch der Bus dachte immer noch nicht daran anzuhalten.

Aber hier brauchten wir definitiv Stempel. Also riefen wir dem Busfahrer zu doch anzuhalten damit wir aussteigen konnten. Leider durfte man an der Grenze nicht anhalten, so dass der Grenzpolizist den Busfahrer weiterpfiff und der Bus erst 200 Meter später mitten im dichten Marktgetümmel anhielt um uns herauszulassen.

Das hatten wir auch noch nie, dass wir zu einer Grenze zurück laufen müssen. Der dortige Beamte fragte uns, ob wir ein- oder ausreisen wollten, wir kamen ja aus der falschen Richtung. Im Prinzip hätten wir jetzt auch einfach illegal hier bleiben können (wer will das in Paraguay schon) und wenn wir das Land dann wieder verlassen wollten, gehst du einfach hin, sagst dass du gerade angekommen bist und holst dir so einfach einen Einreisestempel. Mit dem im Pass kann man nun innerhalb der nächsten 30 Tage legal in alle Nachbarländer ausreisen.

Wir haben es quasi so gemacht, es gab nichtmals Einreisekarten, die wir ausfüllen mussten. Es gab einen Stempel von einem gelangweilten Grenzbeamten in Freizeitkleidung und das war's. Die wohl einfachste Grenzpassage, die wir je hatten. Selbst in London wurden unsere Pässe schärfer unter die Lupe genommen.

Überhaupt gab es an dieser Grenze nichts an Kontrollen und das, obwohl Ciudad del Este doch so ein Schmugglerort ist. Das scheint hier aber niemanden zu interessieren.

Und was in Argentinien an Elektrosachen fehlte kann man im Nachbarland Paraguay en mass kaufen. Straßenstände voll mit allem was das Herz begehrt und wieder viel los.

Und Handys, Handys, Handys, da kann der große Nachbar Argentinien noch richtig was lernen, oder einfach neidisch auf das zweitärmste Land Südamerikas schauen.

Wobei ich es nicht annäherungsweise so schlimm fand, wie ich es erwartet hätte, da es so schlimm im Führer beschrieben wurde. Es war halt wuselig, aber nicht unsympathisch.

Bei unserem Versuch Geld zu besorgen wollte der erste Geldautomat rund vier Euro Gebühr und der zweite war kaputt. Also haben wir einfach unsere verbliebenen argentinischen Pesos auf der Straße getauscht, haben noch den Bus und Buspreis zum Busterminal erfragt und sind weiter. Das Erfragen der Buspreise hat den Vorteil, dass man das passende Geld schon bereithalten kann und keine unnötigen Diskussionen auftreten.

Wir haben erst den Transitbus erwischt, der viel zu teuer ist, also wieder raus mit dem Gepäck und den nächsten lokalen Bus genommen.

An der Busstation bin ich wieder shoppen gegangen und es ging endlich wieder das Licht an. Alles ist möglich und über die Preise der Kinder kann man verhandeln. Ist das schön.

Leider hat das auch seine Schattenseiten, da es immer eine Mafia zu geben scheint, die den billigsten Anbieter unter Druck setzt, so dass es den Bus für 2x45.000 Guarani und einmal den halben Preis nach einem bösen Blick der Konkurrenz plötzlich erst um halb drei geben sollte. Das war viel zu spät, da wir sonst mitten im Dunkeln in Asuncion angekommen wären. Also musste ich bei der Konkurrenz kaufen, was letztendlich kein Beinbruch war. Wir haben jetzt 3x40.000 Guarani (ca. 8 Dollar pro Ticket) bezahlt.

Und die Busfahrt war irgendwie anstrengend. Sie schien kein Ende zu nehmen und im Gang standen immer mehr Leute, es gab nur keine Höckerchen wie in Asien. Dafür wieder jede Menge Kinder, die auf den Schößen ihrer Eltern rumturnten. Wir passen wieder voll ins Bild. Ich weiß nicht, was Argentinien dies Bezüglich falsch macht.

Florian wurde von der Dame mit Kind, die neben Christian saß, bestens mitversorgt. Ich weiß immer nicht, ob man das ablehnen kann, wenn die Leute gut gemeint Florian aus ihren Trinkflaschen trinken lassen. Wir drücken mal die Daumen. Dennoch sind die Menschen hier wieder sehr viel freundlicher und die Atmosphäre ist auch sehr viel entspannter und ruhiger.

Es gab noch Damen in mini Miniröcken, die hier und da zustiegen und Essen verkauften, aber alle im selben Outfit, so dass sie irgendwie zum Service oder so gehörten.

Die Landschaft reißt hier auch keinen vom Hocker, wobei hier zum Teil die Menschen in den Ausläufern von Ciudad del Este nur unter Plastikplanen wohnten. So nah und extrem haben wir das noch gar nicht gesehen gehabt. Dafür sind die Dörfer, durch die wir kamen, alle sehr aufgeräumt und ordentlich, mit gemähten Rasen und Leuten, die unter Bäumen auf Stühlen der Hitze trotzten.

Und Paraguay ist das Land der roten Erde. So ein intensives Braunrot, welches an unzähligen Stellen von Termiten zu Haufen aufgetürmt war.

In Asuncion kamen wir erst ganz knapp vor der Dunkelheit an und haben ohne lange zu zögern direkt bei der Busstation nach einem Hotel gesucht. Da wir keine Preisvorstellungen hatten, haben wir das erstbeste mit vier Betten und zur Freude der Kinder mit Fernseher für 70.000 Guarani (ca. 14 Dollar) genommen.

Es ging dann noch schnell zum Supermarkt und der erste Eindruck der Kinder war, wie Kambodscha. Wobei ich es nicht so schlimm fand, zumal wir uns mit den Menschen verständigen können, was es so ungleich viel leichter macht und vielleicht sind wir Chaos und Lärm auch viel besser gewohnt, so dass es nicht mehr so schockt, nur anstrengend ist.

Das Supermarktangebot war noch überschaubarer als in Argentinien, aber die Preise waren zum Teil sehr viel günstiger und es gab wieder besseres Brot.

Bedrückend war nur die Tatsache, dass hier wieder Kinder an der Kasse stehen und Tüten packen.

Angesichts der Tatsache, dass wohl 95 Prozent der Paraguayer muttersprachlich Guarani und gar kein Spanisch sprechen, hört sich das Spanisch hier total lustig an.

Auf der Straße sind wir auch Menoniten begegnet. Die sehen wirklich aus, wie aus einer anderen Zeit. Die Männer tragen alle scharfe Latzhosen und die Frauen diese typischen Kleider und Hüte von damals. Und ich möchte ja nichts sagen, aber so richtig gut tut dem Genpool diese Abgeschlossenheit nicht. Als wir Lydia versuchten zu erklären, dass es sich bei denen um deutsche Auswanderer aus dem 19. Jahrhundert handelt, schaute sie irritiert und fragte, wie die denn so lange überlebt hätten. Den Eindruck kann man bei denen wirklich erlangen.

Wir waren froh nach all den Eindrücken endlich im Bett zu liegen.

Lydia hatte noch eine kleine Dengue-Panik-Attacke aber dann war endlich Schicht im Schacht.

[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 28. April 2009

Durch den Chaco! (Asuncion, Paraguay, nach Santa Cruz, Bolivien)

Am Morgen sind wir früh um sieben als erstes zur Busstation, während Lydia und Josua beim Babysitter Fernseher blieben. Es hieß, Tickets nach Santa Cruz in Bolivien zu erstehen. Auch hier wieder rumshoppen. Und man muss wissen, wann genug ist, wenn man mit der örtlichen Mafia kein Problem bekommen will, oder besser auch wirklich die günstigsten Angebote. Also haben wir, als die Beobachtung von uns zu intensiv wurde, Schluss gemacht, nach einem Geldautomaten gefragt und 3x200 Guarani (ca. 40 Dollar pro Ticket) gezahlt. Wie wir später im Bus gesehen haben, haben einige Fahrgäste sogar 240 Guarani gezahlt, also haben wir gar nicht so schlecht verhandelt. Angeblich mit Essen, aber wer weiß das schon. Der Geldautomat war nicht nur in einem schönen und erhöhten Glaskasten mitten in der Busstation aufgestellt, damit jeder die PIN genau mitverfolgen konnte, sondern hatte auch eine Gebühr von rund vier Euro. Es blieb uns aber nichts anderes übrig.

Das Gepäck im Hotel geparkt sind wir danach nach Asuncion rein. Soll ja eine unglaublich gefährliche Stadt sein. Uns zeigte sie sich ganz friedlich, wobei die Nähe von bettelarm und ganz reich extrem ist.

Es gibt eine nette Promenade mit Blick auf den Rio Paraguay, aber wirklich da lang gehen will man nicht, da direkt unterhalb der Promenade die Elendsviertel anfangen und es stinkt.

This would have been the spectacular picture of Asuncion. We did not dare to use our camera here, though. (not really Asuncion, Germany)

Die Innenstadt ist absolut unspektakulär. Das eigentliche Leben spielt sich mal wieder weiter draußen ab, so dass wir mit der Unterbringung bei der Busstation genau richtig lagen. Die Polizeipräsenz ist enorm. So viele bewaffnete Menschen, das kann einem mehr Angst vor den Waffen als vor der zu verhindernden Kriminalität einflößen. Hier im Zentrum gibt es nur ein paar schäbige Parks, auf der Plaza Uruguay, die ja so schön sein soll, leben Menschen unter Plastikplanen in ihrem eigenen Müll. Ich finde das nicht sonderlich schön, sondern eher bedrückend. Da waren die Researcher wohl mal wieder noch nie hier gewesen.

Der Lonely Planet Südamerika ist sowieso so eine Sache, da er unglaublich viele Inkonsistenten besitzt, zum Teil wirkliche Fehlinformationen liefert und das Gerücht umgeht, dass die Researcher an vielen Stellen niemals gewesen sind, was man ohne Zweifel merken kann.

Wir haben zu Mittag in einem anscheinend sehr typischen Restaurant gespeist, wo eine große hufeisenförmige Theke um die Bedienung stand und wo unzählige Leute saßen und aßen.

Die auf einem Thermometer an der Straße angezeigten 41 Grad haben uns echt geplättet und das mit den dicken Klamotten, wir müssen fürs Reisen ja immer unsere Wanderstiefel tragen und dazu noch das Sprühzeug gegen die Mücken. Was für ein Gemenge aus Schweiß und Gift. Da es sonst nichts mehr in der Stadt zu sehen gab sind wir zurück zur Busstation. Der Bus fuhr mal wieder erst abends los und dazu kommt, dass Paraguay eine Stunde weiter zurück ist, so dass wir nicht nur länger warten mussten, sondern dass es um sechs dunkel ist.

Wir haben dann erst an der Busstation rumgehangen und sind dann zurück ins Hotel in der Hoffnung, dass wir uns dort irgendwo hinsetzen könnten.

Begeistert schien dort keiner davon zu sein, aber es ging und hier war es auch ein bisschen ruhiger.

Abends ging es endlich los. Aber vorher durften wir noch eine große Reisegruppe von Menoniten bestaunen. Die sehen nicht nur aus, wie aus einer anderen Zeit, sondern sie sehen dabei auch noch alle gleich aus.

Da im Bus nicht viel los war, wurde mir angeboten, mir doch einen eigenen Sitz zu nehmen, so dass wir auf komfortablen vier Sitzen residierten. Und es gab wirklich Essen. Aber so was von lecker. Das kam so überraschend, dass unsere Provianttüten überflüssig erschienen, aber man weiß ja nie, was kommt, und wie lange so ein Trip wirklich wird.

Wider erwarten ging es auch durch ganz Paraguay auf asphaltierter Straße.

Nachts um drei wurden wir aus dem Bus gekippt um uns mitten im Nirgendwo des Chaco auszustempeln, was aber keinerlei Probleme darstellte. Von der Grenze waren wir hier aber noch immer Stunden entfernt. Nur dort ist dann wirklich nichts und niemand mehr, also auch keine Passkontrolöre.

Und ungelogen, wir hatten bis dahin bestimmt schon zehn Gepäckkontrollen hinter uns. Was in Indonesien der Reifenwechsel war, ist hier die Kontrolle. Ständig musste der Bus anhalten und das Gepäckfach wurde kontrolliert, was für uns echt anstrengend war, da ich da immer gerne ein Auge drauf habe. Doch so schlimm wie in Bariloche, wo Leute aussteigen mussten um ihre kompletten Taschen auszuräumen, war es hier dann nicht.

Weiter geht's in Bolivien!



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