[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 20. Mai 2009
Easy Pisie Grenzpassage (Copacabana, Bolivien, nach Puno, Peru)
Ich kann's nicht fassen. Die obligatorische dritte Nacht und was zeigt sich am Morgen? Stiche von Bedbugs. Ich bin es so Leid. Wisst ihr eigentlich was wahrer Luxus ist? Keine scheiß Wanzen im Bett zu haben. Mensch!
Da wir hier immer super früh wachen sind, waren wir auch früh am Busplatz, wo wir umgehend einen Minibus zur circa acht Kilometer entfernten Grenze für 3x3 Bolivianos erwischt haben.
Irgendwo im Nirgendwo hielt der Micro einmal an und ließ drei alte Damen mit ihren Spitzhacken raus. Die eine konnte kaum gehen, aber das scheint hier kein Argument gegen Feldarbeit zu sein. Ich würde ja gerne mal deutsche Rentner sehen, die trotz ihrer ganzen Wehwehchen und die sind ja wirklich im Vergleich albern, noch einen Finger rühren müssten.
Wenigstens hatte die eine Dame einen Sonnenschirm dabei, so dass sie zur Mittagspause wenigstens nicht in der prallen Sonne bruzeln müssen.
Pünktlich zur Grenzöffnung waren wir schon da und der Zollbeamte war super lieb. Er schüttelte Josua enthusiastisch die Hand, verpasste unseren Pässen die nötigen Ausreisestempel und von einer Extragebühr, die an vielen Grenzübergängen von Reisenden einfach verlangt wird, keine Spur.
Zu Fuß ging's dann auf die peruanische Seite. Auch hier ein konträres Bild zu dem, was ich dank unseres akkuraten Führers erwartet hätte. Ein modernes, dank extra Rampe neben der Treppe sogar behindertengerechtes Gebäude, mit einem verschlafenden Grenzbeamten, Peru ist nochmal eine Stunde zurück, so dass es für ihn noch eine Stunde früher war, und kein Zeichen von Unseriösität. Auch hier hieß es im Vorfeld, oder besser laut Lonely Planet, dass an den peruanischen Grenzen gerne mal Dollar und Euros konfisziert werden, unter dem Vorwand, dass es Falschgeld sei. Wir hatten deshalb unseren ganzen Bargeldvorräte versucht zu verstecken. Da wir mehr Bargeld mit uns rumschleppen, in Währungen, von denen ich nichts wusste, konnte ich diese leider nicht alle in meinen BH stecken. Christian hatte das ganze Geld unterm Tragetuch verstaut, in der Hoffnung, dass man ihn wegen Florian nicht extra durchsucht.
Aber all die Vorsichtsmaßnahmen waren total überflüssig. Der verschlafende Zollbeamte stempelte unsere Pässe und ausgefüllten Einreisekarten ohne mit der Wimper zu zucken und das war's.
Wir sind dann die zwei Kilometer in die nächste Stadt gelaufen, wo wir direkt einen Bus nach Puno bekommen haben. Mit 3x6 Sol (ein Euro sind 4,10 Sol) im Verhältnis zu Bolivien ein Stück teurer, aber was soll's. Das Gepäck ging wie immer aufs Dach, mit der sicherste Ort, da man ja durch die Fenster stets im Blick hat, was da runter kommt.
In Peru gibt es wieder Tuk-Tuks (motorisierte Dreiräder zu Fahrgastbeförderung) und Cyclos (so hießen die Fahrradrikschas in Vietnam). Auch sind die Landstücke, die hier bearbeitet werden, um einiges größer als in Bolivien, so dass es nicht mehr ganz so sinnlos erscheint, was die Bauern machen. Für richtig große Felder haben wir sogar Traktoren gesehen, kein wirklich häufiges Bild. Und wir haben gesehen, wie man auf einem Feld Seile herstellte.
Josuas blödes Trinktütchen, welches unbedingt noch in Bolivien gekauft werden musste, ist natürlich in unserer Provianttasche ausgelaufen. Das gehört wohl auch dazu.
Schon nach zwei Stunden waren wir in Puno. Taxiheinis ignorierend sind wir ins Zentrum gelaufen und durch Zufall haben wir ein Guesthouse in einer Seitenstraße gesehen. Wir haben gefragt und die super liebe Frau und auch die Aussicht auf eigenes Bad und mal wieder einen Fernseher haben uns die 40 Soles (rund 10 Euro) ohne weitere Preiseinholungen akzeptieren lassen. Das Hostal heißt Cielo Andino, hat einen gemütlichen Aufenthaltsraum, eine Küche, die man mitbenutzen darf, und mehr oder weniger freies Internet. Es funktionierte auf jeden Fall reibungslos unseren Notebook anzuschließen.
Die Eigentümerin, die auch hier wohnt, ist auch total lieb und hat allen drei Kindern erstmal etwas zum Spielen geschenkt. Die Frau, die sich hier um den Rest kümmert, war so begeistert von Florian und erzählte, dass sie selber 12 Kinder hätte und auch schon Enkel, wobei ihr jüngster Sohn so alt wie Florian ist. Beeindruckend!
Sie nannte uns auch, wo wir den Comedor finden und wie teuer das Essen sein soll. Etwas teurer als in Bolivien, aber OK. Wir waren lecker Mittag essen. Und obwohl Florian im Moment alles andere als nett und sympathisch ist, ständig läuft er weg, schreit wenn man ihn dann anfassen will und schmeißt sich auf den Boden, sind alle ganz entzückt über ihn. Ich nicht!
Wir sind danach noch in eine Konditorei gestolpert, wo es Schokoladenkuchen gab, den wir uns einfach mal gönnen mussten. Mit knapp zwei Euro für fünf Stücke gerade noch vertretbar. Wobei man hier oben unglaublich schnell satt ist. Ein Süppchen zum Mittag und ich platze.
Ich habe dann noch eine Wäscherei aufgetrieben, die zwar etwas über dem üblichen Dollar pro Kilo lag, aber wegen der Bedbugs muss ich alles waschen und hoffen, dass die Viecher nicht in meinen Schlafsack oder so gekrochen sind.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 21. Mai 2009
Schon wieder ein „to-do-Tag“ (Puno, Peru)
Am Morgen hat die Dame im Guesthouse den Kindern erstmal einen Kakao gemacht, was die natürlich total klasse fanden.
Ich weiß nicht, was hier los ist, aber ich war den ganzen Vormittag damit beschäftigt, Klamotten zu nähen. Und Josuas Schuhe sind jetzt auch an der selben Stelle gerissen wie Lydias. Was lehrt uns das? Der Anaconda Kram aus Australien ist totaler Misst. Nichts, was wir dort gekauft haben, musste noch nicht genährt werden.
Chris, Flo und ich sind dann noch zur Busstation, um Tickets nach Cusco für morgen zu besorgen.
Erstaunlicherweise sagten uns die Anquatscher, dass es nicht nur Tickets für 20 Sol (ca. 5 Euro), sondern auch für 15 Sol (ca. 4 Euro) gäbe. Das hätte ich nicht erwartet. Wir haben diese Aussage beim rumshoppen validiert und uns für 3x15 Sol entschieden, denn bei den 20 Sol-Tickets waren nur die Sitzplätze weiter vorne im Bus.
Da Christians Hose jetzt auch genau am Knie gerissen ist, Handwäsche hat halt nicht nur etwas für sich, und es aussichtslos ist für jemanden der größer als 1,70 m ist eine Hose hier zu kaufen, bin ich damit zu den Nähern auf der Straße. Es gibt hier eine Handwerkerstraße, wo jede Menge Handwerker in kleinen Blechbüchsen sitzen und ihre Dienste anbieten. So auch Näherinnen. Und obwohl die Frau gut 45 Minuten beschäftigt war auf beide Seiten einen Flicken drauf zu nähen, wollte sie nur drei Sol (4,10 Sol sind ein Euro).
Die Schuluniformen hier in Puno sind krass. Die Kinder sind in militärische, beige Uniformen gesteckt mit entsprechenden Hüten, freundlichen Springerstiefeln und dazu gibt es so etwas wie Aktenkoffer. Sieht für unser Auge etwas heftig aus. Aber zum Glück gibt es auch die normalen Schuluniformen.
Als Florian nach dem Mittagessen seinen noch nicht gegessenen Reis in einer Plastiktüte mitnehmen durfte war er stolz wie Oskar und hielt die Tüte fest in der Hand bis ins Hotel. Zum Kaffeetrinken, wo wir uns wieder Kuchen gönnten, wollte er dann nur seinen Reis.
Ach ja, Puno ist absolut unindigen. Wenn man aus Bolivien kommt, wirkt Peru schon fast langweilig. Faltenröcke und bunte Tragetücher sind ungleich seltener als im Nachbarland. Dafür ist Puno eine nur sehr eingeschränkt schöne Stadt und Peru im Verhältnis zu Bolivien sehr viel dreckiger. Das ist uns schon auf der ganzen Strecke von der Grenze bis nach Puno aufgefallen.
Und als wir den Blog gerade ins Netz stellen wollten, an dem Christian den ganzen Tag rumgebastelt hatte, fiel auch noch für über eine Stunde der Strom aus. Bestimmt nur, um mich zu ärgern.
Am Abend sind wir dann wieder die hiesigen Straßenhamburger essen gegangen. Ich sagte bestimmt schon, dass die hier nicht mit so Hamburgerpappbrot gemacht werden und auch immer noch drei Fritten mit drauf gelegt werden.
Und während wir dort so auf der Straße standen und unsere Burger verputzten, füllten sich die Straßen. Sobald es dunkel wird, wird es hier wie in Bolivien brechend voll und man hat das Gefühl auf einem Weihnachtsmarkt gelandet zu sein, von der Menschendichte alleine.
In den rund 10 Minuten, die wir dort standen, sind mindestens 20 Menschen am Florian vorbei gekommen, haben gelacht, gekrischen und an ihm rumgezupft und immer wieder: „Ay, que lindo el bebe!“ Die Peruaner sind so mit das Kinderjeckeste, was wir in Südamerika je erlebt haben.
Wer mit dem eigenen Fahrzeug durch Peru reisen sollte, sollte sich darüber im klaren sein, dass die meisten Tankstelle nur 84 und 90 Oktan Benzin anbieten.
Langsam bin ich total übermüdet, denn mit schlafen ist hier auf 4000 Metern kaum etwas. Tagsüber ist das hier alles kein Problem, aber kaum lege ich mich hin, geht das mit dem Luftschnappen wieder los. Und außer Lydia und Florian, die uns noch die Haare vom Kopf fressen, ist Hunger und Appetit kaum existent. Vielleicht sollte man mal Diätwillige aufs Altiplano schicken, da die Höhe jegliches Verlangen nach Essen unterbindet.
Das besondere an Puno ist, dass wir zum ersten Mal in Südamerika und das erste mal seit Bali wieder ein eigenes Bad haben. Auch Fernseher gehören hier wieder in jedes Zimmer. Was für ein Luxus.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 22. Mai 2009
Willkommen in der wohl dämlichsten Stadt Südamerikas (Puno nach Cusco, Peru)
Wer in Südamerika ist und besonders in Peru, hat nach Cusco zu fahren. Wegen der Inka und so. Immerhin heißt Cusco auf Quechua „Der Nabel der Welt“ und ist angeblich die älteste durchgehend besiedelte Stadt des Kontinents.
Und auch wir haben uns diesem Diktat gebeugt und sind nach Cusco gefahren.
Wir haben uns super herzlich im Guesthouse verabschiedet und versprochen, in ein paar Tagen wieder zurück zu kommen. Wir wollen dann wieder durch Bolivien, um nach Brasilien zu kommen.
Wie gut, dass wir die Tickets für den Bus schon gekauft hatten, da die Atmosphäre heute Morgen am Busbahnhof sehr viel aggressiver war. Die 1 1/2 Kilometer zum Bahnhof liefen sich ganz unproblematisch, trotz des Zusatzgewichtes von lauter Artesanias.
Auch hier an den Busbahnhöfen muss man eine kleine Gebühr entrichten. Warum, ist nicht ganz ersichtlich. An einigen Bahnhöfen darf man dann kostenlos aufs Klo. Auch die Zahl derer, die dann an die Bussteige darf, ist eingeschränkt, wobei immer noch arbeitende Kinder dort auftauchen und einem was verkaufen wollen.
Der Trip dauerte rund sieben bis acht Stunden durch echt spektakuläre Landschaft. Oder besser, durch eine Landschaft, wie man sie für Peru erwarten würde, da jedes Bild von Machu Pichu diese so zeigt.
Dennoch zog sich die Fahrt und mal hatten wir vier Sitze zur Verfügung und dann mal wieder nicht. Und die ganze Zeit wurden wir erst mit einem furchtbaren Ballerfilm belästigt, ich frage mich echt, warum diese sinn- und handlungsentleerten Filme, die frühestens ab 16 freigegeben sind, hier so populär sind, und dann mussten wir unsägliche hiesige Comedy über uns ergehen lassen. Chris saß leider direkt unter dem Lautsprecher für den gesamten Bus und litt hinterher etwas unter Schwerhörigkeit.
Endlich in Cusco angekommen wurden wir von Anquatschern in einem extrem hohen Maße belästigt. Wobei Cusco mit eines der schwierigsten Pflaster sein soll, was dieses ganze Touri-Nepp angeht, fand ich es noch gut händelbar.
Da ich keine Info oder so sah, sind wir die rund zwei Kilometer gelaufen.
Cusco liegt niedriger, so dass es keinerlei Probleme mit der Lufft gab. Das ist echt angenehm, diese Leistungssteigerung durch das Höhentraining der vergangenen Wochen.
Als wir dann ins historische Zentrum und somit auch in die absolute Tourizone kamen, wäre ich ja am liebsten gleich wieder gegangen. Was für eine hässliche Stadt. Nicht baulich. Da sind viele alte koloniale Häuser und Plätze, die aufs penibelste hergerichtet sind. Aber mal ganz ehrlich, das ist doch nicht Peru. Auf jeden dritten Peruaner kam ein Tourist.
Überall standen Anquatscher, die von Restaurants, Hostels über Touren bis hin zu Massage alles anboten. „Massage!“ Die weltbekannte Cusco-Massage. Was ist denn das für ein Schwachsinn. Wir dachten schon, wieder in Asien gelandet zu sein und da hat Massage ja auch wirklich eine Kultur.
Es ist einfach zum kotzen, dass der Massentourismus auch immer Drogen und Prostitution hinter sich herzieht. Entsprechend hässlich finden wir die Atmosphäre hier. Hier ist überhaupt keine lokale Infrastruktur mehr. Nur noch Tourischeiße. Und das alles für ein paar blöde alte Steine.
Ich bin dann alleine nach einem Hostal suchen gegangen. Ich habe dann auch ein nettes für 55 Sol (rund 14 Euro gefunden). Nicht um sonst, aber wir sind ja auch in Cusco.
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| View over Cusco out of our hotel window. (Peru) |
Während ich mich registrierte, kam Christian schaute auf die Preisliste und fragte, ob das sein könne. Da stand hinter den Preisen Dollarzeichen. Ich habe das gar nicht registriert, da wir in Peru sind und hier zahlt man mit Sol. „Nein, nein, das stimme schon. 55 Dollar!“ Bitte! Ich habe den Stift hingeschmissen, bin mit Chris ins Zimmer, haben Kinder und Rucksäcke geschnappt und etwas schnaubend über diese Unverschämtheit diese Guesthouse verlassen. Das war absolut keine 55 Dollar wert. Und wie gesagt, man zahlt hier in Sol, nicht in Dollar, zumal wir keine „Gringos“ sondern „Europäer“ sind. Wir haben mit Dollar nichts, aber auch gar nichts am Hut. Aber das kappieren die Menschen in der dritten Welt genauso wenig, wie die US-Amerikaner. Wahrscheinlich war das einfach nur ein Trick, um am Schluss den dreifachen Preis zu kassieren (1 Dollar = 3 Soles). Diesen Trick haben wir in elf Monaten Weltreise bisher noch nie erlebt, aber man lernt ja nie aus.
Um die Ecke fanden wir ein sehr viel besseres Guesthouse (La Posada de Varayoc) mit eigenem Bad und Fernseher, die gehören hier wieder zum Standard, und Küchennutzung (wichtig, um Wasser abzukochen, da ein Liter Wasser in Peru bis zu einem Dollar kostet). Und das ganze nur für 40 Sol (10 Euro). Der Preis wurde wegen der Disco nebenan von 50 auf 40 Sol gesenkt, wobei die Disco echt harmlos war. Fernseher und Küche hatte die 55-Dollar-Konkurrenz nicht.
Der lange Holzflur erinnerte Lydia an Kiel und sie fühlte sich besonders wohl.
Zum Abendessen, Mittag fiel durch die lange Busfahrt platt, sind wir zum Zentralmarkt. Der hässlichste Markt, den ich je gesehen habe. Dunkel, dreckig und die Tore, bis auf eins, wurden schon gegen fünf geschlossen. Wir haben aber noch Maiskolben mit Käse bekommen. Mehr brauchten wir dann doch nicht zu essen. Man ist ja immer so schnell satt.
Die Preise sind zum großen Teil teurer als in Bolivien und man vertut sich leicht, da kleinere Sachen immer ein Sol statt ein Boliviano kosten, nur mit dem Unterschied, dass ein Sol etwa 2 1/2 mal soviel ist. Womit dann schnell die Sachen einfach mal doppelt so teuer sind.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 23. Mai 2005
Die Stadt wird auch auf den zweiten Blick nicht attraktiver (Cusco, Peru)
Da wir von Bjoern und Ines, dem Motorradpärchen aus Patagonien, schon über die Preise für Machu Pichu informiert worden waren, hatten wir nie vor, dort hinzufahren. Ich glaube diesen Schwachsinn können wir mit gutem Gewissen sein lassen. Inka-Steine liegen hier überall 'rum, die Landschaft haben wir schon auf der Busfahrt genossen und für rund 600 US-Dollar (das ist wirklich so teuer!) für uns alle zusammen, nur um für ein paar Stunden da rumzulaufen... No way, so blöd kann man einfach nicht sein. Da hatte Ankor in Kambodscha ja noch richtig viel zu bieten. Und für 600 Dollar, da mache ich doch echt lieber was Nettes. Zum Beispiel vier Wochen Indonesien, oder so.
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| The famous 12 cornered stone of Cusco... (Peru) |
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| ...nearly as boring as the not so famous 6 cornered stone nearby. (Cusco, Peru) |
Nach einem kleinen Zwischenstop auf dem Markt, ich wollte es nochmal mit einem Kaffee versuchen, aber den kann man echt sein lassen, sind wir dann als allererstes zum Busbahnhof, um Tickets zu besorgen, damit wir hier so schnell wie möglich wieder verschwinden können.
Auf unserer hinterherigen Suche nach Windeln sind wir dann über das eigentliche Stadtzentrum gestolpert, mit einem großen, attraktiven Markt, wo wir für nur je 2,50 Sol (4,10 sind ein Euro) ein komplettes Mittagessen bekommen haben und das war zur Abwechslung auch mal abwechslungsreich.
Hier auf dem Markt waren die Menschen auch wieder freundlicher, lächelten und sprachen uns an. Der Zentralmarkt, der in der Nähe des alten Stadtzentrums liegt, weist diese Freundlichkeit nicht auf.
Cusco war vermutlich mal sehr schön mit seinen alten kolonialen Bauten und großen Kirchen, in die man aber nicht rein darf, wenn man nicht das „Boleto Turistico“ für schlappe 12 Dollar gekauft hat. So spannend finden wir Kirchen dann auch nicht, als dass es nicht reicht, sie von außen anzuschauen. Leider ist der historische Kern ein toter Kern, da wie gesagt nur noch Tourischeiß hier ist. Hier wohnt keiner mehr und hier findet auch kein normales Leben mehr statt. Dazu kommt, dass Cusco nur zwei Meter neben den Haupttourimeilen verhältnismäßig dreckig ist und nach Urin stinkt. Irgendwo ist immer jemand, der gegen eine Wand pinkelt oder rumrotzt. Etwas, was schon in Bolivien wieder auftauchte. Vielleicht könnte man ja mal eine weltweite Studie durchführen, die genau anhand dieser Kriterien überprüft, ob man daran den Entwicklungsstand der Länder erfassen kann. Das würde mich ja echt mal interessieren, denn wenn das Ergebnis positiv miteinander korreliert, sollte man sich vielleicht mal Gedanken über sinnvolle Entwicklungshilfeprojekte machen.
Da Chris und ich auch alleine unterwegs waren, ging der ganze Schwall von dämlichen Anquatschern über uns ernieder. Das ist echt unerträglich.
Wir sind bei unserem Rumstreifen über einen Platz gestolpert, wo verkleidete Mädels mit alten Trachten und süßen Alpacababys saßen und für Fotos kräftig die Hand aufhielten.
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| Lonely Planet cover girls. (Cusco, Peru) |
Und wenn man sich mal ganz scharf das Coverfoto vom Lonely Planet Südamerika anschaut, wird man feststellen, dass das Foto genau hier mit diesen Mädels drauf gemacht worden ist. Jetzt bin ich echt total enttäuscht, warum der Lonely Planet nicht einfach ein natürliches Bild genommen hat, sondern diese verkleideten Mädels. Denn so läuft hier keiner mehr 'rum. Die Peruaner haben in den größeren Städten ihre Röcke schon längst abgelegt und gegen Jogginghosen ersetzt. Das wäre sehr viel ehrlicher, so ein Foto zu nehmen, oder man geht nach Bolivien, da gibt es ja noch ganz tolle Szenen, die sich hervorragend für Fotos eignen.
Das ist doch echt frustrierend. Kaum ist man ein paar hundert Meter tiefer, schon kommt der Hunger wieder. Ich fand den Zustand doch gerade so angenehm.
Zum Abend gab es Brot und, obwohl Florian nicht mehr konnte, sprang er wie von einer Tarantel gestochen auf, als ich Josua vorschlug, Florians Brot aufzuessen. Der versteht mittlerweile fast alles, nur mit dem selber sprechen will es nicht so richtig. Sein Kauderwelsch aus Deutsch, Spanisch und Englisch ist leider nicht zu verstehen, weswegen er oft frustriert auf dem Boden liegt und heult.
Auch in Cusco, wie überhaupt in ganz Südamerika, besonders in Argentinien ist uns das auch schon aufgefallen, gibt es unglaublich viele blinde Menschen. Wir vermuten ja, dass das unter anderem daran liegt, dass die Babys hier nicht die Augentropfen direkt nach der Geburt, wie in Deutschland, verabreicht bekommen.
Und was mir hier auch nachhaltig aufgefallen ist, dass die Identität besonders von Bolivien und Peru nicht sonderlich ausgeprägt ist, da auf den Werbeplakaten immer nur mit Westlern geworben wird und das geht doch ein bissel an der Zielgruppe vorbei. Wobei ich nicht weiß, warum sie nicht mit eigenen Gesichtern werben. Ok, Ok Peruaner und Bolivianer passen nicht gerade sehr gut ins westliche Schönheitsideal, sie sind klein, gedrungen und gerade die Frauen zeichnen sich durch wenig definierbare Proportionen aus, aber wer sagt, dass das westliche Schönheitsideal für alle Gültigkeit haben muss.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 24. Mai 2009
Ab heute geht es nur noch Richtung Flughafen (Cusco nach Arequipa, Peru)
Cusco ist der nördlichste Punkt unserer Südamerikareise. Ab jetzt reisen wir mehr oder weniger gradlinig Richtung Rio de Janeiro.
Wir hatten Glück, nicht nur weil wir unser Gepäck im Guesthouse unterstellen konnten, der Bus fährt erst abends, sondern weil heute Trachtenumzug war. Jede Menge verschiedene Trachtengruppen der unterschiedlichen Dörfer, die sich präsentierten. Und man durfte sogar umsonst fotografieren. Zwar nicht alle, da sich auch die Scharlatane dazwischen mischten, die dann Geld forderten. Wir haben uns sowieso nur auf die Mädels auf der Straße konzentriert, so dass uns das egal sein sollte.
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| The parade is on the way. (Cuscu, Peru) |
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| Watching the parade. (Cuscu, Peru) |
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| Dancing on the street. (Cuscu, Peru) |
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| Everybody needs a rest. (Cuscu, Peru) |
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| More resting costume wearers. (Cuscu, Peru) |
Zum Mittag sind wir wieder raus zum richtigen Markt gelaufen. Da Sonntag war, hatten nur wenige Stände auf und durch unser frühes Erscheinen haben wir an den wenigen Ständen noch was bekommen.
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| Nearly everething was closed on sunday. |
Alle, die nach uns kamen, hatten schon das Nachsehen. Besonders klasse war, dass zwischen den ganzen Ständen sich die Frauen für den Umzug umzogen und dort ihre Tänze probten. Ein sehr nettes Mittagsambiente. Zumal wir auf diesem Markt immer die einzigsten Ausländer bis jetzt waren. Windeln suchen hat somit auch sein Gutes.
Hier auf den Straßen sind immer jede Menge mobile Telefonzellen unterwegs. Soll heißen Personen, die mit Handys rumrennen und ihren Telefondienst anbieten. Überhaupt gibt es hier unglaublich viele Telefonläden. Warum bei soviel Telefonbedarf die Leute nicht einfach mit Skype arbeiten? Aber dann wären vermutlich die alle 20 Meter auftauchenden Locutorios (Telefonläden) pleite.
Wir haben den Tag irgendwie so rumbekommen und sind dann Richtung Busbahnhof gestartet. Und wie wir so vor uns hintrotten, ruft jemand laut hinter uns her. Ich konnte es kaum glauben, aber wer konnte es schon anderes sein als unsere Holländer, die wir ja schon in jedem Winkel des Kontinents getroffen haben.
Wir mussten dennoch zügig weiter, um eine weitere Nachtfahrt über uns ergehen zulassen.
Unangenehmerweise wollte die Busgesellschaft, dass man das Gepäck bei ihr ins Büro stellt, um es dann selber einzuladen. Wir haben es, wie übrigens alle anderen auch, dann auf der anderen Seite wieder geholt und selbständig in den Bus verfrachtet. Das war schon besser so.
Wir hatten ausnahmsweise mal wieder die Sitze ganz vorne erwischt, welche trotz Dunkelheit nett sind. Für 3x20 Sol ging es die ganze Nacht in Richtung Arequipa.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 25. Mai 2009
Und noch 'ne Stadt (Arequipa, Peru)
Um halb sechs wurden wir in Arequipa ausgekippt. Zu früh für alles. Also haben wir bis sechs gewartet bis es hell war, sind zu den lokalen Bussen, nachdem wir uns durch die Taxiheinies gekämpft hatten. Ich saß schon im Minibus, da die aber zwei Soles pro Person haben wollten, haben wir uns fürs Laufen entschieden.
Drei Kilometer bergauf ist happig, aber wir hatten Zeit und die haben wir hervorragend genutzt, um uns wunderbar zu verlaufen. Auf den blöden Lonely Planet Karten sind ja nie die Busterminals eingezeichnet. Die liegen immer außerhalb der Karte, so dass das immer mal wieder zu Problemen führen kann. So auch diesmal. Wir sind stark vom Zentrum abgewichen, haben dann gehalten und, während die Kinder und ich erstmal an einem Straßenstand was zum Frühstück besorgten, hat Christian alleine nach dem richtigen Weg gesucht.
Wir sind dann doch irgendwann im Zentrum eingetroffen. So etwa zwei Stunden nachdem wir losgelaufen sind. Also um acht Uhr. Da keiner von uns ins Touriviertel wollte, haben wir in Richtung Markt nach einem Guesthouse gesucht. Das erste war wie wohnen bei der Oma. Eine nette alte Dame, die für viel Geld ordentliche Spitzendeckchen und Blumenkissen anbot. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ein zweijähriger Feger hier nicht wirklich gut aufgehoben ist.
Ich bin frustriert zurück und Christian ist nochmal los. Das Problem ist, dass ohne Spanisch man hier keine Chance hat. Immer, wenn Christian versucht, alleine was zu kaufen oder so, werden die Menschen piss unfreundlich und die Preise verändern sich plötzlich sehr ungut. Eigentlich war ich zu müde und auf dem Hauptplatz mit Springbrunnen und vielen Tauben, die Florian füttern durfte, die Vogelfrau hatte ihm ein Päckchen Mais zum füttern geschenkt, saß ich eigentlich ganz gut. Wenn man mal davon absieht, dass Florian meinte, unsere Trinkflaschen durch die Vogelkacke zu rollen und sich gleich hinterher.
Arequipa ist nicht annäherungsweise so schlimm wie Cusco. Es ist die zweitgrößte Stadt Perus, hat auch ein altes Stadtzentrum mit schönen kolonialen Häusern und Kirchen, nur im Gegensatz zu Cusco hat man den Eindruck, dass hier auch Peruaner noch leben und nicht alles auf den Tourismus ausgelegt ist.
Christian hatte dann noch ein Guesthouse direkt gegenüber des Marktes entdeckt, wo wir dann alle zusammen hingelaufen sind. Hier stimmte Preis und Räumlichkeit. Mit 35 Soles, Holzfußboden und Fernseher echt schön. Ach ja, und Blick auf den Markt. Also das Essen direkt vor der Haustür. Und der Markt ist echt schön, groß und hat ein tolles Angebot.
Es gab ganz tollen Kuchen, so dass unser zweites Frühstück, wir sind ja jetzt nochmal ein ganzes Stück tiefer wieder, „Hunger“, aus Apfel- und Erdbeerkuchen bestand.
Ich habe den Vormittag dann erstmal geschlafen während der Rest fernschaute.
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| So happy with the remote control. (Arequipa, Peru) |
Und obwohl wir hier zum ersten Mal auf unserer Reise ein zweites Zimmer haben, wollte Josua nicht dort schlafen. Wie soll das denn dann nur in Deutschland werden. Ich wollte die Kids schon wieder in eigene Zimmer stecken, irgendwann. Wobei Lydia begeistert verschwand und die Tür hinter sich zu machte.
Als wir zum Mittag in den Comedor sind, wurden wir so belästigt von den Standfrauen, die alle ihr Mittagessen an uns verkaufen wollten, dass wir entnerft gegangen sind und auf der Straße etwas gekauft haben.
Die Touriinfo, die wir am Nachmittag mal angesteuert haben, kann man sich sparen. Da kam keine zusammenhängende Erklärung von Aktivitäten heraus.
Arequipa ist der Ausgangspunkt für den tiefsten Canyon der Welt. Ich fand das hörte sich spannend an. Doch so richtig ist Arequipa dann doch nicht der Startpunkt. Man muss rund vier Stunden mit dem Bus fahren, so dass ein Tagesausflug ausgeschlossen ist und die Buspreise waren mal wieder auf die zahlungskräftigen Touris ausgelegt. Dazu kommt, dass man in Peru an jedem Laternenpfahl ein „Boleto Touristico“ kaufen muss, was ich für keine Leistung und nur mal in einen Canyon schauen indiskutabel finde. Das wären mal wieder 3 bis 4 mal 7 US-Dollar gewesen. Und ganz ehrlich. Wir haben uns die Fotos vom Canyon angeschaut. Die Busstrecke von Puno nach Cusco sieht genauso aus, so dass ich echt nicht das Gefühl habe was verpasst zu haben. Trocken und staubig bekommt man hier überall.
Ansonsten sind wir nur ein bisschen rumgebummelt und haben gegessen, gegessen, gegessen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 26. Mai 2009
So ein weiterer Tag in so einer weiteren Stadt (Arequipa, Peru)
Mensch, was sind wir fertig. Wir haben keine Lust zu gar nichts. Irgendwie haben wir das Gefühl schon alles gesehen zu haben, so dass man sich echt zwingen muss noch was anzuschauen.
Lydia hat sich mal wieder vom leckeren Joghurt, den wir gestern gekauft hatten, übergeben, so dass nur wir anderen zum Mittagessen aufgebrochen sind. Arequipa ist teurer als Cusco. Das hätte ich nicht gedacht. Die Portionen waren nicht nur teurer, sondern auch sehr viel kleiner. Dafür gab es zum Nachtisch wieder leckeren Apfelkuchen.
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| Vulcano behind Arequipa. (Peru) |
Christian musste unbedingt zum Friseur und ich dachte erst, dass das Mädel auch etwas talentfrei sei, da sie selbst mit dem Haarschneider schiefe Linien rasierte, aber sie hat es hinterher ausgeglichen und die Frisur ist richtig gut geworden für fünf Soles (etwas über ein Euro).
Am Nachmittag sind wir alle noch zum Mirador gestapft, um den majestätischen Vulkan zu bewundern. Die schneebedeckten 6000er waren vor lauter Smog kaum zu sehen und schon gar nicht zu fotografieren. Das bekommt selbst unsere Kamera nicht hin.
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| Nice church. (Arequipa, Peru) |
Der Mirador lag in einem Wohngebiet, welches man für Arequipa nicht erwarten würde. Aber auch hier gibt es die oberen 10.000, die in kolonialen Villen es sich gut gehen lassen.
Der Platz, auf den wir dann gestolpert sind, ließ einen echt fragen, ob man nicht vielleicht doch eher in Südspanien gelandet sei als in Peru. Beschallt wurde dieser mit klassischer Musik und Schüler aus der am Platz liegenden Privatschule verbrachten hier ihre freie Zeit. Sehr mondän.
Viel mehr haben wir sonst nicht gemacht. Ich schlendere ja immer ganz gerne über den Mercado Central und lasse mich vom Angebot inspirieren. Seien es selbstgemachte Chips, Pops oder Kuchen, alles will probiert werden und einiges auch öfter.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 27. Mai 2009
Der Countdown läuft - Noch 30 Tage! (Arequipa zurück nach Puno, Peru)
Da ich schon um halb sechs wach war, nutzte ich die Gelegenheit, um spontan zu entscheiden, zurück nach Puno zu fahren. Wir hätten auch noch einen Tag hier bleiben können, dann hätte die Busfahrt aber noch vor uns gestanden und da hatte ich gar keine Lust zu.
Also haben wir die Pferde gesattelt und sind fit wie wir sind zur Busstation gelaufen. Das Höhentraining bewirkt da echt Wunder. Wir haben uns diesmal nur ganz am Schluss einmal verlaufen, die Busstation von Arequipa liegt in einem unübersichtlichen Industriegebiet mit riesen Grundstücken und krummen Straßen, und eine halbe Stunde später saßen wir für 3x15 Sol auch schon im Bus nach Puno.
Die Landschaft wandelte sich von staubtrocken und steinig langsam hin zu dem, was wir auch schon aus Patagonien kannten, nur der riesige Vulkan, der hinter den Bergen aufragte, erinnerte an Peru.
Lydias Reisemotto ist ja mittlerweile „Kotzen durch die Welt“. So auch bei dieser Busfahrt. Das Bedauerliche daran ist, sie hat noch mindestens 2500 Kilometer Bus vor sich und das ist nur die Luftlinie. Das heißt, dass es wohl etliche Kilometer und Kurven mehr sind.
Die Peruaner sind nicht wirklich ruhig und leidensfähig wie die Asiaten. Kaum gab es einen nicht geplanten Stopp, fingen viele Passagiere hinten im Bus an zu rufen und zu randalieren. Es wurde laut geschrien, dass man gefälligst weiter fahren solle, und wild gegen Fenster gehämmert und auf den Boden gestampft.
In Puno haben wir unseren Weg zum alten Guesthouse gemacht. Die Luft war hier wieder etwas knapper. Man freute sich uns zu sehen und so plätscherte der Abend dahin.
Und auch wenn wir nur fünf bis sechs Stunden Bus gefahren sind schlaucht das hier mittlerweile extrem.
Ach ja, Josua hat jetzt auch Stiche von Wanzen, so dass ich vermute, dass er sich diese in Cusco geholt hat, oder wir schleppen sie mittlerweile in unseren Schlafsäcken mit. Ich räume ja diese beschissenen Wolldecken, die ja nicht bezogen sondern nur mit einem Laken versehen werden, immer weg. Meiner Ansicht nach sind die Wolldecken das Übel, da sie ein perfekter Lebensraum für diese scheiß Viecher sind und nie gewaschen werden.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 28. Mai 2009
Rumhängen in Puno I (Puno, Peru)
Frühstücken hier ist ja immer total schön, da wir in einem sonnendurchfluteten Raum an einem richtigen Tisch mit Geschirr sitzen können. Dieses blöde Rumgemümmel auf den Betten ist einfach nur ein Mittel zum Zweck. Hat aber nichts mit Genuss oder so zu tun.
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| Breakfast. (Puno, Peru) |
Florian hat so eine Plastikfigur geschenkt bekommen, die er jetzt nicht mehr los lässt.
Die Kids machen wieder ein bisschen Schule, während irgendeiner von uns am Blog rumbastelt.
Mittags ging es dann in den Comedor. Es gibt auch hier zwei Abteilungen. Wir waren etwas zögerlich, in den einen Raum rein zugehen, da wir befürchteten, den selben Eklat wie in La Paz zu erleben. Aber dem war nicht so.
Ganz im Gegenteil, wir wurden neugierig von all den anderen Essenden beäugt und die Köchin von unserem Kochstand, setzte sich, wie das so oft bei uns passiert, einfach zu uns und fing an, ihre kleine Tochter zu stillen.
Wenn nicht gerade die Köchin an unserm Tisch sitzt, dann tauchen gerne mal die Kinder von der Schule der hier arbeitenden Frauen auf, nehmen sich was zu Essen und setzen sich dazu.
Da Florian zur Zeit der absolute Kotzbrocken ist und auch gerne mal den Comedor zusammenschreit, weil er keine Suppe möchte, nur die pappigen Pommes Frittes mag und die bitte nur selber mit der Hand aus dem Reis gefischt, erbarmen sich die meisten Köchinnen und geben ihm eine extra Portion Fritten.
Sagte ich schon, dass ich langsam Fritten mit Reis nicht mehr sehen kann. Das absolute Standardgericht, welches man in Peru überall zu bekommen scheint. Wenn es nicht noch Suppe mit Nudeln und Kartoffeln gäbe würde die Küche hier sehr einseitig ausfallen.
Und wie überall in der dritten Welt gibt es auch hier kein Klopapier, sondern nur Hygienepapier. Warum es Hygienepapier heißt? Na, weil es für alles genutzt wird. Es steht als Serviettenersatz auf den Esstischen, dient als Taschentuchersatz, ich freue mich schon wieder auf richtige Taschentücher, und jeder hat immer seine Toilettenpapierrolle dabei für jede Gelegenheit. Wir im übrigen auch. Schon alleine weil die Bäder ja nie Toilettenpapier besitzen.
Wir waren am Nachmittag noch am Hafen von Puno, der erstaunlich touristisch war. Vermutet man bei Puno so gar nicht. Viele Anquatscher, die einem einen Trip auf die Inseln der Uros verkaufen wollen. Die Schilfinseln, die wir ja schon in Bolivien sehen durften, und die ich dort viel ehrlicher fand als dieses Getue von wegen auf den Inseln würden noch Uros leben und nach alten Traditionen handeln. Die Uros gibt es gar nicht mehr, die sind schon ausgestorben, oder besser gesagt durch die Durchmischung verschwunden. Und diese tollen Schilfinseln sehen für mich nur nach Touri Nepp aus. Anstatt dann ehrlich zu sagen, dass es ein Freilichtmuseum ist, wo man sich anschauen kann, wie die Menschen dort damals gelebt haben, wird wieder so getan, als ob es noch so wäre.
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| Puno seen from its harbour; there are definitly nicer towns. (Peru) |
Die meiste Zeit genossen wir, wahrscheinlich wie die Nachfahren der Uros auch, das internationale Fernsehprogramm zu sehen. So schlecht Deutsche Welle auch sein mag, so ist es unsere einzige Informationsquelle über Deutschland. Und da ist ja immer noch die Krise Thema. Ich hoffe, dass die Stimmung nicht so schlecht ist, wie es die Medien hier einem verkaufen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 29. Mai 2009
Rumhängen in Puno II (Puno, Peru)
Der heutige Tag war im Prinzip die exakte Wiederholung von gestern. Selbst die Demonstrationen und Umzüge auf der Straße schienen die selben zu sein.
Peruaner und Bolivianer lieben es, in Gruppen mit viel Lärm und Musik über die Straßen zu marschieren.
Der einzige Unterschied zu gestern war, dass solche Tage des Rumhängens zunehmend dazu führen, dass man sich mit dem „Danach“ auseinander setzt.
Für mich der absolute Horror. Nichts wäre schlimmer, als da weiter machen zu müssen, wo wir vorher aufgehört haben. Zumindest für sechs Monate bis ein Jahr scheinen wir noch mal in Deutschland fest zu hängen. Bis die Bewerbungen und Visaanträge hoffentlich durch sind.
Und was macht man für ein Jahr und vor allem wo in Deutschland macht man das dann?
Wir haben alles gedreht, gewendet und so weiter. Eine definitive Lösung haben wir nicht, da wir uns erstmal schlau über die ganzen rechtlichen und bürokratischen Dinge machen müssen. Sobald wir uns in Deutschland wieder melden, kommt ja die Schulpflicht auf uns zu, so dass es sinnvoll wäre, schon mal im richtigen Bundesland zu sein und von der Rückmeldung haben wir noch keine Krankenversicherung. Das wäre so der zweite ganz entscheidende Punkt, den es zu klären gäbe.
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| Our friendly hosts in Puno: Ynes and Andi. (Puno, Peru) |
Wir haben aber eine Menge, ich glaube auch ganz gute Ideen entwickelt, so dass wir nicht dort weiter machen müssen, wo wir aufgehört haben.
Das Angebot meiner Mutter, erstmal zur Überbrückung bei ihr unterzukommen, sowie die Sommerferien helfen uns, das ganze „Danach“ in Ruhe zu sortieren und zu organisieren.
