[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 18. August 2008
Wenn's mal wieder länger dauert (Phnom Penh, Kambodscha nach Chau Doc, Vietnam)
Jetzt ist die Zeit in Kambodscha doch noch rasend schnell vergangen.
Mit einer gebuchten Tour bei Capitol-Tours, mit denen sind wir ganz gut durch Kambodscha gereist, ging es im Mini Bus nach Neak Luong, um dort in ein Boot umzusteigen. Auf dem Mekong sollte es dann über die Grenze bis nach Chau Doc in Vietnam gehen.
Der Beifahrer des Minibusses nutzte die Fahrt, um seine Besorgungen zu erledigen. Sei es am Straßenrand zu halten um zu pinkeln oder etwas einzukaufen.
Im Bus waren wir zu elf Travelern. Ausgekippt in einem Hinterhof um noch schnell etwas an uns zu verkaufen, konnte uns das Treiben egal sein, da wir unseren Proviant schon besorgt hatten.
Auf dem Boot ging es weiter. Einer der Bootbegleiter meinte, wir müssten unbedingt bei ihm vietnamesische Dong zu einem vor allen Dingen wohl für ihn sehr vorteilhaftem Kurs tauschen. Ging aber alles auch hervorragend ohne. In Vietnam gibt es fast überall ATMs und die spucken Dongs aus, so dass wir aufs richtige Pferd gesetzt hatten.
Christian brauchtemal wieder fast eine Stunde, um all unsere Einreiseformulare auszufüllen. Er hat aber nichts verpasst.
Die kambodschanische Seite des Mekongs war überschaubar spannend.
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| Florian inspects the Mekong and Christian is filling out the forms. (Mekong River, Cambodia) |
Ein sehr großer brauner Fluss mit Grün an seinen Rändern. Das könnte überall auf der Welt sein.
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| By the time it is getting boring to watch brown water. (between Cambodia and Vietnam) |
Zum Ausstempeln mussten wir das Boot kurz verlassen und eine Militärbasis betreten, die den Charme eines Jugendfreizeitheimes hatte, mit Badmintonfeld in einem nett angelegten Innenhof, umrandet von kleinen Baracken. Die Soldaten saßen dort mit ihren Familien in der Sonne und ließen es sich gut gehen.
Danach ging es mit dem Boot weiter ins Niemandsland zwischen den Ländern. Hier mussten wir das kambodschanische Boot dann ganz verlassen, um ein anderes auf der vietnamesischen Seite zu bekommen. Zu erst mussten wir aber durch die Gesundheitssichtkontrolle, wo es für 2000 Dong (26000 Dong sind ca. 1 Euro) pro Person, kleine Zettelchen gab, auf denen wohl stand, dass wir alle Gesund sind. Zum Glück konnten wir die dort arbeitenden Beamten auch in Dollar auszahlen, so dass sich unsere noch nicht besorgten Dong an dieser Stelle nicht als hinderlich erwiesen.
Dann tauchte ein Mann auf, der unsere Pässe haben wollte, um sie angeblich stempeln zu lassen. Während die anderen Traveler ihre bereitwillig rausgaben, tat ich mich echt schwer, unsere fünf Pässe irgendjemanden in die Hand zu drücken.
Ich meinte, dass ich gerne mitkommen würde, um diese stempeln zu lassen. Nein, das ginge an der vietnamesischen Grenze so nicht, war die Antwort.
Ich schaute ihn an und meinte auch nur, dass es sich hier nicht um irgend ein Papier handele, sondern um unsere Pässe. Ja, ja, er wolle sie für uns stempeln lassen und wir sollten so lange in das Restaurant gehen und etwas essen, während wir auf die Pässe warteten. Ahh! Daher wehte der Wind. Nun gut, wir hatten sowieso keine Wahl. Christian fragte dann noch, ob das Stempeln denn kostenlos sei. Dem sollte so sein, versicherte uns der Mann und verschwand mit allen unseren Pässen während seine Kollegin uns in das Restaurant lotste. Vor dem Restaurant zu warten war angeblich verboten.
Wir durften nun eine Stunde in diesem überteuerten Restaurant sitzen und hoffen. Die Anspannung war uns vermutlich ins Gesicht geschrieben, ich fühlte mich zumindest so. Ständig kam jemand und wollte uns nötigen etwas zu essen. Ich verwies, zum Unmut der unfreundlich blickenden Bedienung, auf unser mitgebrachtes Baguette, welches vor uns auf dem Tisch lag. Und wir warteten.
Dann kam der Mann nach exakt einer Stunde wirklich wieder und hatte sogar unsere Pässe dabei, welche auch korrekt gestempelt waren. Wie bei jeder Kaffeefahrt hatten unsere Mitreisenden ordentlich bestellt, so dass das Ganze sich für die Veranstalter wohl doch noch gelohnt hat, auch wenn wir eine Stunde lang den Bedrängungen etwas zu bestellen widerstanden haben.
Nachdem schließlich unser Gepäck einmal durch die Röntgenkontrolle gegangen war, wurden wir auf ein neues, kleineres Boot verfrachtet und jetzt ging es auf kleinen Seitenarmen des Mekong durch echt spektakuläre Landschaft Richtung Chau Doc.
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| That looks much more interesting. (Mekong River, Vietnam) |
Der allererste Eindruck, den Christian und ich von diesem Stück Vietnams hatten war der, dass es soviel sauberer schien als Kambodscha. Selbst die einfachen Stelzenhäuser am Wasser schienen einer gewissen Pflege zu unterliegen.
In Chau Doc wurden wir überraschenderweise nicht am Touribootsanleger raus gelassen, sonder am zentrumsnäheren. Auch die Cyclo-Fahrer (das ist ein Fahradtaxi und die unmotorisierte vietnamisische Alternative zum Tuk-Tuk) waren total harmlos. Wir hatten ja schon schlimmes gehört.
Da Chau Doc sehr überschaubar groß war, haben wir verschiedene Hotels abgeklappert. Guest-Häuser gibt es vom Namen hier nicht mehr, da Touristen nur in Hotels wohnen dürfen.
Wir haben ein sehr hübsches (Thuan Loi Hotel) direkt am Mekong mit toller Terrasse gefunden, für 8 Dollar.
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| A nice spot on the Mekong. (Chau Doc, Vietnam) |
Und man staune, bis jetzt haben wir noch keine bösen Überraschungen erlebt. Dennoch blieb die Anspannung, denn "die Vietnamesen" sollten laut Führer doch die Ausländer so nach Strich und Faden über den Tisch ziehen.
Aber ganz im Gegenteil. Die Leute waren total hysterisch was den Florian anging und obwohl ich ein Regencape trug, haben sie den Florian darunter entdeckt und waren so was von begeistert.
Es ist sehr viel angenehmer, wieder in einem Land mit lokaler Infrastruktur zu sein, wo man auch nicht ständig über Müllberge stolpert.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 19. August 2008
Der Berg ruft (Chau Doc, Vietnam)
Da "die Vietnamesen" morgens sehr früh auf sind, dafür Abends gegen fünf oder sechs die Bürgersteige hochklappen, auf jeden Fall in der Provinz, sind wir auch um fünf aufgestanden, um mit dem Fahrrad zum Sam Mountain zu fahren.
Waren da schon viele Leute unterwegs. Ganz Chau Doc schien auf den Beinen und bewegte sich von A nach B. Ein tolles Bild, welches es in Kambodscha gar nicht zu geben schien. Die Menschen in Kambodscha schienen sich gar nicht zu bewegen, weswegen die wohl auch mit unseren Laufambitionen so gar nichts anfangen konnten. Die fuhren selbst, sofern vorhanden, mit dem Mofa vor die Essensstände, kauften von ihrem Mofa aus ihr Essen ein und fuhren dann weiter. Ganz im Gegensatz verhielt es sich mit den Vietnamesen die wir beobachteten. Wenn die gesehen haben, dass wir lauft, dann haben die Cyclofahrer uns tatsächlich Ruhe gelassen. Zumal die Cyclos mit Muskelkraft betrieben werden, so dass eine fünfköpfige Familie mit Gepäck wohl auch nicht zu den attraktivsten Kunden gehörte.
Also ging es für uns bei tollen Lichtverhältnissen mit all den anderen geschäftigen Menschen und Beschallung aus Lautsprechern, zum 6 Kilometer entfernten Berg. Was über die Lautsprecher kundgetan wurde konnten wir nicht sagen.
In unendlichen Weiten von platten Reisfeldern stand dieser einsame Berg. Eine Straße, die zu ihm führte und eine die drumherum führte. Ein Bild für die Götter. Wahrscheinlich deshalb die ganzen Tempelchen und Altare auf dem Berg.
Wir waren schon lange keinen Berg mehr hoch gestapft, so das es eine echt schöne Wanderung war bei der man die vielen kleinen Tempelchen anschauen konnte.
Unterwegs gab es schon tolle Aussichten auf das Mekong Delta mit seinen riesigen Reisanbauflächen.
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| So many rice fields. (Sam mountain, Vietnam) |
Oben angekommen hatte es dann aber etwas von Drachenfels in Königswinter. Lauter Stände, die etwas verkauften. Problem war nur, dass die Stände so standen, dass man die Aussicht nicht mehr genießen konnte. Der eigentliche Gipfel des Berges wurde sogar von einer Schießbude dominiert. Komisches Konzept von Idylle.
Besonders schön am Fahrradfahren ist ja, dass man so viel sieht und in Vietnam gab es auch viel zu sehen, da die Menschen draußen unterwegs waren und vielen Tätigkeiten nachgingen. Nicht nur dieses Rumgehänge und Geschlafe, wobei ich mich frage, ob man nicht mal ausgeschlafen ist. Ein bleibender Eindruck der bei uns aus Kambodscha hängen geblieben ist. Aber vermutlich wird dieser dem ganzen nicht ganz gerecht.
In Chau Doc war das Straßenbild auch wieder von Schülern geprägt, die Morgens um sechs zur Schule marschierten. Auf jeden Fall vermuteten wir das, denn was haben die Heerscharen von Kids in Uniformen sonst so früh dort gemacht? Die Uniformen hatten etwas von Flugbegleiterdressen. Weiße Blusen oder Hemden und dazu so schick geschnittene, blaue, lange Hosen und ein rotes Halstüchlein. Am besten war das Outfit, wenn dann noch gegen die Sonne große Schlapphüte getragen wurde.
Für die älteren Schülerinnen gab es diese typischen Ao Dais. Seidene lange Oberteile, mit langen weiten Hosen dazu.
Ein weiteres prägendes Bild waren diese klassischen spitzen Hüte, die man immer auf den Fotos sieht. Und auffallend waren auch die verhältnismäßig vielen, dicken kleinen Jungs. Etwas, was es in Kambodscha gar nicht zu geben schien.
Der Vorteil in den Teilen Vietnams die wir besuchten war, dass die Verfügbarkeit von Essen auf der Straße wieder sehr viel besser war (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Es gab einfach mehr. Wobei wir den Eindruck hatten, dass viele der Dinge, die wir bis jetzt auf der Straße gekauft haben, vor allem schleimig und glibberig waren. Dafür erschienen uns die Preise interessanterweise sehr viel niedriger als in Kambodscha.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 20. August 2008
Von Chau Doc nach Ho Chi Min City, Vietnam – und dann auch noch Christians Unfall
Wieder um fünf aufgestanden haben wir uns auf zur lokalen Busstation gemacht, die es hier wieder gab. Zwar wollte unser Hotel uns eine Tour verkaufen, aber nach etwas recherchieren am Vortag, hatten wir uns noch bei der öffentlichen Busstation informiert und das System funktioniert wie in Thailand. Man kommt einfach vorbei, nimmt den nächsten Bus und bezahlen kann man im Bus. Die Preise sind festgeschrieben, so dass man sich an den Ticketschaltern darüber informieren kann. Insbesondere hatten die Tourbusse den Nachteil, dass sie einen nicht an einer Busstation oder im Stadtzentrum rauslassen, sondern zu einem Partnerhotel fahren, von dem sie Kommission bekommen. Man landet also sicher nirgendwo, wo man einfach weiter kommt. Insbesondere ist niemand in der Lage, einem vor Fahrtantritt zu sagen, wohin die Reise genau geht. Wenn man bucht, steht also nur die Stadt fest, in die man gekarrt wird.
Da hat Nick Ray wohl nicht richtig aufgepasst, denn seiner Aussage zu folge sei es mit den öffentlichen Bussen kaum zu machen, irgendwo hinzukommen. Mildernd muss ich hinzufügen, dass sich die Dinge hier gerade wohl sehr schnell ändern.
Wir sind also mit einem bezaubernden Sonnenaufgang am Mekong entlang zum Bus gelaufen. Auf der Promenade war der Bär los. Etliche Leute, die Gymnastik dort machten oder in einem der unzähligen Straßenstand-Kaffees auf Gartenstühlchen vor diesen Kindertischchen saßen und sich ihr Morgengetränk zu Gemüte führten. Ein grandioses Bild.
Der Bus hat nur 75.000 Dong pro Person gekostet, also unter fünf Dollar, was noch günstiger als die Angaben im Führer war. Die Tourbusse hätten uns rund 10 Dollar pro Person und Kind gekostet. Dafür bekommt man zwar Air-Con, aber nicht so viele Eindrücke. Ich mag die großen Busse sowieso lieber als diese Minibusse. Die Kids mussten sich wieder einen Platz teilen, was diesmal echt anstrengend eng war. Wir waren das Highlight für die Mitfahrenden. Ständig wurden wir begafft und jemand kam extra, um den Florian anzufassen.
Man gewöhnt sich aber daran.
Ich frage mich ja, wie sich diese Menschen fühlen würden, wenn sie nach Deutschland kommen würden. Niemand, der sich für sie interessiert, hinter ihnen herruft, oder das Gespräch sucht?
Das, was mich aber wirklich störte war, dass im Bus geraucht wurde. So etwas habe ich bis jetzt noch nie erlebt gehabt. Das war in Deutschland vor meiner Zeit. Auch das rumgerotze passte nicht ganz in unser Bild von Kultiviertheit.
Dafür gab es hier nichts, was nicht doch irgendwie ging. Da wurden auch mal Mofas aufs Busdach buxiert. Und da die Straße zum Teil noch im Bau war, war die Strecke an einigen Stellen eine echte Herausforderung für Bandscheiben und Magen.
Die Busstrecke durch das Mekong-Delta war toll. So viele Wasserstraßen, die überquert werden mussten. Gott sei Dank gab es hier überall Brücken, nur an einer Stelle mussten wir auf die Fähre warten. Diese Zeit nutzten die Straßenverkäufer, um unseren Bus zu überfluten. Alle wollten sie mit ihren Kram in den Bus und dann auch wieder raus. Erstaunlicherweise haben auch Kinder Sachen verkauft. Ich hätte gedacht, dass die Regierung hier den Daumen drauf hält und alle Kinder in die Schule schickt.
Das Busterminal, welches wir in Ho Chi Min erreichen sollten, lag rund 12 Kilometer von der Stadt entfernt und die Informationen waren wieder sehr rar, wie man von dort aus weiter kommt. Außer natürlich so was wie, man soll sich ein Taxi nehmen, denn mit den öffentlichen Bussen sei es zu kompliziert.
Christian und ich waren daher total panisch, dass nachdem doch alles so gut gelaufen ist, wir dort ernsthafte Probleme bekommen könnten.
Unsere Angst vor den vermeintlich aggressiven Taxifahrern ließ uns schon im Vorfeld all unseren Kram geschultert und verstaut haben und uns als Pulk aus dem Bus steigen. Soviel hatten wir in Kambodscha ja gelernt.
Aber da war nichts. Ein paar harmlose Taxifahrer, die aber auch nicht sonderlich penetrant waren.
Die nächste Hürde sollte das ausfindig machen des richtigen Busses sein. Wie gut, dass die Vietnamesen lateinische Schriftzeichen benutzen. So kann man nämlich lesen, was auf den Bussen drauf steht. Und so einfach wie sich das ganze dann herausstellte, hatten wir es nun ganz und gar nicht erwartet. Die Busse standen alle nebeneinander beim Busterminal aufgereiht und wir mussten nur in den einsteigen, auf dem unser Ziel stand. Die Preise standen sogar auch auf den Bussen, so dass es mehr als banal war. Und dafür der ganze Stress. Der Bus in die Stadt kostet nur 4000 Dong (26.000 Dong waren ca. ein Euro) und Lydia und Josua mussten nur den halben Preis zahlen. Gut, dass wir keinen Tourbus genommen hatten, denn damit wären wir sonst wo angekommen, nicht aber an der Busstation, wo alles so Problemlos von statten ging.
Ho Chi Min Stadt war ja eine so aufgeräumte gepflegte Stadt, zumindestens dort wo der Bus lang fuhr, dass es uns richtig beeindruckt hat. Wenn man aus der Dritten Welt zurück in die Zivilisation kommt, dann fällt einem so etwas immer noch stärker auf.
Die ersten Hotels, welche wir angesteuert hatten, waren alle voll, so dass wir weit laufen mussten und dann am Schluss auch noch so 'ne blöde Schlepperin an der Backe hatten, die wir nicht los wurden.
Die Hotelpreise hier waren gesalzen. Zum Teil doppelt so viel, wie wir bis jetzt immer gezahlt hatten.
Wir haben dann ein Hotelzimmer für 15 Dollar mit blöder Klimaanlage und Fernseher, dafür aber mit Kühlschrank, was ganz komfortabel nach so langer Abstinenz genommen.
Interessanterweise führten Kinder hier dazu, dass die Preise sanken, denn 15 Dollar war für Saigon ein echtes Schnäppchen. Wie uns in Chau Doc jemand schon angesprochen hatte, ob wir denn sehr hart arbeiten würden, da wir uns drei Kinder leisten könnten, schien dies eine allgemein gültige Einstellung zu sein. Wer viele Kinder hat, muss verdammt viel arbeiten und hat bestimmt nicht viel Geld übrig.
Der Verkehr hier war eine Katastrophe, obwohl es weder so versmogt wie in Bangkok, noch so autistisch wie in Kambodscha zu ging. Dennoch war das überqueren von Straßen ähnlich wie das Überqueren eines Minenfeldes, man weiß nie was kommt.
So muss sich Moses gefühlt haben, als er das Wasser teilte, denn wenn man mitten auf einer Straße stand, teilt sich der Mofaschwarm und fuhr links und rechts an einem einfach vorbei. Wirklich wohl fühlte ich mich trotzdem nicht dabei, denn wenn so ein Schwarm von bis zu hundert Mofas auf einen zu fließt, dann hat das Grauen einen Namen. Auf jeden Fall bewegt man sich langsam aber bestimmt durch die einen umfließende Masse an Fahrzeugen, bis man irgendwann auf der anderen Straßenseite angekommen ist.
Vor allem weil die ja auch noch alle Mundschutz tragen, so dass diese Masse ein vermummtes, gesichtsloses Gebilde ist, welches erst im aller letzten Moment sich vor einem teilt und man kurz Luft holen muss, um dann seinen Weg langsam fort zu setzen.
Dummerweise war Christian bei einer dieser Straßenüberquerungen nicht ganz so erfolgreich und doch noch von einem Mofa erwischt worden. Es tauchte aus dem Nichts der Dunkelheit auf und hat ihn durch den Aufprall ein gutes Stück durch die Luft katapultiert, um dann unsanft auf dem Asphalt wieder aufzuschlagen (Christian, nicht das Mofa). Es bildete sich schnell eine Menschentraube, um zu sehen, was passiert war, aber teu, teu, teu außer einem blauen Fleck am Bein und einem gehörigen Schrecken war nichts passiert.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 21. August 2008
Orientierung in Ho Chi Min City (Vietnam)
Wir brauchten diese Orientierungstage, um unsere Infrastruktur aufzubauen. Es war ja immer das gleiche, wo ist der Supermarkt, wo ist die Wäscherei und wo gibt es Essen auf der Straße. Dabei hatte ich einen Wäscheservice gefunden mit normalen Waschmaschinen, wie wir sie aus Deutschland kennen und das beste daran war, die sahen nicht nur so aus, die funktionieren auch so. Ich habe den Wäschemann also angefleht, unsere Wäsche doch bitte bei 60 Grad zu waschen. Was er auch getan hat. Das Zeug war deutlich sauberer als vorher, auch wenn viele Stücke nicht mehr zu retten sind und dem Mülleimer übergeben werden mussten. Wir haben sämtliche Klamotten, einschließlich der Kuscheltiere der Kinder hier einfach noch mal waschen lassen, um diesen klebrigen und dreckigen Eindruck zu reduzieren.
Das absolut Beste hier in Vietnam war der Kaffee. Da konnte ich ja nicht genug von bekommen. Hier um die Ecke gab es so ein Hinterhof-Straßenstand-Kaffee mit diesen Kinderstühlchen und Tischen, wo wir Morgens immer total süßen Kaffee mit süßer Dosenmilch genossen haben.
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| Coffee and breakfast in a typical street cafe. (Saigon, Vietnam) |
Das Zeug war so lecker, dass selbst Lydia einen halben Kaffee schlürfte. Ich konnte es ihr nicht verübeln. Aber noch besser war, dass in diesem Hinterhof sich die lokale Baguettebäckerei befand, wo wir für einen Spottpreis ganz frische und heiße Baguettes bekamen.
Lecker!
Wir saßen da immer und schauten den Bäckern zu, wie sie in dem mit Feuer betriebenen Backofen das Brot backten und wie ständig Mofas vorbei kamen und in riesigen Körben die Baguettes davon schafften.
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| At the end of the street is a baguette bakery using real fire for their oven. (Saigon, Vietnam) |
"Vietnam" fühlte sich wieder so an, als ob hier Normen und Gesetze Gültigkeit haben, so dass es für uns wiederum eine Herausforderung war, sich diesen Regeln zu nähern. In Kambodscha herrschte bei uns ja leider irgendwann die "Scheiß egal Einstellung", da es einfach keine Regeln zu geben schien, an die man sich hätte halten können. Hier in "Vietnam" war die Wahrnehmung eine ganz andere. Alten Menschen gebührte ein unglaublicher Respekt. Sobald eine alte Dame in den Bus kletterte, wurde sofort Platz gemacht. Auch hat niemand einen alten Menschen von der Straße gescheuchen, nur weil er jemandem zu langsam war. Nein, es wurde geduldig gewartet, bis man an diesem vorbei konnte, ohne zu drängeln oder ungeduldig zu werden.
Auch Familie ist hier ein weiteres sehr ehrwürdiges Konzept welches, im Gegensatz zu Kambodscha, allen zu Teil wird, die Familie haben oder sind. So war zumindest unser Eindruck.
Somit waren auch die Cyclofahrer, es gab zum Glück keine Tuk Tuks, sehr viel freundlicher zu uns und auch die Anquatscher, die dich in Restaurants etc. lotsen wollen, waren sehr zurückhaltend uns gegenüber.
Komisch, denn wenn man im Führer liest, was der Autor hier so alles ertragen haben musste, frage ich mich, in welchem Vietnam die denn eigentlich waren. In unserem bis jetzt nicht. Ich hoffe, dass es so positiv weiter geht.
Interessant war hier auch zu sehen, dass die Frauen sehr viel emanzipierter wirkten, wenn man vom Kleidungsstil auf Emanzipation schließen kann.
Es wurden Trägertops getragen, etwas, was ich weder in Thailand noch in Kambodscha viel gesehen habe. Auch gab es in der Stadt, vor allem bei den Frauen wieder so etwas wie Frisuren. Was einem alles so auffällt, wenn man so lange fern ab der Zivilisation war. Die arbeitende Bevölkerung trägt anständige Hemden, Hosen und Kostüme, so dass sie als Berufstätige zu erkennen sind. Kambodscha schien ja nur aus verwaschenen Hemden und Flanellhosen zu bestehen. Es ist einfach für das Auge sehr angenehm, mal wieder gewohnte Bilder zu registrieren. Das ist bei der Verarbeitung all der zusätzlichen Eindrücke nicht so anstrengend.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 22. August 2008
Sightseeing in Ho Chi Min Stadt (Vietnam)
Blöde Klimaanlage, wir haben diese schon nur auf 27 Grad runter gestellt und ich bin jetzt trotzdem erkältet.
Egal, heute stand Sightseeing auf dem Programm und das "War Remenants Museum", um uns auch mit der jüngeren vietnamisischen Geschichte vertraut zu machen.
Es ist ja so angenehm über die breiten Bürgersteige zu flanieren und die unzähligen Grünflächen und wunderschönen Parks zu genießen. Ho Chi Min Stadt hat einen ganz tollen alten Baumbestand, was Straßen und Parks ungleich attraktiver machte. Die Parks waren auch keine toten Inseln, wie wir dies ja in Phnom Penh erlebt hatten, sondern sie erfreuen sich regem Zulauf durch Erholungsuchende.
Wir sind von dieser Stadt einfach nur begeistert, auch wenn es etwas befremdlich ist, wenn schon mal jemand uns für längere Strecken stumm begleitet. Wir vermuten, dass das hier zur Überwachung gehört, aber wissen tun wir es natürlich nicht. Auch, dass man seine Pässe immer im Hotel für die Registrierung abgeben muss, ist nicht wirklich angenehm, aber bis jetzt hatten wir noch keine Probleme dies bezüglich.
Gestartet sind wir am Ben Thanh Markt, den man sich echt schenken kann, da es wieder ein blöder Tourimarkt ist, wo man zwar alle erdenklichen Markenplagiate kaufen kann, der aber ansonsten wenig Charme hat. Wir sind an der Notre Dame, nur im Unterschied zu Paris mit Palmen davor, vorbei geschlendert und haben einen Blick auf das alte Postamt geworfen.
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| Only the palm trees seem different to the Notre Dame in Paris. (Saigon, Vietnam) |
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| The impressive post office. (Saigon, Vietnam) |
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| Isn't it wonderfull old fashioned? (Post Office, Saigon, Vietnam) |
Die kolonialen Bauten hier sind echte Schmuckstücke und es macht einfach Spaß, durch die Stadt zu laufen oder zu fahren und immer wieder auf tolle Gebäude zu stoßen, die zum Teil auch von sehr attraktiven Gärten umgeben sind.
Im War Remnants Museum gab es für Josua auch Flugzeuge und Bomben zu betrachten, so dass es für ihn nicht so langweilig war, da viele Bilderwände nicht für ihn geeignet waren. Lydia schien die Geschichte förmlich aufzusaugen. Sie wollte sämtliche Texte übersetzt haben und hatte auch so viele, viele Fragen, warum die Amerikaner so etwas haben tun können. Eine Frage, die sich beim nahen Osten schon wieder aufdrängt.
Und wieder zu unserem Dauerthema. Es ist nun mal so, dass die Essensbeschaffung mit die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Etwas, was ich in dieser Intensität nicht erwartet hätte. Aber schon sich hier an die Essenszeiten immer anzupassen, bedarf etwas Übung. "Die Vietnamesen" sind nun mal sehr früh. Das bedeutet aber auch, dass ab 13 Uhr schon nichts anderes mehr als Suppe zu bekommen ist.
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| A typical lunch on the street. Saigon, Vietnam) |
Dazu muss ich sagen, dass das vietnamesische Essen, welches wir auf der Straße fanden nicht durch sein reichhaltiges Gemüseangebot bestach. Wenn man früh genug war, um etwas anderes als Suppe zu bekommen, bekam man Reis oder Nudeln mit Fleisch, aber irgendwie kein Gemüse, was auf Dauer nicht ganz optimal war. Eine weitere Sache war, dass es bestimmte Blätter gab, die als Gewürz in fast jede Suppe geworfen wurden. Das war schon so in Thailand und auch in Kambodscha. Problem daran war, dass somit jede Suppe gleich schmeckte, ähnlich wie bei uns Maggie und dass ich diese Blätter echt nicht mochte.
Aber da wir sowieso immer erstmal vor den Essenständen rumstehen und schauen, was sie da so zubereiten (praktisch ist auch immer zu schauen, was andere auf ihren Tellern haben) kann ich dann bei der Bestellung darauf verweisen, dass ich keine Blätter möchte.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 23. August 2008
Spielende Kinder (Saigon, Vietnam)
Höchste Zeit, die Kids mal wieder ans Arbeiten zu bringen, also stand heute Vormittag erst mal nur Schule an.
Nachmittags waren wir dann in Cholon, einem anderen Stadtteil, welcher zwar nicht so aufgeräumt war, wie der Distrikt 1, aber auch hier säumen alte Bäume die Straßen und es gibt ganz, ganz viel zu sehen. Unzählige Geschäfte, die sich über die Bürgersteige ergießen und keinen erdenklichen und unerdenklichen Wunsch offen lassen, außer dass man vielleicht doch gerne runter von der Straße auf dem Bürgersteig laufen würde.
Der Binh Tay Markt ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Er befindet sich in und um ein altes, mehr oder weniger koloniales Gebäude herum, in dessen Mitte ein unerwarteter Innenhof anzutreffen ist, wo man kurz Luft schnappen kann.
Man kann unzählige chinesische Pagoden besichtigen und einfach diese wuselige Atmosphäre aufsaugen, um dann Problemlos mit dem nächsten Bus wieder zurück zu fahren.
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| There is allways a chinese temple to view somewhere. (Saigon, Vietnam) |
Ich verstehe echt nicht, warum unser Reiseführer so gegen öffentliche Busse ist. Im Führer heißt es ja, dass das alles blöd und umständlich sei. Finde ich überhaupt nicht. Die Busse sind gut sichtbar beschriftet und auch die Bushaltestellen sind erkennbar und sind mit den vorbeikommenden Bussen beschriftet.
Am Abend sind wir noch in den Cong Vien Van Hoa Park gegangen. Nicht nur, dass er eine Oase der Ruhe darstellt, auch waren unzählige Walker unterwegs, die es aber sehr gemütlich angingen.
Der Spielplatz war rappelvoll. Lydia und Josua wurden von den dort spielenden Kinder absorbiert und Florian musste mal wieder als Fotomodell herhalten. Das ist immer so lustig, denn wir machen Fotos in die eine Richtung und von Gegenüber werden die Fotos in die gegengesetzte Richtung gemacht. Alles grinst und kichert dann und jeder ist zufrieden.
Es dauerte auch nicht lange, bis mal wieder jemand auf uns zu kam und das Gespräch suchte. Diesmal war es ein junges Mädchen, die ihre Englischkenntnisse übte und uns etwas über die Schule hier erzählte.
Erstaunlich fand ich, dass auch Straßenkinder auf diesem sehr gepflegten, mit Scheinwerfern angestrahlten Spielplatz mit all den anderen Kindern spielten. Straßenkinder ist ein immer wieder auftauchendes Thema bei uns, da Lydia und Josua sich ständig versuchen vorzustellen, wie so ein Leben wohl aussehen könnte. Josua war zumindest sehr zufrieden, als ich beim Baguette schmieren auch dem Mädchen, welches uns mit großen hungrigen Augen beobachtete, ein Baguette fertig machte. Dieses war dann auch in null komma nichts verputzt.
Ein bemerkenswertes Bild sind die jungen Paare, die sich direkt an den Spielplatz setzten und das Treiben mit sehnsüchtigem Blicke verfolgten.
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| Young couple without children enjoining the playing kids on the playground in the park. (Saigon, Vietnam) |
Dabei glaube ich nicht, dass es sich um Kinderlos gebliebene Paare handelte, zumal es durchaus viele sehr junge Pärchen waren, die dort ihre Zweisamkeit vertrieben. Wie ich schon weiter oben berichtet habe, ist es wohl in Vietnam sehr erstrebenswert Kinder zu bekommen, nur dass man dafür sehr, sehr hart arbeiten muss, um sich diese leisten zu können.
Hier steht die eigene Familie an erster Stelle, weswegen ich dieses Land so mag. Wir werden hier echt auf Händen getragen und die Atmosphäre ist uns so wohlwollend gegenüber. Ich habe mir immer gewünscht, mal einen Ort zu finden, wo wir mit unseren Kindern willkommen sind und wertgeschätzt werden. Nicht wie wir es bedauerlicher Weise all zu oft in Deutschland erleben mussten, wo Familie keinen Wert mehr zu besitzen scheint, sonder nur noch das Interesse des einzelnen im Vordergrund steht. Wer in Deutschland Kinder hat, wird ja nur mitleidig angeschaut, wie man sich das denn hat antun können. Ich frage mich, wie man darauf verzichten kann?
Ich habe den Ort meiner Familienträume gefunden und ich hoffe, dass diese positive Einstellung uns gegenüber uns auch weiterhin begleitet. Es fühlt sich einfach nur saugut an, nicht falsch zu sein, weil man Kinder hat, sondern Anerkennung für diese zu bekommen.
Lustig war auch die Verwunderung darüber, warum Florian denn Windeln tragen würde. Ich dachte, dass erschließe sich von selbst. Wie wir dann erfahren haben, ist es für Jungs wohl unüblich, Windeln zu tragen, da es sonst zu heiß untenrum würde. Was wiederum erklärt, warum man immer so viele nackige Jungs rumlaufen sieht, aber keine nackigen kleinen Mädchen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Florian keinen bleibenden Schaden zu befürchten hat.
Während in Kambodscha extrem viel medizinische Unterstützung bei den Menschen ankam, besonders was die Zähne anging, sah das hier in Vietnam ganz anders aus.
Als uns letztens ein Mann auf unsere Kinder ansprach und ich ihn fragte, ob er auch Kinder hätte, meinte er, dass seines gerade ein Monat alt sei. Ups! Ich hatte auf Grund seines schlechten Zahnstandes darauf geschlossen, dass er viel älter sei. Beim näheren hinsehen und dem Ausblenden der Zähne rückte auf einmal ein junger Mann in mein Blickfeld. Dieses Phänomen ist jetzt schon mehrfach aufgetaucht, dass junge Eltern kaum mehr Zähne besitzen.
Heftig, da wir dass ja sofort mit "alt" assoziieren.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 24. August 2008
Und es geht doch - Cu Chi Tunnel (Ben Duoc Tunnel, Vietnam)
Wir hatten erst überlegt, ob wir eine Tour zu den sagenumwobenen Tunneln in der Nähe von Cu Chi, ca. 50 Kilometer von Ho Chi Min entfernt, buchen sollen. Das hätte uns 5 Dollar pro Person plus Eintritt gekostet. Angeblich gibt es ja keine öffentlichen Busse zu den Tunneln nach dem wirklich schlecht recherchierten Führer mal wieder.
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| You can transport almost everything on a scooter. (Saigon, Vietnam) |
Kurz zu den Tunneln. Diese wurden von den Nordvietnamesen im Krieg gegraben, um Truppen in das feindliche Gebiet zu schicken, so dass die Amerikaner dieses nicht merkten und aus dem Hinterhalt von den Vietnamesen angegriffen wurden. Ein Stück Geschichte, welches vor allem auch die Kinder interessierte.
Dieses ätzende "geht alles nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln" hat mich so angekotzt, dass wir es einfach mal auf eigene Faust versucht haben, da sich das Busnetz bisher als exzellent dargestellt hat. Warum soll es dann nicht auch einen Bus bis zu den Tunneln geben?
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| Much biger the sign couldn't be? (Ben Duoc Memoryal, Vietnam) |
Wir sind auf jeden Fall erstmal nach Cu Chi gefahren, von hier sollte es ja dann nicht mehr weiter gehen, aber das wollten wir erst selber sehen. Alles sah auch danach aus. Kein Bus, der Aufschluss darüber gab, ob er zu den Tunneln fuhr. Im Ticketbüro erhielten wir die Information, dass es keinen Bus nach Ben Dinh, einem der Orte mit den Tunnel nochmals rund 20 Kilometer von Cu Chi entfernt gäbe. Gab es auch nicht. Die Mofa-Taxis waren extrem aufdringlich und wollten 10 Dollar pro Mofa, um uns dann dort hinzufahren. Christian und ich schauten sie auch nur an, schauten auf unsere Kinder, schauten die Mofa-Fahrer wieder an und mussten schon grinsen beim Kopfschütteln. Es gibt Dinge, die gehen einfach nicht. Sechs Leute passen wirklich auf kein Mofa, selbst nicht in Südostasien. Vermutlich hätten sie uns auf mehrere Mofas verteilt, aber das war für uns keine wirkliche Option.
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| The tunnels are really low. (Ben Duoc Tunnels, Vietnam) |
Also haben wir uns gezwungener Maßen wieder auf den Weg zum Bus zurück nach Ho Chi Min gemacht. Die Kinder waren schon eingestiegen, als einer der Mofa-Fahrer uns wohl doch die Tunnel nicht vorenthalten wollte und meinte, wir sollten doch in einen anderen Bus einsteigen und nach Dia Dao fahren, dort gäbe es auch Tunnel. Etwas irritiert schauten wir uns den Prospekt an, den er uns unter die Nase hielt. Ein Passagier, der Englisch konnte mischte sich ein und erklärte uns, dass man mit dem Bus zu den Tunneln bei Ben Duoc käme. Nicht die Tunnel, wo wir eigentlich hin wollten, aber Tunnel ist Tunnel und wir hatten ja nichts anderes vor, also sind wir mal in den Bus eingestiegen.
Über Ben Duoc wird im Führer sehr abfällig berichtet, da dort ja "die Vietnamesen" hinfahren und das alles gar nicht so ursprünglich sei, sondern für die vietnamesischen Touristen aufgepeppt.
Ich kann mich nicht beschweren.
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| Dosen't it seem a litle strange to us? (Ben Duoc, Memoryal, Vietnam) |
Ich kann mich nicht beschweren. Es war einfach nur highlightig. Mit Führer in Englisch ging es durch verschiedene Tunnelabschnitte, die nur 1,20m hoch und 0,80m breit waren. Es wurden unter der Erde Einblicke in die Organisation der räumlichen Gestaltung gegeben. Vielleicht etwas abgehoben mit den Puppen, die sie dort aufgebaut haben, aber Josua war, nachdem er beim ersten Tunnel auf Grund der Dunkelheit und Enge etwas hysterisch wurde, letztendlich total begeistert. Und wir haben jetzt alle einen Eindruck, wie es denn ausgesehen haben könnte, das Leben unter Tage.
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| There isn't that much sun, but the Vietnamese don't like to get brown. (Ben Duoc Memoryal, Vietnam) |
Es gab auch noch einen Tempel als Gedenkstätte für die Helden des Krieges, wo die Kindergruppen, die dort durchgeschleust wurden, viel interessanter waren, als das Gebäude selber. Da Sonntag war, vermuteten wir, dass es sich nicht um Schulklassen sondern eher um Parteikader handelte. Die Atmosphäre auf diesem Gelände ist aber unschlagbar.
Etwas surreal und abgedreht, aber lustig und wir waren die einzigen ausländischen Touris und somit wieder ein begehrtes Fotomotiv.
Und es geht doch! Statt mit einer organisierten Tour für mindestens 15 Dollar plus Eintritt sind wir mit öffentlichen Bussen für 3x16.000 Dong (knapp 3 Dollar) total unproblematisch zu den Tunneln und zurück gekommen. Damit haben wir die Jungs vom Lonely Planet um den Faktor 5 unterboten und hatten auch noch eine deutlich interessantere Tour als im klimatisierten Touristentaxi. Ätsch!
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 25. August 2008
Der Bus-Cowboy (Saigon nach Dalat, Vietnam)
Da das Busnetz in Vietnam so exzellent war, haben wir von den Open-Tour-Bussen Abstand genommen. Das sind extra Busse für die Touristen, die zwischen Hanoi und Ho Chi Min Stadt hin und her fahren und die Touris an allen wichtigen Tourihighlights direkt vor den Hotels auskippen. Resultat ist, dass wir so gut wie noch keinen Individualtouristen begegnet sind.
Wer behauptet, Achterbahn fahren sei ein Nervenkitzel, der ist noch nie in Vietnam Bus gefahren.
Wir sind ohne Probleme heute Morgen mit dem öffentlichen Bus zur Mien Dong Busstation gekommen, von wo aus die Busse Richtung Norden starten. Dabei sind wir am Flussufer des Saigon River entlang gefahren und ich bin mal wieder sprachlos, warum im Führer dieses unterschlagen wurde. Eine wunderschöne Promenade, an der die Leute Morgens um sechs Badminton spielten oder Thai Chi machten.
Am Busterminal haben wir uns im Wust von Anbietern den vermeintlich günstigsten ausgesucht und haben drei Tickets a 90.000 Dong (bisschen weniger als 6 Dollar) nach Dalat (308 Kilometer) gekauft.
Da der Bus trotz seiner Fernfahrt nicht auf Gepäck der Reisenden ausgelegt war, hatten wir etwas Probleme unsere Rucksäcke zu verstauen. Aber es gibt ja einen Mittelgang, wo man die Rucksäcke hinlegen kann.
Unser Busfahrer sah nicht nur aus wie ein Cowboy, mit Cowboyhut, Sonnenbrille und Handy am Ohr, nein, er hielt sich auch für einen, so dass er dem Bus ordentlich die Sporen unter die Motorhaube stieß.
In einem Affenzahn heizte er durch den Großstadtverkehr, einmal wäre uns fast der Florian wegen einer abrupten Vollbremsung durch den Bus geflogen. Dann, nachdem wir schon so viel Zeit herausgefahren hatten, hielt der Bus plötzlich vor einem Freizeitpark an und wartete. Nach fünf Minuten dann heizte er unvermittelt wieder wie ein Irrer los, um dann, nach einer halsbrecherischen Fahrt über das nahe Autobahnkreuz, genau an der selben Stelle wieder anzuhalten und zu warten. Häää?
Irgendwann ging es dann wirklich weiter, ohne das wir verstanden haben, was diese Aktion zu bedeuten hatte. Das wir diese Tour überlebt haben grenzt an ein Wunder. Da ging es auch schon mal mit 90 Sachen in den Gegenverkehr, laut hupend, während sich der Beifahrer aus der offenen Tür lehnte und die Mofas von der Straße brüllte. Auf Hupen reagiert hier einfach keiner mehr, da ständig und überall gehupt wird.
Die beiden Jungs lieferten sich die ganze Strecke über ein Wettrennen mit der Konkurenzfirma, da natürlich der, der zuerst an der nächsten Bushaltestelle war, die Passagiere abbekam. Diese Situation führte zu gelegentlichen heftigen Auseinandersetzungen mit dem anderen Busfahrer, wenn man denn mal gleichzeitig irgendwo anhielt. Dann sprangen beide aus dem Bus und begannen, an den wartenden potentiellen Passagieren zu zerren, um diese in den eigenen Bus zu bekommen, und sich dabei gegenseitig anzuschreien.
Unser Bus war eigentlich für 25 Leute ausgelegt. Zweiersitze auf der einen, Einersitze auf der anderen Seite und in der Mitte gab es noch Klappstühle, unter denen unser Gepäck begraben wurde. Soviel zum Mittelgang.
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| The buses run a "never ever full policy". (From Saigon to Dalat, Vietnam) |
Und wenn das nicht schon eng genug wäre, gilt hier die "Never full policy", einer passt immer noch rein, so dass in den Spitzenzeiten über 40 Leute sich in den Bus quetschten und wildfremde Menschen sich auf einen Sitz zwängten. Babys wurden an umsitzende Passagiere verteilt und ein altes Ehepaar räumte für die junge Familie ihren Zweiersitz, um sich gemeinsam auf den Klappstuhl daneben zu quetschen. Aber die Stimmung war gut, gemault hat keiner.
Wir saßen Gott sei Dank in der letzten Reihe und hatten somit verhältnismäßig viel Platz, nur das Aussteigen zur Pause bedeutet einen Hindernisparcour über Klappstühle und Gepäck. Unser Nebenmann stieg gleich durchs Fenster aus und wieder ein.
Die Strecke war weit, so dass man auch schon mal einschlafen konnte, was unser Vordermann dann auch an der Schulter seines fremden Sitzgenossen tat.
Dabei fiel mir wieder das lange Haar, welches viele Vietnamesen sich wohl gerne aus ihren Leberflecken im Gesicht wachsen lassen, auf. Wahrscheinlich der Ersatz für die nicht funktionierenden Bärte, die bei den Männern hier immer wie Ziegenbärte aussehen. Nicht wirklich attraktiv.
Neben der nervenaufreibenden Fahrt auf Straßen, die zwar gut, aber für solche Aktionen nicht gut genug sind, war der landschaftliche Aspekt einfach nur toll.
Südvietnam hat erstaunlich viele Kirchen und auch die kleineren Städte sind sehr aufgeräumt und bieten viele Grünstreifen, wie schon in Ho Chi Min Stadt.
Als wir in die Berge kamen, war Josuas erster Einfall, dass wir hier ganz nahe beim Burckahrdt (dem letztes Jahr verstorbenen Opa von Lydia, Josua und Florian) seien, da er ja in den Wolken jetzt wohne und wir hier den Wolken näher seien.
Bei der Buspause konnten unsere mitreisenden Fahrgäste es nicht glauben, dass wir mit ihnen in einem Bus sitzen, so dass wir auch gefragt wurden, ob wir denn aus Vietnam seien und Vietnamesisch sprechen würden. Touristen nutzen die lokale Infrastuktur hier wohl kaum, was eigentlich schade ist, da es ja so gut funktioniert und so viel Spaß macht.
Erst ging es durch atemberaubende, urwaldbewachsene Berge, dannach kamen die mit Kaffee- und Teeplantagen bebauten Berge, es folgte die wenig schönen gerodeten und geschorenen Berge und als dann die Landschaft langsam wieder attraktiver wurde, verließen wir Vietnam und fuhren direkt in die französischen Alpen.
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| Could be in the French alps. (Dalat, Vietnam) |
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| I really haden't expected such landscapes in Vietnam. (Dalat, Vietnam) |
Kaum zu glauben, aber war. Berge, die mit Kiefernwäldern bedeckt waren und dann in einem Tal an einem kleinen See die Stadt Dalat, bestehend aus vielen soliden Häusern und französisch aussehenden Boulevards und Chalets. Nur die Vietnamesen wollen so gar nicht in dieses Bild passen.
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| An overview of Dalat. (Vietnam) |
Mit ihren dicken Wintermänteln, Mützen und Schals, aber Flip Flops an, konnte man meinen, es würde gleich anfangen zu schneien.
Der Bus fuhr in Dalat zum Glück direkt in die Stadt und nicht zur zwei Kilometer außerhalb liegenden Busstation.
Da Dalat auf fast 1500 Metern Höhe liegt, ist es sehr viel kälter hier, so dass wir zum ersten mal unsere Pullis und Socken raußgeholt haben, um festzustellen, dass Lydias feste Schuhe noch aus Pai (Thailand) von unserer Flusstour ganz nass und von uns vergessen waren. Lecker, nasse Schuhe über fünf Wochen bei über 30 Grad eingepackt zu lassen!
Dalat ist ein Touriort, aber nicht für Ausländer, von denen kommen nur rund 80.000 pro Jahr, sondern für die Vietnamesen selbst (rund 800.000 pro Jahr). Dalat ist der Ort für junge Paare, die in den Flitterwochen sind, weshalb du viele verliebte Pärchen hier durch die Straßen bummeln siehst und sie einen viel zu kurzen Rock mit schicken Winterjäckchen trägt. Wahrscheinlich ist das hier für die Vietnamesen wie für uns der Strandurlaub. Während wir im Urlaub so viel wie möglich ausziehen, finden es die hier herkommenden Vietnamesen total toll, so viel wie möglich anzuziehen. Daher kann man hier auch an jeder Ecke Unmengen an Winterklamotten kaufen. Es gibt also Skianzüge, Jacken, Mützen und Schals zu kaufen und überall sieht man Vietnamesen, wie sie diese sonst wohl in diesem Land nicht so nützlichen Kleidungsstücke anprobieren und sich sehr chic damit fühlen.
Gerade auch die Kinder werden verpackt, als ob es gleich zum Schlittenfahren ginge. Die Menschen machten sich auch viele Sorgen um Florian, der im Gegensatz dazu nur mit Windel und T-Shirt bekleidet war. Wir versuchten dann immer zu erklären, dass wir aus einem sehr kalten Land kommen, wo 25 Grad schon hochsommerliche Temperaturen sind.
Dalat selbst ist aber auch süß, mit seinen Sträßchen und dem Seepanorama. Da wird man von so viel kitschiger Romantik glatt angesteckt.
In unserem gewählten Hotel (Ai Ngia, 9 Dollar pro Nacht) waren wir die einzigen Gäste. Der niedrigste Hotelstandard in Vietnam war sehr viel Höher, als er das in Thailand oder Kambodscha war. Man kann sich zum Beispiel gar nicht dagegen wehren, einen Fernseher im Zimmer zu haben, und auch Zimmerservice und Minibar sind üblich.
Wir sind in Hotels immer wieder auf Verwunderung gestoßen, da wir mit keiner organisierten Tour unterwegs waren. Was uns wiederum erstaunte, dass es kaum Individualtouristen zu geben schien.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 26. August 2008
Honeymoon (Dalat, Vietnam)
Auf der Suche nach Kaffee, und da braucht man hier echt nicht lange zu suchen, hatte ich den Eindruck, dass die gesamte männliche Bevölkerung von Dalat in Cafes sitzt und diesen süßen Dosenmilchkaffee trinkt. Dabei wird der unglaublich starke Kaffee in kleinen Schnapsgläsern serviert und im Verhältnis 1:1 mit süßer Dosenmilch aufgefüllt. Dazu gibt es immer eine große Kanne schwarzen Tee, den man trinkt, während man an dem kleinen süßen Kaffee nippt.
Wir hatten erst etwas Hemmungen uns als Familie dazu zu setzen, aber die Leute sind so lieb, dass es immer wieder toll ist, dass zu machen, was alle machen. Also haben wir uns auf die Plastikhöckerchen zwischen die parkenden Mofas vor den Waschmaschinenladen gesetzt und unseren Kaffee geschlürft.
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| A funny coffee between all the scooters. (Dalat, Vietnam) |
Da es hier einige Bäckereien gibt, können wir dazu auch mal wieder was anderes als Baguette zum Frühstück essen, was eine nette Abwechselung darstellt.
In der Stadt gibt es noch eine örtliche Busstation, von der wir ohne Schwierigkeiten zu den Datanla Wasserfällen gefahren sind. Es sind erstaunlicherweise immer die Mofa-Taxis, die uns helfen, den richtigen Bus zu finden. Ich nehme an, bei Singles sind die nicht so hilfsbereit, da sie ja auch was verdienen wollen. Aber, da wir zu fünft sowieso auf kein Mofa-Taxi passen, zeigen sie uns immer den richtigen Bus. Somit ist das Reisen mit Familie in Vietnam wohl sehr viel einfacher als ohne, da wir im Führer immer lesen, es gäbe keine Busse und man ist unbedingt auf die Mofa-Taxis angewiesen. Das stimmt so definitiv nicht aber wenn man alleine ist, hilft einem vielleicht einfach keiner so ohne weiteres weiter und die Mofa-Taxis bieten natürlich nur ihre Dienste an. Alles andere wäre ja auch sehr geschäftschädigend.
Der Wasserfall war unspäktakulär, dafür waren die Honeymoon-Pärchen viel interessanter, die dort die Sommerrodelbahn und die Schießbude nutzten.
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| The waterfalls aren't that spectacular. (Datanla Waterfalls, Vietnam) |
Das hat einfach Atmosphäre und ich kann es jeden nur empfehlen, dass mal gesehen und gefühlt zu haben. Wie überhaupt ganz Dalat.
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| It seems as if we jumped back to Europe. (Datanla Waterfalls, Vietnam) |
Für den Rückweg sind wir einfach in einen vorbeikommenden Bus gestiegen, der zwar nur bis zur außerhalb liegenden Busstation fuhr, uns so aber die Gelegenheit gab, Busse für unsere Weiterreise ausfindig zu machen. Als Ausländer wird man immer erstmal zu den teuren Expressbussen geschickt. Ich mag diese aber nicht, weil teuer und steril. Wir wollen ja was erleben von Land und Leuten und dafür verzichte ich gerne auf, für mich unwichtigen Komfort. Nach etwas rumfragen auf der Nachmittags eher lehren Busstation haben wir dann doch noch einen lokalen Busunternehmer ausfindig gemacht, mit dem wir wohl unser Glück versuchen werden.
Auf dem Rückweg in die Stadt haben wir einen Abstecher über den Markt gemacht, um Mittagessen fürs selber Kochen einzukaufen.
Wir brauchen unbedingt mal wieder ein paar Gemüse, etwas, was im hiesigen Essen einfach komplett fehlt, obwohl es überall auf den Märkten erhältlich ist.
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| We really need some vitamins. (Dalat, Vietnam) |
Dabei sind wir über die Süßigkeitenstände gestolpert und haben uns durch all die gezuckerten, getrockneten Früchte probiert, um am Ende Bonbons zu kaufen, die wie die Katjes Joguhrtbonbons schmecken. Wahrscheinlich ist es ein Plagiat. Aber auch die getrockneten Kiwis und die seltsamen grünen Pfirsiche schmecken lustig.
Am Abend haben wir all unseren Mut zusammengenommen und sind in einen Frisörladen, um Christians Haare schneiden zu lassen. Rund sieben Personen schwirrten um uns herum und konnten ihr Glück nicht fassen, blonde Haare schneiden zu dürfen. Christians Frisur ist richtig gut geworden, so dass auch Lydia sich traute, ihre Haare schneiden zu lassen. Sofort schoß ein junger Mann auf sie zu und fing begeistert an zu schneiden. Währenddessen unterhielt Florian die versammelte Mannschaft und wir wurden ständig gefragt, ob nicht auch Josua und ich die Haare schneiden lassen wollten.
Irgendwann musste ich den Mann, der sich über Lydias Haare hergemacht hatte, dann doch bremsen, denn der wollte gar nicht mehr aufhören und Lydias Haare waren ausreichend kurz und ausgedünnt. Sah gut aus.
Florians Haare wollte ich dann auch ein kleines bisschen schneiden lassen und ehe ich es mich versah, hatte jemand den Haarschneider angesetzt und dann waren die Haare auch nicht mehr zu retten. Also mussten sie alle ab. Die ganzen schönen Babyhaare, die gibt es leider nur einmal im Leben und wenn sie einmal geschnitten wurden, dann kommen sie nie wieder.
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| An accidental haircut due to some comunication issues with the barber. But Florian still looks good. (Dalat, Vietnam) |
Jetzt sah Flo wie ein kleiner Mönch aus. Sehr süß, sehr lustig... aber die schönen Haare. Ich tue mich etwas schwer mit der neuen Frisur, obwohl Florian sehr gut aussieht und auch Flo betrachtete sich den ganzen Abend sehr ausgiebig im Spiegel.
Da in Dalat an diesem Abend der Strom ausfiel, saßen sämtliche Touranbieter, Verkäufer und Restaurantbesucher bei Kerzenschein und es hatte etwas sehr Weihnachtliches. Es war ja auch kalt genug, nach hiesigen Maßstäben.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 27. August 2008
Wenn der Berg ruft, dann folge ich (Lang Biang Mountain, Vietnam)
Morgens früh um sechs standen wir an der örtlichen Busstation, um zum Lang Biang zu fahren. Ein Berg mit stolzen 2169 Metern. Was tun, wenn der Bus erst in einer halben Stunde fährt? Na klar, man tut, was alle anderen auch taten. Man flanscht sich auf diese Puppenstühlchen an den Kindertischchen zwischen die Busse und trinkt gemeinsam erstmal einen Kaffee. Währenddessen waren alle Anwesenden wild am gestikulieren, um sich über die Kinderzahlen, deren Alter und ob denn auch alle Kinder von Christian und mir zusammen seien, zu unterhalten. Und ehe wir uns versahen, hatte jemand Florian auch schon einen Schluck seines Kaffees in den Mund gegossen. So viel Spaß kann man Morgens um sechs an einer Busstation haben.
Der Bus fuhr dann auch direkt zum Eingang unten am Berg, wo man 7000 Dong pro Person Eintritt (Kinder waren frei) bezahlen musste.
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| The bus stops directly at the entrance of Lang Biang Mountain. (Vietnam) |
Dann ging es erstmal auf einer geteerten Straße stramm bergauf. Nach fast acht Wochen nur Sandalen tragen, haben wir uns gegen feste Schuhe entschieden, da die sich so einengend anfühlten.
Das eigene Fahrzeug durfte man nicht mit auf das Gelände des Berges nehmen, aber der Park hatte einen ganzen Fuhrpark an Geländewagen, die man wohl als Taxi mieten konnte und an uns vorbei fuhr ein Auto nach dem anderen und karrte vietnamesische Touristen nach oben. Wir waren die einzigen, die den Berg hochwandern wollten, was die Asiaten wohl als sehr seltsam empfanden, wenn man irgendwo hinläuft, wo man auch mit dem Auto hinkommt.
Was würde uns da wohl wieder erwarten? Bisher haben wir ja an allen landschaftlich reizvollen Stellen Schießbuden vorgefunden. Für Naturerlebnis schien hier niemand wirklich was übrig zu haben.
Dann schließlich erreichten wir eine Abzweigung von der geteerten Straße, wo es zu unserem ausgewählten Gipfel ging und plötzlich waren wir komplett allein, auf einem schönen Waldweg durch den Fichtenwald, der einen vergessen ließ, dass man sich in Südostasien befindet.
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| It is a nice way to walk. |
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| The path is getting more jungle like toward the top. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
Der Weg wandelte sich mit der Zeit vom Fichtenwald dann doch in einen Dschungelpfad, der an Schlamm und Dreck nichts zu wünschen übrig ließ.
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| And then we were on a really tough jungle track up the hill. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
Vor lauter Dschungel haben wir einmal den abbiegenden Pfad verpasst und durften so einen kleinen Ausflug in die Handwerksgeschichte machen, da wir auf Köhler stießen, die mitten im Busch auf traditionelle Weise Holzkohle brannten.
Der Weg zu den Köhlern und wieder zurück glich mehr einer Schlammwanderung und wir sahen mittlerweile aus, als ob wir ein Schlammbad genommen hätten. Immerhin haben wir die richtige Abzweigung doch noch gefunden. Die letzten 1 ½ Stunden ging es dann einen sehr steilen und extrem rutschigen Abhang hoch. Die einzige Möglichkeit, dort hoch zu kommen, waren die umgefallenen Bäume und Schlingpflanzen, an denen man sich festhalten konnte, während wir uns langsam kletternd nach oben kämpften.
Und dann öffnete sich nach drei Stunden Wanderung der Dschungel und wir hatten den Gipfel erreicht.
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| What a wonderfull view. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
Die Aussicht war weit über Berge und Täler und es war das erste Mal seit langem mal wieder ganz leise.
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| We reached the peak after three hours. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
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| Enjoining the silence after so long time in Asia. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
Da wir verhältnismäßig früh waren, konnten wir auch noch gut sehen. Im laufe des Tages soll sich die Sicht nämlich stark reduzieren.
Der Rückweg war leichter als zuerst angenommen. Ich dachte schon, dass wir den steilen Part nur unter viel Aufwand wieder runter kommen würden. Dem war aber nicht so. Nach einer Stunde standen wir schon an der Abzweigung und weil der Tag noch so jung war, haben wir auch noch den 1914 Meter hohen Nachbarberg mitgenommen, zu dem auch die Straße führte. Dort gab es zwar keine Schießbude, aber was zu Trinken und Shops mit typischen Hilltribe-Sachen. Die Aussicht war nicht ganz so spektakulär im Vergleich zum anderen Gipfel, aber das Ambiente war wieder sehr asiatisch kitschig hergerichtet und die Vietnamesen saßen dort in ihren Picknickarealen und futterten und fotografierten sich gegenseitig vor weißen Kutschen und Statuen mit Bergpanorama im Hintergrund.
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| Vietnamese love quitchy culisses to take pictures of themselves. (Lang Biang Mountain, Vietnam) |
Der Weg runter war dann schließlich doch noch eine echte Herausforderung. Trotz Straße war es weit und wir waren auch schon über fünf Stunden unterwegs. Insgesamt waren wir dann sechseinhalb Stunden Wandern, was man dann auch in den Beinen spürt. Aber es haben alle durchgehalten und Josua war auch gar nicht sonderlich nervig. Da die Endstation des Busses direkt unten am Berg liegt, konnten wir sofort einsteigen und im Bus sitzend auf die Rückfahrt warten.
Am Abend wollten Christian und ich noch Essen holen, um festzustellen, dass die Straßenverkäufer nie da stehen, wo sie am Abend vorher noch standen. Ich war schon richtig sauer, weil der Aufwand schon wieder so groß wurde. Wir waren eigentlich gerade dabei Maiskolben einzukaufen, die auch schon auf dem Grill lagen, als plötzlich Bewegung in die Straßenverkäufer kam. Alle packten sie ihren Kram, einschließlich der Verkäuferin mit brennenden Grill und unseren Maiskolben und rannten davon, während von der anderen Seite ein Polizist in grüner Uniform mit Trillerpfeife in die auseinanderstaubende Masse rannte. Innerhalb von einer Minute war der komplette Markt aufgelöst und hatte sich in scheinbar harmlos durcheinander flanierende Passanten verwandelt. Ich frage mich, wo die ganzen Grills hin verschwunden sind, weil man die ja nicht einfach unter die Jacke stecken kann, ohne dass der Rauch einen verrät. Beeindruckend!
Jetzt hatte ich es auch verstanden. Die haben alle gar keine Genehmigung und verkaufen illegal.
Uns ist aber in dem Chaos nichts passiert und anscheinend war die Aktion auch so angelegt, dass alle noch weg konnten. Warum hat der Polizist sonst in die Trillerpfeife gepfiffen, bevor der Zugriff stattfand? Die Frau mit unseren Maiskolben, kam dann noch hinter uns her gelaufen, um uns unsere Sachen zu geben.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 28. August 2008
Dies und Das (Dalat, Vietnam)
Da unsere kleine Bergwanderung doch ganz schön in die Beine ging, haben wir uns entschieden, heute noch in Dalat zu bleiben und mal wieder die Schulbücher auszugraben.
Das, was mich bis jetzt wirklich erstaunt hat ist, dass wir trotz der hohen Belastungen durch das Rucksack tragen und auch unseren Schlaflagern auf den Isomatten allesamt keine Rückenprobleme haben. Ganz im Gegenteil, die Muskulatur scheint sich zunehmend zu kräftigen, denn auch nicht jedes Bett entspricht der deutschen Ergonomienorm. Selbst unsere Mamutwanderung gestern hat bei mir zu keinerlei Knie- oder Hüftproblemen geführt.
Und wo wir gerade bei den nicht existenten Wehwehchen sind, ist es seit Ho Chi Min Stadt eine echte Erholung, sich nicht jeden Tag mit DEET (Mückenschutz) einsprühen zu müssen, da wir im Augenblick in einer der wenigen Regionen unseres Trips ohne Malaria sind. Ich habe mittlerweile eine allergische Reaktion gegen das Zeug entwickelt, so dass ich mir die ganzen Beine aufgekratzt habe. Sieht echt toll aus.
Jetzt muss ich doch mal über unsere doch so aufgeklärten Kinder in Deutschland reden. Man meint ja, diese würden über Sexualität und Fortpflanzung schon alles wissen. Ich bin diesbezüglich eines Besseren belehrt worden. Lydia hat meine Tampons gesehen und gefragt, wofür denn diese Zäpfchen seien. Ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen und mein Versuch, ihr etwas über den weiblichen Zyklus zu erzählen, schien sie nicht wirklich zu interessieren, obwohl sie die theoretische Fortpflanzung in der Schule schon hatte. Aber wer würde auch Zellteilung mit Tampons in Verbindung bringen. Da hat die Schule mal wieder vergessen, dass wesentlich den Kindern näher zu bringen.
Mein Problem, wenn wir zu lange an einem Ort bleiben, ist, dass ich ganz schnell den Lagerkoller bekomme und total gereizt auf alles reagiere. Gerade hier in Vietnam müssen wir uns ganz schön ranhalten, da dieses Land einfach soo lang ist.
Zwei Dinge waren am heutigen Tag doch noch bemerkenswert. Am Abend haben wir noch Baguettes mit Ei geholt, die in beschriebenes Papier eingepackt waren. Auf diesem waren doch tatsächlich lauter komplizierte mathematische Formeln aufgeschrieben. Nicht wirklich das, was ich von einer Brotverkäuferin auf der Straße erwartet hätte. Da mussten wir doch verwundert schmunzeln.
Das zweite unerwartete Ereignis war, dass auf der Suche nach einem Internet-Cafe eine Schlepperin, die uns die letzten Tage schon mehrfach angequatscht hatte, doch tatsächlich darauf bestand, dass wir kostenlos in ihrem Cafe das Internet nutzen, obwohl wir darauf hingewiesen hatten, dass wir nichts kaufen wollten und sie gerne eine Gebühr erheben dürfe. Wollte sie aber nicht. Manchmal sind die Menschen gar nicht so, wie sie im ersten Moment erscheinen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 29. August 2008
Räuberische Erpressung ist eine Straftat (Dalat nach Pleiku, Vietnam)
Heute sollte es mit dem Bus nach Buon Me Tuod gehen und gegebenenfalls auch noch weiter nach Pleiku. Wir wollten unbedingt "abseits des Trampelpfads", wenn das bei so einem schmalen Land überhaupt möglich ist, durch die zentralen Highlands fahren, da die großen Touriorte am Meer uns nicht so sehr reizten.
Wir waren dafür extra um sechs Uhr bei der Busstation, um dann fast zwei Stunden dort zu warten bis der Minibus vom Unternehmen Tuan Anh endlich los fuhr. Die fahren immer nur, wenn sie voll sind. Auch der Preis war mal wieder so ein Thema. Irgend jemand wollte zuerst 100.000 Dong (ca. 6-7Dollar) mal fünf für die Fahrt haben. Da wir aber die Preise schon einige Tage vorher ausfindig gemacht hatten, bei dieser Gelegenheit eine Visitenkarte des Unternehmens mit einem Preis von 70.000 Dong mal drei bekommen hatten und außerdem die Luxuskonkurenz nur 88.000 Dong mal drei kosten sollte, mussten die Männer einsehen, dass sie bei uns an der falschen Adresse waren. Man sieht, es ist leider immer unbedingt erforderlich, gut informiert zu sein, bevor man sich auf diese Verhandlungen einlässt. Gerade als Ausländer, da dann die Preise immer um Größenordnungen höher angesetzt werden. Diese Gier in den Augen manch eines Menschen aufblitzen zu sehen, sobald sich ein Westler auch nur nähert, ist auf die Dauer doch ein wenig Anstrengend. Hier in Vietnam ist es nicht so schlimm wie in Kambodscha, aber hier und da trifft man auf Menschen die die Westler alle für "Schein-Werfer" halten. Leider verhalten sich hier viele Touristen auch genau so, da die meisten Dinge hier soviel billiger sind, weswegen aus vollen Händen ausgeteilt wird, was in einem dreiwöchigen Urlaub ja auch nichts ausmacht. Da wir aber überhaupt nicht einschätzen können, was uns dieses Jahr kosten wird, tun wir uns extrem schwer unser Geld einfach so aus der Hand zu geben. Das erzeugt eine etwas starke Betonung des Geldes und vermutlich auch ein etwas hartes falschen um jeden Cent. Aber so ganz Unrecht sollten wir mit dieser Einstellung nicht haben, da wir einige Traveler noch treffen durften, für die ihre Reise vorzeitig zuende gehen sollte, auf Grund einer zu freizügigen Einstellung zum Geld.
Der Busfahrer fuhr mal wieder wie eine besengte Sau. In jeder Kurve quietschten die Reifen und ich wartete nur darauf, dass das Heck ausbrechen würde, denn "wer bremst, verliert!" war wohl das Motto des Busfahrers.
Normalerweise wurden wir bis jetzt zu fünf Personen auf drei Sitzen in Ruhe gelassen, doch diesmal meinte der Beifahrer uns doch noch zwei Personen dazu setzen zu müssen. Wir saßen also zu siebt auf vier Plätzen und da es überhaupt keine Beinfreiheit gab, hat Christian echt Probleme mit seinen Beinen bekommen. Vier Stunden in Klappmesserhaltung, da ist die Thrombose quasi vorprogrammiert. Mehr als drei Tickets zu kaufen hätte sich also nicht gelohnt, da sie die Minibusse sowieso immer überfüllten, egal wie viele Plätze du gezahlt hast.
Florian war mal wieder das Sternchen des Busses und wurde erst einmal rumgereicht, so dass jeder mit ihm spielen konnte. Er durfte dann mit dem Handy eines Mitreisenden spielen, was dazu führte, dass er irgendwelche Tasten drückte und sich plötzlich jemand über den Lautsprecher des Telefons meldete, woraufhin der ganze Bus zu gackern anfing und sich amüsierte, wie der Besitzer des Handys versuchte, seinem unfreiwilligen Gesprächspartner zu erklären, dass hier ein Fehler unterlaufen sei.
Nach nur circa 45 Minuten Fahrt fuhr der Bus auf einmal rechts ran und der Busfahrer ging erstmal in aller Ruhe ein Süppchen essen, während sich hinten im Bus die Fahrgäste zusammenquetschten. Frühstück muss halt sein.
Danach ging es dann endlich richtig los durch die atemberaubende Landschaft, die wir uns von dieser Tour erhofft hatten. Ich kann jedem nur empfehlen, mal durch die zentralen Highlands Vietnams zu fahren. Es ist ein echter Augenschmaus, auch wenn ich Kiefernwälder nicht unmittelbar mit Bananenstauden und Kaffeepflanzen in Verbindung gebracht hätte. Es hatte schon etwas bizarres an sich, aber dadurch nicht minder schön.
Mitten in den Bergen lag ein traumhafter See, wo drumherum die Reisbauern mit ihren Spitzhüten und ihren Wasserbüffeln ihre Felder bestellten. Ein Bild wie aus dem GEO-Magazien.
Das schöne an Vietnam ist, dass hier nicht nur Kaffee angebaut wird, sondern dieses Land eine eigene Kaffeekultur besitzt, ganz im Gegensatz zu Guatemala zum Beispiel, wo man Kaffee damals nur als Reimport aus Europa oder den USA bekommen konnte. Auch wenn die Kaffees zum mitnehmen manchmal in Plastiktüten mit Strohhalmen gereicht werden. Man gewöhnt sich daran.
Um halb zwölf war hier die örtliche Schule zu Ende und es ergossen sich Schülermassen auf die Straße, so dass der komplette Verkehr zum erliegen kam und wir mit dem Bus in einem Meer aus Fahrrädern stecken blieben.
Unterwegs trafen wir im Nirgendwo auf zwei Leute, deren Mofa kaputt war. Nicht, dass der Bus schon zum bersten voll gewesen wäre. Getreu dem Motto "einer geht noch" wurden die beiden Typen auf den Beifahrersitz verfrachtet. Ich wunderte mich, wo denn jetzt der Kassierer hin sollte, der derweil ausgestiegen war. Blieb der jetzt zurück, oder was? Der Bus rollte los und kein Kassierer weit und breit. Plötzlich ging die Fahrertür auf und ich glaubte es kaum, aber dort schien noch ein Plätzchen frei zu sein. Der Kassierer quetschte sich neben den Fahrer und die Fahrt ging weiter.
In Buon Me Tuod fuhr der Bus leider nicht wie erwartet zur Busstation, sondern zu seiner persönlichen Haltestelle und wir standen da erstmal. Eigentlich wollten wir noch weiter, da es noch früh genug war und Buon Me Tuot alles andere als reizvoll erschien. Leider verweigerte man uns die Hilfe, die öffentliche Busstation zu finden und wir wussten ja auch nicht, wo wir eigentlich genau waren. Die Mofataxies waren diesmal extrem penetrant und unangenehm und dann tauchte auch noch ein Minibusunternehmen auf, welches uns für mal wieder zuerst 500.000 Dong nach Pleiku bringen wollte. Ich habe der entsprechenden Person auch nur kenntlich gemacht, dass er einen an der Klatsche hätte, da die Strecke nach Pleiku nicht weiter sei als nach Buon Me Tuod und wir bis hier her nur 70.000 Dong mal drei gezahlt hätten. Es war eine echt unangenehme Situation, da rund 15 Leute um uns rum standen und auf uns einredeten, ich tierisch dringend auf die Toilette musste (das macht Geldverhandlungen echt nicht leichter) und irgend jemand meinte, so heftig am Josua rumzerren zu müssen, dass dieser anfing zu weinen. Total überreizt habe ich diesen Typen nur noch auf deutsch angeschrien, was er doch für ein Arschloch sei. Der nächste, der es wagen würde, meine Kinder so anzufassen, dem würde ich eine klatschen.
Das besagte Minibusunternehmen lag in Buon Ma Tuot direkt auf der anderen Straßenseite vom Busunternehmen Tuan Anh und ist, obwohl es auf den ersten Blick praktisch erscheint, auf jeden Fall zu meiden, da die öffentliche Busstation doch nur ein paar hundert Meter weiter lag, wie wir später sahen.
Irgendwann willigte die Gegenseite ein, uns doch für 70.000 Dong mal drei mitzunehemn. Da dieser Preis eigentlich in Ordnung war, haben wir dies dann leider akzeptiert, anstatt uns erstmal zum Busterminal durchzukämpfen.
Die ganze Fahrt über haben wir uns sehr unwohl gefühlt, da der Beifahrer, der die Leute auf der Straße ansprach und zum Mitfahren bewegen wollte, auch mit den Einheimischen extrem aggressiv umging. Einmal hielt der Bus zum Beispiel vor einem Straßen-Cafe und der Beifahrer sprang heraus, nur um ein dort sitzendes Mädchen im Kaffee für mehrere Minuten anzubrüllen, da sie sich beharrlich weigerte, mit in den Minibus zu steigen. Sehr seltsam. Der Bus fuhr dann erst mal gut eine Dreiviertelstunde im Kreis, da er wohl nicht ausreichend Fahrgäste gesammelt hatte und setzte sich dann endlich in Richtung Pleiku im Schneckentempo in Bewegung. Wir befürchteten schon im Dunkeln dort einzutreffen.
Auf halben Weg meinte der Beifahrer plötzlich, wir sollen 50.000 Dong mehr zahlen, da sie uns sonst nicht zum Hotel bringen würden. Wir meinten auch nur dazu, dass sie uns ganz normal zur Busstation bringen sollen, wobei unser Hotel eigentlich auf ihrer Route lag und Fahrgäste normalerweise immer dort rausgelassen werden, wo sie hin wollen.
In Pleiku fuhr der Bus einfach an der Busstation vorbei und der Typ redete in Vietnamesisch auf uns ein und wollte sofort die 50.000 Dong haben. Als dann auf einmal alle anderen Fahrgäste ausgestiegen waren und wir die letzten im Bus waren, hielt er plötzlich an und verlangte nochmals das Geld, welches wir verweigerten zu zahlen, worauf hin er uns im Auto einschloss. Christian drückte die Tür wieder auf und rief einen dort stehenden Mann in Uniform an, der sich einmischte, so dass wir das Auto verlassen konnten. Doch unser Gepäck wollten sie nicht rausgeben. Während Christian ein Handgemenge mit dem Busfahrer am Kofferraum hatte, diskutierte der andere Typ mit dem uniformierten Mann. Christian ist zum Glück größer und stärker als der durchschnittliche Vietnamese, so dass wir auch unsere Rucksäcke bekamen, während der Mann in Uniform meinte, wir müssen noch Geld für das Taxi bezahlen. Da er ein wenig Englisch sprach, erklärten wir ihm, dass wir uns am Anfang der Fahrt auf einen Betrag geeinigt hätten, den wir auch bezahlt haben. Insbesondere sei das Fahrzeug auch kein Taxi, sondern ein Bus, was wegen der zwei Fahrer wohl auch einsichtig war (selbst in Vietnam haben Taxis keine zwei Fahrer). Daraufhin ließ der Mann in Uniform uns in Ruhe und schickte die beiden Gauner einfach davon. Wir wissen nicht, was diese Uniform zu bedeuten hatte, aber es scheint wichtig genug gewesen zu sein, so dass die beiden Jungs umgehend das Weite suchten. Leider habe ich bei dem Gerangel einen am Rucksack befestigten Schuh im Auto verloren, aber egal, ich brauche sowieso neue und Hauptsache ist, dass wir aus dieser Situation wieder rausgekommen sind.
Durch all die Aufregung hatten wir gar nicht gemerkt, dass diese Typen uns tatsächlich bis vor das Hotel gebracht hatten, so dass wir wohl einem Fluchtreflex folgend erst einmal um den Block gelaufen sind, um dann zu realisieren, dass wir eigentlich unser Ziel schon erreicht hatten.
Das Hotel selbst war ein staatlich betriebenes sozialistisches Schmuckstück aus einer längst vergessenen Zeit mit dem Charme der ehemaligen DDR. Alles sehr rustikal, aber tatsächlich mit einem Fernseher aus der Zeit des Sozialismus und dazu hautfarbene Gardinen aus einem Stoff, wie meine Oma Strumpfhosen tragen würde.
Ausländer müssen bei staatlichen Hotels 20% mehr bezahlen und es ist alles genau schriftlich geregelt ohne irgendwelchen Verhandlungsspielraum. Dafür gab es aber auch den Parteifunktionär in offizieller Uniform vor dem Hotel, der uns geholfen hat.
Pleiku ist eine kleine Provinzstadt mit selbiger Atmosphäre. Nicht wirklich schön, aber auch nicht wirklich hässlich, sonder eher bezeichnend.
Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber bei unserem kleinen Spaziergang durch die Stadt haben wir tatsächlich in einem Geschäft für Lydia und Josua neue Sandalen gefunden. Also hat sich dieser aufregende Trip doch noch voll gelohnt. Zumal trotz aller Anspannung die Landschaft mit ihren Hochebenen, sehr einfachen, armen Dörfern und den viel beschworenen Bergvölkern, die man dort auch ohne gebuchte Tour zu Gesicht bekam, total beeindruckend war.
Beim Abendessen in einem der Suppenrestaurants sahen die Frauen dort, dass wir einige Mühe hatte, sowohl Florian zu füttern, als auch selber zu essen. Daraufhin kam eine der Frauen, nahm den Florian und setzte sich einfach zu uns. Sie bereitete ihm ein eigenes Süppchen und fing an, ihn mit allem möglichen sonstigen Sachen auch noch zu füttern. Dann wurde er in Begleitung aller Familienangehörigen, einschließlich der dazu gehörigen Kinder und der alten Oma, auf und ab getragen und allen Kunden gezeigt, wie auch den Leuten aus dem Nachbargeschäft, wo wir ihn dann mit viel gutem Zureden wieder einsammeln konnten. Vorher durften wir noch Zeugen werden, wie mit Neugierde Florians T-Shirt hochgezogen wurde und seine käseweiße Haut bestaunt wurde, die ja unterm T-Shirt nochmal eine Nummer heller war.
Josua stellte am Abend bei der Betrachtung der vietnamesischen Geldscheine fest, dass der Mann auf diesen (Herr Ho Chi Min ist dort abgebildet) doch der sei, der in Pai (Thailand) uns immer die Pfannekuchen gemacht hat. Wo er Recht hat, hat er Recht. Die Ähnlichkeit ist aber auch frappierend.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 30. August 2008
Und da ist das Meer (Pleiku nach Qui Nohn, Vietnam)
Früh wie immer machten wir uns diesmal auf den Weg zur richtigen Busstation. Es ist schon befremdlich, wenn man die Menschen auf ihren Mofas sitzen und im Rückspiegel ihre wenigen Barthaare mit Pinzetten zupfen sieht.
Plötzlich tauchte dann auf dem Weg der Minibus von gestern wieder neben uns auf und die beiden Typen sprangen heraus. Panik! Was tun?
Sie fingen wieder an, auf uns einzureden. Der Fahrer parkte ein paar Meter vor uns, während der andere versuchte, uns zum Mitfahren zu bewegen. Da er nicht von uns abließ, sind wir in ein nahe liegendes Cafe ausgewichen, um erstmal soviel wie möglich Menschen um uns zu haben, damit die Jungs nicht auf dumme Ideen kommen. In diesen Bus nochmal einzusteigen war ja wohl indiskutabel, ich weiß echt nicht, was die beiden Gauner sich dabei gedacht haben.
Im Cafe frühstückten wir erstmal in Ruhe Baguettes und Kaffee für die Nerven. Derweil wartete der Minibus an der Straße und wir warteten, dass er endlich verschwindet.
Als sie dann schließlich doch weiter fuhren und wir gefrühstückt hatten, ging es weiter zum Busterminal, wo wir uns diesmal für die Firma (Mahlin) entschieden, die uns am wenigsten belästigte und voll schrie. Die Preise waren sowieso alle die selben und auf etwaige Experimente hatten wir heute keine Lust mehr. Dafür war die Fahrt dann auch, vom landschaftlichen Aspekt mal abgesehen, eher langweilig.
Wir bekamen diesmal, was wir bezahlt hatten. Drei Sitzplätze a 70.000 Dong nach Qui Nohn am Meer. Es wurden keine Leute von der Straße eingesammelt und der Bus fuhr auch wirklich zur Busstation in Qui Nohn. Nervige Mofa-Taxis konnten wir dort einfach ignorieren, bis auf der eine, der meinte, Lydia auf den Kopf fassen zu müssen. Fasse niemals in einem buddhistisch geprägten Land jemandem außer kleinen Kindern auf den Kopf. Christian war es diesmal, der ausflippte und der Mann schien seinen Fehler einzusehen, entschuldigte sich sogar und versuchte sich rauszureden, dass er nur darauf hinweisen wollte, dass er auch Kinderhelme hätte.
Wir gingen also zu Fuß los und plötzlich öffnete sich die Perspektive und wir schauten auf kristallblaues Wasser, in einer mit Bergen eingebetteten Bucht, vorgelagerten Inseln und Fischerbötchen. Eine tolle Promenade mit Palmen säumte den Stadtstrand. Wir haben dann dennoch den öffentlichen Bus genommen, da die Distanz ins Zentrum zu groß war und wir mächtig am schwitzen waren, nach so vielen Tagen in den Bergen.
Das Barbara Hotel, welches zwar jeder kannte, war leider nicht mehr da, wo es sein sollte. Ein junger Mann mit piepsiger Frauenstimme und selbigem Äußeren erklärte uns, dass dieses umgezogen sei. Also hieß es weiter laufen.
Nach dem kühlen Klima in den Bergen war das mit dem Gepäck bei wieder über dreißig Grad und durch die tropische Mittagssonne echt anstrengend.
Endlich angekommen, bin ich ja über die Preise fast in Ohnmacht gefallen. 220.000 Dong (14 Dollar) ist nicht wirklich viel, aber zu dem, was wir sonst gezahlt haben, schon. Insbesondere, weil das Etablissement als Backpacker Hostel beworben wurde, was sich aber wohl nicht in den Preisen niederschlägt.
Dafür liegt das Hotel nur durch eine Straße getrennt direkt am Meer und wir haben einen eigenen Balkon mit Meerblick bekommen.
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| The view isn't that bad, is it. (Qui Nohn, Vietnam) |
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| Neither is the view from our balcony. (Qui Nohn, Vietnam) |
Balkon bedeutet ja auch immer, das wir selber kochen können, weswegen wir uns dann doch dafür entschieden haben, hier zu bleiben und nicht weiter zu schauen.
Qui Nohn ist ein sehr trockenes Strandkaff, wo nur wenige Touris vorbeikommen. Und ich will ja nichts sagen, aber so wie es den richtigen Partner/Partnerin für einen gibt, wo sich innerhalb von wenigen Sekunden entscheidet, ob ja oder nein, behaupte ich, dass es dies auch für Orte dieser Welt gibt. Dalat war so ein Ort, der schon sehr, sehr dicht am perfekten Ort dran war. Warum ausgerechnet Dalat mich so mitten ins Herz getroffen hat, kann ich nicht sagen, aber jeder Ort, den wir jetzt besuchen werden, konkurriert mit Dalat. Selbst die Kinder faseln davon, dass sie sich vorstellen könnten, in Dalat zu wohnen.
Qui Nohn ist ein nette, wenn auch sehr trockene Stadt am Meer, wo nicht ganz soviele Touristen vorbeikommen.
Am Abend war am Strand die Hölle los. Dutzende, die sich dort zum Fußball spielen trafen. Der Strand ist vom Panorama wie aus dem Tui-Katalog und auch der Sand ist fein und weiß. Wenn es nur ein bisschen sauberer wäre, aber von unserem Balkon aus sah die Bucht toll aus.
Um 22 Uhr war dann auf einmal plötzlich Schluß. Die Bürgersteige wurden hochgeklappt und der immer währende Lärm, der einen in Asien begleitet, hatte auf einmal ein jähes Ende.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 31. August 2008
Strandtag (Qui Nohn, Vietnam)
Dafür, dass um 22 Uhr gestern alles zu Ende war, war um kurz nach fünf morgens wieder der Bär am Strand los. Schwimmer, Walker und sonstige gemächliche Sportler. So richtig extrem scheint hier nie einer Sport zu betreiben.
Mit dem Fahrrad radelten wir, oder schoben eher, da ein Berg im Weg war, zu einem anderen Strand. Klasse ist dabei auch immer, dass wir trotz Florian auf dem Rücken und Josua auf dem Gepäckträger an allen anderen Fahrradfahrern vorbei fahren, ohne dass ich jetzt das Gefühl habe, dass wir extrem schnell wären. Die anderen sind einfach nur extrem langsam.
Der Strandeintritt kostete 2x5000 Dong. Wofür wir da genau gezahlt haben, war mir unklar, denn der Strand war auch wieder den Blick trübend dreckig und die Klofrau wollte auch nochmal extra Geld. So dringend war es dann auch nicht.
Da wir vor 8 Uhr da waren, waren wir komplett alleine an diesem kilometerlangen Traumstrand und die Kids verschwanden für gut zwei Stunden im Wasser.
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| Such a beautifull beach. All to us allone. (Qui Nohn, Vietnam) |
Christian und ich saßen derweil unter den Bäumen auf Plastikstühlen, die wohl zu einem Cafe gehörten, was noch nicht richtig offen hatte.
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| Loitering at the beach. (Qui Nohn, Vietnam) |
Irgendwann kam dann doch jemand und meinte, wir müssten etwas bestellen. Die minimalistische Karte, die uns unter die Nase gehalten wurde, beinhaltete wie eigentlich in Vietnam üblich keine Preisangaben und auf meine Frage, was denn ein Kaffee koste, musste die Frau erstmal sehr lange überlegen. Ich finde so was zum kotzen, wenn die Leute meinen, sich für Ausländer andere Preise ausdenken zu müssen. Sie wollte dann 8000 Dong, normal sind 5000 Dong. Ich meinte auch nur, dass das doch etwas zu teuer sei. Daraufhin wollte sie verständlicher Weise, dass wir aufstehen, damit wir die Plätze nicht blockieren für die vielen anderen, nicht existenten Kunden. Ich kaufe gerne etwas, aber nicht, wenn die Preise über 50% des normalen Preises liegen. Beim Wasser hatten wir das immer. 1,5 Liter kosteten eigentlich 4000 Dong. Wir zahlen für gewöhnlich 5000 Dong, aber die meisten erzählten uns immer was von 10.000 Dong. Das ist mehr als doppelt so viel. Und die Moral von der Geschicht, die Gierigen verdienen nichts. Das Geschäft machten immer nur die Maßvollen und dann auch richtig, da wir ja nicht nur eine Flasche kauften, sondern mindestens immer sechs auf einmal.
Da die Kinder schon über zwei Stunden im Wasser waren, haben wir an dieser Stelle dann den Strandbesuch beendet. Wir wollten nicht, dass die Kids sich einen Sonnenbrand holen.
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| The beach in the other direction. (Qui Nohn, Vietnam) |
Zurück über den Berg bei der Hitze dachte ich auch nur, gemäß der Einstellung der Kinder, alle anderen fahren Mofa, nur ich muss Fahrrad fahren. Die Welt ist ja sooo ungerecht. Der internationale Führerschein wurde in Vietnam nicht anerkannt, solange der nicht in Vietnamesisch übersetzt ist und Auto fahren durften Ausländer hier auch nicht.
Und obwohl wir den Nachmittag nichts vor hatten, bin ich zu nichts gekommen. Florian hatte ein echt anstrengendes Alter, wo man nur am hinterher rennen ist, selbst wenn er noch nicht rannte.
Wir hingen also den Rest des Tages nur rum und waren alle etwas reisemüde. Alle bedauerten, dass wir nicht länger in Dalat geblieben sind. Josua war auch total überfordert und heulte den Nachmittag nur rum. Wir müssen das Tempo wohl wieder etwas reduzieren.
Abends machten wir dann noch eine kleine Radtour durch die Stadt. Dabei schaffte es Florian, seine Schnullerkette über den Kopf zu ziehen und unbemerkt wegzuschmeißen. Jetzt ist er weg und einen neuen gibt es auch nicht, da ich selbst in Saigon keine im Supermarkt gesehen habe und in Südostasien die Babys keine Schnuller zu haben scheinen. Letztendlich ist es eigentlich ganz gut so, denn früher oder später hätten wir ihn ja doch wegnehmen müssen. Jetzt hatte Florian den Zeitpunkt selber bestimmt und der Schnuller war ohne dies am Silikon schon eingerissen, so dass ich immer Angst hatte, dass das Ding abreißt und Flo sich verschluckt.
Mit unserem Hotel waren wir trotz des hohen Luxus sehr unzufrieden. Christian konnte zwar die vorhandene Badewanne gut nutzen, um seine von den Busfahrten verkrampften und schmerzenden Beine etwas zu entspannen, aber ständig gab es Ärger mit den Kindern.
Die ganze Zeit hing eine ältere Frau im Hotel rum und kontrollierte alles. Nicht zuletzt auch die Kinder, die angeblich ständig zu laut seien. Ich habe die Kinder nicht gehört, wenn sie außerhalb des Zimmers gespielt haben und das sollte was heißen, denn es ging definitiv auch anders. Dann wurden die Kinder zusammengefaltet, weil sie heruntergefallene Blätter eines Baumes vom Balkon auf ein freies Stück Erde haben segeln lassen. Als ich nach der Wäsche gefragt habe, ob diese denn mit der Maschiene gewaschen würde, wurde ich auch blöd von der Seite angepisst, dass es doch wohl selbstverständlich sei, dass man in Vietnam Waschmaschinen benutze und es doch unverschämt sei, so etwas zu fragen. Es mag sein, dass ich Vietnam mit Kambodscha verwechselt hatte, aber ich glaubte nicht, dass überall in Vietnam die Waschmaschine selbstverständlich sei. Dafür gab es viel zu viele Regionen, die sehr sehr arm waren.
Das Bizarre an diesem Hotel war auch, dass wir eigentlich in das Guest-Haus nebenan wollten, es aber überhaupt nicht einsichtig war, dass dieses als Cafe geschilderte Hostel auch selber Betten anbot und mit dem benachbarten Lahn Anh Hotel nur den selben Hof teilte. Alles echt unübersichtlich und letzt endlich eine blöde Geschichte.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 1. September 2008
Es geht ein Zug nach irgendwo (Qui Nohn nach Hue, Vietnam)
Wir wollten so schnell wie möglich aus diesem atmosphärisch so ungemütlichen Hotel weg, da auch die Privatsphäre nicht eingehalten wurde. Es wurde in unserer Abwesenheit einfach in unser Zimmer gegangen, die gewaschene Wäsche irgendwo hingelegt, unsere Sachen umgelegt oder Sicherungen rausgedreht, um Strom zu sparen. Sehr unangenehm.
Apropos Wäsche. Christians Anorak hat im Rucksack angefangen zu schimmeln. Wie das passieren konnte, ist mir unklar, da die anderen Sachen OK sind.
Zurück zu unserer Abreise. Der Ärger mit Barbara's Backpackers riss auch an diesem Morgen nicht ab. Plötzlich hieß es, dass wir durch unsere frühe Anreise einen halben Tag mehr bezahlen sollten. Nach einigem Diskutieren haben wir uns dann aber doch darauf geeinigt, dass um 4 Uhr nachmittags anzureisen eigentlich üblich sei.
Ohne Probleme kamen wir dann mit dem öffentlichen Bus zur Bahnstation in Dieu Tri, circa 15 Kilometer von Qui Nohn entfernt.
Hier kauften wir Zugtickets bis nach Hue für 196.000 Dong. Die Kinder kosteten in der Bahn den halben Preis, bekamen aber im Gegensatz zum Bus einen eigenen Sitzplatz, was den Komfort doch erheblich steigerte.
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| At the train station in Dieu Tri (Vietnam) |
Gut, dass wir die Tickets hier gekauft haben und nicht bei Barbara's Backpackers Cafe, denn es war total unproblematisch, die Verkäuferin sprach sogar entgegen Barbaras Aussage Englisch und wir haben die Kommission gespart.
Mit dem Zug bereiste sich dieses Land ja so gut und bequem. Man schaut gemütlich raus und hat keinerlei Stress. Und die Strecke, insbesondere das Stück von Danang nach Hue, lohnte sich richtig. Es ging die ganze Zeit an der bergigen Küste entlang, mit Blick auf einsame Buchten und Traumstrände auf der einen und wunderschöne Berge auf der anderen Seite.
Es gab sogar Wasser für die Fahrgäste und zum Mittag konnte man wie im Flugzeug Essen auf Tabletts kaufen. Einziger aber bemerkenswerter Unterschied war die Frau, die mit einem riesigen Trog hinter dem Essenswägelchen herzog und mit einer Schöpfkelle noch Suppe auf die Tabletts klatschte.
Josua war mittlerweile so entnervt vom ständigen angepatscht werden, dass er richtig aggressiv reagierte und auch immer öfter die Tränen vor Wut flossen. Wir versuchten ihn schon immer zwischen uns zu nehmen, aber das klappte nicht jedes mal und selbst Lydia wurde immer häufiger Opfer dieser blöden Tatscherei der blonden Haare.
In Hue angekommen hatten wir wieder ein gutes Stück zu laufen, haben aber im Van Xuan Guest-Haus ein schönes Hotel gefunden, welches von einem urigen, alten Ehepaar betrieben wurde.
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| This Guest-Haus should become one of our favorites. (Hue, Vietnam) |
Hue, mit seinen rund 300.000 Einwohnern, ist eine kulturhistorische Stadt und ließ sich gut aushalten. Eine richtige Travelerscene gab es hier nicht, da wohl mehr die kulturinteressierten upper-price Touristen vorbeikommen. Da im Moment totale Nebensaison war, waren auch kaum Touris unterwegs und die ganzen Anquatscher, die hier mit am schlimmsten sein sollten, ließen sich gut ignorieren. Wer Kambodscha hinter sich gebracht hat, der sollte Vietnam harmlos finden.
Durch Zufall sind wir nach unserer zunächst sehr frustrierenden Suche nach Abendessen in ein lokales Hinterhofrestaurant gerannt, wo wir für gerade mal 10.000 Dong riesige Portionen bekommen haben. Ein echtes Erlebnis von hiesigen Portionen richtig satt zu werden. Und auch hier kam wieder jemand und fütterte für uns den schon wieder kranken Florian.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 2. September 2008
Verabredung im Residence Hotel (Hue, Vietnam)
Den Fiebersaft, den wir in Kambodscha noch gekauft hatten da unsere Zäpfchen alle waren, konnten wir in der Nacht gut gebrauchen. Florian fieberte wieder, hatte Durchfall und Husten. Also alles, was einen kindlichen Infekt ausmachte. Der nimmt aber auch jeden hier angebotenen Infekt mit und wenn wir dann nach Deutschland zurück kommen, dann muss er ja auch noch durch die dortigen Infekte durch. Das ist echt blöd, wir werden ja auch nicht jünger.
Wir wollten den Tag eigentlich ruhig angehen, sind aber nicht so richtig dazu gekommen.
Wir hatten in Trat vor der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha Carmen getroffen, die in Hue das "La Residence" Hotel leitet. Sie meinte damals ganz unverbindlich, wir sollten doch mal vorbei schauen, falls wir durch Hue kommen. Gesagt, getan! Wir standen heute früh auf der Matte dieses sehr noblen Hotels und haben mal nach Carmen gefragt. Und tatsächlich, wir waren am richtigen Ort und Carmen konnte sich auch noch an uns erinnern. Mächtig überrascht, dass wir wirklich aufgetaucht sind, haben wir dann den Vormittag nett geschnackt und jede Menge wichtige Infos eingesammelt. Zum einen war unsere Entscheidung Hoi An zu skippen die Richtige, da dort zur Zeit die Miss Vietnam gewählt wurde und wohl keinerlei Hotels mehr verfügbar gewesen wären. Puh, Schwein gehabt! Wir hatten ja doch ernsthaft über Hoi An nachgedacht. Außerdem erfuhren wir, dass heute Feiertag in Vietnam war, welcher mit Ruderwettkämpfen auf dem Fluss und freiem Eintritt in den Kaiserpalast gefeiert wurde.
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| Bank Holyday with rowing competitions. (Hue, Vietnam) |
Das hat dann doch noch Kultur auf die heutige To-Do-Liste gesetzt.
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| Such an authentic picture with all the images we expect from Vietnam. (Hue, Vietnam) |
Dann hat Carmen uns auch noch Restauranttips für Hue gegeben, die wir auch gleich ausprobiert haben. Waren die Fruchtshakes lecker und das für nur 10.000 Dong das Stück. Billiger und besser geht es kaum noch.
Aber das Beste am Treffen war, dass sie vor allem die Kinder für Morgen zum Baden im Hotelpool eingeladen hatte. Die waren schon total aufgeregt und freuten sich auf ihren Badespaß. Ich übrigens auch.
Trotz Florians desolaten Zustands sind wir nach unserem Mittagessen im empfohlenen Restaurant mit allen anderen Huejanern in den Kaiserpalast geströmt.
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| The imperial citadel (Hue, Vietnam) |
Ich fand die Menschenmassen mal wieder viel spannender als die Steine und ich bin froh, dass wir dafür keine 10 Dollar haben zahlen müssen.
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| Vietnam seems to consist only of scooters. (Hue, Vietnam) |
Das wäre echt enttäuschend gewesen. So war es ein netter, aber viel zu heißer Ausflug, der in unserem Restaurant von gestern Abend endete. Die Frau von gestern fing wieder an Florian zu füttern, sah aber ein, dass es ihm echt nicht gut ging. Darauf hin fing sie an, sich mit Händen und Füßen mit uns zu unterhalten und ich war erstaunt, wie viel man sich ohne gemeinsame Sprache erzählen kann. Vor allem übersetzte sie unsere Gestiken für die Umstehenden und ich hatte den Eindruck, dass das Gemeinte auch verstanden wurde. Wir haben uns über die Medikation für Florian unterhalten und auch so lustige Themen, ob und wie lange er denn gestillt worden sei.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 3. September 2008
Feuchter Luxus (Hue, Vietnam)
Der Vormittag ging mal wieder für den Blog und die Schule drauf. Derweil leidete Florian vor sich hin und das Ganze auch noch ohne Schnuller. Da er aber so apathisch war, steckte er nichtmals die Finger in den Mund, so dass ich hoffte, dass er nach überstandener Erkrankung auch keinen Daumen mehr lutschen würde.
Hue hatte den Vorteil, dass es eine nette, aber keine aufregende Stadt ist, so dass wir hier nicht viel machen mussten. Das kam unserer anhaltenden Reiseträgheit sehr entgegen.
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| Such a luxury. (La Residence Hotel, Hue, Vietnam) |
Am Nachmittag war es dann endlich so weit und wir sind im La Residence zum Baden eingetrudelt. So ein Vier-Sternepool mit all seinem Personal und Annehmlichkeiten hat ja schon etwas.
Das Wasser war so warm, dass die Kinder ganze drei Stunden dort verweilten während Florian auf einer Liege im Schatten vor sich hin litt.
Dabei ist er doch so eine Wasserratte für gewöhnlich. Der ging doch schon Schwimmen seitdem er sechs Wochen alt war.
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| A trip in a cyclo. (Hue, Vietnam) |
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| The wrap around is so flexible you can do almost everything with it. (Hue, Vietnam) |
Carmen tauchte auch irgendwann auf und ehe wir es uns versahen hatte sie uns fünf in zwei Cyclos (Fahrradtaxis) verfrachtet, von alleine hätten wir dies nie gemacht, wir sind ja gut zu Fuß, und fuhr mit ihrem eigenen Fahrrad voran zu einem urigen vegetarischen Restaurant.
Im Bamboo Restaurant, den vietnamesischen Namen habe ich mir leider nicht merken können, gab es viele interessante Dinge zu essen. Bestellt haben wir den "Hot Pot", ein großer Suppentopf, der auf ein Feuer in die Mitte des Tisches gestellt wird. Dazu allerlei Schüsseln mit Nudeln und Senfblättern zum Beispiel, so dass jeder sein eigenes Süppchen kochen konnte. Zum Essen wurde für gewöhnlich kalter Tee gereicht. Danach ging es noch zu einem Straßenstand einen Fruchtshake trinken.
Nicht nur, dass Carmen das Abendessen und die Cyclofahrer bezahlt hat, nein sie lud uns auch für Morgen zu einem weiteren Badetag am Pool ein.
Ist das nicht Wahnsinn? Es gibt Menschen, die gibt es eigentlich gar nicht, so großzügig sind diese.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 4. September 2008
Und nochmal das Selbe (Hue, Vietnam)
Der Tag begann wieder mit Schule und Internetarbeiten. Wir hatten im Guest-Haus freies Internet, das mussten wir nutzen. Problem war nur, dass die alten Herrschaften nicht verstanden, dass dieses auch angestellt sein musste. Zuständig war dafür der Sohn oder Schwiegersohn. Wer weiß das schon so genau. Immer wenn ich den alten Mann nach dem Internet fragte, verwies er mich an ein Internet-Cafe um die Ecke. Der wusste gar nicht, dass es in seinem Haus so etwas gab. Süß!
Leider wurde im Hotel gegenüber heute eine Hochzeit mit Karaoke gefeiert, die nicht zu überhören war. Dieses Katzengejaule war so laut und unerträglich, dass wir Josua, nachdem er eine Stunde vor seinem Mathebuch saß, erlöst haben. Das ging einfach gar nicht.
Viel Zeit ging wie immer mit Essensbeschaffung und Wasserkaufen drauf. Ein erstaunlich nerviges Thema, wo ich nicht gedacht hätte, dass Essen einen so dominanten Stellenwert auf unserer Reise einnehmen würd.
Apropos Essen. Carmen hat uns so Schokomilchtüten geschenkt. Jetzt wird man aus europäischer Sicht sagen, dass das ja reichlich unspäktakulär sei. Mag sein, aber wir hatten seit über zwei Monaten keine Milch mehr getrunken und ich kann versichern, es war die beste Schokomilch, die wir alle fünf je getrunken haben.
Wobei "die Vietnamesen" einen Milchpulvertick zu haben scheinen. Besonders für die Babys gab es ganze Läden voll bis unter's Garagendach mit Milchpulver vollgestopft.
Hue war echt keine Baguettestadt. Die Baguettes waren klein und grottenschlecht. Dafür waren die Portionen in den Restaurants richtig groß, oder besser gesagt endlich mal wieder normal. Man konnte davon wieder satt werden. Wobei ich sagen muss, die viel beschworene vietnamesische Küche habe ich immer noch nicht getroffen. Das Essen war gut, aber nicht herausragend. Die Soßen aus den Flaschen gibt's in Deutschland auch und diese Unsitte, auf trockenen Reis einfach ein Stück zähes Fleisch zu knallen, erzeugt bei mir kein kulinarisches Highlight.
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| Florian is still ill and suffers. (La Residence Hotel, Hue, Vietnam) |
Florians Zustand war so bedauerlich, dass wir des öfteren gefragt wurden sind, ob wir wissen wollen, wo es einen guten Arzt gebe. Im Moment sah es wie eine richtig üble Grippe beim Flo aus. Ich hoffte, dass ich damit recht habe. Solange er genug trank und gelegentlich etwas aß bewegten wir uns in einem noch zumutbaren Rahmen.
Nach mehrstündigem Badespass (wir waren heute nochmal im Pool) musste ich feststellen, dass ich Probleme mit meiner Brille hatte. Das fiel mir nur dadurch auf, weil ich sie die ganze Zeit im Wasser nicht angehabt hatte. Beim wieder aufsetzen war alles sehr viel unschärfer als ohne Brille und bei genauerem hinsehen stellte sich heraus, dass die oberen Glasschichten total zerkratzt waren.
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| We enjoy the pool. (La Residence Hotel, Hue, Vietnam) |
So ein Misst, wo sollte ich jetzt neue Gläser herbekommen.
Wie gut, dass Carmen da war. Sie bestellte mich für den nächsten Tag, um mich dann mit einem ihrer Angestellten zum Optiker zu schicken.
Und als wenn es des Guten noch nicht genug wäre, stellte sich beim Schnacken heraus, dass Carmen Familie in Australien hat, die auch Zimmer vermieten und es eventuell eine Möglichkeit für uns gäbe, in der Nähe von Sydney auf eine Farm zu gehen. Das wäre der Hammer, wenn das klappen würde, da das ja unser ursprünglicher Plan für Australien war, von dem wir wieder Abstand genommen hatten, da wir irgendwie nicht weiter gekommen sind. Schauen wir mal was kommt.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 5. September 2008
Voll der Durchblick (Hue, Vietnam)
Pünktlich um 10 Uhr war ich am Hotel und durfte dann auch gleich eine der aufregenderen Erfahrungen hier in Vietnam machen. Als Mitfahrerin auf dem Mofa eines Vietnamesen durch dieses Verkehrschaos. Ich habe konsequent zur Seite geschaut, um nicht einen Herzinfarkt nach dem nächsten erleiden zu müssen. In voller Fahrt aus einer Einfahrt auf die viel befahrene Hauptstraße, aber nicht richtig herum, sondern einfach gegen den Verkehrsstrom. Man kann ja mal Hupen. Die rote Ampel wohl übersehen, einfach in die Kreuzung, um Fahrradfahren den Weg abzuschneiden, oder selber geschnitten zu werden. Wenigstens gingen die Bremsen. Und dann war da noch der fast 20 Zentimeter hohe Bordstein, nur über ein instabiles Metallgitter zu überwinden.
Mannomann, ich hab's überlebt!
Meine Brillengläser waren in kürzester Zeit fertig und durch meine vietnamisische Begleitung haben diese auch nur 150.000 Dong, also unter 10 Dollar gekostet.
Was für ein Gefühl, die Welt wieder scharf zu sehen.
Da unser Thermometer kaputt war und ich die ganze Zeit nach Gefühl Florian den Fiebersaft gegeben habe, musste heute dennoch ein neues Fieberthermometer her. Florians Temperatur ist zwar gesunken, aber man könnte ja mal nachmessen.
In Vietnam schien es nur Quecksilberthermometer zu geben, so dass ich dieses erstmal ausprobieren wollte, bevor ich es kaufte. Wann hatte ich schon das letzte Mal ein nicht elektronisches in der Hand. Da war was mit schlagen. Man muss das Quecksilber so runter schlagen. Da es beim Christian nicht richtig funktionierte, griff der Apotheker etwas zu herzhaft zu und zerschlug das Thermometer auf der Theke. Naja, nicht wirklich optimal. Beim neuen Thermometer war der Apotheker dann vorsichtiger, doch bei Christians und meinem Versuch, das Thermometer warm zu bekommen, schnappte der Apotheker sich das Thermometer und stopfte sich das Ding selbst in den Mund. Nachdem er uns mit dieser interessanten Darbietung versichern konnte, dass das Thermometer funktioniert, haben wir es dann auch gekauft. Florian hatte zwar kein Fieber mehr, sah aber elend aus und lag auch nur im Bett auf dem Bauch und streckte den Windelpopo in die Höhe. Warum das ausgerechnet seine favorisierte Position war, konnte ich echt nicht sagen.
Einmal rund um die Welt spielen
Da Lydia und Josua ja keine Spielsachen dabei hatten, sollte Lydia mal einen kurzen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten, die Guest-Häuser zum Spielen bieten, geben.
Bangkok die 1.: Auf dem Balkon sind wir vor Florian immer in die eine oder andere Richtung davon gelaufen. Florian ist dann hinterher gekrabbelt, um dann die Richtung zu ändern, wenn wir wieder in die andere Richtung gelaufen sind.
In Kanchanaburi haben wir auf den Stegen gespielt. Diese waren unsere Boote und mit Stöcken haben wir im Wasser gerudert.
In Kamphaeng Phet haben wir Papierflieger gebastelt. Es gab einen Flugplatz und einen Kampfplatz, wo wir die Flieger aufeinander zufliegen haben lassen.
Pai hatte Hängematten, in denen wir versuchten synchron zu schaukeln. Gelang dieses, so gab es einen Punkt. In Bangkok (die 2.) konnte man so herrlich auf den Betten rumhüpfen. Wir haben gespielt, dass wir Schauspieler seien und uns gegenseitig bekämpften.
Krong Koh Kong hatte ein Indoorfahrrad. Gespielt haben wir, dass wir auf einer Skaterbahn damit seien und lauter Tricks und Kunststücke machen würden.
Sihanoukville hatte kein wirkliches Spiel. Am Strand haben wir Sandkugeln geformt, in gebuddelte Löcher gelegt, zugeschüttet und dann wieder ausgegraben, um sie letztendlich ins Wasser zu schmeißen.
In Phnom Penh haben wir mit den Gueshousbetreibern Kitzelfangen gespielt, ansonsten sind wir so um die Stühle gerannt und haben gespielt, wir hätten magische Kräfte.
Josua hat all unsere Bücher noch zu Autos umfunktioniert und stundenlang auf den Betten hin und her geschoben.
Siem Reap hatte einen Billiardtisch, als dieser zu langweilig wurde, sind wir in die Unterwelt abgetaucht und haben die Menschheit vor Monstern gerettet.
In Chau Doc haben wir Polizei gespielt und die Bücher waren unsere Computer, in die wir alle wichtigen Informationen eingetippt haben.
In Saigon hatten wir so Plastikdeckel, die wir als Frisbees benutzt haben. Ziel war es, dass diese möglichst nicht den Boden berühren, da man sonst stirbt.
Hier haben wir auch noch Tickets verkaufen für die Gruselachterbahn gespielt. "One Dollar!"“
In Dalat hat Josua sich Spielzeugautos gekauft und war erstmal beschäftigt, wenn da nicht der kleine, nervige Bruder gewesen wäre.
Ansonsten musste Florians Schildkröte (Stofftier) als Handball herhalten, um in ein Tor geworfen zu werden. Abends haben wir im Treppenhaus noch das Licht an und aus gemacht. Wie gut, dass ich das erst jetzt erfahre.
In Qui Nohn gab es Ärger mit den Hotelbetreibern, weil wir heruntergefallene Blätter über den Balkon geworfen haben. Die Alternative war so ein Fantasiespiel, wo wir bei so einem Film mitspielen.
In Hue spielten wir, dass wir eine Zentrale haben, da wir Lebensretter sind, die die Welt retten. Dafür konnten wir uns in Monster verwandeln und wenn ein Auftrag reinkam, dann klingelt so ein Handy.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 6. September 2008
Von Hue nach Hanoi, oder auch nicht
Wir hatten zwar schon alles eingepackt, um heute Nachmittag mit dem Nachtzug nach Hanoi zu fahren, doch Florians Zustand war so schlecht, dass wir erstmal einen Arzt aufsuchen wollten.
Wir sind bei Carmen vorbei, um sie nach einem guten Arzt zu fragen. Sie ließ sofort nach ihrem Hotelarzt rufen, der zu uns ins Guest-Haus kommen sollte. Nach über einer Stunde war der Arzt leider immer noch nicht da, so dass ich per Telefon Carmen nochmals bemühen musste. War mir das unangenehm, da sie bestimmt echt besseres zu tun hatte, als für uns das Kindermädchen zu spielen.
Dann tauchte der Arzt doch noch auf und nach ausführlicher Untersuchung des sich nicht mehr wehrenden Florians diagnostizierte er eine schwere Bronchitis.
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| Florian got a serious bronchitis and needed medical attention. (Hue, Vietnam) |
Er hat uns dringlichst davon abgeraten, mit so einem Kind eine 15-stündige Zugfahrt in einem klimatisierten Zug durchzuführen. Zumal wir erstmal schauen sollten, ob die verschriebenen Antibiotika anschlagen, da er uns sonst Morgen ins Krankenhaus schicken würde. Es bestünde akute Gefahr einer Lungenentzündung und während der Zugfahrt hätten wir keinerlei Möglichkeiten von medizinischer Unterstützung, sollte sich der Zustand von Florian trotz Medikation verschlechtern.
Also noch ein Tag länger in Hue. Wir hatten ja für Florian schon einen extra Tag. Damit war der Nordwesten Vietnams für uns definitiv gestorben, dass würden wir auf keinen Fall mehr schaffen.
Der Arzt hat die Situation ausgenutzt und statt der vereinbarten10 anschließend 11 Dollar genommen. Ich hatte aber echt keine Nerven zum Diskutieren. Und in der Rückschau sind 1 Dollar echt kein Grund für eine Diskussion.
Chris und ich sind dann los, das Antibiotikum zu holen. Es war einfach anstrengend, dass selbst in den Apotheken die Leute meinten, uns verarschen zu können. In der ersten Apotheke war nur eine Frau, die uns das Medikament zu dem Preis verkaufen wollte, der auch auf der Packung stand. Da wir aber noch ein zweites gegen den Husten benötigten, welches sie nicht da hatte, sind wir zur nächsten Apotheke. In Asien ist es nicht unüblich nach Themen sortierte Straßenzüge vorzufinden, so dass wir nur ein Haus weiter mussten. Hier waren mehrere Personen anwesend, die plötzlich anfingen wild zu diskutieren, um dann den doppelten Preis wie in der ersten Apotheke zu verlangen (immer hin 20 statt 10 Dollar). Problem war, dass oft schon angefangen wird, alles mögliche einzupacken, bevor Preise genannt wurden. So auch hier. Die Mädels waren schon zur anderen Apotheken gerannt, da sie die geforderte Menge nicht da hatten.
Wir haben das Antibiotikum dann in der ersten Apotheke und die Hustentabletten, in der entsprechenden Dosis in einem kleinen Tütchen abgepackt, in der dritten Apotheke gekauft.
Im laufe des Nachmittags hat Florian auch mal wieder die Augen geöffnet, so dass wir hoffen konnten, morgen endlich weiter zu kommen.
Fürs Abendbrot haben wir uns in den vietnamesischen Milchtick eingereiht, da selbst der Arzt der Ansicht war, Florian müsse unbedingt Milch trinken, um wieder gesund zu werden. Ich frage mich, wie die Vietnamesen das noch vor ein paar Jahren gemacht haben, als das mit der Milch hier noch nicht so populär war?
Christian wollte unbedingt Milchpulver und ich habe mich an eine Packung Instantgetreidebrei gewagt. Resümee: "War das süß!" Diese Massen an Zucker, die hier überall drin sind, können auch das Fruchtshake-Erlebnis schnell zunichte machen, da man nur noch auf Zuckerkörnern rumkaut.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 7. September 2008
Aber jetzt! Von Hue nach Hanoi
Florian öffnete die Augen heute schon länger als nur ein paar Sekunden und fing auch hier und da wieder an, sich mit Gegenständen zu beschäftigen.
Wie gut, dass wir Spritzen dabei hatten, sonst wäre es uns unmöglich gewesen, Florian das Antibiotikum zu verabreichen. Also wir haben ihm das Zeug in den Mund gespritzt, mit einem Löffel ging einfach zu viel daneben.
Da der Nachtzug, wie der Name schon sagt, erst am Abend startete, hatten wir den Tag noch in Hue.
Und weil Florian alles andere als schon fit war, war es für das alte Ehepaar, welches das Hotel betreibt, selbstverständlich, dass wir das Zimmer ruhig bis zum Abend noch nutzen durften, ohne extra dafür zahlen zu müssen. Das war echt praktisch, da Florian so im Bett schlafen konnte und wir noch in Ruhe im Netz recherchieren konnten. Alle von der Familie im Hotel waren sehr besorgt um Florian und kamen ständig schauen, ob es ihm denn schon besser ginge. Sie haben sogar extra Orangen gepresst und ihm Bananen vorbeigebracht. Bananen hatten wir auch schon wo anders für Florians Gesundheit zugesteckt bekommen. Das schien hier wohl das Mittel der Wahl bei Erkrankungen zu sein.
Apropos, wir wissen nie, welches Datum wir eigentlich haben, so auch heute. Und wie wir so auf der Straße standen und diskutierten, der wievielte denn eigentlich sei, brauchte es sowohl beim Christian als auch bei mir ein Weilchen zu realisieren, dass wir ja heute Hochzeitstag haben. So kann's gehen, wenn es keinem wichtig ist, erinnert sich auch keiner daran und dann werden solche Tage auch schnell mal vergessen.
Zu Fuß sind wir dann zum Bahnhof marschiert, geht ja ganz prima, und haben dann eine langweilige 15-stündige Zugfahrt nach Hanoi über uns ergehen lassen. Da die Klimaanlage spann, war es entweder zu warm oder viel, viel zu kalt. Lydia hat sich dabei fett erkältet und auch mir läuft die Nase.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 8. September 2008
Hanoi
Am Morgen hatten wir die Möglichkeit durch das Zugfenster noch einen Blick auf die so genannte trockene Halongbucht (Ninh Binh) zu erhaschen, die durchaus beeindruckend war, mit all ihren Felsformationen.
Als der Zug in Hanoi einfuhr, konnte ich gar nicht aus dem Fenster schauen, da die Markisen der Geschäfte so dicht an den Zug herankamen, dass man das Gefühl hatte, dass sie einen ins Auge pieksen würden. Der Zug fuhr nämlich in Hanoi wie eine Straßenbahn, mitten auf der Straße.
Aus irgend einem Grund war die Zugfahrt trotz komfortabler Sitze tierisch anstrengend. Total erschlagen sind wir in Hanoi angekommen, hatten aber keinerlei Probleme, ein Guest-Haus (Tam Thuong Relax Guest-Haus) zu finden. Erstaunlicherweise kostete dieses nur 10 Dollar, wir hatten ja schon so einiges über Hanoi gehört. Das wirklich nervig hier war, dass alle Preise in Dollar angegeben wurden, aber nichts in Dollar bezahlt wird, so dass der angewendete Wechselkurs beim bezahlen auch mal zu Überraschungen führen konnte.
Unser Versuch, einen Kaffee und Frühstück zu bekommen, war sehr frustrierend. Hanoi ist nicht nur teuer für Touristen, sonder anscheinend auch zwei bis dreimal so teuer wie der Rest des Landes. Dazu kam die recht schnelle Erkenntnis, dass es in Hanoi zwar eine Trinkkultur gibt, diese sich aber nur auf Süßgetränke und Bier bezieht. Kaffee war hier nicht mehr so angesagt. Dabei hätte ich so gut einen gebrauchen können. Die uns genannten Preise lagen zwischen 10.000 und 20.000 Dong. Ja ich weiß, aus deutscher Perspektive ist das doch total billig. Es ging aber nicht darum, mit dem deutschen Preisverständnis an die Dinge heran zu treten, sondern um die Verhältnismäßigkeiten innerhalb des Landes. Ein Kaffee kostete für uns bis jetzt überall in Vietnam nicht mehr als 5-7000 Dong. 20.000 Dong sind einfach fern von Gut und Böse. Hanoi darf ja ruhig teurer sein, aber soviel teurer? Da hier auch wieder der helle Hautfarbe-Effekt zuzuschlagen schien, wurde auf Preisanfragen wieder angestrengt über einen Preis nachgedacht. Und raus kam immer "One Dollar!". Ich konnte es echt nicht mehr hören. Ich dachte ja, dass wir das in Kambodscha hinter uns gelassen hätten, aber hier in Hanoi sind wir im Vergleich zum Rest des Landes wieder so dermaßen schlecht behandelt worden, dass so weit von keinem positiven Erlebnis in dieser Stadt berichten konnten. Total frustriert sind wir ins Guest-Haus zurück gekehrt. Wenigstens gab es hier auf der Straße wieder vernünftige Baguettes zu fairen Preisen. Das würden wohl wieder sehr brotige Tage.
Wir haben dann den halben Tag verschlafen, da es nach der nächtlichen Zugfahrt echt nicht mehr ging.
Am Abend haben wir einen zweiten Anlauf gewagt, uns auf die frustrierende Essenssuche zu machen. Doch auch jetzt waren wir nicht erfolgreicher. Für homöopathische Mengen sollten wir 20-30.000 Dong zahlen, als Vergleich in Hue haben wir für riesen Portionen 10.000 Dong pro Person gezahlt und auch in Saigong sind wir nicht über 15.000 Dong hinaus gekommen. Da wir alles immer mit fünf multiplizieren müssen, ist so eine Differenz für uns leider nicht egal. Ein ganz großes Manko, welches wir in großen Teilen Vietnams vorfanden war, dass es nicht wie in Thailand diese Essensstände gab, wo man sich sein Essen so zusammenkaufen konnte. Vielleicht waren wir aber auch einfach nur zu blöd diese zu finden.
Aber wie gut, dass es Baguettes gab, und es gab jede Menge Obst direkt vor der Haustür. Problem war nur, dass Florian kein begeisterter Obstesser zur Zeit war und dringend Kalorien zu sich nehmen musste nach so langer Diät.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 9.September2008
Hanoi im ausgeschlafenen Zustand
Vielleicht hatten wir gestern nur soviel Pech, weil wir total übermüdet waren. Man soll ja allem eine zweite Chance geben. Leider wurde es nicht besser. Dieses Old Quarter, welches das Zentrum der Stadt wohl darstellte und in dem wir uns befanden, war einfach nur ätzend. Wir haben hier gerade ein Deja-vu. Dieser sehr unangenehme Umgang mit Ausländern, von überall blöd angelabert zu werden, seien es Cyclo-Fahrer oder Frauen mit diesem Stock über der Schulter, wo zwei offene Körbe dran hängen, die dann versuchen, einem dieses Ding über die Schulter zu legen und dabei "Foto! Foto!" schreien. Ich wollte kein Foto machen, die etwa? Ich bezweifele es. Hier ruft auch keiner mehr "Baby!Baby!", oder stürmt begeistert auf Florian zu. Speisekarten haben auf einmal für uns keine Gültigkeit mehr und sollte zufällig doch jemand der Anwesenden so ehrlich gewesen sein, den Preis auf der Karte zu nehmen, steht hinterher der Rest der Familie vor einem am Tisch und meint, man hätte nicht genug gezahlt. Ist uns wirklich passiert. Was soll man dazu noch sagen. Wir sind ja dazu über gegangen, "die Vietnamesen" mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sie kichern oder lachen einen aus, wenn man was falsch gemacht oder sich über den Tisch ziehen lassen hat. Wir tun es ihnen dann gleich.
Wir hatten den totalen Asienrappel. Der Verkehr hier war richtig gefährlich, da im Gegensatz zum Rest von dem Vietnam welches wir bis jetzt gesehen hatten in der Hauptstadt schon zu viele Autos unterwegs waren. Die wichen Fußgängern nicht mal so eben aus und gegen die Fahrtrichtung fahrende Mofas sowieso nicht. Überall zugeparkte Bürgersteige, so dass es ein ständiges auf und ab war. Und wenn dieser nicht ganz zugeparkt war, meinte jemand sich mitten in den Weg stellen zu müssen und mit dem Finger auf dich zu zeigen.
Dann diese Ausnehmermentalität, die hier so extrem ist, dass man es erst gar nicht versuchen sollte, etwas einzukaufen. Lydia wollte ein paar Schuhe kaufen. Die sollten 55 Dollar kosten. Ich bin ja rückwärts aus dem Geschäft gefallen. Die Begründung war, dass die Schuhe in Vietnam hergestellt seien und somit so hochwertig. Die Produkte aus China seien die Schlechten und somit die billigen. OK?
Wir haben dennoch einige Klamotten gefunden, wenn auch nicht im "Old Quarter", sondern sehr viel weiter weg, wo die Touristen-Manie langsam abebbte und sich die Atmosphäre etwas entspannte. Das interessante daran ist, dass man in Läden etwas findet, wo man es am wenigsten vermutet. Zum einen bin ich ja ein Fan von Supermärkten, da die Preise auf der Ware stehen, so dass der Ausländerfaktor (x4) hier nicht zur Anwendung kommt und man nicht die ganze Zeit genervt wird. Zum Anderen habe ich eine Hose in einem Kinderladen gefunden, womit ich nun wirklich nicht gerechnet hatte, da die Mädels hier ja genauso klein sind wie ich, so dass ich dachte, dass es meine Größe nur in den normalen Geschäften gibt. Das Tolle am Hosenkaufen war auch, dass ich sie nicht anprobieren musste. Praktischerweise hatte ich eine Tochter, die das für mich macht. Wenn ihr die Hose etwas zu weit war, dann passte sie mir. Und unfassbar aber wahr, ich musste die Hose nichtmals kürzen. Wann hatte ich das das letzte mal? Jetzt kann meine alte Outdoorhose endlich in den Müll. Das ist auch aller höchste Zeit, da schon sämtliche Nähte aufgegangen, Löcher drinnen sind und die Taschen sich ablösen.
Kurios fand ich die Tatsache, dass es keine Kinderunterwäsche zu geben schien. Kleinkinder tragen so Stoffhosen und die Eltern führen immer Tütenweise davon mit, um die vollgemachten Hosen zu wechseln. Windeln wurden ja kaum getragen. Aber auch für Josuas Alter schien es keine Unterwäsche zu geben und er brauchte dringend neue, da er so gewachsen war. Ich habe ihm letztendlich Frauenhotpants gekauft in dunkler Farbe. Was blieb mir übrig. Für Frauen gab es dafür Größen, die selbst für Lydia zu klein waren. Alles sehr seltsam hier.
Unser Tag bestand aber nicht nur aus Shoppen, sondern auch in einem Besuch der laotischen Botschaft, da wir ja noch Visa für unsere nächste Etappe brauchten. Dort hatten wir erst unsere Passfotos vergessen, aber wie immer in Südostasien gab es für alles eine Lösung, also ging es auch ohne. Dann sollten die Visa 31 Dollar kosten. Das mal fünf war ein stolzer Preis. Kinderermäßigung gab es nicht. Die Lösung kam aber von ganz alleine. Es lief die ganze Zeit ein Mann im Hawai-Hemd um uns herum, der uns plötzlich auf deutsch ansprach und meinte, wir sollten doch nur das Visum für Florian beantragen, da Lydia und Josua doch bei Christian im Pass stünden. Gesagt getan. Lydias und Josuas Pässe verschwanden schnell wieder in unserer Tasche. Morgen konnten wir die Visa abholen und dann hofften wir, dass wir an der Grenze keine Probleme bekommen würden, da wir offiziell ja keine Ausweise von Lydia und Josua mehr hatten.
Am Abend wollten wir dann noch ins Wasserpuppentheater, um dort zu hören, dass Kinder den vollen Preis zahlen müssen. Ich war so frustriert, erst diese Menschen in dieser Stadt, die einen ständig übers Ohr hauen wollen und dann das. Man muss dazu wissen, dass "Vietnamesen" (forsicht Pauschalisierung) so gut wie nie für ihre Kinder voll bezahlen, falls sie überhaupt etwas für sie zahlen.
Frust! Frust! Frust!
Ich bin ganz froh, dass wir kaum Zeit für den Norden Vietnams hatten. Vermutlich wären wir in Sapa total unglücklich, da es ja auch schwer touristisch sein sollte. Was leider viel zu oft heißt, dass man als Ausländer schlecht behandelt und ausgenommen wird.
Mit dem Süden haben wir wohl die bessere Entscheidung getroffen.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 10.September2008
Die etwas andere Sightseeing Tour (Hanoi, Vietnam)
Ich weiß nicht, warum Christian und ich immer so empfindlich auf Atmosphären reagieren, denn Hanoi war ja objektiv eigentlich ganz schön. Es hatte viel Grün zu bieten und tolle alte, koloniale Häuser. Das Old Quarter war ein wuseliger Rummelplatz, wo viel los war, aber die Atmosphäre stimmte nicht. Hanoi hatte für uns etwas sehr erdrückendes und lauerndes. Ganz anders als Saigon, wo die Sonne für uns aufging, so leicht und heiter erschien uns diese Stadt.
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| The silence at the Hoa Kiem lake, appart from the noise from the scooter trafic floating around the lake. (Hanoi, Vietnam) |
Da Hanoi nicht richtig viele Attraktionen hatte die wir sehen wollten, haben wir uns auch keine Mühe gegeben, die paar wenigen zu sehen. Mich nervte es mittlerweile tierisch, immer das Gefühl zu haben, ich müsse mir irgendetwas anschauen müssen, mit all den hundert anderen Touristen, um dann festzustellen, dass der entsprechende Ort nur da zu sein schien um Touris abzuzocken.
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| Regina Pacis? Isn't this the address of the Bonn universities main building? (Hanoi, Vietnam) |
Ich wollte zum "National Institut of Nutrition". Nicht wirklich der Ort, wo man als Touri hinfährt, war mir aber dennoch ein Anliegen, da das Institut dicht an meinem persönlichen Forschungsinteressen für eine mögliche Promotion dran lag. Wenn ich schon mal da bin, dann kann ich ja mal vorbeigehen und das haben wir auch gemacht.
Christian wartete mit den Kindern in einem Park. Ich hatte derweil ein aufschlussreiches Gespräch im Institut, musste aber meine Ansprechpartnerin auf nächstes Jahr vertrösten. Sie wollte, dass ich schon jetzt in die laufenden Projekte einsteige.
Lydia haben wir nach dem Ausflug im Guest-Haus abgestellt, da sie von der Klimaanlage im Zug so erkältet war, dass sie sich erstmal hinlegen sollte. Josua haben wir gleich mit da gelassen, um dann unsere Visa für Laos zu holen.
Wir trafen wieder auf den Mann im Hawai-Hemd der uns gestern schon in sehr gutem Deutsch angesprochen hatte. Deutsch sprechen übrigens sehr viele Vietnamesen hier. Er war gerade dabei, einem vermutlich chinesisch sprechenden Mann das Visaformular zu übersetzen. Wir vermuteten ja, dass es der laotische Botschafter war, denn wenn der etwas zu den Leuten hinter dem Schalter sagte, sprangen die. Wir wollten zum Beispiel unsere Visa nicht in Dollar sondern in Dong bezahlen. Der Mann hinter dem Schalter meinte, das ginge nicht, bis der Mann im Hawai-Hemd etwas vermutlich auf Laotisch sagte, und plötzlich war es kein Problem mehr.
Auf Wunsch der Kinder sind wir dann doch nochmal zum Wasserpuppentheater. Und wie in Vietnam üblich, gab es auf einmal eine Lösung für uns. Wir könnten den Josua ja auf den Schoß nehmen und zahlten so nur drei Karten. Prima, mehr wollten wir ja gar nicht.
Die Vorführung war richtig süß. Lydia und Josua waren total begeistert und auch Florian zeigte von Zeit zu Zeit Interesse am Geschehen. Sämtliche Dinge, die wir schon gesehen haben, waren in der Veranstaltung untergebracht. Von den Reisbauern, über die Ruderwettbewerbe bis hin zu der Riesenschildkröte, die hier im Hoan Kiem See leben soll. Die Kinder haben die Szenen sogar unseren Erlebnissen zuordnen können.
Am besten waren aber die ganzen Fotografen im Publikum. Da wir in der letzten Reihe saßen, hatten wir einen perfekten Blick auf die Fotodisplays, die alle vor uns aufleuchteten. Das hatte was.
Wir waren erstaunlicherweise nicht die einzigen mit kleinem Kind. Vor uns schob sich eine Gruppe amerikanischer Pärchen in den Raum, die alle Bauchtragen an hatten, mit noch sehr frisch gepressten, vietnamesischen Babys. Und ich dachte, der Adoptionstourismus der Amerikaner würde vor allen Dingen in Südamerika stattfinden. Da war ich wohl ein bisschen naiv.
Das Hotelpersonal in unserem Hotel hatte uns schon die letzten Tage immer und immer wieder genervt, wann wir denn wieder abreisen und wohin und ob wir nicht eine Tour bei ihnen buchen wollten.
So etwas macht die Atmosphäre leider immer kaputt. Am Anfang waren sie scheiß freundlich. Wir sollten uns doch melden, wenn wir etwas für Florian bräuchten etc. und als wir dann das Hotel bezahlt haben, ohne eine Tour gebucht zu haben, wurden sie unangenehm.
Josua war von dem Tag so fertig, dass er einfach auf unserem Bett eingeschlafen ist. Wir hatten etwas Mühe, ihn auf seine Matratze zu verfrachten. Er stand da dann total desorientiert mitten im Raum, nicht wissend, was zu tun sei. Dankbar legte er sich dann aber auf meine Aufforderung, doch einfach weiter zu schlafen, mitsamt seinen Klamotten, hin und schlief sofort wieder tief und fest.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 11.September2008
Was muß, das muß! Von Hanoi zur Halong-Bucht (Hanoi nach Bai Chai, Vietnam)
Wir waren nicht traurig das Hotel zu verlassen und noch auf der Straße kam einer vom Hotel hinter uns hergerannt, da er meinte, wir hätten den Wäscheservice nicht bezahlt. Ich hatte zum Glück eine Quittung.
Mittlerweile stellt für uns das Fortkommen mit öffentlichen Transportmitteln keine sonderliche Herausforderung mehr dar. Primär ist es einfach nur anstrengend. Es wird aber ständig versucht uns zu verarschen, was uns so auf den Sack geht. Auch hier an der Busstation hat man es wieder mit uns versucht. Eine Dame am Schalter wollte uns besonders günstig Tickets für 60.000 Dong verkaufen auf denen aber 65.000 Dong drauf standen, dafür stand das Endziel nicht drauf. Das schrie doch schon wieder nach einem Betrug. Wir haben dann sicherheitshalber am anderen Schalter bei der Konkurrenz gekauft, wo auf den Tickets auch drauf stand, was wir bezahlt hatten. Die Busnummern auf den Tickets entsprachen im übrigen gerne auch mal den Nummernschildern. Wir hatten Anfangs ein paar Probleme da wir dieses noch nicht wussten.
Für 60.000 Dong pro Person x 3 ging es Richtung Halongbucht durch ein nicht enden wollendes recht unattraktives Industriegebiet. Hier wurde wohl alles Produziert, was das Herz der Welt so begehrt.
Der Busfahrer hatte die Ruhe weg und wir dümpelten so vor uns hin, dass wir schon Angst hatten, heute nicht mehr anzukommen. Bis der Busfahrer wechselte. Und der neue Fahrer hatte wohl Hummeln im Hintern. Da ging mal wieder die Post ab. Hui!
Unser Trip endete an der Bai Chai Busstation mitten im Nirgendwo. So was ist immer blöd, vor allem, wenn die Stationen nicht mehr auf den Karten unseres Führers eingezeichnet sind, da sie zu weit draußen liegen.
Der Schwarm von Taxifahrern belagerte uns wieder. Die Dame von der Busstation wollte uns zwar helfen, wurde aber von der Taximafia zurecht gewiesen, so dass sie ihre Aussage, es gäbe einen Bus in die Stadt zurückzog und behaupten musste, es gäbe keinen. Um so etwas zu verstehen braucht es nichtmals Vietnamesisch. Auf so ein Geschwätz gaben wir mittlerweile wenig und sind erstmal losgelaufen, wohl wissend, dass es immer einen lokalen Bus gibt. Zumal wir sie auch schon gesehen hatten. Nach 500 Metern tauchte einer der Mofa-Taxi-Fahrer auf und gab zu, dass es einen Bus gäbe und dass wir auf dem richtigen Weg seien. Er war sogar so freundlich uns den kommenden Bus heran zuwinken. Die Typen sind ja eigentlich ganz nett, wenn sie einzeln und nicht in der Meute auftreten. Im Stadtzentrum angekommen fand ich Bai Chai, oder auch gerne Halong City genannt, nicht annäherungsweise so dramatisch wie im Führer beschrieben. Keine Schlepper, keine Taxiheinies, alles total friedlich. Ich hatte ja mit Schlimmen gerechnet. Mit einer chaotisch, hässlichen Straßenstadt, wo man keine Ruhe findet, aber hier war alles so aufgeräumt und so wenig Stadt, dass es schon fast unangenehm ruhig war. Die Hotelkulisse war nicht schön, dass gebe ich zu, und die Promenade wirkte auch aus dem Boden gestampft, aber nach hinten, hinter den Hotelstraßen, da tat sich eine kleine süße Stadt auf.
Dadurch, dass es eine rein auf Tourismus ausgelegte Stadt zu sein schien, sind die Essenspreise auch hier exorbitant hoch gewesen. Dafür gab es viele ausgefallene Meerestiergerichte. Ich weiß wirklich nicht, ob man die dort essen sollte? Da wir aber unbedinngt etwas essen mussten, haben Christian und ich uns darauf geeinigt, eine Suppe für maximal 15.000 Dong zu akzeptieren. Die im Restaurant schienen darüber nicht so begeistert, dass wir nur Suppe bestellten, so dass es dann auf einmal nachdem wir zehn Minuten dort saßen hieß, die Suppe gäbe es nicht und wir sollen bitte etwas anderes bestellen. Dann nicht!
Wir sind dann zur Verwunderung der Restaurantfamilie einfach wieder aufgestanden und gegangen. Und weiter hinten in der Stadt haben wir dann auch noch unsere Suppe bekommen, in dem einzigen Restaurant, von den Dutzenden, in dem überhaupt jemand saß. Es ging erst mal wieder mit 20.000 Dong los. Ich habe mich dann kichernd abgewendet und schon viel der Preis. Geht doch, auch wenn wir nicht den lokalen Preis bekommen, so doch wenigstens einen für uns akzeptablen.
Auch der einheimische Supermarkt, den wir dort fanden, hatte vernünftige Preise und Produkte, im Gegensatz zu diesem Tourioutlett an der Promenade. Man muss nur fleißig suchen, wenn es nicht so anstrengend wäre.
Um eine Tour auf der Halongbucht zu organisieren sind wir dann auch noch zwei Kilometer zum offiziellen Hafen gelaufen, wo es laut Führer staatlich festgelegte Niedrigpreise geben sollte. Der Typ aus unserem Hotel war auch schon da. Der war irgendwie überall. Wir hatten ihn schon im Bus getroffen, wo er uns seine Hotelkarte zugesteckt hatte. Da das Hotel im Führer positiv bewertet wurde, hatten wir für eine Nacht keine weiteren Aktionen gestartet und das Zimmer für 12 Dollar genommen. Dort sprach er uns, wie wir es ja in Hanoi schon erlebt hatten, ständig auf sein Tourangebot an. Etwas nervig, aber wir wollten ja eine machen.
Am Hafen stellte sich heraus, dass die offiziellen Preise alles andere als günstig waren. Zumal es ein Zweischrittverfahren gab. Zum einen musste man eine Eintrittskarte für die Bucht kaufen. Das waren pro Person 40.000 Dong, Josua und Lydia je 20.000 Dong und Florian war frei. Das galt aber nur, wenn man sein eigenes Boot dabei hatte, ansonsten musste man dieses auch noch buchen. Hier lag der offizielle Preis pro Person und Stunde bei 50.000 Dong, Kinder unter neun Jahren 70 Prozent Rabatt. Klang nicht viel, aber da ein Boottrip nicht unter vier Stunden zu haben war, sah das preislich schon ganz anders aus.
Der Mofa-Taxi-Fahrer, der uns mit dem Bus geholfen hatte, war auch wieder da und machte uns ein Angebot, welches fern von Gut und Böse war. Er wollte 740.000 Dong für das kleine Boot, wo man nicht raus konnte und 960.000 (ca. 60 Dollar für vier Stunden) für das große Boot, wo man dann auch auf Deck gehen konnte.
Der Mann von unserem Hotel hat uns dann ein Angebot von 10 Dollar pro Person und Lydia und Josua den halben Preis plus staatliche Eintrittsgebühren gemacht. Wir haben dieses akzeptiert, wollten die Formalitäten aber im Hotel klären.
Im Hotel zurück kam was kommen musste, der verlangte Preis war auf einmal 40 Dollar, also auch je 10 Dollar für die Kinder. Diese ständigen ätzenden Verhandlungen und hier ging es ausnahmsweise mal um richtig viel Geld. Ich war schon so geladen, dass ich richtig zickig wurde und nur noch über diese Art von Machenschaften in Nordvietnam wetterte. Wir haben uns dann nach zäher Diskussion auf 32 Dollar geeinigt, dennoch war die Stimmung gereizt, was dann leider auch die Kinder mit abbekamen. Der Norden Vietnams machte einfach keinen Spaß. Hoffentlich würde uns die Landschaft morgen wenigstens wieder entschädigen.
Ich hatte dummerweise unsere Wäsche zum waschen noch abgegeben. Auch hier waren wieder blöde Preisverhandlungen vorausgegangen. Erst wollten sie 20.000 Dong pro Kilo, was jenseits des üblichen Preises war. In Saigon haben wir nur 10.000 Dong gezahlt. Wir hatten uns schließlich auf 15.000 Dong geeinigt (knapp unter einem Dollar). Am Abend wollte ich die Wäsche eigentlich gerne wieder einsammeln, um sie schon mal für morgen früh zu verpacken. Da meinte das Mädel, in 20 Minuten sei sie fertig. Als ich nach einer Stunde wieder auftauchte, wusste sie auf einmal von nichts und vertröstete mich auf morgen früh. Das hat meine ohnehin schon gereizte Stimmung nicht wirklich verbessert.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 12.September2008
Der Tag der Verkehrsmittel (Von Halong City über Hanoi nach Hue, Vietnam)
Am Morgen ging der Stress weiter. Wir hatten für den Tag zu wenig Wasser, so dass Christian sich um sechs Uhr morgens auf die Suche begab. Der Supermarkt hatte natürlich noch zu, aber die Straßenläden waren schon teilweise offen. Die wollten aber immer 10.000 Dong für alle Wassersorten, wobei die No-Name-Produkte im Supermarkt normalerweise nur 3500 Dong kosten. Es schien aber keine Relevanz zu haben, dass es dort Unterschiede gab. Beim verlassen der Stände wurde ihm dann 7000 nachgeschrien, das war ja nur der doppelte Preis. Frustriert kam er wieder zurück, da wir aber unbedingt Wasser brauchten, mussten wir wohl in den sauren Apfel beißen. Also, Christian wieder los zu einem Geschäft, wo er vorher noch nicht war und die Besitzerin völlig aufgedreht am frühen Morgen schon einen Ausländer ausnehmen zu können im Schlafanzug angerannt kam und natürlich wieder 10.000 Dong haben wollte. Christian war so sauer, dass er einfach mal 5000 sagte und die Flaschen dann tatsächlich für 6000 bekommen hat, wobei der Rest der Straße einschließlich der Verkäuferin selbst aufs unfreundlichste am rumwettern waren.
Als wir dann das Hotel bezahlen wollten und an der Rezeption warteten, schaute uns das Mädel mit großen Augen an und wir schauten auffordernd zurück, aber diese Information kam bei ihr nur sehr Zeitverzögert an. Nach etlichen Sekunden fragte sie dann endlich, was wir den wollten. Wir äußerten unser Anliegen und es dauerte nochmals über eine Minute, bis das Mädel erstmal einen entsprechenden Fernsehsender eingestellt hatte, bevor sie sich dann in gedanklicher Zeitlupe unserem Anliegen zuwendete.
Mein Versuch, unsere Wäsche zu bekommen, scheiterte. Die Wäsche war nichtmals im Haus. Das Mädel war so brotig, dass sie auch nicht verstand, dass wir um 7 Uhr auf eine Tour gehen wollten, die wir gestern Abend auch noch in ihrem eigenen Hotel gebucht hatten.
Ich habe dann die Zahlung des Hotels verweigert und darauf hingewiesen, dass wir dieses tun, sobald wir unsere Wäsche wieder hätten. In einem unglaublichen Tempo, jede Schnecke wäre schneller gewesen, griff das Mädel zum Telefon und organisierte unsere Wäsche.
Kurz vor sieben traf dann die Wäsche ein und wir wollten das Hotel bezahlen. Es ist immer gut, Preise vorher ausgerechnet zu haben, damit man nicht total verarscht wird, wie es das Mädel dann doch noch versuchte. Beim eintippen des Wechselkurses hat sie versucht eine höhere Zahl zu drücken. Christian wies sie dann auch darauf hin, dass das wohl nicht sein könne. Zähneknirschend korrigierte sie. Wir hatten beides am Tag zuvor verhandelt, aber dieses ständige auf der Hut sein müssen war wirklich, wirklich anstrengend.
Und dann saßen wir da und nichts passierte mehr. Eigentlich sollte jemand uns abholen, aber dieser jemand schien das anders zu sehen.
Um kurz nach sieben fragte ich mal bei dem Mädel nach, aber bis auf einen leeren Blick erhielt ich nichts. Die Stimmung war schon wieder hyperaggressiv von meiner Seite. Als das Mädel meinte sich einfach zum Frühstück hinsetzen zu können, bin ich verbal über sie hergefallen, dass sie sich gefälligst um unseren Transport kümmern sollte. Erst jetzt bemühte sie sich zum Telefon und es tauchte dann auch wirklich ein Taxi auf.
Wir versuchten klarzustellen, dass wir für das Taxi nicht aufzukommen haben. Der Taxifahrer verstand kein Wort und machte das Taxameter an. Als er dann auch noch in die falsche Richtung fuhr, war es mit meiner Beherrschung vorbei. Nach heftigen Diskussionen fuhr der arme Taxifahrer, er konnte ja nichts für das ganze Theater, zurück zum Hotel. Das Mädel verstand unsere Aufregung erst gar nicht. Ich zeigte ihr den minutiös aufgestellten Tourvertrag und war so geladen, dass ich ihr blödes Gekicher nur noch nachäffte. Nach einigem hin und her klärte sich, dass das Boot gar nicht da war, wo es zu sein vorgegeben hatte. Es lag genau in entgegengesetzter Richtung, nicht im Hafen sondern einsam an der Wand der Promenade. Wie schön, dass man uns das auch schon gesagt hatte. Es währe auch niemand gekommen, uns abzuholen, wenn wir nicht Rabatz gemacht hätten. Das Taxi wurde dann von jemandem vom Boot bezahlt, aber die Stimmung war nicht wirklich entspannt um halb acht morgens. Immerhin waren wir bei einem Boot, wo eine überschaubare Menge schon da war. Genau genommen zwei weitere Passagiere, von angeblich zwanzig. Es kamen dann noch fünf dazu, so dass das Boot, eigentlich für fünfzig ausgelegt, gerade mal mit zwölf Passagieren startete. Letztendlich hatten wir so jede Menge Platz an Deck.
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| A typical chunke for the tourists. (Halong Bay, Vietnam) |
Die Halongbucht lag wie wohl meistens in Dunst gehüllt und die rund 3000 Felsformationen, die sich aus dem Wasser erhoben, ließen sich nur erahnen. Mittlerweile war es auch schon tierisch spät, so dass das Licht nicht mehr so schön war, wie es um sieben Uhr morgens hätte sein können. Am besten ist es immer kurz nach dem Sonnenaufgang, so gegen sechs.
Der Trip war dann nach all dem Stress doch noch richtig schön. Keine Verarschung mehr, ganz im Gegenteil. Bei der Insel welcher, wo man zwei beeindruckende Höhlen besichtigen konnte, mussten wir die staatlichen Eintrittsgebühren nur zwei Mal zahlen und Lydia und Josua durften umsonst rein.
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| Florian enjoying the boat trip on Halong Bay. (Vietnam) |
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| Some kids enjoy... (Halong Bay, Vietnam) |
Die Höhlen waren echt der Hammer. Nicht nur, dass sie durch ihre Größe beeindruckten, sonder sie waren so unwirklich, dass wenn jetzt noch so eine Achterbahn vorbei gekommen wäre, ich wirklich geglaubt hätte, dass es das Phantasialand in Brühl und die Höhle nur aus Pappmaschee gebastelt sei. Auch weckten die Höhlen unter der kleinen Insel mitten im Meer die wildesten Kinderfantasien über Piraten und verschollene Schätze.
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| ...and other need to work. Josua posing for a foto shoot. (Halong Bay, Vietnam) |
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| A lot of boats, all almost empty crossing Halong Bay. (Vietnam) |
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| Now I understand the fascination about that place. (Halong Bay, Vietnam) |
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| It looks somhow misterious. (Halong Bay, Vietnam) |
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| And allways the mist around. (Halong Bay, Vietnam) |
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| Stop on the island to visit the caves. (Halong Bay, Vietnam) |
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| Our camera isn't good enough to catch this incredible place. (Halong Bay, Vietnam) |
Danach durften wir noch ein Fischerdorf auf dem Wasser besichtigen, welches zwischen den Felsen mitten auf dem Wasser lag. Die Marktfrauen waren gerade unterwegs und ruderten mit ihrer Ware von Fischfarm zu Fischfarm. Wie viel hier von noch real ist und was davon für die Touris aufrecht erhalten wird kann ich nicht sagen. Auf einer Plattform standen in einer Ecke achtlos auf einem Haufen jede Menge Schultische und Bänke, so dass ich jetzt einfach mal naiv davon ausgehe, dass hier gelegentlich die Schulpflicht zur Anwendung kommt.
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| Floating village in the Halong Bay. (Vietnam) |
Das dritte Highlight der Tour waren zwei Steine im Wasser, die auf dem Foto so imposant wirkten, in der Realität dann doch eher klein im Vergleich zu all den anderen Felsen waren. Als die Fahrt gerade am nettesten war, kam schon wieder jemand und fragte, ob wir nicht mit einem Ruderboot noch in eine Höhle fahren wollten. Das würde auch nur 150.000 Dong extra kosten. Sie konnten einen einfach nicht in Ruhe lassen.
Wir lehnten ab und genossen unseren Trip an Deck als plötzlich die Schiffshupe ging, neben der wir direkt saßen. War das laut. Florian fing vor Schmerz an, wie am Spieß zu schreien, und wir befürchteten schon, sein Trommelfell könnte etwas abbekommen haben. War Gott sei Dank aber nicht so.
Kurz nach elf waren wir wieder auf dem Festland. Da wir unser Gepäck mit an Bord hatten, ging es gleich weiter mit dem lokalen Bus zur großen Busstation, der zum Glück auch da vorbei fuhr, wo uns das Boot rausgelassen hatte. Eigentlich war ja der Hafen vereinbart gewesen. Von der großen Busstation ging es ohne große Verzögerung dann auch gleich weiter nach Hanoi.
Flos Begeisterung, sich die Reisfelder aus dem Bus anzuschauen, erklärte Josua ganz trocken damit, dass es Florian nicht um das Reisfeld ginge, sondern um den Reis den es zu essen gilt.
In Hanoi an einer der vielen großen Busstationen eingetroffen, hatten wir ein paar Probleme, einen Bus zu finden, der bis zum Bahnhof fährt. Alle Nummern, die wir uns aufgeschrieben hatten, fuhren nicht hier vorbei. Also sind wir erstmal raus aus dem Busterminal und zur öffentlichen Bushaltestelle, um dort den Busfahrplan mit praktischer Übersichtskarte zu studieren. Wir haben so einen Bus ausfindig machen können, der zwar nicht zum Bahnhof selbst fährt, aber dicht daran vorbei.
Die Taxifahrer, die mal wieder um uns herumschwadronierten, waren diesmal aber auch sowas von penetrant. Selbst unser Hinweis, dass wir bestimmt nicht an einer Bushaltestelle stehen, um dort ein Taxi zu nehmen, ließ einen von ihnen kalt. Ständig rief er Taxi, Taxi. Irgendwann rief ich im selben Ton Taxi, Taxi, Taxi zurück. Die Kinder und selbst Christian griffen diesen Gegenangriff auf und zu viert riefen wir durcheinander Taxi, Taxi, Taxi. Der Mofa-Taxi-Fahrer muss sich total verarscht vorgekommen sein, immerhin lachten auch einige umstehende Menschen über die groteske Situation: Eine fünfköpfige Familie an einer Bushaltestelle, die es tatsächlich vorzieht, in einen Bus einzusteigen, anstatt sich zu fünft, mit schweren Rucksäcken hinten auf ein Mofa-Taxi zu setzen.
Der Bus in die Innenstadt füllte sich zunehmend. An einer Haltestelle stürmte eine riesige Horde hysterisch schreiender Schulmädels auf den Bus zu und versuchte vollständig in den Bus zu kommen, was sie zu unserer Verwunderung auch schafften. War das eng! An den folgenden Busstationen ließ der Busfahrer schon keinen mehr rein, aber irgendjemand schaffte es dennoch immer noch zuzusteigen. Mit sehr, sehr viel Mühe schafften wir es an der gewünschten Stelle uns und unser Gepäck aus diesem Bus wieder heraus zu bekommen. Wäre es kein AirCon Bus gewesen, hätten wir das Fenster als möglichen Ausstieg in Betracht gezogen. So kämpften wir uns mitsamt der Kinder und den Rucksäcken unter lautem Gegröle der Schulklasse zur Tür durch.
Auf dem Weg zum Bahnhof dann nahmen Lydias Sehnenschmerzen im Unterschenkel so stark zu, dass ich ihren Rucksack übernommen und auf den Bauch gezogen habe. Ernsthafte Sehnenprobleme konnten wir jetzt echt nicht gebrauchen.
Am Bahnhof hatten wir einige Orientierungsprobleme, das richtige Nümmerchen für den sofortigen Reiseantritt innerhalb von zwei Stunden zu ziehen. Das ist in Hanoi alles etwas komplizierter als in den Provinzbahnhöfen, die wir bisher genommen haben. Es gibt nämlich Nummern, die länger warten müssen als andere, je nach Knopf, den man beim ziehen des Zettels drückt. Natürlich hatten wir zunächst die falsche Nummer und die Zeit lief uns davon. Dann bekamen wir aber doch noch rechtzeitig unsere Tickets für den Nachtzug nach Hue für 320.000 Dong je Erwachsenen und je 160.000 Dong für Lydia und Josua. Wenn das nicht mal alles Reibungslos ineinander gegriffen hat. Wir hatten ja schon damit gerechnet, noch eine Nacht in Hanoi bleiben zu müssen.
Nochmal zur Erinnerung die Verkehrsmittel des heutigen Tages: Taxi, Boot, Linienbus, Langstreckenbus, wieder Linienbus, Bahn.
Und jetzt ging es Umstandslos heim in den sympathischen Süden Vietnams.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 13.September2008
Endlich wieder im Süden (Hue, Vietnam)
Für Florian hätten wir nichts mehr zu Essen kaufen brauchen. Was der nicht alles zugesteckt bekam. Von Obst über Wurst bis hin zu ganzen Milchpulverpackungen war diesmal alles dabei.
Und diesmal hatten wir für die Zugfahrt unsere Fliesjacken ausgepackt, so dass die eiskalten Temperaturen gut erträglich waren. Man bekommt ja für die Nacht immer noch eine Decke gereicht und am Morgen gibt es kleine Wasserflaschen zum Zähneputzen. Was muss, das muss.
Der Weg zu unserem Hotel war anstrengend, da Lydia humpelte und ich ihren Rucksack tragen musste. Der ist auch nicht ganz leicht und Josuas neue Hose rutschte die ganze Zeit.
Im Hotel angekommen wurden wir begeistert empfangen und die erste Frage war natürlich, ob es Florian denn wieder besser ginge. Die Familie, die das Hotel betrieb, hatte Florian ja nur im kranken Zustand bis jetzt gesehen. Der grinste jetzt aber fröhlich vor sich hin und wurde sofort genommen und mit der gleichaltrigen Urenkelin bespielt.
Ansonsten hatten wir heute nicht mehr viel gemacht, außer gierig über unseren vermissten Reis mit Gemüse und Ei herzufallen, den es hier so gut gab. Genauso wie der Kaffee, der wieder genossen werden wollte. Und wie überall in Hue wurden wir auch in unserem Stammrestaurant (Phuong Nam Cafe, 38 Tran Cao Van, Hue) als erstes nach Florians Gesundheit gefragt und alle waren ganz begeistert, ihn mal in einem heiteren Zustand zu erleben.
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| A picture for the gods. (Hue, Vietnam) |
Es ist immer lustig, an einen Ort nochmal zurückzukommen, da es wirklich was von nach Hause kommen hat. Jetzt hatten wir noch ein paar Tage Pause und dann sollte es nach Laos über den Grenzübergang bei Lao Bao gehen.
Jetzt werden einige sagen, dass man doch auch weiter im Norden über die Grenze hätte gehen können, dann müsste man nicht wieder soweit in den Süden. Das stimmt, aber die nördlichen Grenzen sollten der Horror sein. Lao Bao soll schon der einfachste von all den Grenzübergängen sein. Außerdem müsste man in Laos dann vom Norden in den Süden runter reisen und dann wieder ein Stück nach Norden, um dann nach Thailand zu kommen. Uns erschien die Bahn auf der vietnamesischen Seite praktischer und komfortabler, um diese Strecke zurückzulegen. Jetzt starten wir relativ weit im Süden von Laos und können uns dann nach Norden hocharbeiten. Aber im Prinzip ist es wohl egal.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 14. September 2008
Ruhe (Hue, Vietnam)
Hue war so angenehm entspannend. Das wildeste, was hier einem passieren konnte, war ein galoppierender Bulle, der einem auf dem Weg zum Supermarkt entgegenstürmte.
Im Moment war hier Mondfest oder so etwas ähnliches. Abends lagen ganze Straßenzüge flach, da riesiege Gruppen von Trommlern diese blockierten und Höllenlärm machten. Derweil tanzten vor allem Kinder mit diesen Drachenkopfkostümen zu dem Getrommel.
Unsere schulischen Unterweisungen waren heute mal richtig erfolgreich. Josua durfte sich ein Buchstabenmemory basteln und Lydia schaffte es zunehmend, sich alleine mit neuen Themen zu befassen und die dazugehörigen Aufgaben selbständig anzugehen. Wir waren ganz begeistert. Das war vor ein paar Wochen noch undenkbar.
Die Guest-Haus-Familie war total süß und rührend, mit all ihrer Fürsorge für Flo. Ihr kleines Mädchen, welches ja im selben Alter wie Florian war, musste wie viele vietnamesische Babys die ständige Milchprozedur über sich ergehen lassen. Ich hatte sie noch nie gesehen, wo sie nicht gefüttert wurde. Die ganze Zeit wurde sie herumgetragen und jemand lief mit einer Spritze hinterher und versucht die Milch in das arme Wesen zu bekommen. Das die dabei noch so schlank und zierlich war, wunderte mich.
Florian hatte für sich das Laufen mit einem vor sich her geschobenen Stuhl entdeckt und lief jetzt wie ein Besengter die Terrasse hoch und runter. Das war immer so süß zu beobachten, wenn er den Stuhl vor eine Wand schob, wie vorsichtig er sich dann um den Stuhl herum hangelte, um dann wieder in die andere Richtung zu laufen.
Während in der ersten Woche Hue nur Franzosen dort unterwegs schienen, scheint jetzt die Saison für deutsche Traveler Kids zu sein. Anders kann man das echt nicht bezeichnen. Wir waren ja quasi genötigt beim Essen das Aufeinandertreffen von geschlechtsgetrennten Gruppen zu beobachten und diese unglaublichen Gespräche mit zu verfolgen. Das tollste waren aber die coolen Jungs, die die Mädels in so 'ne ganz tolle Bar außerhalb der Stadt mitnehmen wollten. Wir mussten uns das Grinsen ja echt verkneifen, als berichtet wurde, dass da total nette vietnamesische Mädels in der Bar waren, die sich so nett mit den Jungs unterhalten haben. Es handelte sich dabei wohl um eine Karaokebar. In Vietnam wurde Karaoke synonym für Bordell benutzt, so zumindest der Informationen die wir hatten. Ob die Mädels dann ebenfalls so begeistert von dem Etablissement gewesen sind, haben wir leider nicht mehr erfahren.
Interessant fanden wir, dass ganz viele deutsche Medizinstudenten in Hue ihre Fabulatur machen. Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet Hue dafür so ein Anlaufpunkt ist.
[Ganz Hoch] [Ganz Runter] [Hoch] [Runter] 16.September2008
Sonne und Strand (Hue, Vietnam)
Da ich zum wiederholten male beim "Department of Nutrition" meine Ansprechpartnerin verpasst hatte, habe ich es heute Morgen nochmal versucht. Diesmal war ich erfolgreich und die Institutsleiterin hatte sich etwas Zeit genommen, mir etwas über ihre Forschungsprojekte zu erzählen. Sie schien ganz angetan zu sein von meinen Nachfragen und fand die Idee ganz toll, mich in ihr Team aufzunehmen.
Auf jeden Fall habe ich wieder einige Visitenkarten mehr und somit konkrete Ansprechpartner.
Da wir in Hue bis jetzt kaum was gemacht haben, außer uns erholt, musste heute unbedingt noch ein Tripp zum circa 15 Kilometer entfernten Strand her. Mit dem Fahrrad ging es durch die sengende Sonne, die uns dann auch entsprechend verbrannt hat zum Strand. Unterwegs fiel Christians Schutzblech ab und wie aus dem Nichts tauchte jemand mit einem Draht auf und schon war das Fahrrad repariert. Der offizielle Thuan An Strand war eine blöde aneinander Reihung von Restaurants und Leuten, die in ihren Restaurants hingen und uns als einzige Anwesende schon wieder anschrien "Yo! Yo!" und dann auch noch Parkgebühren für die Fahrräder wollten.
Wir sind dann zu dem im Netz empfohlenen Strand etwas weiter südlich gefahren.
Wenn man den Müll im Kiefernwald hinter dem Strand ausblendete und in Richtung Meer schaute, dann war dieser Strand ein absoluter Traumstrand. Kilometer weißer Sand mit kristallklarem Wasser und keine Menschenseele, außer ein paar einsamen Fischerbooten, die dem Strand eine wildromantische Note gaben.
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| Just us at the beach. (South of Thuan An beach, Vietnam) |
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| And some lonley boats. (South of Thuan An beach, Vietnam) |
Mal von der recht langweiligen und auch verhältnismäßig anstrengenden Radtour auf diesen unbequemen chinesischen Rädern abgesehen war die Tour echt schön. So haben wir dann doch noch ein bisschen von Hues Umgebung zu Gesicht bekommen.
Derweil sucht Christian das Loch in einer unserer Isomatten. Echt ärgerlich, wie schnell die doch kaputt gehen können. Auch unser klassischer deutscher Stoffbeutel hat etwas gelitten, so dass ich ihn nähen musste. Eigentlich wollte ich den Beutel ja gar nicht mitnehmen, aber mittlerweile ist es einer unserer wichtigsten Reisemittel, da er stabil genug ist, die Wasserflaschen während der Transporttage zu halten. Etwas, was Tüten nicht können.
Am Abend sind wir in unserem Guest-Haus zum ersten mal über Traveler gestolpert, die dort länger als für eine flüchtige Nacht waren. Aus irgend einem Grund kommen immer ganz viele Leute sich die Zimmer anschauen, um dann doch woanders hinzugehen. Das Guest-Haus ist alt, ohne Frage, genau wie die Besitzer, aber das macht es ja so sympathisch im Gegensatz zu den sterilen Minihotels, die zwar mehr Luxus bieten aber weniger Atmosphäre.
Das Pärchen reiste gerade auf dem Landweg von Europa nach Australien. Auch sie waren der Ansicht, dass die wirklich interessanten Traveler die man so trifft viel, viel älter sind. Wahrscheinlich hat man erst mit über sechzig die nötige innere Gelassenheit, sich wirklich auf die Dinge einzulassen.
Ich leide ja nachhaltig darunter, dass man auf einer Reise immer nur winzige Aspekte und Ausschnitte. Und so gut man sich auch mit Händen und Füßen unterhalten kann, es bleibt immer ein Mangel an Kommunikation, welchen man dann mit Mutmaßungen und wahrscheinlich auch mit europäischer Sichtweise zu füllen versucht um das Unverständliche verständlich zu machen. Das ist echt misst.
Deshalb sind für uns die Atmosphären mittlerweile unser Hauptreiseziel. Es geht gar nicht mehr so sehr darum, alles zu sehen. Ich möchte alles fühlen. Problem ist dabei, um Dinge zu erfühlen, muss man länger an einzelnen Orten verweilen, womit dann keine Zeit für andere Orte mehr bleibt. Das ist sooo schade.
Fazit Vietnam:
Vietnam war ein unglaublich schönes Land. Es geizte nicht an optischen Reizen. Dazu kam eine unglaubliche Kinderfreundlichkeit, die uns des öfteren Dinge hat zukommen lassen, welche uns als Alleinreisende vielleicht verschlossen geblieben wäre. Des weiteren kam, dass Kinder stark vor den unangenehmen Anquatschern, Schleppern und Mofa-Taxis schützten. Wir haben Vietnam nicht annäherungsweise so extrem empfunden, wie es im Führer beschrieben wurde, noch wie uns Kambodscha erschien. Wobei dies auch der immer währenden Lernkurve geschuldet sein könnte. Außer der Norden, der trotz Kinder unglaublich anstrengend war. Aber auch hier muss ich einschränkend hinzufügen, dass man auch einfach Pech haben kann, zur falschen Zeit, am falschen Ort zu sein.
Wir können nur sagen, der Süden war für uns einfach Spitze.
Mit der Zeit schaut man sich in die Länder hier ein. Man ist nicht mehr total hin und weg, wenn an einer Bahnschranke eine chaotisch angesammelte Masse an Mofas, Bussen und Frauen mit Spitzhut und ihren Körben an Stangen auf den Schultern stehen. Das muss so, sonst wären wir ja nicht in Südostasien und jedes andere Bild würde seltsam wirken. Obwohl "die Vietnamesen" den Ruf haben, sehr geschäftstüchtig zu sein, was sie ohne zweifel sind, ist es für uns dennoch gelegentlich schwer zu verstehen gewesen warum eine auftauchende Geschäftsidee dutzende male kopiert werden muss. Es gab das x-te Minihotel, das x-te Lädchen und das x-te Restaurant, welches exakt das selbe anbot, wie die 10 anderen in der Straße auch schon tun. In Halong City war es so gravierend, dass wir nur noch kopfschüttelnd daneben standen. Anstatt dass sich all die unzähligen Bootbesitzer mit ihrem absolut identischen Tourangeboten für die Nebensaison zusammen tun, fahren rund 20 Boote gleichzeitig mit gerade mal 2-5 Personen los. Als Erinnerung, die Boote hatten Kapazitäten von rund 50 Passagieren. Mmm?
Ich wollte noch im Bezug auf den Transport in Vietnam sagen: Wir sind hervorragend ohne die Open-Tourbusse gefahren. Es war bestimmt nicht die billigere Variante, aber definitiv die aufregendere und flexiblere. Des weiteren haben wir uns damit auch das Theater des Kommissionssystems erspart, auf dem die Open-Tourbusse wohl basieren.
Und wenn jemand wirklich ein typisches Souvenir aus Vietnam mitbringen möchte, der sollte sich einen Stoffmundschutz, die hautfarbenden Handschuhe, die bis zum Oberarm gezogen werden und die gleichfarbigen Strümpfe dazu besorgen. Das war das wirkliche Straßenbild des Vietnams, welches wir besucht haben. Die Mädels wollen angeblich nicht braun werden.
Fazit von Lydia:
Vietnam war schön, weil es so viel aufgeräumter war als Kambodscha und weil ich die Leute nett fand. Im Norden wurden sie dann aber immer unfreundlicher, aber die Baguettes in Hanoi waren wieder gut, im Gegensatz zu Hue. Dalat fand ich schön, weil es einfach schön war. Mit Hue waren das die besten Städte in Vietnam. Saigon war auch toll, weil ich das erste mal Kaffee trinken durfte.
In Hue war das Guesthouse so nett, da wir da ganz viele Spiele spielen konnten, das Essen gut war und sonst war Hue unspektakulär. Es war toll, dass Carmen uns zum Schwimmen eingeladen hat.
Die beste Busfahrt hatten wir von Saigon nach Dallat, weil der Buscowboy so wahnsinnig gefahren ist.
Quy Nohn war nicht so toll, wegen des blöden Hotels, wo wir ständig ausgeschimpft wurden und einmal sogar mit dem Besen verscheucht wurden. Der Stadtstrand war ganz nett und der, der Geld gekostet hat, war der schönste.
In Pleiku war es gut, weil wir dort Sandalen gekauft hatten.
In einer der Höhlen in der Halongbucht waren Geodäten unterwegs und die Decke ist mit Beton bearbeitet worden.
Fazit von Josua:
Ich fand Saigon ganz schön von der Stadt. Da konnte man in den großen Parks so rumlaufen, das war schön. Dalat fand ich auch ganz toll, aber die Baguettes nicht so. Hue, da fand ich die Baguettes auch nicht so gut, dafür gab es ganz große, leckere Portionen zum Mittag und Abendessen. Den Swimmingpool in Hue fand ich ganz gut. In Vietnam fand ich alle Städte gut, außer die Städte, wo wir nur noch Baguettes essen konnten (Hanoi), weil alles andere so teuer war.
Das Boot auf der Halong Bucht fand ich ganz neckisch. Die Höhlen waren ganz gut, weil die so riesig waren und der Berg, um den wir rumgefahren sind, war ganz groß.
Noch mehr spielen um die Welt
In Hanoi haben wir nicht wirklich was gespielt.
Josua hat entweder Polizist oder Ritter gespielt und ist diese verwinkelten Treppen hoch und runter gelaufen.
In Chai Bai haben wir so getan, als ob wir Detektive wären und haben die Leute von der Treppe aus beobachtet.
Hue die 2.: Genau das selbe wie in Bai Chai. Nur mit viel rennen, da wir uns als magische Figuren immer bekämpft haben.